Mittwoch, 27. Januar 2010

Wie du

"Ich wäre gern wie du.", sagte ich leise zu dem Elefanten, der sich nahezu lautlos an mich heranschlich. Doch meine Ohren sind groß, und ich bemerke viel. Der Elefant stank ein wenig, nicht viel, nur ein bisschen. Er hatte sich sogar gewaschen, bevor er hier eingedrungen war. Doch meine Nase ist lang, und ich bemerke viel.

"Ich wäre gerne wie du.", sagte ich leise zu dem Elefanten, der mich verwundert anschaute.

"Du ... du bist wach?", frage er mich, und ich konnte fast fühlen, wie er erbleichte. Der Speer in seiner Hand fiel zu Boden, und ungeschickt hob er ihn wieder auf. Hielt die steinerne Spitze in meine Richtung.

"Du wolltest mich töten.", stellte ich fest, sachlich, ruhig, wie es meine Art ist. "Im Schlaf."
Der Elefant nickte betreten.
"Du wolltest mich töten!" wiederholte ich und erhob mich langsam. "Mich - eine Tonne Muskeln und Fleisch. Mich - mit stärksten Zähnen bewaffnet! Mich - der dich mit einem Schwenk seines Schädels zerschmettern, mit einem Fuß zertreten könnte!"
Der Elefant nickt erneut.

"Und du bist allein.", stellte ich fest, doch hatte mich bereits beruhigt. "Allein. Nur mit einem lächerlichen Holzstab bewaffnet."
Der Elefant nickte wieder, dieses Mal jedoch energisch, fast kraftvoll.

"Ich muss essen.", sagte er, und ich spürte, wie seine Stimme mit jeder Stimme an Stärke gewann. "Ich muss mich ernähren, muss meine Familie ernähren, muss meine Horde ernähren. Wir alle müssen essen."
Er hob den Speer.
"Ich war bereit, dich zu töten, und bin es immer noch!"
"Ich weiß.", sagte ich leise. "Und deshalb wäre ich gern wie du."

Der Elefant hob den Kopf, schaute mir in die Augen und wartete darauf, dass ich fortfuhr. Er hat seine Angst überwunden, spürte ich. Jeder Muskel in seinem Leib war angespannt. Der Speer zeigte in meine Richtung, und zum ersten Mal begriff ich, dass er mir damit tätsächlich Wunden zufügen könnte. Und würde.

Ich war ein Koloss, ein König unter meinesgleichen, ein Gott für jene, die hier lebten. Ich ließ den Boden zittern, konnte Fels zermalmen. Sich mir entgegenzustellen, bedeutete den Tod. Und doch wagte es der Elefant, und doch stand er hier, bewaffnet mit Mut und Speer, und wartete auf meine Worte. Auf meine Entscheidung.

"Ich bewundere dich.", sagte ich. "Bewundere den Funken, der dir innewohnt, bewundere den Willen, der dich vorantreibt, die unbändige Kraft deines Geistes. Du bist dumm und klug zugleich, bei aller Schwäche stark, ein wandelnder Widerspruch, ein Faszinosum der Schöpfung."
Ich sah ihn an. Er begann zu verstehen.

"Ich überrage Bäume.", fuhr ich fort. "Es ist leicht, mächtig zu sein, wenn man Bäume überragt. Wenn niemanden einen aufhalten kann. Wenn man Steine tragen und die Welt mit lautem Ruf erschüttern kann. Wenn niemand den eigenen Frieden zu stören wagt. Es ist leicht."

Der Elefant flüsterte nun. Es klang wie ein Gebet, wie ein Mantra, ein immer wieder ausgestoßenes "Nein! Nein! Nein!"

Ich lächelte, und meine Worte waren voller Liebe.
"Du bist anders. Anders als wir alle. Du und deinesgleichen."
"Bitte nicht.", flüsterte der Elefant, und seine Augen waren schreckensgeweitet.

"Ich bewundere dich. Bewundere euch. Wäre gerne wie du. Wünschte, wir alle wären so wir ihr!"
Ich brüllte nun; meine Worte waren ein oOkan, fegten sich über die Steppe und ließen die Nacht verstummen.
"Und so sei es!", posaunte ich heraus, und meine Stimme ballte sich zu einem Fluch.
"Nein!", schrie der Elefant ein letztes Mal, hob schützend seine Hände vor das entsetzte Gesicht.
"So sei es!", rief ich, und Donnerschläge stürzten vom Himmel herab, alle Wirklichkeit zu vernichten.

Als der Elefant erwachte, hatte sich die Welt weitergedreht. Sein Leib war nun der meine, sein Denken, sein Fühlen. Ein grauer Klotz mit langer Nase und riesigen Ohren. Ein faltiges Ungetüm, dem sich niemand entgegenzustellen wagte. Die Stoßzähne ragten furchteinflößend aus seinem Maul heraus, doch ich hatte alle Angst längst hinter mich gelassen.

Der Speer lag in meiner Hand, als wäre er dort geboren worden.
Ich hatte Hunger.

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