Montag, 9. Juni 2008

Defekt IV

Es ist durchaus erschreckend: Ich bin es mittlerweile gewöhnt und erachte es für wenig außergewöhnlich, an Telefonhotlines mit einem sich nur undeutlich artikulierenden Gesprächspartner verbunden zu werden. Ich bin es gewöhnt, unfreundlich behandelt, abgefertigt, zu werden und zurückzubleiben mit dem Gefühl, an meiner Misere selbst Schuld gewesen zu sein. Ich bin es gewöhnt, nach unsummigen Telefonaten aufzulegen und festzustellen, dass diese rein gar nichts erwirkt haben.

Umso mehr überraschte es mich heute morgen, als ich bei meiner Hallenser Sparkassenfilile anrief und nach angenehmer Coldplay-"Clocks"-Wartschleifenmusik erstaunlich rasch eine nicht nur gut verständliche, sondern auch zuvorkommende und hilfreiche Mitarbeiterin vernahm, die mich sogleich an einen Mitarbeiter weiterleitete, der imstande wäre, meinen Fall zu bearbeiten. Erneut kamen in mir Zweifel an der Telefonverbindung, als die Wartschleifenmusik durch Warteschleifenstille ersetzt wurde, doch dann knackte es leise, und eine männliche Stimme nahm sich meiner Sorgen an: Ich hatte unlängst meine EC-Karte sperren müssen, weil diese in einem Fahrkartenautomaten hängengeblieben war. Doch nun, nach ein paar Mühen hatte ich die Karte zurückerhalten und wünschte nun, dass sie wieder entsperrt werde. Leider würde sich das als schwierig erweisen, weil ich - im Gegensatz zum Konto - nicht in Halle sei.

Und nun begann die Fragerei. In rascher Abfolge nannte ich dem Sparkassenmitarbeiter allerhand persönliche Daten, darunter Konto- und Personalausweisnummer, die nicht zuletzt dafür gedacht waren, mein Ichsein zu bestätigen. Und kaum hatte ich die letzte Information gegeben, wurde mir schon ein Erfolg gemeldet. Die Karte sei nun entsperrt, vernahm ich, und ich war verblüfft. So einfach kann es manchmal gehen, dachte ich, freute mich wie ein norwegisches Stachelkänguruh, bedankte mich und legte auf. Dann erst wunderte ich mich:

Sicherlich, meine EC-Karte war nicht gestohlen worden; nur ein funktionsverweigernder Automat hatte sie verschluckt. Sicherlich, ich hielt die Karte in meinen Händen, und sie konnte kaum mehr missbraucht werden. Sicherlich, ich hatte allen Grund zur Freude. Doch war die Entsperrung nicht zu einfach gewesen? Denn was, fragte ich mich, wäre denn geschehen, wenn ich nicht ich, sondern ein heimtückischer, höhnisch grinsender Dieb gewesen wäre und zuvor ein Portemonaie mitsamt zahlreicher ausweisiger Inhalte geraubt hätte? Wenn ich nun versuchen würde, die Karte zu entsperren, indem ich eine Lügengeschichte auftischte und diese mit der in den Geldbörse gefundenen persönlichen Daten untermalte? Welche Informationen, die der Sparkassenmitarbeiter von mir wünschte, wären denn nicht aus meinen Ausweisen erfahrbar gewesen?

Rasch beschloss ich, diesen unangenehmen Gedanken zu verdrängen und den Hilfreichtum und die Freundlichkeit Hallenser Sparkassenfilialangestellter und meine erneut funktionstüchtige EC-Karte zu lobpreisen und anschließend eine weitere Mail an die Deutsche Bahn zu verfassen, um höflich, aber bestimmt darauf hinzuweisen, dass ich meine umfangreichen und unfreiwilllig angehäuften Störstellentelefonkosten noch immer ersetzt zu werden wünschen.

Die ganze Geschichte: Teil I, Teil II, Teil III, Teil V

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