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Menschen 21: Geflüstert, gefaltet, verloren

Hinter mir stehen zwei Frauen an der Kassenschlange: Mutter und Tochter. Die Tochter, die selbst längst Mutter ist, zählt ihre Weihnachtseinkäufe auf, erklärt, wer warum welche Geschenke erhalten wird. Plötzlich senkt sie ihre Stimme:
"Der Bademantel hat nur acht Euro gekostet."
Es war fast, als schämte sie sich ihres Preisbewußtseins, als wäre es verpönt, Sonderangebote zu nutzen.

Im Elektrofachmarkt beobachte ich einen Mann, der versucht, mit einer Verkäuferin zu flirten, indem er das vor ihr stehende "Sie hören gerade"-Album von Xavier Naidoo in die Hand nimmt, auseinanderfaltet und betrachtet, während sie begeisterte Kommentarfluten über die Musik in seine Richtung entläßt. Als der Wortschwall verebbt, versucht der Mann vergeblich, das Album wieder ordnungsgemäß zusammenzufalten, schafft es auch nach mehreren Anläufen nicht, den Anfangszustand wiederherzustellen, knickt es dann so, daß es in seinen Augen richtig aussieht, und verabschiedet sich. Mitleidig betrachte ich das Ergebnis seiner Bemühungen: schmerzhaft falsch gefaltet und verdreht - im Namen der Liebe..

An der Tür der Straßenbahn steht ein kleines Mädchen mit rosa Schal und weißer Wollmütze. Es starrt mit großen Augen zu mir herauf, schenkt mir ihr vollstes Interesse. Die Bahn hält, und das Mädchen steigt an der Hand ihrer Mutter aus. Ihre Blicke lassen mich nicht los, betrachten mich bewundernd, fragend. Auch ich trete ins Freie, sehe ihr nach. Im Haltestellenmenschgewimmel verliert sie mich, und während ihre Mutter sie eilig hinter sich herzieht, streifen ihre Blicke durch die Gegend, auf der Suche nach mir, der nicht weiß, warum.

[Im Hintergrund: Janus - "Winterreise"]

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