Samstag, 31. Januar 2009

Abschottung

Obgleich ich mich bereits der Exmatrikulation unterzog, bin ich noch immer Student. Zumindest für die Mageburger Verkehrsbetriebe, deren Semesterticket ich mit zusammen dem halbjährlichen Semesterbeitrag erwarb. Damals, als ich noch studierte. Bis Ende März ist es mir also gestattet, die öffentlichen Verkehrsmittel Magdeburgs zu nutzen, ohne eine zusätzliche Fahrkarte erwerben zu müssen. Bis Ende März darf ich also Musik hörend und lesend in geheizten Bahnen von A nach B fahren, wobei B im heutigen Fall für "Bibliothek" stand, dem Ort, von dem ich Philip Roths "Der menschliche Makel" entlieh, das ich anschließend, auf der Fahrt von B nach C, zu lesen begann, ohne mich bezüglich möglicher Kontrolleure zu sorgen.

Als ich meine Innenstädtereien hinter mich gebracht hatte und nicht nur nach C, sondern auch nach D und E gefahren war, beschloss ich, die nächstbeste Straßenbahn zu besteigen, die mich gen Heimat befördern würde. Den eisigen Temperaturen trotzend hatte ich mich tief zwischen Kleidungsschichten versteckt und mit zusätzlicher musikalischer Ohrbefüllung einen Status großflächiger Abschottung erreicht, als die Bahn sich der Haltestelle näherte, sich die Türen öffneten und dem Gefährt eine Menschenmenge entstieg.

Ein Südeuropäer hielt mir im Vorbeigehen einen Zettel entgegen. In Sekundenbruchteilen glaubte ich eine Fahrkarte auszumachen und hinter meinen Kopfhörerklängen die Frage zu erkennen, ob ich denn ein Ticket bräuchte. Als ich meiner Verwirrung entkommen war und ablehnend mit dem Kopf geschüttelt hatte, trennten uns bereits anderthalb Meter. Er zuckte mit den Schultern, und ich stieg ein.

'Meine Abschottung funktioniert nicht.', dachte ich, einen Sitzplatz findend. 'Und anscheinend sehe ich aus, als würde ich eines Fahrscheins bedürfen, als würde ich sonst schwarz fahren.' Ich prüfte im Kopf mein Äußeres, fand nichts Ungewöhnliches und beschloss, mein Buch im Rucksack zu lassen. Schließlich musste ich an der nächsten Haltestelle umsteigen.

Statt dessen beobachtete ich den unlängst installierten Fahrkartenautomaten. Beziehungsweise eine ältere Dame in Leopardenkunstpelz, die in Begriff war, dort einen Fahrschein zu erwerben.

Ich war gespannt: Würde die vermutlich nicht eben technikaffine Frau es schaffen, bis zur nächsten Haltestelle einen Fahrschein erworben zu haben? War die Automatienmenüführung unkompliziert genug, um Regulärbürgern eine einfache Nutzung zu ermöglichen?

Die Dame tippte ein paar Mal auf den Bildschirm und warf dann Geld ein. 'Das ging ja schnell!', staunte ich, dann sah ich sie zögern. Sie blickte mich an und sagte irgendetwas. Ich hörte nichts, rupfte mir die Musik aus dem Schädel.
"Kennen Sie sich hiermit aus?", fragte die Dame, und obwohl ich mit diesen Automaten im Speziellen noch nie zu tun gehabt hatte, stand ich auf.

'Verdammt!', dachte ich, 'Hätte ich doch vorhin das kostenlose Ticket angenommen. Dann könnte ich es ihr einfach in die Hand drücken.'

Der Automat meinte, dass ihm Geld fehle. 50 Cent. Bevor ich etwas sagen konnte, hatte die Dame ihren Fehler gefunden: Anstelle einer Kurzfahrkarte hatte sie eine reguläre geordert, aber nur Geld für die billigere Kurzfahrkarte eingeworfen. Ohne zu zögern korrigierte sie ihre Bestellung. Dann drehte sie sich zu mir um und lächelte.
"Danke für Ihre Hilfe."
Ich schmunzelte. "Ich habe ja nun nicht wirklich viel getan."

Als das Ticket den Automaten verließ, näherte sich die Bahn meiner Umsteigehaltestelle. 'Meine Abschottung funktioniert nicht.', dachte ich erneut, doch es war mir egal.

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