Ein weiteres Werk für
One Million Giraffes.
Und so.

morast - 17. Jul, 17:53 - Rubrik:
Farbenfroh
Weil ich das Projekt
One Million Giraffes so fetzig finde, habe ich gleich mal eine gekrakelt und beigesteuert.
Macht mit und so!

morast - 15. Jul, 20:29 - Rubrik:
Farbenfroh
"Lach leise.", ermahnte ich ihn zum zweiten Mal, doch selbst das fand Peter lustig. Er war ein einfaches Gemüt, konnte sich an Winzigstem erfreuen, stundenlang einen Grashalm beschmunzeln oder über einen leeren Einkaufsbeutel kichern. Und jedesmal, wenn er lachte, starb irgendwo ein Schmetterling.
Eigentlich starb kein Schmetterling. Wir hatten zumindest noch nie beobachten können, dass, während Peter lachte, plötzlich ein Schmetterling vom Himmel fiel. Aber ich hegte einen Verdacht, und man konnte nie vorsichtig genug sein.
"Lach leise.", sagte ich daher und ergänzte zum wahrscheinlich zehntausendsten Mal "Denk an die Schmetterlinge."
Der Gedanke an sterbende Schmetterlinge betrübte Peter immer ein wenig, und für einen Augenblick lang konnte ich dann aufatmen. Sicherlich war es wenig heldenhaft, meinem jüngeren Bruder das Lachen zu verbieten und sich darüber zu freuen, wenn er durch trübe Stimmungssümpfe watete. Doch noch weniger heldenhaft war es vermutlich, Schmetterlinge zu töten.
"Ich möchte keine Schmetterlinge töten.", murmelte Peter, und eine winzige Träne schimmerte in seinem Auge.
"Schhhh. Nicht weinen.", tröstete ich ihn. Mir tat es Leid, ihn so traurig zu sehen. Traurige kleine Brüder können einem das Herz zerfetzen.
"Vielleicht ist ja alles gar nicht so schlimm. Vielleicht stirbt gar kein Schmetterling, wenn du lachst.", redete ich auf ihn ein. "Vielleicht bilden wir uns das alles nur ein."
Peters Antlitz erhellte sich.
"Vielleicht interessieren sich Schmetterlinge überhaupt nicht für Gelächter.", ergänzte ich, um auch die letzte Sorgenfalte von seiner Stirn zu bügeln.
Peter schmunzelte wieder. Ich hatte es geschafft.
Vor dem Küchenfenster tanzten zwei Schmetterlinge miteinander durch die Luft. Rasch wandte ich den Blick ab, bevor Peter es sah. Doch es war zu spät.
"Guck mal, Schmetterlinge!", rief er, rannte ans Fenster und erfreute sich am spielerischen Geflatter der zwei Flügeltiere. Als sie einander kurz berührten, lachte Peter vergnügt auf.
Wie vom Blitz getroffen hielten die Schmetterlinge plötzlich inne und segelten leblos zu Boden.
Peter war schockiert. "Sind sie ... tot?"
Ich nickte, keines gesprochenen Wortes mehr mächtig.
Peter begann zu weinen. "Es tut mir leid!", rief er wieder und wieder, und Tränen schossen über seine Wangen, bilden winzige Bäche salziger Fluten.
"Es tut mir so Leid!"
Eine feuchte Perle löste sich von seinem Kinn und fiel auf den Boden. Dort wo sie aufprallte, zischte es kurz, und plötzlich entstand ein ganzer Schwarm Schmetterlinge, flatterte in wirrer Schönheit durch den Raum, fand das offene Küchenfenster und flog hinaus, ins Freie. Mit verzücktem Lächeln starrte ich ihnen hinterher.
Peter lachte.
morast - 14. Jul, 13:40 - Rubrik:
Wortwelten
Unter einem Elefanten stehend
dort kaum noch die Sonne sehend
begann ich ganz spontan zu stinken
und das Tier, mir zuzuwinken
mit dem schmalen Hinterschwanz.
Doch das war es nicht so ganz
denn noch vor dem Miefgestank
fiel vom Himmel - schönen Dank! -
dicker dunkelbrauner Matsch.
[Lyrikende.
Knicks und Klatsch.]
morast - 8. Jul, 17:50 - Rubrik:
Seelensplitter
"Ich heiße gar nicht Peter.", rief Peter und rannte davon. Ich schaute ihm hinterher, als ergäbe sein Ausruf plötzlich Sinn, wenn ich nur lang genug seinen kleiner werdenden Rücken betrachtete.
Irgendwann fiel mir noch ein, "Wieso denn nicht?" zu fragen, doch meine Worte erreichten ihn nicht mehr. Ich zuckte mit den Schultern, drehte mich um und ging nach Hause.
Mutter bereitete gerade das Abendbrot zu, kramte in Schubladen, holte Teller aus untersten Schrankfächern, entrang dem frisch gebackenen Laib ein paar betörend duftende Scheiben, zerkleinerte Gurken und Tomaten mit einem überdimensional großen Messer und pfiff das gleiche Lied, das sie immer pfiff, wenn ihr Gemüt mit bester Laune besprenkelt war.
"Peter heißt gar nicht Peter.", sagte ich zu ihr und sie gab einen abwesenden Brummlaut von sich, während sie in Töpfen rührte und Gläser spülte.
Eigentlich hießen wir alle Peter. Peter hieß Peter, Peter hieß Peter und sogar Peter hieß Peter - und sie war ein Mädchen. Überraschenderweise gab es keine Verwechslungen, und selbst jetzt, da ich Mutter mitgeteilt hatte, dass Peter gar nicht Peter hieß, war klar, welcher Peter gemeint war. Peter, mein Klassenkamerad und Freund seit vielen Jahren, Peter, dessen Schwestern Peter und Peter die wahrscheinlich hübschesten Mädchen des ganzen Dorfes waren. Peter, dessen Onkel - seinen Vornamen kannte ich nicht - uns für die Sommerferien in ein Haus am See eingeladen hatte. Eben Peter.
Ich hieß auch Peter, mochte es aber lieber, wenn man mich Pe nannte. Ich kannte einen Pjotr, einen Pete und sogar jemanden, der Petra hieß - und er war ein Junge. Ich hatte von einem Pietro gehört, der nicht aus der Gegend kam und vielleicht auch Pedro hieß, und von einer Petty, mit der aber niemand etwas zu tun haben wollte. Sie stank ein bisschen, hieß es, aber ich fand, sie roch auch nicht schlimmer als beispielsweise Peter.
Alle hießen Peter.
"Peter heißt gar nicht Peter.", wiederholte ich, obwohl ich wusste, dass Mutter mich bereits beim ersten Mal gehört hatte. Doch ich wollte eine Antwort haben, und wenn ich eine Antwort haben wollte, wiederholte ich meine Frage eben solange, bis ich eine Antwort bekam. Selbst wenn ich gar keine Frage gestellt hatte.
"Peter heißt gar ni..."
"Ist ja gut, Peter.", unterbrach mich Mutter und goss kochendes Wasser in die blaue Kanne, die ich nicht berühren durfte, damit sie nicht kaputt ging. Dann setzte sie sich auf ihren Hocker und seufzte. Sie seufzte immer, wenn sie sich auf den Hocker setzt, fast so, als würde der Hocker alle nutzlose Luft aus ihr herausdrücken. Und vielleicht war es auch so.
"Peter heißt nicht Peter.", erklärte Mutter, "Er hieß noch nie Peter."
Ich riss die Augen auf. Das konnte doch nicht sein! Alle hießen Peter. Peter, Peter, Pjotr, Peter ... - sie alle hießen Peter!
"Aber alle heißen Peter!", rief ich und fuchtelte mit den Armen, versuchte, das Unglaubliche zu verscheuchen.
"Alle.", bestätigte Mutter langsam nickend, "Alle außer Peter."
In der Küche wurde es still. Selbst das stete Brodeln und Köcheln auf dem Herd schien sich zu bemühen, ein wenig leiser zu sein. Ich versuchte zu begreifen, doch konnte nicht. Alle hießen Peter. Auch Peter.
Mutter seufzte ein zweites Mal, doch der Hocker hatte bereits alle Luft aus ihr herausgedrückt, so dass sie eher ausatmete als seufzte. Ich bemerkte es trotzdem.
Mutter sah aus, als müsste sie sich überwinden weiterzureden.
"Es wird Zeit, dass du es erfährst: Peter heißt nicht Peter. Er tut so, als hieße er Peter, um nicht aufzufallen, um nicht von allen geärgert zu werden. Doch er heißt nicht Peter.
Er heißt Olaf!"
Und während das Entsetzen sich in meinem Kopf ausbreitete, ergänzte Mutter traurig:
"Und du auch."
morast - 7. Jul, 10:55 - Rubrik:
Wortwelten
Als ich noch mein kleiner Bruder war, hatten wir ein Haustier namens Haustür. Er quietschte, wenn man sich ihm näherte, und Unwissende hielten ihn oft für eine minderjährige Zitrone.
Wir hatten nie herausfinden können, was Haustür eigentlich genau war, doch vermuteten wir in ihm eine Mischung aus Lärmgebügeltem Drehtstuhltelefon und Kicherndem Wüstenmolch. Er war von oben bis unten behaart. Leider zog sein üppiges Komentenfell es vor, anstatt auf seinem Köper neben diesem zu wachsen, und einmal pro Woche durften wir Kinder uns hübsche Zimmerdeckenzierteppiche oder Schnauzbärte aus den überall herumliegenden Haaren häkeln. Ich war nie sehr gut in handarbeitlichen Tätigkeiten, und so war es nicht verwunderlich, dass mein Häkelschnurrbart einem Zimmerdeckenzierteppich glich, und mein Zimmerdeckenzierteppich einem Häkelschnurrbart.
Dennoch war Haustür, abgesehen davon, dass er das einzige Haustier war, das ich je besaß, das pflegeleichste und wundervollste Haustier, das ich je besaß. Und das nicht nur, weil er quietschte. Wenn wir durch das Parkhaus spazierengingen, bellte er immer meinen Namen in den Sand und gab nicht eher Ruhe, bis ich lachte wie ein Thermometerluftballon. Also lachte ich, und Haustür jagte meinem Gelächter nach, fing es ein und apportierte es. Apportürte, sozusagen. Hihi.
Manchmal schwieg Haustür, und sein Schweigen löschte jeden Lärm aus dem Raum. Es roch dann stets ein wenig nach Rosenquarz, und ich wusste, dass in diesem Augenblick alles in Ordnung war.
Und wenn man sich ihm näherte, quietschte er. Meistens blau, manchmal aber auch orange. Stets war es ein Wattequietsch, und nichts war schöner, als immer wieder fortzugehen und zurückzukommen, hinter einem Baum zu verschwinden und plötzlich wieder aufzutauchen - und dann seinem feinsinnigen Gequietsche zu lauschen.
Irgendwann war Haustür fort. Er lebte auf einem riesigen Bauernhof, meinten unsere Eltern immer, wenn wir sie fragten. Wir weinten Honigmaden und Schneckenblumen, doch er kam nicht zurück.
Er wäre sehr glücklich, meinten unsere Eltern immer, wenn wir sie fragten, doch wir wussten, dass sie logen.
Gestern entdeckte ich eine Postkarte in meinem Briefkasten. Eine dicke Weizenkuh zierte die Vorderseite und auf der Rückseite befand sich nur ein einziges Wort:
"Quietsch."
Es war blau.
morast - 5. Jul, 10:51 - Rubrik:
Wortwelten
Gerade als er die Haltestelle erreichte, kam der Bus. Allerdings ohne bremsen. Oder gar anzuhalten.
Wenige Sekunden später kam der nächste. Und rauschte ebenfalls vorbei.
Ein weiterer Bus kam. Und noch einer. Und noch einer.
Insgesamt waren es acht, und der achte Bus bremste. Und hielt.
"Acht Busse?", rief der Oktopus verwundert und stieg ein. "Ich bin wohl in einem schlechten Wortwitz gefangen!"
morast - 2. Jul, 08:21 - Rubrik:
Wortwelten
"Leise rieselt der Schnee...", sang er, doch es war kein Schnee, der rieselte. Es waren Elefanten. Und genau genommen rieselten sie auch nicht, denn wer einmal einen Elefanten sah, weiß, dass ihnen insbesondere das Rieseln schwerfällt. Aber, das muss man ihnen eingestehen, sie gaben sich große Mühe, leise zu rieseln.
Er sang, wich hin und wieder einem nicht-ganz-so-leise nicht-ganz-rieselndem Elefanten aus und biss noch einmal vom Blumenstrauß ab, bevor er ihn einem fertig gerieselten Elefanten schenkte. "Danke.", sagte dieser, und es hörte sich verdächtig nach "Danke." an.
morast - 1. Jul, 00:24 - Rubrik:
Wortwelten
Der alte Mann humpelte die Straße entlang. Als ich mich näherte, glaubte ich ein kehliges Kichern zu vernehmen fast lautlos, das durch die zahlreichen Zahnlücken seines Mundes ins Freie drängte. Der alte Mann kicherte, und als ich ihm in die Augen blickte, wurde ich eines schalkhaften Funkelns gewahr, eines Blitzens, das den alten Mann sogleich in jene Schublade steckte, die seit jeher verrückten Alten zugeschrieben war.
Doch der alte Mann war nicht verrückt. Er war fröhlich. Alle paar Meter wechselte er sein Humpeln aus, ließ es von einem Bein auf das andere wandern und zog mal diesen, mal jenen Fuß nach. Ginge es nach ihm, erklärte mir der alte Mann kichernd, würde er beide Füße nachziehen. Alle beide hätten es verdient, meinte er, seien alt genug, um sich hin und wieder eine Pause zu gönnen. Mein Humpeln ist also kein echtes Humpeln, kicherte er vergnügt.
Das ist so wie mit meinen Zahnlücken, führte er dann weiter aus und entblößte die wenigen Stummel, die ihm in seiner Mundhöhle noch verblieben waren. Die Lücken sind längst keine Lücken mehr, keine Ausnahmen zwischen Reihen strammstehender Zähne. Nein, die Zähne sind die Ausnahme, kämpfen tapfer mit jedem Stückchen Essen, stehen noch immer ihren Mann, doch sind eigentlich alt genug, um pausieren zu dürfen.
Ein Humpeln für Zähne, das wärs!, rief der alte Mann dann aus und warf seine dürren Arme in die Luft. Dann lachte er, und insgeheim zog ich die Schublade "Verrückte Alte" wieder auf, um ihn samt seines Humpelns hineinzustopfen.
Ich weiß, was du jetzt denkst, kicherte der Alte und klopfte seine Taschen ab, ich bin nicht verrückt! Er klopfte noch ein wenig weiter, als würde er etwas Wichtiges suchen. Und ich kann es beweisen, rief er dann, und aus seinem zahnlosen Grinsen wurde ein triumphierendes, zahnloses Grinsen. Er steckte seine Hand tief in die linke Jackentasche, wühlte ein wenig und holte eine Quietscheente hervor. Hier, sagte er dann und reichte mir das gelbe Plastiktier, das ist mein Nichtverrücktenausweis.
Und während ich verblüfft auf die Ente in meiner Hand startrte, humpelte er lachend von dannen.
morast - 29. Jun, 16:22 - Rubrik:
Wortwelten
Und vielleicht, überlege ich mir, während ein trauriges Lächeln meine Lippen formt, ist es Liebe selbst, die mich umgarnt, die um mich schwebt, als wäre sie Aura, als wäre sie eigenständiges Wesen, körperlos und doch von steter Präsenz. Formlos, ziellos streunt sie durch mein Dasein, bildet Zuversicht und Hoffnung, malt mir Freude über Winzigkeiten ins Gemüt, lässt mich Schönheit suchen und entdecken. Das Leben, weiß ich dann, wenn Liebe sich erneut schwebend durch meine Sinne flüsterte, ist angefüllt mit Pracht, mit Anmut, die für meine Sinne zuweilen kaum ertragbar ist. Und dann halte ich inne, atme tief jeden einzelnen dieser güldenen Momente und brüte das Leben in mir zu Wonne. Wie schön du bist, denke ich, meine Dich, meine mich, meine den Grashalm zu meinen Füßen, den Käfer, der auf ihm sitzt, den wehenden Wind, die flüchtenden Wolken. Wie schön du bist, Welt, denke ich und seufze, unfähig, all das in meinem Herzen zu bewahren, was mich lieben lässt.
Und so wandle ich durch die Tage, umgeistert von der Liebe, fülle sie in mein Lächeln und verschenke sie, preise Lob, gebäre Gutes. Von Liebe durchflutet, von Liebe umwoben, von Liebe, die tausend Namen trägt.
Bis irgendwann, eines Tages, Sie erscheint und sich mein Sehnen und Seufzen, mein Träumen und Wünschen, an sie haftet, um Sie rotiert, als wäre ein neuer Mittelpunkt geboren. Meine Liebe formt sich zu Ihrem Leib, zu Ihren Gedanken, Ihrem Lächeln, und ich bin bereit, mich vollends in Ihr zu verlieren. Für immer.
Und im Angesicht meiner Liebe, der Liebe, die einen Namen fand, strahlt Sie, Sie, die ich begehre, Sie, die nun zum Sinn mir wird, heller, näher, gleißt durch all mein Fühlen, glimmt sich süß durch jeden Atemzug, wärmt mich weich mit Sucht. Wie schön Du bist, denke ich dann, und flüstere Ihren Namen, sanft, mir seiner Kostbarkeit bewusst.
Und wenn Sie lächelt, wenn Sie selber liebt, wenn Sie mich in Ihren Küssen findet, dann blüht die Liebe, verschlingt mich, reißt mich fort, tiefer in Sie hinein, lässt das All leuchten und jede Welt zu Licht erblühen.
Meine Liebe, an Ihren Leib, an Ihr Haar, gehaftet, funkelt wild und träumend, und ich begreife, des Begreifens nicht länger fähig zu sein, versinke in der Schönheit, die sich mir erschließt, die sprießt und gedeiht, sich auf jeden Schritt, jeden Regentropfen, jede Silbe, erstreckt, versinke im Jetzt, das alle Ewigkeiten vereint.
Wenn Sie dann geht, geht Sie nie. Meine Liebe, wieder formloses Wesen, Aura meiner selbst, Hauch aus Hoffnung, flutet sich um meine Sinne, verkriecht sich in die Geborgenheit meines Innenichs, lässt Welten unbemerkt vorüberziehen, auf der Suche nach Wegen, nach Wünschen, nach Wollen. Doch wenn Sie geht, dann geht Sie nie. Nie kann Sie sich aller Partikel erwehren, nie von all meinen Träumen befreien, sich niemals vollends meinen Gedanken entziehen. Denn zwischen berstenden Welten sehe ich noch immer meine Liebe an Ihr funkeln, letzter Zeuge des Möglichen, jenes Strahlen, das abzustreifen höchstens Zeit imstande wäre. Flackernd entzieht Sie sich meiner Küsse, klaubt mir Ihren Namen von der Zunge, löst Ihr Lächeln aus meinem Gesicht. Und doch kann ich Sie funkeln sehen, spüre das Glitzern meiner Liebe auf Ihrer Haut, irgendwo dort, in fernster Fremde.
Und ich finde mich, werde mich immer finden. Nach Tagen und Jahren wird die Liebe aus meinen Innereien bersten, wird sich wie Schleier vor meine Augen legen, wird meine Sinne mit Drang benetzen. Und plötzlich höre ich das Leben summen, sehe ich Welten flüstern, spüre ich Pfade unter meinen Füßen wogen, als wollten sie mich leiten. Möglichkeiten bemächtigen sich meiner, und streichelnd umflutet mich der Liebe seidener Glanz. Wie könnte ich widerstehen, könnte ich mich gegen die Schönheit verwehren, die mich plötzlich wiederfindet, die mir in die Augen fließt, mein Herz befüllt, mich aller Finsternisse entreißt?
Ich schmunzle, sehe mich lieben, sehe mein Sehnen Namen formen, neue, alte, sehe lichtene Nebel aus meiner Brust entwachsen, die Welt umarmen, als wartete sie nur auf mich, nur auf mein Sehnen, darauf, dass ich irgendwann innehalte, irgendwann zu Träumen erwache, irgendwann finde. Und wieder wird mein Licht sich um Ihr Antlitz betten, und wieder wird Ihr Name zur kostbarsten Welt, wieder Ihr Lächeln zu meiner Liebe Leib.
Wieder und für alle Zeiten.
morast - 2. Jun, 09:13 - Rubrik:
Geistgedanken