Donnerstag, 3. Februar 2005

zum glück weiß niemand, daß ich häßlich bin.

mein lächeln entblößt meine seele, abgründe ergreifen von den blicken besitz. das lächeln wird zum schauermärchen; was sein könnte, birgt einen albtraum. in meinen augen spiegeln sich tränen wieder, werfen die formlosen schatten des geistes in die leere der welt, erzählen von zu vielen gedanken, die wirr und unvollkommen ein dasein fristen, das meines und zugleich keines zu sein scheint. zerzaustes haar spielt mit den winden, verdeckt mein zerfurchtes antlitz. jede silbe aus meinem mund birgt einen schrei oder ein grelles, tonloses lachen, die aussichtslosigkeit des seins betreffend. der spiegel zeigt eine leichenbleiche silhoeutte, irgendwo am rand der eigenexistenz gestrandet. kraftlos zittern die dürren spinnenfinger; ein hauch meiner selbst formt meine gestalt. die stimme flüstert welke worte, doch verbirgt mich längst nicht mehr.

doch aus der ferne brennt mein leben. worte entströmen meinen sinnen, verbinden sich zu wunderlichkeiten, malen ein netz feinster silbergedanken in die trübnisse der welt. ein lächeln entsteht auf papier, gerinnt zu zeilenbergen. ich schreibe mich schön. der autor ziert sich selbst mit jeder silbe, kritzelt einen seligen schleier über seine seele, entfremdet sich zum guten auf der suche nach dem ich.
aus der ferne betrachtet erwachsen mir weiße zauberschwingen, zerren mich hinauf in die weiten des himmels, lassen fliegen, was längst am grunde zerschellte. ich ziehe fremde blicke in bizarre traumwelten aus licht, kreiere mit winzigen zeichen eine hoffnung, deren größe mit dem geiste nicht zu erfassen ist. liebe wuselt vergnügt zwischen den worten herum, und irgendwo wartet ein leben, von ihr geküßt zu werden.

mit flüssigem wort schreibe ich träume, reiße die narben der wirklichkeit von suchenden gesichtern.

zum glück weiß niemand, daß ich häßlich bin.
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der morgendliche wurm im ohr 6

es ist erstaunlich, wie viele gedanken in meinem kopf auf ewig unerfüllbar bleiben werden, wie viele träume nur illusionen darstellen, bilder, die ich mir ersinne, um mich für den moment zu trösten, hoffnungen, die ich mir ausmale, um die wirklichkeit für einen augenblick zu stillen - und die mir immer wieder den leidigen schmerz des erwachens schenken...

beim heutigen wurm in meinem ohr handelt es sich um lied, das ich zuletzt vor zwei tagen bewußt vernahm.

pink floyd - "let there be more light"
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Mittwoch, 2. Februar 2005

der morgendliche wurm im ohr 5

eigentlich fällt es mir selbst schwer, daran zu glauben, doch tatsächlich ist es so etwas änliches wie fleiß, das mich davon abhält, tiefschürfende gedanken zu formulieren und niederzuschreiben; das mich davon abhält, das weltweite netz mit meiner nahezu unaufhörlichen anwesenheit zu beehren und zu erfreuen; das mich davon abhält, kilometerlange texte zu formulieren, deren sinn und inhalt fragwürdig ist; das mich davon abhält, den geneigten leser mit stetig neuen ergüssen meinerseits zu belästigen.
immerhin bin ich fähig, wenige sätze zu formulieren, beinhaltend das morgendliche gewürm in meinem gehör. nachdem der gestrige tagesanfang mich mit derlei getier verschonte, bin ich stolz, den heutigen wurm vorstellen zu dürfen:

my dying bride - "a cruel taste of winter"

erwähnenswert, aber vermutlich bedeutungslos, ist wohl der umstand, daß ich dieses wahrlich wundershöne lied erst gestern nachmittag in meine gehörgänge füllte. fraglich bleibt natürlich, warum der knuslige wurm sich ausgerechnet jenen unter den vielen gestern vernommennen klängen auswählte...
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ätherisch

dein duft befüllt den raum
malt sanfte formen in die luft.

ich rieche
was dein lächeln war
verspüre deine nähe.

ich koste
was dein atem war
vernehme deine worte.

dein licht befüllt den raum
erinnert mich an leben.

www.bluthand.de
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Dienstag, 1. Februar 2005

ich rannte

noch nie war es gelungen, trotz unzähliger versuche.

trotzdem. vielleicht würde es ja diesmal klappen. ich schloß die augen und begann zu rennen. ich flog über den grauen asphalt, sauste an den lebenden vorbei, rauschte durch die fänge der zeit. die schatten folgten mir, waren nahe. ich konnte sie nicht abschütteln. ich rannte.

das lächeln meiner zuversicht schwand, wich von mir, das licht in mir bgeann zu welken. die schatten wuchsen. bizarre formen des absurden. hinter mir. in mir. ich rannte. in wollte nicht innehalten, nicht einen moment verweilen, nicht zurückblicken, nicht nach vorne. ich wollte rennen, rennen, rennen, wollte fliehen und immer wieder fliehen. noch nie war es mir gelungen. noch nie. ich rannte.

welten zogen forbei, zeigten sich als wilde, absonderliche muster, kräuselten sich vor meinen füßen und verlachten mich. ihr gelächter klang wie mein geflüstereter schrei. die richtungen verzweigten sich zu kranken fratzen. sackgassen bemächtigten sich meiner wege. ich wußte, daß alles vergebens sein würde. doch ich rannte.

wenn ich nur wollte, konnte ich entkommmen. wenn ich nur wollte, konnte ich einfach entfliehen, konnte ich alles abschalten, alles vergessen. ich brauchte nur zu rennen, keinen atem zu holen, keine pause einzulegen, stetig zu rennen, immerfort. das ziel hatte keine bedeutung, weilte es doch in ferner zukunft. die zukunft lag brach, doch mochte ich sie nicht rühren, erfand ständig neue wege, die an ihr vorbeiführten, rannte bei tag und nacht, rannte ohne ruhe.

ich ließ das vergangene hinter mir. doch die schatten wichen nicht. in manchen stunden fürchtete ich, sie könnten mich verschlingen, fürchtete, vom dunkel eingeholt zu werden. dann rannte ich schneller, noch schneller, preßte die augenlider fester zusammen und suchte die letzten kräfte in mir. manchmal konnte ich nicht länger, wollte nicht mehr, sehnte mich nach rast, nach schweigen, sehnte mich nach stillstand. doch wenn ich die schatten hinter mir keuchen hörte, wenn ich sah, daß die zukunft grinsend meiner harrte, begann ich erneut zu rennen. ich konnte nicht fliehen, das wußte ich. doch ich wagte es, würde es wieder und wieder wagen. ich rannte.

aber wie sollte ich jemals mir selbst entkommen, wie sollte ich meinen pfaden entrinnen, wie der zukufnt entweichen? ich konnte rennen und rennen und würde doch wieder in meinen armen landen, keuchend, erschöpft, doch ruhelos und voller furcht. ich konnte rennen und rennen und würde doch nur kreise laufen, würde mich am anfang wiederfinden, das wissen verspürend, nicht entkommen zu können, zu jedem punkt der zeit ich selbst zu sein. ich konnte die augen so fest schließen, wie irgend möglich, doch immer wären es die schatten, immer wären es die wirklichkeiten, die sie wieder aufrissen, die mir ihre schrecknisse einträufelten und mich sehen ließen, die meinen planlosen lauf stoppten und mir den letzten atem raubten.

doch diesmal nicht. ich rannte, würde weiter rennen, weiter und weiter, die augen bis ins herz geschlossen, keinen atemzug preisgebend, keinen gedanken verschenkend. ich rannte, würde alles zurücklassen, würde entkommen, würde entfliehen, würde rennen, bis ich fand, wonach ich nie suchte, würde rennen, bis das leben meinen namen kannte.

ich rannte.
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Montag, 31. Januar 2005

atemlos

ich halte meinen atem an, als könnte ich mein leben halten, als könnte ich in ihm jeden gelebten moment bergen, jeden augenblick wiederfinden und zu genuß wandeln, jeden gedanken sammeln und zur blüte treiben. ich halte meinen atem an, als könnte ich den windhauch des daseins von mir nehmen, als könnte ich die zeit regieren, ihr befehlen, woanders zu verweilen, nur kurz, nur solange, bis ich mich gefunden habe. ich halte meinen atem an und suche, suche mein leben, suche dich in mir.
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der sinn des lebens

ich maße mir nicht an, über sinn und unsinn des lebens diskutieren zu wollen, will auch keine these verbreiten, welchen sinn das dasein auf erden für uns menschen bereithält, keine mutmaßungen äußern über die mögliche individualität jenes lebenssinns; mein einziges verlangen in diesen zeilen wird sein, den sinn des lebens bzw. die suche nach ihm zu hinterfragen. was also ist der sinn des sinns des lebens?

was ich mich frage, ist beipielsweise, ob sich die suche nach dem sinn des lebens (SDL) überhaupt lohnt. die frage klingt albern, höre ich doch schon ein empörtes "natürlich!" aus imaginären publikum. doch derart selbstverständlich scheint mir das nicht zu sein, frage ich mich doch, ob der SDL an einem vorübergegangen ist, wenn man ihn nicht herausfand. ist also nur derjenige, der weiß, worin der SDL besteht, auch imstande, sein leben mit sinn zu befüllen? oder vermag auch der unwissende, derjenige, der nicht um den SDL weiß, ein erfülltes und sinnvolles leben zu führen? wenn dem so ist, wenn eigentlich jeder imstande ist, unwissend durch seine existenz zu wandeln und den sinn trotzdem zu erreichen, dann lohnt sich die suche womöglich nicht, insbesondere wenn sich diese als aufwendig und langwierig herausstellen sollte. immerhin hat man die möglichkeit bei versagen, wenn man also den SDL nicht herausfinden konnte, trotzdem diesen - zufälligerweise oder durch hingabe an sein innerstes ich oder wasauchimmer - zu erreichen. diese möglichkeit ist bei der alternative nicht gegeben: ist die erfüllung des lebens mit sinn nur den wissenden, den sinnkennenden, vorbehalten, so lohnt sich die suche noch weniger, da es nun zwingend notwendig wird, diese mit erfolg zu krönen, wenn man nicht vergebens gelebt haben möchte. es besteht also die pflicht des suchenden, eine doppelte odyssee durchzuführen: zum einen zum finden des SDL, zum anderen zu dessen erfüllung.

daher zeigt sich, daß egal wie es sich verhält, der sinnsuchende immer im nachteil ist gegenüber dem, der nur dahinlebt, ohne sich um den SDL zu scheren. ob nun irgendwann, nach erfüllung des lebens mit sinn, der sinnsuchende sich einen vorteil gegenüber dem scheinbar tumben verschafft haben wird, ist auch nicht gewiß und hängt vermutlich davon ab, wie der sinn beschaffen ist. das jedoch bringt mich zu einer weiteren fragestellung:
was passiert, wenn der sinn gefunden ist?

der SDL kann nur auf drei mögliche arten beschaffen sein. zum einen derart, daß er erfüllt werden kann, jetzt im augenblick oder zu späterem zeitpunkt. er ist erfüllbar, was bedeutet, daß es womöglich im leben einen punkt geben wird, an dem man feststellt, daß dieses von sinn erfüllt ist. doch was geschieht danach? welchen sinn hat das dasein nun noch, da scheinbar alles erreicht wurde? verbleibt anschließend noch sinn in der eigenen existenz? treibt man dann seelenlos durch die zeit, womöglich beglückt und von allem irdischen befreit, womöglich aber schwersten herzens, jeden verstreichenden augenblick als unsinnige qual empfindend?

die zweite variante besteht darin, daß er, der SDL, unerfüllbar ist. das ist wohl die ernüchternste, kann man doch dann gleich aufhören, weiterleben zu wollen. schließlich verfügt man nun über das wissen, daß alles eigene streben letztendlich sinnlos gewesen sein wird, daß die erfüllung unerreichbar bleiben wird. vbermutlich wünscht man sich dann, daß man nie erfahren hätte, nie hätte wissen wollen, was der verfluchte SDL denn nun ist.

die dritte und letzte variante halte ich für die wahrscheinlichste: der sinn erfüllt sich im leben. ich meine nicht, daß der SDL gleichzusetzen ist mit dem leben an sich, daß also jeder, der lebt automatisch dem leben einen sinn verleiht. nein, ich meine, daß der sinn eine sache ist, die sich in schritten erfüllt, im laufe des daseins langsam erfüllung findet. vielleicht ist dann der SDL veränderlich, paßt sich dem eigenen dasein an, gibt sich stückchenweise preis, läßt sich stückchenweise erfüllen und setzt immer neue ziele, neue fluchtpunkte.

eine vierte und fünfte variante fallen mir noch ein. viertens: der sinn des lebens erfüllt sich im tod. diese möglichkeit gefällt natürlich nicht besonders, da es dadurch möglich ist, zeitlebens herumzudümpeln und letztendlich doch den sinn zu erfahren, bzw. weil auch so alles streben nichts nützt, da erst der tod die erlösung, denn sinn, bringt.

fünftens und letztens: es gibt keinen sinn, keinen SDL. eine traurige variante, die natürlich alles streben vergebens macht und das leben an sich als "sinnlos" deklariert.

möge der geneigte leser sich nun seine favorisierte variante auswählen...
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flieh!

flieh! flieh erneut! flieh weiter!

schließ deine augen, schließ deine augen tief und tiefer. halt deinen atem an, preß die luft in deine lungen. halt dich zurück, halt alles zurück. verstopfe deine sinne, dein denken, dein leben. stopf dich zu und flieh.

zerr flackerbilder vor die augen, reiß dich hinfort, hinab. keine bedeutung zählt, kein wille, kein bemühen. alles wird nichts, wenn du es nur glaubst. schließ dich aus, schließ alles aus.

verknote deine zitterfinger. versteck sie in unergründlichen taschen. find im nichts die letzte murmel, spiel mit ihr, bis daß du fällst. stürme stetig gegen mauern, reiß sie ab und bau sie neu. flieh dich selbst und finde nicht.

flieh, o narr, zieh deiner wege! flieh noch immer, was du bist! flieh vor leere, flieh vor zwängen! wirf die ketten ab und flieh!
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der morgendliche wurm im ohr 4

der regen klopft fröhlich an meine scheibe. ich antworte ihm nicht, starre hinaus in das trübe grau des himmels. außerhalb meines bettes ist es kalt, ich weiß es. unerledigte dinge harren meiner, ungeduldig drängend. der tag hat längst begonnen, doch meine augen erzählen mir von der schönheit des schlafs, von flucht. vom korridor vernehme ich geräusche. irgendjemand ist längst wach. warum schaffe ich es nicht, zeitig aufzustehen? warum bleibe ich liegen, bis die frage nach dem grund dafür sich schmerzhaft durch meinen schädel gebohrt hat und zum verlassen der kuschligen decken zwingt? warum weiß ich schon jetzt, daß der tag ein reinfall werden wird?
der regen klopft fröhlich an meine scheibe. ich schenke ihm ein lächeln, klopfe zurück, flüstere "guten mogen.". ich erhebe mich. der tag wartet auf mich, und ich wünsche mir, ihn trotz allem mit sinn befüllen zu können.

heutiger morgenohrwurm:
die schröders - "frau schmidt"
zusammenhangslos. albern. komisch. ich verstehe nicht, warum das lied in meinem ohr lauert. aber es ist lustig und wippe den kopf zum takt, singe stimmlos mit.
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Sonntag, 30. Januar 2005

worte zerschellen in der ferne

dein lächeln ist echt. ich weiß es. ich wußte es immer. doch es erreicht mich nicht. es gilt nicht mir. es gilt deinen gedanken. gedanken, die du nicht mit mir teilst. niemals teilen wirst.

in der unerklärlichen traurigkeit der stille forme ich worte. treibe das nichts hinfort, das zwischen uns liegt. befülle das schweigen. du hörst mich nicht.
deine augen bemerken die bewegungen meiner lippen. deine ohren vernehmen laute. und manchmal dringt ein wort in deinen geist. veranlaßt dich zu einem blick. zu einer geste. zu einer regung. manchmal gar zu einem satz. doch du hörst mich nicht.

vieles von dem, was aus meinem mund quillt, ist unsinn. leere, die leere vertreibt. albernheiten. du lächelst nicht. fast nicht. nicht wegen mir. ich weiß es. ich weiß, daß ich nichts sage, wenn ich rede. ich weiß, daß ich dich nicht erreiche. doch versuche es trotzdem. will die stille vertreiben. will die beklemmende stille vertreiben.

manchmal schweige ich. du schweigst auch. bemerkst nicht, daß ich verstummte. bemerkst nicht, das der schwall der wörter versiegte. bemerkst nicht, warum ich schweige. du siehst mich nicht an.

dein lächeln ist echt. doch wenn ich dich frage, schweigst du. ich darf dich nicht sehen. darf nicht in dein inneres sehen. das lächeln ist nur für dich. für dich allein.

vieles von dem, was aus meinem mund quillt, geht tiefer. treibt fragen wie pfeile in die luft. setzt unsichtbare tränen frei. vieles, das mich bewegte. vieles, das mich zum nachdenken brachte. oder zum lachen. du hörst mich nicht.

wenn du redest, spüre ich die dornen in deinen worten. spüre ich die kälte. wenn du redest, bist du unendlich fern. wenn du redest, glaube ich, dich nicht länger zu kennen. dann schweigst du wieder. und lächelst.

ich sehe dich an und frage mich, warum. frage mich, warum ich dich ansehe. frage mich, warum du lächelst. frage mich, warum du schweigst. frage mich, warum meine worte dich nicht erreichen werden.

ich sehe dich an und verstumme. will für immer verstummen. mich abwenden. in tränen zerfließen. doch kann nicht.

dein lächeln ist echt. es verbirgt dich. irgendwo. worte zerschellen in der ferne.

ich bin wohl kein mensch mehr.
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im schnee

wie sanftes flüstern rieselt schee aus den weiten des himmels auf mich herab. jede einzelne flocke schenkt mir einen lieblichen kuß, setzt sich zärtlich in mein haar, auf meine kleidung, bildet eine weitere ergänzung eines wirren, wunderschönen musters. mit meiner zunge versuche ich, die weißen flecken aus der luft zu fangen, genieße das prickeln schmelzender schneekristalle. irgendwo aus meinen augen lugt einen seliges lächeln hervor.

die wiese ist weiß. ein anderes wort ist nicht vonnöten, denn alles, was meine blicke erfassen, ist diese farbe. weiß. keine spur führt durch die schneedecke, kein abdruck stört die ihre reinheit. jungfräulich, wie neugeboren, liegt ein kleines stück welt vor meinen füßen und verzaubert mich mit seiner pracht. ich wage nicht, die wiese zu betreten, wage nicht, sie mit mir zu vernunreinigen.

langsam und besonnen wandere ich an ihr entlang, genieße die ruhe in meinem kopf, das leise säuseln des winterwindes, die stille vor meine augen. wie leicht es ist zu vergessen, einen weißen mantel auszubreiten und die welt zu verhüllen, das dasein mit einem dünnen hauch aus schweigen zu bedecken.

irgendwann lasse ich mich fallen, einfach so, in das weiche weiß hinein. schnee umschließt mich, wirbelt hoch, legt sich auf mich nieder. ich spüre die kälte an meinem hals, doch fühle mich wohl, geborgen. aus dem grauen himmel fallen die flocken auf mich hinab, hunderte, tausende. ich folge ihnen in gedanken, betrachte beglückt ihren träumerischen tanz, lausche dem sanften flüstern ders schnees.

als ich irgendwann weitergehe, lächle ich.
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erinnerungen

zurückblickend erhasche ich die vergangenheit, einen fetzen davon, halte ihn fest, um ihn zu betrachten, um ein lächeln zu suchen, das ich einst wagte, um eine träne zu finden, die ich einst vergoß.

menschen über menschen, bedeutungslose leergesichter in der masse des buntgrauen breis. ich versuche, ihre formen zu greifen, ihre silhouetten zu erahnen. schattengleich schweben sie vorbei, schwammig und existenzlos. ich sehe ihnen traurig hinterher, frage mich, welche rolle sie spielten, welche rolle sie noch spielen würden, ob ich imstande sein würde, ihre gesichter zu erkennen, wenn ich nur wollte. ich sehe ihnen hinterher und versuche, ihre namen zurückzubehalten, klangslose wortstücke aus meinem kopf zu klauben und mit inhalt zu befüllen. es gelingt nicht.
und so viel schönheit, so viel licht, so viele möglichkeiten, die ich nicht zu nutzen wußte, dich ich nicht zu nutzen weiß. wie soll man wissen, was richtig sein wird, wie soll man lernen, was der bessere pfad, wenn jegliche möglichkeit verwehrt bleibt, zurückzukehren und anders zu entscheiden, andere pfade zu wählen?
'das jetzt ist voller wege.' eine stimme flüstert lächelnde zeilen in mein ohr. gesichter berühren meine sinne, entgleiten meinem herzen. die stimme kichert, küßt mich. ich wehre mich nicht. bilderwelten überfluten meinen atem, kein dunkel hält mich noch fest, als ich den boden unter mir zurücklasse. mein lächeln birgt freiheit, meine liebe führt mich traumtanzend durch das labyrinth. der ausweg bliebt verborgen unter trümmern, doch gleite ich empor, davon.
kein gedanke vermag mich noch zu trüben, mein antlitz glitzert lichterloh. wohin soll meine reise gehen? wohin treiben mich alle pfade? wohin führt mich meine sehnsucht? wohin mein feuer?
'ins jetzt, ins jetzt, ins leben.' die stimme kichert ein weiteres mal. silbersanft beühren ihre laute meine sinne. ich wünschte, ich könnte sie für einen moment berühren, halten, in mir bergen. ich wünschte...

ich erwache auf einer waldwiese. am blauen himmel ziehen wattewolken ihre kreise. ich kann die stimme kichern hören. in mir. irgendwo in mir.
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der morgendliche wurm im ohr 3

ich kenne mich mit den paarungsgewohnheiten in ohren wohnhafter wurmwesen nicht sonderlich gut aus, mußte allerdings heute morgen beim unfreiwilligen erwachen [unglaublich, wie weich und bequem ein bett sein kann...] feststellen, daß mich gleich zwei der putzigen tierchen heimgesucht hatten:

scream silence - "greed for love" und
samsas traum - "der spiegel sieht mich nicht"

noch immer bin ich nicht imstande, zusammenhänge zwischen den morgendlichen ohrwürmern und anderen dingen herzustellen, vermag also keine regel zu finden, kein grund, warum ausgerechnet jenes lied in meinem schädel herumschwebt. aber ich bleibe dran, werde weiter beobachten und vermutlich in nicht allzu ferner zukunft dieses befremdliche mysterium lösen, dafür mindestens zweieinhalb nobelpreise erhalten, ein denkmal gebaut bekommen und offiziell für "extrem gutaussehend und intelligent" erklärt werden.
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Samstag, 29. Januar 2005

"irgendwo tief in mir..."

irgendwie war es mir schon immer bewußt, lauerte tief in meinem denken, doch erst gestern wurde es mir wirklich klar: ich bin noch immer kind.

ich neige nicht dazu, die kindheit glorifizieren zu wollen. aus heutiger sich scheinen die sorgen von damals wesentlich unbedeutenderer natur gewesen zu sein, was den automatischen schluß zuließe, daß die kindheit schön gewesen sein muß und daß man diese zurücksehnen sollte. doch daß in den augen eines kindes die damaligen sorgen womöglich von weltumfassender bedeutung waren, daß also nicht alles an der kindheit schön war, begreift man nur ungern.

was ich aber an der kindheit liebe, ist, bestimmten dingen mit ungetrübtem blick, ohne tiefere gedanken zu begegnen und sie einfach hinzunehmen. ich liebe das auge für details, das ich als kind hatte und bemühte mich längst, dieses nicht zu vernachlässigen, auf alles, noch so winzige zu achten und mich daran zu erfreuen.

ich liebe es, sinnlos herumzualbern, zu hüpfen, zu schreien, herzlich zu lachen, ich liebe es, mich einfach gehen zu lassen und für einen moment alles abzuschalten, was an rationalem in mir wohnt. ich liebe es, kleinigkeiten zu sehen und zu beobachten, mich in winzige spielchen zu vertiefen und die welt zu vergessen.

gestern jedoch wurde mir bewußt, daß ich noch auf eine andere weise kind bin, auf eine weise, die mir weniger behagt, aber längst keinen grund zur sorge darstellt, vielleicht sogar ein zeichen für kindliche offenheit ist.

im zuge meines versuches zur selbstfindung entdeckte ich, daß in mir unzählige interessen wallen, darauf harrend, endlich ausgelebt zu werden. und jede neue tätigkeit ist wie ein spielzeug für mich, das ich unbedingt haben möchte. so war eine der ersten gegenstände, die ich mir in meiner ersten eigenen wohnung zulegte, eine elektrische gitarre. ich war fasziniert, ja gefesselt, spielte zuweilen stundenlang, erfreute mich an jedem klang, der entwich. doch irgendwann ließ das interesse nach, es gab soviel anderes, was getan werden mußte oder konnte. eine eigene heimseite mußte her, freunde und freundinnen wollten beschäftigt werden, ich wollte mich lyrisch und prosaisch ausleben. ich wollte schreiben und tat es. ich wollte zeichnen und tat es. irgendwann entdeckte ich die gitarre wieder und stellte fest, daß eine akustische doch auch wunderschön sei. und bald hatte ich ein neues spielzeug. ich entdeckte die jonglage, entdeckte, wie es ist, plakate und flyer zu designen, entdeckte dies und jenes - entdeckte zuletzt die photographie.

mehrere sachen stellte ich fest. zum einen sind meine "spielzeuge" wesentlich preisintensiver als die kleiner kinder. zum anderen lasse ich niemals ein spielzeug fallen und will es nicht wiedersehen. sicherlich war niemals genügend zeit, alles gleichzeitg zu nutzen, mich jeder freude gleichzeitig hinzugeben. und doch vermag die alte gitarre noch immer angenehme klänge zu fabrizieren, und doch gebe ich mich noch immer sämtlichen interesen gerne hin, lasse sie ruhen, finde sie wieder und vertiefe mich darin.

mein herz sehnt sich nach abwechslung - und findet diese in immer neuen spielzeugen, die jedoch manchmal nur die alten zu sein brauchen. ich liebe es, mich ausleben zu können, liebe es, auf verschiedenste art und weise meine gedanken gehen zu lassen, liebe es, die schönheit der welt zu entdecken und sie zu würdigen, liebe es festzustellen, daß ich das leben liebe.

längst bin ich erwachsen, doch wieder und wieder bereitet es mir freude zu bemerken, daß in mir noch immer ein teil des kindes steckt, das ich mal war.
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der morgendliche wurm im ohr 2

nicht wenig überrascht war ich, als heute morgen schon wieder eines dieser kleinen musikalischen wurmwesen in meinem gehörgang hockte und mir klänge vorspielte, die ich im ersten moment gar nicht zuzuordnen wußte. doch wenige gedankengänge später war ich imstande, des rätsels lösung zu erahnen und freute mich angesichts dessen, daß ich wiederum nicht vermag, dieses lied mit irgendetwas aus näherer vergangenheit in verbindung zu setzen, das auslöser für den ohrwurm gewesen sein könnte.
heute handelte es sich nämlich um:

agathodaimon - "solitude"
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Freitag, 28. Januar 2005

vergessen

und mit jedem augenblick, den ich weiterlebe, frißt die zeit mehr und mehr an meinen erinnerungen, raubt sie, verfärbt sie, zeichnet sie neu und löscht sie aus. selbst der innige wunsch festzuhalten, selbst das fiebrige vorhaben, nicht, niemals, loszulassen, kann sich diesem prozeß nicht widersetzen. ich kann worte schreiben, gedanken im geiste wiederholen, bilder ausgraben und in mir verinnerlichen, ich kann anderen erzählen, was in mir blieb, um es aufzufrischen, zu erneuern. doch nützt all das nicht viel gegen die übermacht der zeit, gegen die übermacht des vergessens.

das ereignis war traurig, wohl die traurigste zeit meines daseins, war so unfaßbar unwirklich, daß ich womöglich noch heute nicht begreife, noch heute nicht fasse, was geschah. und doch zerrinnt es in mir, fließt hinfort, ein teil des gewesenen, sich aus der gegenwart verabschiedend. noch immer fühle ich ein echo meines schmerzes von damals, das hin und wieder wellen schlägt und meine sinne überflutet, tränenbäche gerinnen läßt. doch das alles ist so unfaßbar schwach, so unendlich weit fern, daß das ohnehin unwirkliche in mir noch mehr an substanz verliert, daß es von mir weicht, als wäre es nie geschehen.

und doch geschah es. ich weiß es, irgendwo im kopf, tief in meinem rationalen denken. doch mit jeder sekunde, die ich weiterlebe, kann ich es weniger fühlen, weniger fassen.

ich genieße die augenblicke, in denen meine erinnerungen zurückkehren, in denen alte bilder das vergangene aufzeigen und facetten vor mir ausbreiten, derer ich längst nicht mehr gewahr bin. kleinigkeiten kommen mir in den sinn, und ich freue mich darüber, freue mich, sie wiederentdeckt zu haben wie einen alten, längst vergessenen schatz. in solchen momenten breite ich alles in mir aus, eine galerie des lebens, die vom tode kündet. und doch, selbst der schmerz ist mir dann ein treuer freund, ziehen mit ihm doch weitere erinnerungen einher, dinge, die ich vermißte, ohne daß ich sie hätte betiteln können, dinge, die entwichen, ohne daß ich ihr fehlen bemerkt hätte. für einen augenblick bin ich imstande, dich zu greifen, die vergangenheit zu greifen und in mir festzuhalten, dich mit meinen tränenüberströmten augen zu sehen.

ich will nicht vergessen, will niemals vergessen, weil zuviel schönheit in dem steckt, was längst verging, weil zuviel liebe dort wohnt, wo ich dein bild in mir trage. ich will nicht vergessen, wer du warst, wer du in meinem herzen noch immer bist, will die zeiten nicht vergessen, die wir teilten.

niemals will ich, daß einzig ein stein, ein bepflanzter fleck erde, ein starrer name inmitten vieler, ein trüber ort in meiner ferne, mich an dich erinnert, will nicht, daß es eines solchen platzes bedarf, um dich noch immer in mir zu wissen.

jede erinnerung schenkt mir ein lächeln, jeder gedanke an dich hält dich in mir. so vieles, was ich nicht wußte, was ich niemals wissen werde. so vieles, was ich wußte, spürte, erlebte.

ich will es nicht vergessen, will niemals vergessen...
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tagesausklang

beeindruckend, wenn man rückblickend feststellt, daß der tag als solcher von immenser eigenfreude geprägt wurde, wenn man merkt, daß alles erdenklich mögliche in den letzten stunden sich zum guten wendete oder zumindest eine derartige richtung einzunehmen erwog, wenn man begreift, daß das lächeln auf dem eigenen antlitz nicht nur echt war, sondern auch in der tiefe perlte, nach außen drängte und versuchte, andere anzustecken.

ernüchternd, wenn aber der moment des rückblicks geprägt ist von einer unerklärlichen schwere, ja fast schwermut, wenn trotz allem die welt trüb und grau wirkt und sich keinen millimeter weitergedreht zu haben scheint, wenn das lächeln längst entschwand und nur noch die stille erinnerung daran verblieb.

womöglich ist dann der rechte zeitpunkt gekommen, die augen zu schließen und den tag für sich selbst sterben zu lassen, in die vergangenheit zu rücken, als den tag, an dem viel so gutes geschah, an dem das lächeln nicht schwieg. vielleicht ist dann der rechte zeitpunkt gekommen, dankbar zu sein und sich darüber zu freuen, was war, anstatt sich selbst tiefer und tiefer in unsinnige trübnis zu versenken. vielleicht ist dann der rechte zeitpunkt gekommen, sich selbst ein letztes lächeln zu schenken und mit vorfreude auf den nächsten tag zu warten, selig träumend dem jetzt in das nahende irgendwann zu entfliehen.
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blurks und rote geräusche

ich gebe zu, daß der nun folgende text wenig sinn haben wird und einzig und allein dazu dient, die überschrift im raum stehen zu lassen. diese, der betreffzeile einer von mir verfaßten email entwendet, gefällt mir so gut, daß ich stundenlang davorsitzen, sie lesen und in mich hineinkichern könnte. eine solche tätigkeit wird von mir selbstverständlich niemals praktiziert werden, und wenn, dann nur kurz. ich habe schließlich fleißig zu sein, emsig wie ein frischgeschlüpftes honigkuchenpferd.

mir fällt gerade auf, daß es unglaublich viele worte gibt, die mir zusagen, die mich freundlich anlächeln, mich liebevoll grüßen, wenn ich sie entdecke, mir heimlich zuwinken, wenn ich mich abwende.

eines jener worte ist "blurks". ich habe keine ahnung, was ein/eine blurks ist, gebe zu er/sie/es kann nicht wirklich appetitlicher natur sein, doch irgendwie mag ich ihn/sie/es. ein anderes wort, das ich liebe, ist "honigkuchenpferd". ich gebe zu, dieses schon heimlich in den vorangegangenen zeilen untergebracht zu haben, und zwar einzig und allein aus dem egoistischen motiv heraus, mich an seiner existenz zu erfreuen. "morast", "nichtsdestotrotz" und "zuweilen" stellen befremdlicherweise auch worte dar, über die ich gerne meine blicke streifen lasse. ich wage nicht, derartiges zu hinterfragen, fürchte ich mich doch vor den schauerlichen abgründen, die sich in mir auftun könnten.

was ich aber jederzeit gerne wage, ist, wörter zu hinterfragen. ein gutes beispiel stellt das wort "komisch" dar, das mir immer wieder zu denken gibt. schließlich verbirgt sich in ihm ein doppelsinn. meint man aber nicht das lustige "komisch", sondern das andere, benutzt man zuweilen [hihi...] irgendwelche synonyme. bevorzugt wird dabei das wort "merkwürdig" verwendet. doch "merkwürdig" bedeutet in meinem denken etwas, das würdig ist, daß man es sich merkt, also einprägt. ich stelle dabei aber fest, daß die inhaltliche gleichheit zwischen "merkwürdig" und der zweiten bedeutung von "komisch" nicht immer gegeben ist und suche weiter nach alternativen. ich erwähle "eigenartig". jedoch deutet dieses alberne ["albern" liebe ich im übrigen auch sehr.] wörtchen eigentlich nur darauf hin, daß etwas eine eigene art besitzt. und da ich davon ausgehe, daß nahezu jeder existierende gegenstand, jedes lebenwesen auf erden, eine eigene art hat, eigen ist, bereue ich meine wahl und suche erneut nach synonymen. im augenblick hänge ich bei "befremdlich". dieses wort sagt aus, daß irgendeine sache auf mich fremd wirkt. und wenn ich ausrufe: "hui, das ist aber komisch!" und nicht meine, daß es lustig sei, dann fremdet mich jene sache durchaus an, und ich kann ruhigen gewissens "befremdlich" in meinen aktiven sprachwortschatz aufnehmen.

es gibt befremdliche [!] worte im leben, solche, die einen nicht loslassen. bei mir jedenfalls verhält es sich derart. suche ich einen namen, fällt mir als erstes "peter" ein - es gab mal eine zeit, da war es "otto". will ich einen zeitpunkt bestimmen, wird es zumeist "donnerstag", egal ob sinnvoll oder nicht. fällt mir eine bezeichnung nicht ein, benutze ich das von mir erfundene substantiv "knuselwupp", das zugleich ein name sein kann und auf "knusel" verkürzt werden darf. "knuseln" ist das enstprechende verb; ihm kommt im meinem wortschatz ähnliche bedeutung bei wie das wort "schlumpfen" bei den kleinen, blauen gesellen mit den weißen mützen - eine universale also. es spielt keinerlei rolle, inwiefern das mir in den sinn hüpfende wort passend oder unpassend ist; es liegt mir plötzlich auf der zunge und will ausgesprochen oder niederschrieben werden.

...

unangenehmerweise muß ich zugeben, daß ich nicht imstande bin, diesem text einen akzeptablen schluß zu schenken, weswegen ich noch einmal grinsend auf die überschrift deute und mich unterdessen heimlich aus dem staub mache...
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der morgendliche wurm im ohr

während des mühsamen aufstehprozesses fiel mir heute zum wiederholten male auf, daß mir ein lied im kopf herumschwebt, das meiner erinnerung nach keinen bezug zu irgendwas besitzt; das ich nicht am abend zuvor gehört hatte; das keine rolle in meinen träumen gespielt hatte; an das ich in letzter zeit nicht gedacht hatte; ein lied also, das sich einfach so in meinem ohr niedergelassen und bequem gemacht hatte und mit schöner melodie das aufstehen zu versüßen gedachte.

ich wunderte mich ein bißchen und beschloß, in zukunft darauf acht zu geben, welcher ohrwurm mich morgens begrüßt, also niederzuschreiben, was mir im kopf erklingt.
heute handelte es sich um:

samsas traum - "der wald der vergessenen puppen"
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Donnerstag, 27. Januar 2005

noch ein letztes

manchmal erkenne ich in meinem handeln dinge, die mich erinnern lassen, die trübes hervorkramen aus den untiefen meines geistes, aber auch schönheiten, deren glanz ich längst vergaß. zumeist genieße ich es, erfreue mich dessen, was war, sei es schmerz, sei es glück. und zuweilen eröffnen sich dadurch neue gedanken, greifen ein in die gegenwart, lenken meine schritte. ich könnte... ich sollte... wäre es nicht möglich, ...

es heißt, es wäre niemals zu spät, um verzeihung zu bitten.
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einmischen

die kombination aus gedanken in der vergangenheit und dem heutigen betrachten des wahrlich ergreifenden und wunderschönen films "die fabelhafte welt der amelie" ergab folgende frage: was passiert, wenn man sich einmischt?

ich selbst bin ein verhältnismäßig neugieriger mensch. sobald mich eine frage, ein mensch oder ein ding fesselt, vermag ich dieser/m meine volle aufmerksamkeit zu widmen, den rest der welt zu vernachlässigen, nur um ein paar mehr informationen zu ergattern. sitze ich in der straßenbahn, so neige ich nicht selten dazu, andere menschen anzustarren, sie zu beobachten, ihr verhalten zu studieren und darüber zu sinnieren: die frau dort, mit dem kleinen kind, warum redet sie so merkwürdig? hat sie getrunken oder ist sie sprachlich behindert? der mann dort, wie oft habe ich ihn schon dieselbe geschichte erzählen hören von ihm, der siebzig jahre alt ist, von seiner zehn jahre jüngeren freundin, von seinen wöchentlichen tanzvergnügungen und so weiter? was um gottes willen findet die einigermaßen attraktive, aber scheinbar ein wenig unterbelichtete junge dame mit kinderwagen an ihrem freund, einem offensichtlichen fascho-proll?

und schon geschieht es. der fascho schaut mich an, ich sehe zu spät weg. was folgt, sind böse blicke und derbe beleidigungen. ich versuche, zunächst nicht, dann in sachlichem ton darauf einzugehen, doch ernte nur erneute schimpfworte. provozierend zündet sich der aggressive junge mann die zigarette schon an, bevor die bahn an seiner haltestelle hält (welch segen für das kind!), veabschiedet danach seine freudnin mit einem kuß (wie lecker!), steigt aus und entfernt sich, jedoch nicht ohne noch einmal wütend an die scheibe zu schlagen, hinter der ich sitze. ich habe dergleichen erwartet und reagiere nicht; die reaktion seiner freundin lautet ähnlich. sie scheint es gewohnt zu sein. traurig.

ein mensch niest. mit einem echten lächeln auf den lippen (nicht eines jener falschen lächeln, die uns die printmedien immer wieder auf den lippen hochbezahlter models präsentieren, welche tatsächlich aber nichts anderes sind als ein zu einem pseudogrinsen verzerrtes antlitz) wünsche ich herzlichst "gesundheit!" - und ernte erstaunte blicke: ich habe mich eingemischt.

ich steige an einer haltestelle ein und suche einen sitzplatz. auf einem zweierplatz sehe ich eine freie sitzgelegenheit, jedoch versperrt von einer jungen dame, die sich auf den äußeren platz gesetzt und somit den weg zum anderen versperrt hat. die bahn ist rammelvoll, niemand vermag sich auch nur wenige zentimeter zu rühren - doch keiner wagt es, die junge dame zu fragen, ob sie denn beiseite rücken und den unbelegten sitzplatz freigeben würde. ich wage es aber, möchte ich doch noch ein paar minuten in einem buch schmökern. auf meine anfrage hin reagiert die junge dame nicht nur überrascht, sondern fast gereizt, als hätte sie den sitzplatz reserviert und für sich gepachtet. sie rückt beiseite, ich lasse mich nieder, sie rückt noch ein stück. meine nähe ist ihr zu nah. ich darf mich nicht einmischen, habe mich schon genug aufgedrängt.

in einer anderen situation verfüge ich über einen sitzplatz in türnähe, sehe beizeiten, daß eine ältere, des gehens nur mühsam mächtige, frau einsteigt, stehe auf und begebe mich dorthin, wo ich, ohne im weg zu sein, während der fahrt stehen kann. doch was ich ernte, ist keineswegs ein winziges lächeln oder nicken des müden hauptes, nein, mir blicken nur fragende augen entgegen, berichten von verwunderung. es war wohl nicht zu erwarten gewesen, daß ich an ihrem schicksal anteil nehme, ja vielleicht noch nicht einmal gewollt.

überall wird der versuch, menschlichkeit zu zeigen, sich einzumischen und richtungsweisend zu wirken, mit mißtrauen aufgenommen. gehe ich an erzählenden menschen vorbei und erhasche gesprächsfetzen, die ein für mich lösbares, aber von den redenden kompliziertes problem beinhalten, zögere ich nicht, meine meinung zu äußern. wird mein nachbar am bibliothekscomputer von einer fremden um eine kurze pause gebeten, damit eine kurze sache erledigt, zwischengeschoben, werden kann, zögere ich nicht, aufzustehen und meinen platz anzubieten. sehe ich bettelnde auf der straße oder alkoholisierte, die sich um einen getränkestand gruppieren, so versuche ich nicht zu vergessen oder wegzusehen, sondern frage mich betrübt, was nötig ist, um diesen menschen zu helfen. spricht mich ausnahmsweise irgendwer an, um rat fragend, hilfe ersuchend, so zögere ich nicht und tue mein möglichstes.

ich will mich nicht preisen, sondern nur unzählige beispiele dafür aufzeigen, daß stets das gleiche geschieht: menschen wollen nicht, daß sich jemand fremdes einmischt, wollen mit ihren sorgen, ihren gedanken, ihrem handeln in ihrer kleinen welt belassen werden - und bröckelt sie noch so sehr. sie wollen nicht, daß irgendwer in ihnen schwäche entdecken kann, wollen nicht fragen, geben lieber nach und weichen zurück. menschen fahren in einer kaufhalle lieber umständlich an einem im weg stehenden einkaufswagen vorbei, anstatt diesen, der ja keineswegs privateigentum darstellt, einfach ein stück beiseite zu schieben. sie dulden lieber den lärm der nachbarn im lesesaal, anstatt höflich um etwas ruhe zu bitten. sie schreiben lieber die offensichtlich falschen worte oder formeln von einer tafel ab, als den lehrenden, die autorität, die auch nur mensch ist, auf seine fehler hinzuweisen.
nicht immer, ich weiß. doch oft genug. und das macht mich traurig. insbesondere weil jeder versuch, aus diesem denken auszubrechen, im ersten moment so ungewohnt zu sein scheint, daß der betroffene zunächst einen angriff, einen eingriff in sein persönlichstes, in sein allerheiligstes, vermutet. er reagiert verletzt oder aggressiv, wendet den blick ab oder schweigt. manchmal aber lächelt er und entsinnt sich dessen, daß es auch andere gibt, und daß die anderen vielleicht in ähnlichen sorgen und nöten stecken wie er selbst. für solche augenblicke bin ich dankbar.

ich will mich einmischen, doch mich nicht aufdrängen, will mich zur verfügung stellen, doch nicht in den mittelpunkt, ich will möglichkeiten offenbaren, nicht pflichten. der unterschied ist schwer auszumachen - jedenfalls auf den ersten blick. und doch reicht es zuweilen, wenn man auf die standardisierten floskeln zur begrüßung oder zur verabschiedung verzichtet und etwas sagt, was man auch meint, was womöglich aus dem eigenen inneren kommt. es reicht oft, wenn man versucht, in anderen menschen auch solche zu sehen, nicht einfach nur randfiguren der eigenexistenz. es reicht oft, wenn man die augen öffnet und beginnt, ein oder zwei schritte weiterzudenken als nur bis zum hier und jetzt. es reicht, oft, eine frage zu stellen, wo man sich eigentlich nicht traute; einen satz zu sagen, den man längst loswerden wollte.

was passiert also, wenn man sich einmischt? ich weiß es nicht, nicht wirklich, doch freue mich über jedes zeichen von menschlichkeit, freue mich darüber, nicht als eindringling betrachtet zu werden, sondern als freundlicher, hinterfragender junger mann, freue mich, wenn reaktionen erfolgen, die nicht von mißtrauen udn verdeckter furcht treifen. und natürlich freue mich darüber, wenn sich irgendwann jemand in mein eigenes dasein einmischt...
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dankbar

da ich nicht oft daran denke, derartige worte zu formulieren, soll es nun geschehen, obgleich ich längst in den federn liegen sollte:

ich bin dankbar, am leben zu sein.
ich bin dankbar für jeden augenblick, den ich erleben darf, für jeden moment, den ich verlebe, für die schönheit meines daseins, für die schönheit der existenz an sich.
und ich bin dankbar für menschen, die mich wissen lassen, daß ich lebe, daß ich noch immer lebe...
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luftschloß

und wieder begreife ich, daß du blind bist, nicht fähig zu sehen, verstehe, daß meine illusionen mich hinforttrieben, daß ich dachte und dachte, doch niemals an ein ziel gelangte. und doch - war da nicht der moment, bevor ich ging, der augenblick, in dem eine unangenehme stille in der luft hing, als würden wir beide auf etwas warten? hätte ich einfach...? ich kann nicht, konnte nie und werde wohl auch niemals können. zu lange schon kenne ich dich, kann ich hinter deine makse blicken, zu lange, um nicht längst aufgegeben zu haben, um nicht längst erkannt zu haben, daß deine welt meine nur für momente zu berühren imstande ist, daß sie sich dreht, daß sie rotiert und nur hin und wieder, in ergreifend trüben oder außergewöhnlich seligen fetzen gefrorener zeit, innehält und das andere, das ich zu sein glaube, zu erblicken vermag. ich sollte die letzten gedanken töten, den heimlichen wunsch, der nur spinnerei ist, der keine zukunft hat, egal, welchen weg ich wählen, egal welche möglichkeit ich als die meine erachten würde. ich sollte dich sehen als wirkliches wesen, als teil meiner welt, als lichtes objekt, doch zu jedem punkt der zeit unerreichbar fern, auf anderen sphären wandelnd, auf ebenen, die zu erreichen ich nie gewillt sein werde. nicht über mir, nicht unter mir schweifst du durch die universen, sondern irgendwo, irgendwoanders, irgendwo in meiner ferne. meine worte vermögen nicht, dich zu rühren, nicht einmal dich zu erreichen, sind nur hall, leere blasen in der luft, ein schöner klang, des hintergrunds stille verdrängend. ich sollte die augen schließen und endgültig wissen, nicht länger ahnen, nicht länger mir selber in die gedanken reden, nicht länger nur fühlen, sollte erkennen, daß der berg aus möglichkeiten in jeder zukunft ein luftschloß bleiben und zerplatzen wird, sobald sich ein krümel wirklichkeit nähert. der schmerzt sitzt nicht tief, ich verliere nichts, besaß ich doch nicht einen hauch von dir. nur meine gedanken, nur mein denken, das schweigen möge, endlich schweigen...
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Mittwoch, 26. Januar 2005

dürre

meine augen fühlen sich taub an, ausgewrungen, so als hätte ich stunden-, ja vielleicht tagelang ununterbrochen geweint, tränen vergossen wie silbernes blut, als wäre jedes meiner traurigen worte durch die augen in die trübnis der welt geboren. leer und stumm sind sie nun, ihrer kostbaren flüssigkeit, all meiner tränen, beraubt, entsaftet, ausgedörrt.
ich habe nicht geweint.

und doch würde ich gerne gerweint haben, würde gerne weinen, stundenlang, ja vielleicht tagelang.

aber meine augen sind leer und stumm.
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(sitz)gelegenheit

ich hatte glück. dein gesicht lugte durch den türspalt und schenkte mir ein lächeln. es war kein stuhl mehr frei. ich hätte aufstehen können, dir meinen platz anbieten, doch hätte dann selber verloren im raum stehen müssen. du zögertest nicht, tratest ein und ließest dich auf meinem schoß nieder. leicht wie eine feder, zart und zerbrechlich.

durch die stoffe unserer kleidung hindurch vermochte ich noch, deine wärme zu spüren. jede kleinste deiner regungen nahm ich wahr. wie du deinen kopf wandtest, um besser sehen zu können, deinen oberkörper wenige zentimeter nach links oder rechts neigtest, wie du dein gewicht verlagertest, um bequemer zu sitzen - ich spürte es. mehr noch, ich spürte, wenn du lachtest, wenn dein leib angenehm auf meine beine drückte, tauchte in den lockenden duft deines körpers, ließ mich von deinen haaren kitzeln.

und doch - ich wagte nichts. dein körper auf meinem, doch berührte ich dich kaum. meine hände suchten halt an den armlehnen des stuhles, mieden deine nähe. mein oberkörper wich von deinem zurück. wie hätte ich es wagen können, dich zu berühren, dich mit vollem bewußtsein, mit genuß, zu berühren? wie hätte ich es wagen können, meine hand auf deine schenkel zu legen, sanft nur, meinen kopf an deinen rücken zu lehnen, mit meinen fingern deine liebevoll zu umschließen? wie hätte ich es wagen können, dich zu umarmen, dich zu halten, dir näher zu sein? wie hätte ich es wagen können...?

ich lächelte leise in mich hinein, als ich die trübe ironie meiner situation erkannte: niemals würde näher bei dir verweilen als in diesen augenblicken - doch war ich nicht imstande, den moment zu nutzen, bis zur vollendung auszukosten.

selbst meine funktion als sitzgelegenheit erfüllte ich nur unzureichend, war zu unbequem für dich. wieder und wieder rücktest du herum, eine andere, bessere, position suchend. ich gebe zu, daß diese bewegungen keineswegs unangenehm für mich waren, gebe zu, daß ich versuchte, wie zufällig meine hand in die nähe deines körpers zu bewegen, über deine kleider streifen zu lassen, gebe zu, daß ich für wenige sekunden meine wange an deinen rücken schmiegte, daß ich dir zärtlich einen kuß auf die schulter hauchte.

irgendwann standest du auf, dir einen tee zu holen, zerbrachst den zauber, den ich mir ersponnen hatte, ließest mich zurück als leeres, unbemerktes möbelstück, dir verträumt hinterhersinnend.

was wäre gewesen, wenn...?
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treibgut

vielleicht ist es das fehlen von licht, das fehlen eines halts, das mich willenlos, planlos, durch das weltgefüge treiben läßt.

bedenke ich frühere zeiten, so war in jeder noch so trüben stunde stets ein leuchten, eine flackernde kerze in meinem geiste vorhanden, deren glanz noch so illusorisch, deren wärme noch so sehr erträumt sein konnte - sie gab mir kraft, sie gab mir hoffnung. ich krallte mich an gedanken, die schöner waren als die wirklichkeit, schöpfte aus diesen glauben und den mut, weitergehen, weiterleben zu wollen. irgendwie schien es trotz allem immer einen pfad für mich zu geben, an dessen ende die möglichkeit betsand, alles könnte endlich gut werden.

doch nun treibe ich durch die gezeiten und habe zuweilen das gefühl, nichts und niemand könnte mich noch berühren, mich noch erkennen, glaube, mich selbst zu verlieren, planlos und ohne richtung. im meinem kopf herrscht leere. das letzte leuchten ist verschwunden, entwich, ließ nur ödnis zurück.

erinnerungen bemächtigen sich meiner, wieder und wieder, locken ein lächeln aus den abgründen meines herzens hervor, gedenken dem, was war. doch mit ihnen perlt auch das wissen hervor, das schreckliche wissen um die wahrheit, um die tatsache, daß die erinnerungen solche bleiben werden und eine rückkehr unmöglich ist.

vielleicht ist es dieses wissen, das mich dumpf umhertreiben läßt, vielleicht aber auch die gewißheit, daß ich gar nicht zurück möchte, daß ich die vergangenheit als solche zu betrachten wünsche, mich an ihr lächelnd labe, doch sie nicht länger erneut herbeisehne. vielleicht verlor ich mein licht, als ich aufhörte, mich zurückzusehnen.

die zukunft blickt mich an, scheint mir unendlich leer. zwar flüstern aus allen richtungen leise stimmen von möglichkeiten und vielfalt meiner wege, doch vernehme ich nur ein atemloses gebrummel, ein tonloses geräusch, das mich abstumpfen und das kommende vergessen läßt. was sein wird, interessiert mich nicht, interessierte mich noch nie.

nun, da die vergangenheit unerreichbar in meinem bewußtsein verschwand, nur noch glitzernde schatten auf die gegenwart wirft, nun, da die zukunft brach liegt, doch kein schimmern zu offenbaren weiß, nun, da ich mir weder ein rückwärts noch ein vorwärts verbleibt, ward ich gefangen, gefangen in einem moment, aus dem es kein entrinnen gibt.

wie ein roboter schreite ich voran, nehme atemzug um atemzug, schritt für schritt, lebe im wind des derzeitigen, haltlos, seelenlos. mein lächeln gefror, mein blick weist nach unten, zu boden, betrachtet mein starres verharren im jetzt, den vergeblichen versuch, weiterzueilen, aufzublicken, mir selbst zu entfliehen.

vielleicht bedarf es nur eines neuen lichtes, eines neuen halts, um mich von neuem zu bewegen, anzutreiben, mit willen und kräften zu erfüllen, mir ein lächeln zu schenken, das mich wärmt und tröstet, das mich hoffen läßt und glauben, das die liebe in mir erneut entstaubt und mir die augen öffnet für die schönheit meines lebens. vielleicht...
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hörfehler

inmitten der wuselnden menschenmassen, welche die mensa befüllten, drang ein merkwürdiges wort an mein ohr:
"hühnerfickersee"
...
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runzelfalte

die runzelfalte kehrt zurück
kein fades lächeln treibt sie fort
mein schädel brummt in tiefstem takt
von innen hämmert furcht

ein schritt nach vor, doch drei zurück
das alte spiel - nur lauter
ein schmerz schließt jedes augenlid
und treibt den atem an

ein blablabla kriecht aus dem mund
verhüllt mein furchtgewitter
reglos, weglos, leblos, stumm
ich treib hinab - ins nichts.

www.bluthand.de
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Dienstag, 25. Januar 2005

in stillsten stunden

in stillsten stunden überkommt mich der wunsch glücklich zu sein. gerne würde ich dem spiegelbild zulachen und dem ihm sagen, daß alles gut ist. gern würde ich die augen schließen und tief in mir drin wissen, daß ich lebe, daß es schön ist zu leben. gern würde ich mich an der pracht meiner lichtwelt laben, mich an ihr berauschen, mich in ihr verlieren.

in lautlosen augenblicken wünsche ich mir einen frischen frühlingswind, der durch geist und kleidung fährt und mich wohlig schaudern läßt. ich wünsche mir einen regen, der die nebel aus meinem schädel löst und mich befreit, meinem herz einen sonnenstrahl abgewinnt. ich wünsche mir, aufstehen zu können und zu wissen, daß jeder weg, den ich zu beschreiten gedenke, der richtige sein wird.

die sehnsucht nach der erfüllung von liebe ergreift, berührt, mich, verzehrt mich süß, zieht mich hinfort, zu mir, zu dir, irgendwohin. ich wünschte mir, ich könnte dein antlitz erkennen, das funkeln in deinen augen erhaschen. gerne würde ich einfach loslassen, alles loslassen, und fallen, in den wilden lüften tanzen, ohne furcht vor dem kommenden, ohne angst vor dem aufprall. ich würde gen himmel springen und die wolken berühren, würde die feder eines engels fangen und in mein haar stecken. ich würde die augen öffnen und wissen, daß dies kein traum ist.

in stillsten stunden möchte ich ... leben.
-----

ich kann dich träumen sehen

warum schweige ich nicht? warum flüstere ich worte in die luft, als könnte sie jemand vernehmen? warum atme ich meine gedanken in die welt, als ahnte ich das wesen, das sie irgendwann mit einem sehnsüchtigen lächeln absorbieren wird? warum schweige ich nicht?

warum drängen sich worte in meinen schädel, bilder durch meinen geist, suchen den weg in die ferne, hinaus aus dem gefängnis meines leibes? warum träume ich? warum träume ich noch immer?

ich kann sie leuchten sehen, spüre ihr glitzern in der fremde, fühle meine sucht, mein beben. ich kann mich lächeln sehen, tanzen ob der möglichkeiten, weinen, verzweifeln ob ihrer vergänglichkeit.

ich kann dich lachen hören, meinen gedankentaumel genießend, mit meinen wortwelten spielend, als wären teile meines daseins auch die deinigen. ich kann dich träumen sehen - irgendwo in mir.
-----

danke.

| ein moment voller stille | abgeschiedenheit im geiste | tränen und trüben gedanken hinterherhängend | einsame seufzer gebärend | das eigene verlorensein begreifend | nahezu zelebrierend | im selben moment verlachend | verachtend | die eigene lächerlichkeit mit tränen segnend |
| worte formend | fetzen des geistes | ausgeblutet | ausgelacht | leer und voller tiefe | wirrwarr des eigenwesens | seelenheil, das in der flucht verborgen liegt | die unmöglich scheint | doch trost | doch hoffnung | ... |
| und dann ... | zeilen | zarte bilder vor müden augen | ein vages lächeln auf meine lippen zerrend | das leuchten suchend | in mir | im ich | im leben | erweckend | beschenkend | ...

danke.
-----

was...?

was, wenn sie mir bereits viel zu nah ist, um mich noch zu bemerken, um mein lächeln richtig deuten zu können? was, wenn jedes flüsternde wort aus meinem mund nur eines von vielen zu sein scheint, ein schwall von nettigkeiten, der das bild des netten wesens, des freundes, komplettiert?

was, wenn ich von ihr träume, ahnend, sie wohl nicht lieben zu können, nicht lieben zu wollen, und mich doch nach ihr verzehre, ihren schönen körper bewundernd, ihre augen suchend, ihr lachen atmend? was, wenn jede berührung, jede zärtliche geste, jeder windhauch ihres vorbeischwebenden leibes die unbestimmte sehnsucht nach mehr in mir erweckt?

was, wenn ich begegnungen suche, zufälle plane, sie zuweilen beobachte und mir nur wünsche, ihr näher sein zu können? was, wenn ich sie entdecke, im geist immer wieder erfinde, um nicht mit der enttäuschung der wirklichkeit leben zu müssen?

was, wenn ich kein wort verlieren kann, keine silbe, weil jedes geräusch, jedes geheimnis, die zukunft zerschmettern könnte? was, wenn ich meine hände nach ihr ausstrecke, sie doch niemals zu berühren wage?

was, wenn sie mich sieht, doch nichts bemerkt, nichts begreift, mir ein lächeln schenkt und wieder von mir weicht? was, wenn sie mich erahnt, doch niemals kennen wird, wenn sie mich berührt, ohne zu wissen, wenn sie mich bewegt, doch niemals verweilt?

was, wenn mein geist von gespenstern zu zerplatzen droht, wenn meine spinnereien unkontrollierbare eigenleben führen, mir entweichen, um mich aus der ferne zu verlachen? was, wenn meine arme auf ewig leer bleiben werden...?
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und

und irgendwo begann auch ich
ein mensch, der suchend sich verlor
ein licht, das hüllend mich erfand
und zitterlächeln mir gebar

und irgendwo erwachte ich
ein ding aus traum und zartem glanz
ein mensch, der suchend dich erfand
und sich erneut verlor.

www.bluthand.de
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