Seelensplitter

Freitag, 19. Januar 2007

Ozean

'Fang mich!'
singt der Ozean
ich öffne alle Arme
vom Himmel stürzt ein wogend Blau
mir strömend sanft entgegen

ich fange
halte
halte still
als feuchte Flut die Hand benetzt
als zwischen weißgepreßten Fingern
ein Meer
ein Licht
ein Sinn
entsteht

'Fang mich!'
singt der Ozean
ich lächle stumm und halte
in meinem Arm
in meiner Hand
ein Blau aus sieben Himmeln

und wuchernd drönt der Wellen Schlag
mit Schaum an die Gestade
die Flut erwacht an meiner Brust
erbauend tausend Türme

in meiner Hand erwacht der Tag
Geschichten summen leise
von Salz und Tang
von Endlosblau
und Gutem
das da werde

'Fang mich'
singt der Ozean
mein Lied versinkt in seinem
er schwillt und wächst in meinem Arm
und reißt die Tränen fort

die Flut umspült mich
fängt mich ein
das Meer ertränkt die Sinne
und Gischt erhellt mein lachend Haupt
und Naß erqickt die Seele.

Das weite Blau aus meiner Hand
quillt rasch und licht zu Wellen
und jede Woge
jede Flut
reißt mich vom Nichts ins Sein.

[Im Hintergrund: Empyrium - "A Retrospective"]

Freitag, 1. Dezember 2006

hauch

und es wölkte sich in watteblasen
zitterflüstern aus dem sinn
hauchgebährend, formen suchend
deinen namen zu ertasten

und mit lautbefreitem silben
schweigend lichte worte malend
und mit lächelsüßer stille
tonlos rufend dein zu sein.

und ich ernte silberlippen
atemlos erblinde ich:
wisperecho deiner zunge
das entfacht
was längst dir glomm.

Mittwoch, 11. Oktober 2006

frag mich

frag mich nicht! ich werde lügen
lächelnd schüttelt sich mein haupt
wirbelt worte aus den haaren
fang sie auf
denn keins ist wahr

frag mich nicht! ich werde lügen
werde schmunzelnd phrasen malen
schillerseifenblasenspiele
die zerplatzen
wenn du gehst.

Donnerstag, 5. Oktober 2006

am ende eines sommers

irgendwo verliert sich deine spur
ausgetretene feldwege kreuzen meine blicke
goldgelbe ähren bilden sonnenfelder
ein wind durchstreift mein denken
ich lächle
folge dir.

dein duft schwebt in den wolken
ich springe hoch und jauchze
gelassen stöber ich durch bunte welten
mein lachen wellt sich von mir fort
doch findet nichts.

lieder gleiten von den rauschenden wipfeln
ein regenmeer plätschert fröhlich auf meine sinne
ich laufe fort, dir hinterher
in der ferne erkenne ich gestalten
doch keine hat flügel.

was soll ich noch hier?, flüstert mein herz
und eilt, dem lauen windhauch folgend
ein glitzern kühlt mein lachendes auge
am horizont erscheint ein traum
und ruft mich leise.

von den bäumen purzeln bunte blätter
erzählen heitere geschichten von dir
ich kann dich nicht finden, doch erinnere mich
die nackten füße stolpern über weiches gras
ein käfer setzt sich auf meine hand
begleitet mich.

was soll ich noch hier?, flüstert mein lachen
es nimmt reißaus, entkommt mir nicht
ich kann den weg längst nicht mehr sehen
doch folge dir, durch wald und hain
ins irgendwo.

dein lächeln klebt an meinen ohren
zeigt mir den weg durch die gezeiten
in den feldern raschelt ein flüstern
nennt deinen namen, immer wieder
ich höre ihn nicht.

jeder atemzug pulsiert wie glut in meinen lungen
was soll ich hier?, frag ich verwirrt
und plötzlich schweigt dein stilles lachen
ich bleibe stehen, find dich nicht länger
die richtung bleibt verborgen.

herr meiner sinne setze ich mich nieder
das feld rauscht trübt und einsam
sonnenstrahlen verkriechen sich hinter grauen wolken
der wind färbt sich mit kälte
wo bist du?, flüstere ich.

die erinnerung bleibt - in seligem glitzern
die antwort jedoch verhallt im regen
längst verließ mich mein begleiter
ein name weht hinfort
und auch mein licht.

Ein Gedicht, das ich schon vor wzei Jahren schrieb und heute wiederentdeckte. Da es meiner Stimmung entspricht und mir zudem auch noch immer gefällt, kramte ich es wieder hervor und fügte ich es an dieser Stelle ein.

Dienstag, 25. April 2006

Hauchdünn

Und als sie sich verabschiedet, schlägt ihre Stimme über, zittert unmerklich, läßt sie den Hörer schnell auflegen, damit ich nicht merke, daß ihr plötzlich Tränen in die Augen schießen, daß die Gelassenheit des vorangangenen Gesprächs nur mühsam erarbeitet, hauchdünn, war und unter ihr die Angst vor dem Kommenden lauert.

Und ich, der eben noch beruhigend lächelte, meine Zuversicht in Worte preßte und durch die Leitungen schickte, sitze plötzlich neben dem Telefon, unsicher, mit Tränen in den Augen und Schatten der gleichen Angst im Herzen.

Montag, 27. Februar 2006

Zweigeteilt

Neulich, in einem Gespräch, entdeckte ich, daß ich aus zwei Teilen bestehe. Ich war inmitten tiefster Prüfungsvorbereitungen und -ängste, und konnte nicht umhin, mein Leben aus diesem Aspekt zu betrachten.

Teil 1 meines Selbst war der eifrig Lernende, derjenige, der sich hinsetzte und mit Geduld und Mühen versuchte, Unverständliches nachzuvollziehen und sich einzuprägen. Teil 2 sollte eigentlich Teil 1 beim Lernen helfen, doch tat es nicht. Teil 2 sehnte sich danach, Ablenkungen nachzugehen, sich vor der Wichtigkeit des Zukünftigen zu drücken, wollte Dinge erleben, sich kreativ betätigen, wünschte zu fliehen, irgendwo anders zu sein, mit Freunden, mit Erlebnissen, mit einem "echten" Leben.

Derlei Ausschweifungen gestattete ich mir natürlich nicht. Ich hatte zu lernen und versuchte, beide Teile meiner selbst davon zu überzeugen. Doch Teil 2 drückte sich.
Und so fand ich mich immer wieder beschäftigt mit irgendwelchen Kleinigkeiten, mit minimalen Aufräumarbeiten, mit Internetspielchen, mit Emails, mit Oberflächlich-Interessantem. Und so dehnten sich meine Lernpausen zuweilen aus, meine ohnehin geringe Motivation verlor sich während der Flucht des zweiten Teils meiner selbst.

Wenn ich mir Teil 2 betrachtete, so stellte ich fest, daß er eigentlich leer war. Sicherlich war ich zu jedem Zeitpunkt beschäftigt, zu jedem Zeitpunkt erfüllt [und sei es nur von Furcht], zu jedem Zeitpunkt fern von Langeweile. Doch alles, was ich tat, ergab unter dem Strich, in seiner Summe, nichts. Nur Leere blieb, nichts Dauerhaftes, nichts von Bestand, nichts von Nutzen.
Der zweite Teil, der sich nach Angenehmem sehnte, das ihm verwehrt wurde, der sich mit Überflüssigem beschäftigte und sich weigerte, sich dem Lernen anzuschließen, bestand letztendlich nur aus Leere. Ich, der sich als zweiteilig definierte, bestand auf einem Teil Lernen und einem Teil Leere.

Natürlich fühlte sich das nicht gut an. Tatsächlich glaubte ich, abseits des Lebens zu hausen, irgendwo dahinzuvegetieren, alles Denken auf einen Zeitpunkt in der Zukunft ausgerichtet zu habes, auf einen fernen Moment, in dem mein Erlerntes von Bedeutung sein würde. Ein Danach gab es nicht, keine Möglichkeiten, die nach dem Prüfungstermin existierten.
Ich verwehrte mich Gedanken, die Pläne schmiedeten, die die Nachprüfungszeit bereits auszumalen, mit Tätigkeiten zu befüllen versuchten. Der zweite Teil von mir mußte, wenn er sich schon nicht dem ersten anschließen konnte, leer bleiben, unbehelligt von verlockenden Zukunftsaussichten, die möglicherweise schon jetzt begonnen werden könnten. Er mußte leer bleiben; ich mußte leer bleiben.

Nach Prüfungen fühle ich mich immer erleichtert. Es ist egal, ob ich bestehe oder nicht; es ist egal, ob das Prüfungsergebnissen meinen Vorstellungen entspricht oder nicht: Ich bin erleichtert. Die Leere in mir weicht schlagartig dem Bewußtsein, daß jetzt alles möglich ist, daß ich mich befreit habe, daß ich mich mit beiden Teilen meines selbst anderem als der ewigen Lernerei widmen kann, für einen Augenblick aufzuatmen vermag und wieder leben darf.

Die letzten Tage glichen für mich einem Wiederfinden meiner Selbst. Ich befüllte mich mit mir, kehrte zurück zu dem, was ich mag, fand mich wieder. Und immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich etwas zeichne oder schreibe, wie ich mich betrachte und freudestrahlend realsisiere, daß derartiges jetzt möglich ist, daß die die elende Leere in mir endlich verschwand, daß die zwei Seiten meiner selbst wieder eins sind.

[Im Hintergrund: Wintersun - "Wintersun"]

Montag, 6. Februar 2006

atemlos

im taschengrab längst leergefroren
die hand hält nur mein zittern fest
doch streckte ich sie - unbesonnen
dir entgegen, mir entfliehend
so küßte nur des winters wind
mir kälte auf die haut.

im geistesgrab längst sinnertrunken
mein mund sucht schweigend worte
und schrieb ich sie - mit letztem mut
in luft'gen atem zwischen uns
so sähest du mit blindem blick
nur bläßlich weißen hauch.

[Im Hintergrund: Tool - "Opiate"]

Freitag, 20. Januar 2006

innenwelt

keiner welt bedarf es noch
keines augenfremden außens
mich des daseins zu entbehren
chaos stets zu finden

keines weges taumle ich
mir den sinn zu suchen
keine ziele locken süß
zu verlieren mich

hinter lidern glimmt mir leben
ungefunden hängt es tief
netzverstrickt im wirrwarrinnen
blinzelt mir im abseits krank.

keines außenweltgefüges
keiner labyrinthenpfade
keines dorts bedarf es noch
zu verlieren mich
im ich.

[Im Hintergrund: Dementi - "Die Antwort"]

Montag, 21. November 2005

und dann

und dann

der tag
an dem das lächeln stehenbleibt
innehält
als wär es mein

der augenblick
in meinem kopf
als bild für
ewigkeiten

der tag
an dem das leben mich entfesselt
erfindet
als wäre es mein

für immer.

Dienstag, 1. November 2005

Das Schweigen aller Uhren

Als ich mich in deinem Lächeln
hoffnungsvoll verhedderte
die Wundgedanken fremder Zeit
durch Seelensonnen schredderte

Als ich fernen Sinnens mir
dein Angesicht ernahte
den Sturm aus deinem Augenblick
mit Silbenweiß bejahte

Als ich unterm Fragenmeer
versteckt die Antwort wagte
aus meinem Mund in stillstem Glanz
dein Name rankend ragte

Als die Blüte mich bestäubend
schlingend zart verzehrte
dich ersuchend der Moment
unvergänglich währte

Als ich in dir innehaltend
mir entkam und dir geschah
als ich - längst des Seins erblindet
zwischen Träumen dich ersah

aus dem Schweigen aller Uhren
dich gebar, zur Zeit erkor
ward mein Mittelpunkt gefunden
den ich liebte - und verlor.

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