Meine Mami / der Osterhase hat gestern extra eine Liste angefertigt, auf daß keiner der versteckten Gegenstände ungefunden bleiben möge. Als jedoch mein Bruder, seine Freundin und ich das Wohnzimmer durchstöberten, fanden wir ein Ei mehr als erwartet. Befremdlich irgendwie. Glücklicherweise kann es nicht aus dem letzten jahr stammen, da meine Mami in der Zwischenzeit umzog.
Als wir alles gefunden hatten, fehlte ein kleines Papp-Ei, das mit Süßigkeiten gefüllt war. Wir suchten wie blöd, meine Mami sah sogar in Bad und Kühlschrank nach - doch gefunden wurde es nicht. Zum Glück werden Süßigkeiten nicht so schnell schlecht; deswegen verschoben wir das Finden auf später.
Heute morgen jedoch entdeckte ich Mamis sschlaue Liste - auf der gar kein kleines Papp-Ei vermerkt war. Da hätten wir ja ewig suchen können...
Und so.
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P.S: Tolle Sache: Dank obigen Titels habe ich mir den Ohrwurm "Junimond" eingebrockt. ["Es ist vorbei-bei, Junimond, es ist vorbe-ei, es ist vorbei..."] Argh.
morast - 17. Apr, 11:42 - Rubrik:
Frederick
Nachdem ich heute schon nach Raketenabschussrampen und Kernkraftwerken [eine BND-taugliche Mischung, denke ich] googelte und selbige dann in einer Zeichnung unterbrachte, bietet mir das Zeichnen des Fred-Comics etwas Vertraut-Normales, selbst wenn Freds Gedanken heute mal wieder etwas abstrus sind...
Nun ja.
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morast - 15. Apr, 23:54 - Rubrik:
Frederick
Nur um herauszufinden, ob sie in diesem oder dem anderen Weblog unterwegs ist und ob sie, wenn sie tatsächlich hier verweilt, auch die Texte liest, grüße ich meine liebe Omi hiermit ganz lieb:
Hallo, liebe Omi! ich bin stolz auf dich.
["To-Do" heißt übrigens "Zu-Tun". "To-Do-Listen" sind also nicht Japanisches, sondern Listen, auf denen steht, was man sich noch vorgenommen hat.]
Ansonsten sei erwähnt, daß ich heute eigentlich mir schon eine kleine Geschichte vorbereitet hatte, die ich zu dem Comic schreiben wollte. Aber irgendwie habe ich sie vergessen.
Es sei mir also verziehen, daß ich statt langer Worte nur berichte, daß ich lange nicht mehr so viele Fehler digital ausbessern mußte wie beim heutigen Comic und daß ich eigentlich etwas Osterliches machen wollte, bis mir etwas anderes in den Sinn kam.
Und so.
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[Im Hintergrund: The Dresden Dolls --- Ja, schon wieder...]
morast - 13. Apr, 22:43 - Rubrik:
Frederick
Eigentlich sollte ich mich schämen.
Um meiner Mitbewohnerin eine kleine Geburtstagsfreude zu bereiten, hatte ich mit ihrer Freundin eine Minitaturverschwörung geplant, die aus Internetbesuchsgründen beinhaltete, daß ich mich wie zufällig in der Universitätsbibliothek plazierte und wartete, bis Mitbewohnerin und deren Freundin "zufälligerweise" auf mich stoßen würden.
Die Aktion umfaßte den möglichen Zeitraum von um eins bis um zwei. Eine Stunde lang nur sinnlos herumzusitzen, halte ich aber für wenig sinnvoll, weswegen ich zu zeichnen begann. Der neue Fred-Comic sollte schließlich fertiggestellt werden.
Natürlich war ich nicht fertig, als die beiden mich "zufällig" fanden, so daß meine Krakelei nach gelungener Geburtstagsüberraschung mit neugierigen Blicken bedacht wurde und ich freundlicherweise sogar erklärte, was zu sein sein würde.
An dieser Stelle sollte ich mich schämen: Ich zeige
niemals irgendwem meine Skizzen. Mir mißfällt der Gedanke, daß jemand das Werk betrachtet und bewertet, bevor es mir gefallende Ausmaße angenommen hat. Sogar meine Mami durfte sich schon Schimpfe [Ein Wort aus Kindertagen, das ich lange nicht mehr nutzte...] anhören, weil sie ihre Neugierde nicht zügeln konnte.
Doch heute wat ich offen. Der Freundin meiner Mitbewohnerin zeigte ich sorglos das, was alsbald ein Comic werden würde. Und meine Geburtstag zelebrierende Mitbewohnerin empörte sich - denn sie durfte niemals vorab schauen.
Ihre Empörung war berechtigt. Vermutlich hatte ich aufgrund gelungener Überraschung zu viel gute Laune in mir, daß ich diese Verfehlung beging, derer ich mich nun ein wenig schäme und die so bald nicht wiederholt werden wird.
Und so.
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[Im Hintergrund: The Dresden Dolls]
morast - 12. Apr, 19:35 - Rubrik:
Frederick
Ich gebe zu, daß ich RFID-Produkte für nicht uninteressant halte. Kontatklose Chikarten beispielsweise, die keinen Magnetstreifen mehr benötigen, der durch sich häufigen Gebrauch abnutzt. Oder Tieridentifikationschips, in kleine Kapseln verpackt und dem Haustier unter die Haut gespritzt, auf daß es leichter auffindbar sein möge, sollte es mal verlustig gehen.
Dennoch halte ich den Slogan der Firma
Inside für etwas ... äh ... ungünstig gewählt:
"
creating a contactless world"
Nun ja, wers mag...
[Im Hintergrund: Ashes Youl Leave - "The Inheritance of Sin And Shame"]
Nachtrag: Identifikationssystemfirmen wie
Scemtec sind besonders kreativ:
"
We have the IDea."
Wow.
morast - 11. Apr, 20:24 - Rubrik:
Farbenfroh
In der letzten Zeit ertappe ich mich häufiger dabei, wie ich Selbstgespräche führe. Das hat weniger mit dem Älterwerden als mit dem Versuch zu tun, mir einen neuen Comic zu erdenken.
Kaum werde ich allein mit mir selbst gelassen und finde die Ruhe, derer es bedarf, um mich auf Fred und Konsorten zu konzentrieren [Es ist eine innere Ruhe. Außerhalb kann es durchaus krachig zugehen...], richte ich automatisch an mich selber folgende Worte:
"Komm, erzähl mir was."
Nun ja.
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[Im Hintergrund: My Dying Bride - "Turn Loose the Swans"]
morast - 11. Apr, 11:29 - Rubrik:
Frederick
Heute war ich draußen, suchte mir ein ruhiges, grünes Fleckchen und warf Keulen in die Luft, während ich mir den Fred-Comic erdachte. Zumindest theoretisch.
Praktisch war vom Grün noch nicht unbedingt viel zu sehen. Der Frühling hatte seine Fühler noch nicht weit genug ausgestreckt, um den Rasen vollends zu beleben.
Ruhe herrschte auch nicht, befand sich doch mein Park-Platz unweit der sogenannten Tangente, also der Magdeburger Umgehungsstraße, so daß ein konstantes Hintergrundrauschen unvermeidbar war.
Und mit dem Ausdenken war es auch nicht weit her. Mit fliegenden Keulen und ensprechender Artistik beschäftigt, bleibt zwar genug Konzentration, um den augenbglicklichen Ohrwurm mitzusingen oder sich über grandiose Künststücke der eigenen Hände zu freuen, aber nicht genug, um einen einigermaßen humorvollen Fred-Comic zu erdenken. Den ensprechenden Entwurf ließ ich auf dem Heimweg schon wieder sausen.
Erstaunlich war für mich die große Anzahl der Jogger und Hundbesitzer, die in ausreichend weiter Ferne an meinem Standort vorübereilten. Alle Welt scheint einen Hund zu besitzen und, um diesen auszuführen, mit dem Auto zum Park zu fahren und dort ein wenig hindurchzuschlendern, bis das Getier seine schuhwerkbeschmierende Ladung hinterlassen hat. Oder zu joggen. Ich endeckte sogar eine Nordische Walkerin - in meinem Alter!
Als die Sonne sich allmählich dazu entschloß unterzugehen, trat ich den Heimweg an, bei jedem Schritt vorsichtig den Boden musternd...
Und so.
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[Im Hintergrund: JJ72 - "JJ72" -- Unlängst wiederentdeckt und erneut für wundergut befunden.]
morast - 10. Apr, 23:39 - Rubrik:
Frederick
Neben dem Riesenterrarium im Magdeburger Allee-Center entdeckte ich eine Frau, nicht unattraktiv, in offzieller Kleidung, deren Funktion darin zu bestehen schien, die kleinen, osterlichen Kuschelkaninchen und ihre schützende Glasscheibe vor den wieauchimmer gearteteten Aktionen übereifriger Kaninchenknuddler zu bewahren. Unbewegt stand sie da und blickte auf die possierlichen Wesen zu ihren Füßen, die das unverschämte Glück hatten, nicht menschlich sein zu müssen und nach Belieben fressen, hüpfen, kacken und kopulieren zu können, während sie selbst mit bemühter Freundlichkeit ihre eigene Präsenz nutzte, um potentiellen Schädlingen ihr ungutes Treiben aus den verzückten Schädeln zu verscheuchen und aufdringlich Fragenden pauschale Nonsens-Antworten zu geben.
Sie stand da und wirkte traurig.
Umgeben von possierlichen Hüpftierchen, die jedem Vorbeigehenden ein erfreutes Lächeln abzwangen, wirkte ihre Traurigkeit unangemessen, ja sonderbar. Vielleicht war es ihre Aufgabe, die sie bedrückte, die sie offensichtlich unterforderte, ja langweilte: Ein starres Stillstehen neben verlockend weichen, doch glasscheibenfernen Fellwesen, eine durch achtsame Wichtigkeit getarnte Untätigkeit.
Mit trauriger Miene stand sie auf ihrem Posten und ihr abgestumpfter Blick konnte auch durch die geballte Kanninchenniedlichkeit nicht mehr zu einem freudigen Glitzern erregt werden.
morast - 10. Apr, 16:00 - Rubrik:
Menschen
Das Magdeburger Allee-Center vediente sich heute meinen ausdrücklichen Respekt. Das ist ungewöhnlich, neige ich doch nicht dazu, Einkaufzentren Respekt zu zollen, insbesondere wenn diese nur einen minimalen Prozentanteil an für mich Bedeutsamen beinhalten.
Unlängst jedoch eröffnete das Allee-Center neu. Es war nie geschlossen gewesen, doch hatte sich mit einer zusätzlichen Etage bestückt, deren Einweihung am 30.03. zelebriert werden mußte - inklusive der üblichen Gewinnspiele und Luftballonverteilerei. Der 30.03. war ein Donnerstag, und ich begriff, daß es vermutlich keinen besseren Wopchentag gab, um eine Einkaufscentereinweihung zu planen, als den Donnerstag.
Denn wer Zeit und ausreichend Interesse hatte, zwängte sich zu den ebenfalls mit Zeit und Interesse gesegneten Massen und erfreute sich daran, daß eine ganze Etage mehr zur Verfügung stand, um sich auf den schmalen gängen gegenseitig im Weg zu stehen.
Freitag dann kamen all jene Neugierigen, die den Donnerstagstrubel gemieden hatten oder innerhalb der Woche prinzipiell nicht viel Freizeit erübrigen konnten. Das Wochenende stand bevor, und was gibt es Schöneres, als das Eintreffen freier Tage mit einem Einkaufsbummel zu zelebrieren?
Während es Donnerstag also innerhalb des Einkaufpalastes voll gewesen war, schien es am Freitag nicht möglich, sich überhaupt voranzubewegen. Bis heute weiß ich nicht, was es beim Weltbild-Glücksrad so Ergreifendes zu gewinnen gegeben haben muß, daß sich das Warten in einer zwanzig Meter langen Schlange lohnte.
Samstag ist traditionell ein guter Tag zum Einkaufen. Inbesondere sonnige Samstagnachmittage laden dazu ein, innenstädtische Neuerungen zu bewundern und sich in Menschenmassen zu stürzen, um dort das eigene Geld endlich loswerden zu können. Wieder waren die Gänge angefüllt mit zahlungsfähiger Kundschaft, und die Das-Einweihungsdatum-Auf-Den-Donnerstag-Leger rieben sich vergnügt die Hände.
Moment, schaltete sich mein Denken ein, wenn aus den bisherigen zwei Etagen drei wurden, dann verteilt sich die bisherige Besucherschaft, was also bewirkt, daß die Menschenkonzentration bei gleichbleibender Besucheranzahl abnimmt und somit für ein Gefühl von Leere in den Gängen des Einkaufscenters sorgt. Es müßte also, um eine gleichbleibende Konzetration aus Einkaufwilligen zu erwirken, die Anzahl der täglichen, stündlichen, minütlichen Schlenderer auf 150 Prozent erhöht werden.
Ich bezweifelte, daß sich plötzlich, nur wegen einer zusätzliche Etage mit Geschäften, die den bisher vorhandenen teilweise erschreckend ähnlich sahen, zusätzliche Massen finden würden, um die den Menschen-pro-Fläche-Faktor konstant zu halten. Zumindest nicht auf Dauer.
Der 30.03. war ein Donnerstag. Zugleich jedoch befand sich dieser Tag zwei Wochen vor dem Osterwochende, so daß die Einweihung der zusätzlichen Etage gerade recht kam, um den größten Anteil des osterlichen Shopping-Wahns abzugreifen.
Zufall? Niemals!
Als ich vorhin durch das Allee-Center eilte, um meinen freitäglichen Plattenladenbesuch nachzuholen, begriff ich noch eine weitere Sache. Die cleveren Allee-Center-Eröffnungsdatum-Planer beließen es nicht dabei, die Einweihung einer neuen Etage strategisch günstig zu legen, sondern fuhren in bereits altbekannter Weise fort, auch Shoppingsdesinteressenten in ihr Gebäude zu locken, in dem sie für wiederkehrende, ja traditionelle, Attraktionen sorgten.
So wird es mich zu Weihnachten nicht verwundern, wenn der jährliche Bühnentrubel nun eine Etage tiefer staffinden, aber mit größerer, weil dreietagiger, Intensität betrieben werden wird. Und mich wunderte auch nicht, als ich die niedlichen Hoppelhäschen wiederfand, die in jeder Vor-Osterzeit ihr eigenes Allee-Center-Riesenterrarium bekommen.
Denn in der obersten Etage befand sich ein riesiger Glaskasten, auf dessen - komplett mit Streu ausgelegtem, mit Häuschen und Ästen, mit Nahrung und Spielzeug bestücktem - Boden sich eine nicht geringe Anzahl knuffiger Kaninchen tummelten und - natürlich - die Blicke aller Vorbeigehenden auf sich zog. Wer findet denn nicht niedlich, wenn kleine, plüschige Fellwesen lustig umherhoppeln oder an einem Brotkanten knabbern? Und wer wird bezweifeln, daß es Kinder geben wird, die allein um dieser Attrakltion willen ihre Eltern mit nervender Fragerei plagen und zu einem Allee-Center-Besuch bewegen werden?
Selbst nicht unberührt vom Anblick der alljährlichen Niedlichkeit, die um so vieles schlichter und besser ist als der protzig-kitschig-klebrige Weihnachtstrubel, verharrte auch ich ein paar Sekunden, um einem putzigen Langohrtierchen beim Hüpfen zuzusehen und den Allee-Center-Planern innerlich zu ihrer beindruckenden Kundenfang-Cleverness zu gratulieren.
Minuten später verließ ich das Allee-Center, ohne auch nur einen Cent ausgegeben zu haben.
morast - 10. Apr, 15:48 - Rubrik:
Wortwelten
Würde man mich auffordern, eine Sache zu nennen, die mir an Magdeburg mißfällt, so antwortete ich ohne zu überlegen:
Der Name.
Der Name?, wunderte sich dann mein gegenüber, und ich müßte erläutern:
Es geschieht nicht selten, daß ich das Wort "Magdeburg" tippe. Die Seite der Uni beispielsweise läßt sich, so man sie nicht als Favoriten gespeichert hat, am schnellsten über "www.uni-magdeburg.de" erreichen.
Oder wenn ich bei nasa.de, der Fahrplanauskunft des Nahverkehrsservices Sachsen-Anhalts, Straßenbahnabfahrtszeitien erfrage. Oder wenn ich irgendwen oder Mail frage, wann er wieder mal in seine Heimatstadt zurückkehrt. Oder ...
Ich vertippe mich immer.
"aMgdeburg", "Magdebrug" und vor allem "Magdbeurg" sind die wenig annehmbaren Ergebnisse meiner Tipperei. Und selbst wenn ich das Glück habe, ausnahmsweise mal "Magdeburg" getippt zu haben, so bleiben meine Blicke überdurchschnittlich lange ungläubig an diesem Wort hängen, erwartend, doch irgendwo einen Fehler zu finden.
Mein fragendes Gegenüber würde sich wundern: Und das war alles?
Ja, das war alles.
morast - 10. Apr, 12:31 - Rubrik:
Wortwelten
Wenn Kreativität aussieht wie das, was ich heute praktizierte, als ich nach einer Comic-Idee suchte, ist es kein Wunder, daß Künstler oft gleichgesetzt werden mit verlotterten, asozialen Gestalten.
Schließlich saß ich in meinem Sessel und dachte nach. Das Sitzen kam fast einem Liegen gleich, die Augen waren geschlossen. Der Schreibtisch hinter mir quoll über vor Süßigkeitenverpackungsmaterial und Zeichenutensilien.
Da ich ja niemandem über den Weg zu laufen brauchte, hatte ich auch nicht die besten Klamotten an, also eine mit Farbflecken bestückte, ehemals schwarze Cordhose, bei der der oberste fehlende Hosenknopf durch einen Gürtel ersetzt werden muß und einen ausgeleierten Pullover.
Ich saß in meinem Sessel und dachte nach. Für Außenstehende jedoch hätte es ausgehen, als ob ich nach übermäßigem Bierkonsum an Ort und Stelle eingeschlafen war. Die ungebürsteten Haare fielen über meien Schulter und verstärkten den Eindruck der Ungepflegtheit. Ich selbst hätte mich wohl gemieden, hätte ich nicht gewußt, daß dort gerade der heutige Comic entstand...
Und so.
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[Im Hintergrund: Sillste Stund - "An Das Morgenlicht"]
morast - 9. Apr, 21:43 - Rubrik:
Frederick
Ich bin mir unschlüssig darüber, ob meine Wahrnehmung abstumpfte oder die Berichterstattung weniger dringlich, weniger offensiv, ist als vor vier Jahren. Natürlich - ich besitze keinen Fernseher, kann nicht am Bildschirm die steigenden Pegel verfolgen, die Bewohner aus ihren Häusern verjagen und Zeichen der Zivilisation im Wasser versinken lassen. Doch bereits 2002 besaß ich keinen Fernseher - und war mir dennoch der Gefährlichkeit der Lage bewußt.
Ganz im Gegensatz zu heute. Die Flut streift mich nur peripher, und obwohl irgendeine Studentenparty aufgrund von Hochwasser ausfallen mußte, bleibt mein Flutdesinteresse bestehen. 'Die Party wollte ich sowieso nicht besuchen. Mich betrifft das nicht.', stelle ich fest und widme mich anderen Sorgen.
Vielleicht liegt es an den Medien, daran, daß vor vier Jahren die Flut zu einer deutschlandweiten Bedrohung aufgewertet wurde, jeder Bewohner in Flußnähe sich von Panik getrieben gezwungen sah, die Pegelstände mit der Höhe des eigenen Wohnraums abzugleichen. 2002 sprach man von einer Jahrhundertflut, und schon damals wunderte ich mich, wie man so tolldreist sein konnte, diesen Superlativ in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts bereits zu verbraten. "Jahrhundertflut" kann man schwerlich überbieten - und allein die Wiederholung des Wortes läßt mein Desinteresse wachsen. Die Flut steigt höher als vor vier Jahren - doch das Wort "Jahrtausendflut" läßt auf sich warten.
Im Jahre 2002 wohnte ich noch in relativer Elbnähe. zwischen meiner Erdgeschoßbehausung und der steigenden Elbe lagen nur ein See und ein nicht einschätzbarer Höhenunterschied. Da meine damalige Mitbewohnerin im Urlaub verweilte und auch ich zu meinen Eltern fahren wollte, traf ich Vorsichtsmaßnahmen, schleppte in mehreren Fuhren wichtiges Gerät und bedeutsame Unterlagen in eine befreundete WG. Selbiger, im Dachgeschoß befindlich, drohte keinerlei Flutwassergefahr, und die Wohnung war groß genug, um meinen Kram aufnehmen zu können. Tatsächlich hatte ich ohnehin vor, alsbald hier einzuziehen und freute mich, die Hälfte des Umzugs bereits erledigen zu können.
In der elbnahen Wohnung achtete ich sorgsam darauf, alles in Bodennähe Befindliche nach oben zu verlagern. Möbel und Tapete würden Schaden nehmen; doch ich hatte mein Bestes getan und konnte beruhigt die Heimreise antreten. Die Beruhigung hielt allerdings nicht lange an, denn am Ziel meiner kleinen Reise befand sich ein Fernseher, der mich minütlich über die gefährlichen Hochwassersituationen, über die Jahrhundertflut, informierte. Die Seiten der Magdeburger Feuerwehr gaben mir bereitwillig Auskunft über die aktuellen Pegelstände, lieferten mir Zahlen und Differenzbeträge - doch teilten mir nicht mit, ob meine alte Wohnung bereits unter Wasser lag oder nicht.
Um mich abzulenken, ging ich hinaus und bewunderte den Pegelstand der Saale, der keinen Zentimeter gestiegen war. Die Jahrhundertflut mitsamt ihren Bildern saß fest in meinem Kopf.
Irgendwann war alles vorbei; Magdeburg war - abgesehen von wenigen Gebäuden in Elbnähe - verschont geblieben, nicht zuletzt dank der Hilfe fleißiger Sandsackschlepper, die mir, dem in die Ferne Geflohenen, ein schlechtes Gewissen vermachten. Nach ein paar Wochen kehrte ich nach Magdeburg zurück, erledigte den Rest des Umzugs und war froh, daß die Jahrhundertflut vorüber und ich fortan in höherem Stockwerk wohnte.
Die diesjährige Flut berührte mich kaum. Die alten Bilder erschienen erneut, doch zu sehr war ich darauf versteift, daß eine Jahrhundertflut nicht bereits nach vier Jahren wiederholt werden dürfte, um der medialen Übertreibung Glauben schenken zu wollen. Erst, als ich von Dresden hörte, von Pegelständen [Dieses Wort stellt einen guten Anwärter zum Wort des Jahres dar, nachdem "Jahrhunderthochwasser" bereits ausgelutscht ist.], die die alten Rekordmarken übertrafen, wurde ich nachdenklich. Aber nur kurz. 'So schlimm wird es schon nicht sein.', dachte ich, hoffte ich.
Gestern beschloß ich, den Magdeburger Stadtpark aufzusuchen. Selbiger, von zwei Elbarmen eingeschlossen, sollte - Erzählungen anderer zufolge - wohl partiell unter Wasser stehen, doch Fluttourismus war nur mein sekundäres Ziel. Primär wünschte ich mir, einen trockenen und menschenfernen Platz zu finden, an dem ich kontrolliert Dinge in der Luft umherwirbeln konnte. Ich packte also meine Keulen und Bälle ein, doch verzichtete nicht auf einen Fotoapparat. "Grüße aus Magdeburg", wollte ich in meine Heimat senden, begleitet von einem beeindruckenden Hochwasserfoto.
Schon bevor ich am Stadtpark ankam, sah ich elbnahe Überflutungsbereiche. Eine Skulptur, ein paar Bänke und säuberlich geschnittene Hecken waren im Wasser versunken. Aus einem Papierkorb war eine gelbe Plastiktüte herausgeschwemmt worden und trieb nun auf dem Wasser dahin.
Ich lief weiter und begriff schnell: Hochwasser ist vollkommen unspektakulär - solange nicht Zeichen menschlicher Zivilisation davon betroffen sind. Käme ich als Nicht-Magdeburger zum Stadtpark und sähe die überfluteten Flächen, so hielte ich es für die Elbe oder einen der Parkseen, wüßte nicht, wo das echte Wasser aufhörte und das falsche begann. Ich wäre wenig beeindruckt.
Doch als Magdeburger kannte ich die Wege, kannte ich die Rasenflächen, die nun nicht mehr zugänglich waren, kannte ich die Stellen, an denen ich sonst verweilte, die nun vom Wasser verschluckt waren. Ich sah Schilder, die aus den Fluten ragten, sah Schaukeln auf einem Kinderspielplatz, die wohl nur die allgegenwärtigen Enten nutzen konnten. Mit einem ironischen Lächeln bedachte ich die Entdeckung, daß das Spielplatzschiff nahezu gekentert war.
Ich lief durch den Park, war mir nicht zu schade, mit durchweichenden Schuhen unwegsame Stellen zu betreten, um mich von allen Seiten vom Wasser eingeschlossen zu sehen. Ich fand keinen Platz, der nicht durchweicht war, auf der ich mich hätte ausbreiten und der Jonglage widmen können. Alles Rasengrün war nun von trübem Wasser bedeckt, in dem sich das Frühlingssonnenlicht spiegelte. 'Romantisch.', dachte ich und lächelte.
Zum ersten Mal hatte mich die Flut bewegt, wirklich berührt. Die Bilder von vor vier Jahren waren letztendlich nur Fernsehen gewesen, nur zuammengeschnittenes Material ohne Leben. Aber hier konnte ich die Kraft der Fluten spüren. Reglos lag das Wasser auf dem, was Mensch sein Eigen nannte und verwehrte ihm den Zutritt. Mensch konnte nur betrachten, nur staunen und glotzen.
Denn die Stadtpark-Flut war ergreifend schön. Bäume ragten aus dem Wasser, bildeten mystische Dschungelwälder. Wege endeten in den Fluten, Rehe sammelten sich auf den wenigen trockenen Plätzen. Unter dem hellblauen Himmel und der strahlenden Sonne schien vom Wasser keine Gefahr auszugehen. Es war groß, gewaltig, majestätisch, aber friedlich, schlummernd. Eine Urgewalt, doch gewaltlos.
Ich hielt inne, wo ich konnte, und starrte auf das reglose Wasser. Und mit mir Hunderte anderer.
Ich war nicht allein. Den sonnigen Nachmittag hatten sich unzählige Fluttouristen auserkoren, um zu staunen und sich feuchte Füße zu holen. Fotoapparate wurden gezückt, Familien zeigten kreischend auf die panisch Schutz suchenden Rehe, liefen in großen Gruppen auf den unversehrten Wegen.
Derer gab es genug, um einen Rundgang zu ermöglichen, Die asphaltierte Straße lag höher als der Rest des Parks und lud zum Schlendern und Bewundern ein. Hier ragte ein Berg aus dem Wasser, dort ein Schild. Eine Ente, wo sonst keine hätte sein dürfen, erfreute sich großer Beliebtheit.
Ich fand keinen ruhigen Ort, und nachdem ich der vielen Schaulustigen überdrüssig geworden war, die gewaltige Kraft des Wassers ansatzweise erfaßt hatte, war ich froh, auch ohne jongliert zu haben, nach Hause zu laufen, den Park zu verlassen, der mich zum ersten Mal erahnen ließ, was "Jahrhundertflut" überhaupt bedeutete.
morast - 9. Apr, 11:51 - Rubrik:
Wortwelten
Der heutige Comic kommt völlig ohne Sprechblasen aus.
Das war ursprünglich nicht so geplant gewesen, doch irgendwann gefiel es mir besser, Fred nichts sagen zu lassen. Tatsächlich wollte ich sogar völlig auf Wörter verzichten, doch ich mag die Comic-Sprache viel zu sehr, als daß ich mir die Gelegenheit entgehen lassen würde, sie hier intensiv zu nutzen.
Noch was: Da ich es auf mehreren Seiten bisher sah, daß irgendwer sich erdreistete, einen amazon-Wunschzettel zu generieren und online zu stellen, habe ich das auch mal gemacht. Dazu gibt es jetzt rechts unten einen netten Button, der auf die entsprechende Seite verlinkt.
Es sei jedoch erwähnt, daß ich das eher als Scherz und als Selbsterinnerung betrachte, und daß sich, auch wenn ich mich über jedes der derzeit 90 Teile sehr freuen würde, niemand dazu verpflichtet fühlen muß, dem nachzugehen...
Und so.
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[Im Hintergrund: Placebo - "Meds"]
morast - 8. Apr, 15:15 - Rubrik:
Frederick