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Keinen einzigen

Wenn wieder einmal ein Monat vergangen war, trafen wir uns stets irgendwo auf der Straße wieder, niemals beabsichtigt, niemals gewollt, und doch stets mit dem freudigen Lächeln im eigenen Gesicht, als hätte man den anderen vermißt.

Nach kurz gehaltenen Grußworten fanden wir uns schnell im ewig gleichen Gespräch wieder. Das heißt, eigentlich redete er, blies seinen trüben Monolog in die Unnahbarkeit, die zwischen uns lag, als könnte uns das Übel der Welt verbinden, zu gemeinsamen Streitern im Kampf gegen das Böse werden lassen.

Die Charaktere seiner Erzählung wechselten, besuchten zuweilen andere Drehorte, spielten andere Genres; doch stets lag über seinen gesprochenen Worten ein finsterer Hauch, als stünde jedes menschliche Wesen gegen ihn geheimem Bunde.

Und wenn dann, während wir wie alte Vertraute, die wir niemals sein würden, den Weg entlangschlenderten, der letzte Tropfen Schwarz von seiner Zunge perlte, hinterließ er ein Schweigen, das mich aufforderte, meine Worte suchte, Worte, die seinen gleichen, nur meine eigene Welt, meine eigene trübe Geschichte berichten sollten.

'Vielleicht gehört es sich nicht zu sagen, alles sei in Ordnung.', dachte ich oft.
'Vielleicht ist es unschicklich, mit der eigenen Zufriedenheit zu prahlen, sie überhaupt zu erwähnen, da man den Neid des anderen heraufbeschwören, seinem schweren Schicksal ohne den nötigen Respekt begegnen würde.
Vielleicht...'

Mein Mund blieb verschlossen. Kein Gedanke brannte in meinem Kopf, wollte sich in Worte pressen lassen. Es war, als hätten die geheimen Verschwörer einen Gehirnsauger erfunden und mir jede einzelne Silbe aus dem Schädel gelöscht.

Dann sah er mich stets an, sich allmählich der Pause im Redefluß bewußt werdend, und fragte:

"Und? Was hat dir den Tag versaut?"

'Nichts!', dachte ich oft, doch schwieg.
Ich kannte keinen versauten Tag. Keinen einzigen.

[Im Hintergrund: The Sisters Of Mercy -"First And Last And Always"]

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