In einen Traum aus Wirrwarr, Dickicht und verwinkelten Häusern schlich sich die perfekte Umarmung.
Sie trug ein weißes Nadelstreifenhemd. Der Duft frischer Wäsche vermengte sich mit ihrem eigenen, warmen Geruch, verlockend und weich. In meinen Armen barg ich sie, verlor mich lächelnd in ihre Nähe. Sanft schmiegte sie sich an meinen Leib, und die Zeit verharrte in einem Augenblick vollkommener Schönheit. Ich verliebte mich, wieder und wieder, hielt sie fest, als wäre sie mein Leben. Allmählich lösten wir uns voneinander und zärtlich liebkoste ich ihren Nacken.
Als ich den Träumen entglitt, verharrten die Empfindungen, verharrte die Umarmung in meinem Bewußtsein. Ich lächelte, schloß erneut die Augen und ließ mich in meiner Sehnsucht treiben.
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morast - 4. Apr, 18:03 - Rubrik:
Wortwelten
versilberte worte
tautropfen auf deine wangen geflüstert
ein honigkuchenglitzern
traumtänze in deine sternenaugen gesät
schwebende momente
erdbeeren von deinen lippen gepflückt
unsichtbar bebend
federküsse in deine seele gebettet
dir in unbedachtem licht
augenblicke aus ewigkeit geschenkt
als gäbe es
uns
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morast - 4. Apr, 10:03 - Rubrik:
Seelensplitter
donnerstags im regen stehen und blaue rosen trinken
die erde rotieren lassen - kraft meiner eigenen gedanken
dich sehen und mich in dein leben verlieben
irgendwann alle worte rückwärts lesen
niemals aufgeben, immer weiter rennen, tanzen, kollabieren
das datum begreifen und wissen, daß heute heute ist
haltlos nach oben stürzen, wo die sonne am lautesten glänzt
die kichernden blumen meiner seele zählen
am ende wissen, bereits am anfang zu stehen
das eigene lächeln mit freudentränen gießen
einen moment lang ewig sein.
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morast - 4. Apr, 10:02 - Rubrik:
Seelensplitter
Am Straßenrand begegnete ich heute ein paar winzigen Weidenkätzchen. Ich hielt inne, betrachtete sie liebevoll, streichelte sie zärtlich. Sie liefen nicht weg, bewegten sich nur sanft im Wind, schmiegten sich an meine vorsichtig tastenden Finger. Als ich meine Augen schloß, konnte ich sie leise schnurren hören. Ich lächelte, bewegt von soviel Schönheit.
Auf sonnenwarmen Pflastersteinen hielt der erste Marienkäfer des Jahres eine mittägliche Rast. Mit eingezogenen Beinchen genoß er vergnügt die Liebkosungen der wohligen Himmelsstrahlen, die kleinen Äuglein zu lieblichen Träumen geschlossen, im süßen Glanz der Sonne badend. Leise, um ihn nicht zu stören, schlich ich vorbei, sandte dem Käferchen einen lautlosen Gruß.
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morast - 3. Apr, 18:03 - Rubrik:
Wortwelten
Verzweifelt bemühe ich mich darum, Worte zu finden, die mich selbst, meine Fähigkeiten, mein Dasein, meine Interessen beschreiben, doch alles schönfärben, rosaplüschigwuschlig malen und zugleich durch harte Fakten, gestochen scharfen Intellekt und überzeugendes Detailverständnis die überdimensionale Überdimensionalität meiner Person darstellen. Kurzum, ich soll lügen, ohne zu lügen, soll Worte finden für Dinge, die ich mag und ausführe, ohne zu beschreiben, was ich mag und ausführe, soll schleimiggrüne Spüren auf weißen Blättern verteilen, die nicht nur mir selbst, sondern auch jedem Lesenden tief, tiefer, am tiefsten in den Arsch kriechen. Ich soll mit ausgesetztem, puppenhaften Grinsen von Dingen überzeugen, die mich selbst noch nicht überzeugen konnten, soll im Geiste Situationen erfinden und gutheißen, die ich stetig verdränge oder mir nicht vorzustellen vermag, soll Vergangenheiten auftischen, die den Wünschen anderer und keineswegs meiner Wirklichkeit entsprechen, soll ein idealistisches Optimalbild von mir zum Leben erwecken, das mich, mein eigenes Ich, zugleich ausschließt und beinhaltet, das alles ist und nichts.
Verzweifelt bemühe ich mich darum, Scheiße zu produzieren, die nach Blumen duftet
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morast - 3. Apr, 18:02 - Rubrik:
Wortwelten
Der Papst lag im Sterben, und der unwiderstehliche Drang nach tänzelnden Bewegungen trieb uns zu dem Beschluß, die Hallenser Studentendiskothek "Turm" mit unserer Anwesenheit zu beehren. Dort sollte die sogenannte "Darkness-Party" stattfinden, bei der sich auf zwei Etagen bzw. "Floors" schwarzbetuchte Wesen auf und neben der Tanzfläche tummeln würden.
Allerdings wurden wir noch vor dem Betreten des Moritzburgturmes und der dort ansässigen Tanzlokalität einer buntgekleideten Menschenmeute gewahr, die nicht so recht in das Bild zu passen schien, das wir uns von den potentiellen Partybesuchern ausgemalt hatten, und die mehr oder minder reglos am Eingang zur oberen Etage herumstanden.
Verwundert wählten wir den zweiten Eingang, den für den unteren Floor, zahlten Eintritt und fanden sowohl Gleichgesinnte und Bekannte als auch eine Erklärung: Oben fand wohl eine Art christlicher Veranstaltung statt, womöglich gar aufgrund des erwartbarens Papstablebens, die natürlich nicht von unsereins gestört werden durfte. Dergleichen konnte der zu unserem Grüppchen gehörige M feststellen, als er bei seinem Versuch, die obere Etage zu betreten gefragt wurde, ob er an Jesus Christus glaube.
Ich fand die Vorstellung durchaus amüsant, daß oben die - ich nenn sie jetzt einfach mal - Christen und unten wir böse, unhelle Gestalten zugange waren - ein perfektes Himmel-Hölle-Klischee. Weniger amüsant fand ich die Tatsache, daß auf unserem Floor nur unerträglich-monotone Rumsbumsmusik gespielt wurde und ich daher gern auf den Alternativfloor ausgewichen wäre, so er zur Verfügung gestanden hätte. Ähnliche empfanden wohl auch andere Dunkelwesen, die höllischen Heerscharen gleich nach oben stürmte, sobald die Himmelspforten geöffnet worden waren. Die Christen wirkten perplex, als sie sich plötzlich mit einer schwarzen Meute konfrontiert sahen; die Grufties entflohen alsbald wieder nach unten, allerdings weniger vor den versammelten Christen als vor den oben vernehmbaren HipHop-Klängen.
Nach einer Weile leerte sich die obere Etage, und tatsächlich wagten es einige der Christen zu uns, nach unten. Einer von ihnen, ein junger Mann in grünem Kapuzenpullover, betätigte sich als Prediger, stellte sich mit aufgeschlagener Bibel an eine Mauerwand, hob den rechten Arm und versuchte, mit seiner Stimme gegen die dezibelstarke Rumsbumsmusik anzukämpfen. Ungläubig und amüsiert zugleich schauten wir Finsterwesen dem Treiben der Lichtgestalt zu, die alsbald Gesellschaft von zwei weiblichen Wesen bekam, die ihrerseits ebenfalls, wennauch ohne Bibel, zu predigen begannen. Ich hörte kein einziges Wort, dafür war die Umgebung zu laut, doch stellte fest, daß eines der beiden weiblichen Wesen während seiner Rede immer wieder zwei Schritte vor und zurück ging, als würde es zu einem Takt tanzen, der keineswegs dem der Rumsbumsmusik entprach.
Schwarze Gestalten scharten sich um die Predigenden, doch taten nichts weiter als zu reden oder sich intensiv zu küssen, wollten vermutlich deren Lächerlichkeit verdeutlichen. Schließlich käme keiner von uns auf die abstruse Idee, in kirchlichen Gemäuern das eigene, unhelle Gedankengut lauthals verkünden zu wollen.
Die beiden Gefährtinnen wichen, zurück blieb der erste Prediger, den ich anfangs für erstaunlich mutig, mittlerweile aber für gefährlich fanatisch hielt. Schließlich ist zu bekehrender Satanismus unter schwarzen Tanzvolk eher selten vertreten und wird zumeist müde belächelt. Auch bin ich der Ansicht, daß die meisten der Anwesenden sich schon intensiver mit verschiedensten Glaubensrichtungen auseinandergesetzt hatten, als man auf den ersten Blick vermuten konnte.
Der Prediger jedoch ließ nicht locker, begab sich gar zum Discjockey, womöglich um ein Mikrophon für seine Ansprachen zu erbitten, vielleicht sogar, um die Auflösung der Veranstaltung zu erwirken. Dieser winkte müde ab, wurde aber weiter mit Worten bombadiert. Er schüttelte immer wieder matt und schließlich auch sichtlich genervt mit dem Kopf, verwies den Prediger an Umstehende - und spielte zwei Schwarztanzklassiker, zu denen sich immer wieder gern rhythmisch bewegt wird, die jedoch in dieser Konstellation kein Zufall mehr sein konnten: Zuerst lockte uns Das Ich mit "Gottes Tod" auf die Tanzfläche, entlockte uns gar ein schelmisches Grinsen, danach folgte Oomph mit "Der neue Gott".
Von diesen beiden Liedern scheinbar schwer getroffen, fiel der Prediger auf die Knie, weitere Worte von sich gebend, verweilte noch mitten auf der Tanzfläche, als die Musik längst wieder zu ihrem üblichen Rumsbums zurückgekehrt war.
Später sah ich ihn, wie er unhelle Gestalten zu bekehren/belehren versuchte und dabei immer voll von wildem Eifer wieder auf Stellen in seiner Bibel zeigte.
Ich, der, wenngleich ohne Gottesglaube aufgwachsen, anderen Religionen gegenüber durchaus offen zu sein versucht, teilweise sogar echtes Interesse empfindet, ich, der mit mehreren Katholiken und "Protestanten" engere Freundschaften pflegt, ich, der sich eigentlich stets als guter Mensch begriffen hatte, fühlte mich schlecht und gottlos, fühlte mich wie auf der falschen Seite des Lebens befindlich, obgleich mein abendliches Ansinnen in nichts Üblerem bestanden hatte, als mich zu den Takten bekannter Lieder bewegen und mich mit befreundeten Wesen treffen und unterhalten zu wollen. Für einen Moment war ich voller Gram, zunächst dem Prediger, dann mir selbst gegenüber.
Ich verscheuchte meine Gedanken beim Besuch der oberen Tanzfläche, wo eher alternativen Gitarrenklängen und Synthetischem aus den 80ern der Vorzug gegeben wurde. Als ich zurückkehrte, war der Prediger verschwunden. Noch während ich die Menschenmenge nach ihm durchforstete, trat ein junger Mann an mich heran, reichte mir ein winziges 'Evangelium nach Johannes' und sagte:
"Gott segne dich."
Verwirrt murmelte ich einige Dankesworte und sah ihn in den schwarzen Massen verschwinden.
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morast - 3. Apr, 18:01 - Rubrik:
Wortwelten
Als hätte die Welt, während ich für einen Augenblick wegschaute, für immer zu schweigen begonnen...
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morast - 1. Apr, 22:49 - Rubrik:
Geistgedanken
Gern würde ich dich halten, mit dir zusammen jegliche Zeit anhalten, durch alle Welten wandeln, mit feixendem Antlitz fremden Menschen begegnen und unsere Liebe tausendfach teilen, jeden Tag zu unserem schönsten erklären.
Gern wäre ich der Frosch, durch dich zum Prinz geküßt, der Prinz, der dich aus dunkem Turm befreite, fühlte dich in mir, als fühlte ich mein Herz pulsieren, träumte mit dir, träumte von dir.
Gern hielt ich stundenlang den Atem an, um reglos dich zu betrachten, stillzustehen, verzückt von deiner Göttlichkeit, in deinen strahlenden Augen gefangen.
Jeder meiner Atemzüge kannte deinen Namen, flüsterte ihn lachend in sanfte Frühlingswinde, hauchte ihn bedürftig, bedächtig, liebend, in meine Sinne.
Gern würde ich dich halten, dein Leben an mir spüren, als wäre es ewig.
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morast - 31. Mär, 22:49 - Rubrik:
Geistgedanken
Erstaunlicherweise stelle ich an jedem Abend das Gleiche fest, ohne mich von dieser keineswegs nützlichen Angewohnheit zu trennen (oder auch nur trennen zu wollen):
Wenn der 20.15-Film in den letzten Szenen liegt, meine Mitbewohner sich allmählich auf Bäder und Betten [in dieser Reihenfolge] hinzubewegen gedenken, bleibe ich noch wach, erkunde Innerwelten und ferne Gedanken, schließe meine Zimmertür und lasse die Zeit außen vor. Aus den verstaubten Lautsprecherboxen dümpeln ruhige Dunkelklänge und entreißen mich meiner Welt. Ohne es zu bemerken, lächle ich meiner Sehnsucht zu, begrüße sie wie einen alten Freund, forme wortlos unsagbare Gedichte, tanze reglos im Takt meines klanglosen Singsangs. Für einen Augenblick halte ich den Atem an, spüre die Ewigkeit meine Seele streifen, denke an dich, wer immer du sein magst.
Irgendwann erwache ich aus mir, um mich unter Decken zu verkriechen und in Traumwelten zu flüchten, suche ermattet den Schlaf wie ein Dürstender den Fluß, lasse mich treiben, um mich erneut zu verlieren. Ein letzter Blick gilt der Gefühllosigkeit meines Weckers, gilt der Zeit, die den Weg zu mir gefunden hat und mich strafend betrachtet.
Ich höre das Läuten, bevor es erklingt, erwache von der Ahnung, einen neuen Tag bewältigen zu müssen. Dem Kommenden ahnungslos ausgeliefert suche ich Schutz in körperwarmen Laken, in verblassenden Träumen, kämpfe kraftlos gegen Müdigkeit und Erwachen zugleich. Resignierend erhebe ich mich, schleppe meinen Leib unter lebendig brausendes Wasser, in knittrige Kleidungsstücke mit Waschmittelgeruch und schwöre feierlich mit triefender Zahnbürste, den kommenden Abend mit Schlaf, mit nichts anderem als Schlaf, zu befüllen.
Wenn der Tag dann schwächelnd hinter der Finsternis versinkt und meine Mitwelt die schweren Lider müde schließt, beginne ich jedoch erneut mit meiner Flucht aus dem Ausweglosen, mit meiner Suche nach dem Namenlosen, mit meiner Sehnsucht nach dem Unfindbaren, bis daß der Schlaf mich wieder fängt und mir selbst entführt...
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morast - 31. Mär, 18:00 - Rubrik:
Wortwelten
In letzter Zeit achte ich häufiger auf Automobilinnereien, insbesondere auf Rückspiegelbehängungen. Jedoch interessiert mich eigentlich kaum, mit welchem Sinnloskram sich Autofahrer das Sichtfeld beschränken, sondern ich suche nach Dingen, über die ich mich immer wieder aufregen kann: Traumfänger.
Vermutlich hat ein jeder von uns schon mal Blickkontakt zu einem Traumfänger gehabt: Ein hölzerner, kreisrunder Reifen aus Weide [oder holzimitierendem Kunststoff], der mit einer Art hauchdünnem Netz bespannt und dekorativ mit Perlen und Federn behängt ist. Traumfänger dienen indianischem Glauben zufolge dazu, böse Träume zu fangen. Über dem Nachtlager aufgehängt funktioniert der Traumfänger wie eine Art Filter und läßt nur die guten Träume durch seine Maschen schlüpfen. Dagegen ist nichts einzuwenden, nicht nur weil Traumfänger im Allgemeinen durchaus angenehm anzusehen sind. Auch die Funktionalität möchte ich den Traumfängern nicht absprechen.
Doch ich frage mich immer wieder, was Traumfänger an Automobilrückspiegeln zu suchen haben.
Ja, ich weiß, es gibt Menschen, denen zuweilen nichts anderes verbleibt, als in ihrem Gefährt zu nächtigen. Doch verweise ich darauf, daß ebenjene Bettlosen vermutlich die platzärmeren, unbequemen Vordersitze zugunsten der schlafoptimalen Rückbank verlassen werden, so daß also der Traumfänger besser im hinteren, nicht im vorderen Teil des Wagens aufgehängt werden sollte.
Aber meine Beobachtungen ergaben Eindeutiges: Traumfänger in Kraftfahrzeugen befinden sich nicht hinten, sondern stets am Rückspiegel, stets in unmittelbarem Sichtbereich des Fahrenden.
Dabei sollte doch allgemein bekannt sein, daß während der Autofahrt praktizierter Schlaf unangehme, gesundheitsvernichtende Eigenschaften besitzt, die zu erfahren sich die wenigsten wirklich wünschen werden. Was nützt ein Traumfänger, der die bösen Träume aussiebt und nur die guten durchläßt, wenn man während des Erwachens feststellt, daß der eigene Schlaf von nun an endlos währen wird?
Selbst der allerorts gefürchtete Sekundenschlaf wäre ohne Traumfänger weitaus weniger lebensbedrohlich, bestünde doch so noch die - zugegebenermaßen recht unwahrscheinliche - Möglichkeit, daß böseste Traumgestalten den Schlafenden schweißgebadet aufschrecken und erwachen ließen - und ihm dadurch das durch die Gegend fahrende Leben retten.
Ich bezweifle nicht, daß Traumfänger imstande sind, Albträume und deren unfreundlichen Gefährten vom Schlafenden fernzuhalten, doch hege starke Zweifel, ob sich auch entgegenkommende Autos und festinstallierte Bäume oder Leitplanken von diesem indianischen Konstrukt aufhalten lassen.
Was also nützt ein Traumfänger im Auto? Stellt er gar nur eine rein dekorative Maßnahme dar, welche die eigene Glaubensfähigkeit oder auch nur die eigene Pseudo-Massenunabhängigkeit wiederspiegeln und signalisieren soll? Sind Traumfänger schlichtweg "schön" genug, um "einfach so" hingehängt zu werden, ohne deren Bedeutungstiefen zu hinterfragen [Ähnlich jener keltischen, japanischen oder hawaiianischen Tattoos, die zwar irgendetwas heißen, aber allein durch ihr Aussehen das Privileg vermittelt bekommen, in die Haut gestochen zu werden.]? Oder wohnt ihm tatsächlich eine Funktion inne, die das Aufhängen dieses okkulten Gegenstands in einem modernen Fortbewegungsmittel rechtfertigt, eine Sinnhaftigkeit, die mir bisher verborgen blieb?
Ich weiß es nicht, doch dürstet es mich nach einer Antwort...
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morast - 31. Mär, 18:00 - Rubrik:
Wortwelten
Warum auch immer. Der heutige Ohrwurm war
Dementi - "Vater"...
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morast - 31. Mär, 16:37 - Rubrik:
Morgenwurm
Würde man den bedrohlich wirkenden Mann vor mir seines lächerlichen langhaarimitierenden Kopftuches, seiner auffälligen Armeetarnhosen, seiner unsauberen Springerstiefel und seiner augenverbergenden Sonnenbrille berauben und ihn mit bedeutungslos-normaler Standardkleidung bestücken, bemerkte ich ihn womöglich gar nicht mehr oder sähe in ihm nur ein dürres, kränkliches Wesen, dem weniger Respekt als Mitleid gezollt werden sollte...
Als diente er einzig und allein der Klischeeverifikation nimmt ein Student mit langem Haar und stilgerechter Finsterkleidung inmitten eines Wartezimmers voller unbequemer, aber bunter Holzstühle auf dem einzig schwarzen Platz.
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morast - 31. Mär, 15:43 - Rubrik:
Menschen
Es gibt in meiner Familie nur wenige erwähnenswerte Traditionen. Diejenigen, die zu erwähnen ich gewillt wäre, sammeln sich um die weihnachtlichen Feiertage und betreffen vorwiegend Mahlzeiten und die Abfolge der Geschenkdarbietung. Zu Ostern jedoch gab es nie viel Standardisiertes, wenn man vom üblichen Eierverstecken und -finden [nach Möglichkeit im Garten der Großeltern] absieht.
Eines jedoch war jedes Jahr gleich: Wenn am Morgen des Ostersonntages alle vom fleißigen Langohrhoppeltier versteckten Eier und Süßigkeiten aufgefunden worden waren, verzog sich mein Vati stets in seinen Sessel, um fernzusehen.
Mein Vati war kein gläubiger Mann. Während seiner Entziehungskuren mit den Anonymen Alkoholikern und deren Sitten konfontiert hatte er nur ein müdes Lächeln für die penetrant häufige Erwähnung des Wortes "Gott" übrig. Die Kirche war in seinen Augen eine Institution, deren Inhalte höchst fragwürdig und zuweilen Grund zur Aufregung waren.
Und doch sah er sich jeden Ostersonntag die Ansprache des Papstes im Fernsehen an - in voller Länge, mit Tränen in den Augen.
Ich begriff das nie, doch schätzte ich die seltenen Augenblicke tiefer Regung, war oft selbst den Tränen nahe.
Vielleicht war er bewegt vom Anblick tiefster Gottesfurcht. Vielleicht fand er in diesen Minuten einen Weg, ein Loch in seienr Seele zu füllen. Vielleicht berührte ihn aber auch nur die Schönheit dessen, was er sah.
Ich weiß es nicht, werde es nie erfahren. Im Herbst letzten Jahres verstarb mein Vati.
Als ich heute las, der gesundheitliche Zustand des Papstes würde sich zunehmend verschlechtern, als ich von seinen vergeblichen Versuchen erfuhr, eine Osteransprache zu halten, wurde mir bewußt, daß in diesem Jahr niemand aus meiner Familie den Fernseher angeschaltet hatte, um sich die übliche Segnungszeremonie anzusehen.
Der Sessel blieb leer.
Und ein skurriler Gedanke fand mich und krallte sich in meinem Schädel fest:
Die Osteransprache des Papstes entfiel, weil mein Vati nicht zuschaute.
Sie entfiel, weil in seinem Sessel niemand saß, aus der Ferne der Zeremonie beiwohnte und Tränen für einen Gott vergoß, an den zu glauben er niemals zugegeben hatte..
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morast - 30. Mär, 17:59 - Rubrik:
Wortwelten
Auch heute soll es wieder mehrere Tageswörter geben.
Das erste ist
Schurke.
Vor kurzem wurde mir bewußt, daß jenes Substantiv trotz seines eigentlich unfreundlichen Bedeutungshintergrunds ein geringes Beleidigungspotential besitzt, dementsprechend eher niedlich oder albern als bösartig oder unfreundlich wirkt.
Ich werde mich also bemühen, in Zukunft hin und wieder vom Wort "Schurke" Gebrauch zu machen, auch wenn mir das schwerlich gelingen wird, ohne dabei innerlich zu schmunzeln oder gar zu feixen.
Und das bringt mich schon zum zweiten Wort des Tages:
feixen.
Erst vorhin grinste ich vor mich hin, als mir dieses Verb in den Sinn kam und ich feststellte, daß es nicht mehr allzu häufig gebraucht wird. Schade eigentlich, klingt es doch - nicht zuletzt aufgrund des verwendeten Xs - sehr schön.
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morast - 30. Mär, 10:51 - Rubrik:
Tageswort
"Ihre Fahrkarten bitte."
Gerade hatte ich meine Schuhe von dem sich gegenüber befindlichen Sitz heruntergnommen und war aufgestanden, um in meiner Jacke nach einem Kugelschreiber zu suchen, als mir die vertraute Aufforderung ans Ohr drang. Die Kontrolle bestand diesmal aus zwei Personen, aus einem jungen Mann, der eifrig alle vorgezeigten Fahrkarten einer gründlichen Kontrolle unterzog, und aus einer nicht wesentlich älteren Frau, die ihm wie ein wohlerzogenenes Schoßhündchen wortlos hinterhertrottete.
Mein Billet hielt der Kontrolle stand, wurde abgestempelt. Er verließ das Abteil; sie trottete gehorsam nach.
Nicht einmal zwanzig Minuten später nahten die beiden Zugbegleiter erneut. Hastig nahm ich meine Schuhe vom Sitz, um potentiellen Ärger zu vermeiden. Der junge Kontrolleur sah mich mißtrauisch an:
"Hatte ich Ihre Fahrkarte schon gesehen?"
"Ja.", antwortete ich, einigermaßen unschuldig blickend.
"Wo wollen Sie denn hin?"
"Nach Magdeburg."
"Kann ich die Fahrkarte trotzdem nochmal sehen?"
"Na klar."
Ich stand auf, kramte sie heraus. Er warf einen flüchtigen Blick auf das bereits abgestempelte Stück Papier, bedankte sich artig und ging, gefolgt von seiner Kollegin.
Die hinter mir Sitzende machte sich bemerkbar:
"Da sind die schon zu zweit und wollen die Fahrkarte trotzdem nochmal sehen."
Ich zuckte mit den Schultern. Sie ließ jedoch nicht locker:
"Sehr ungewöhnlich."
"Macht nichts," entgegnete ich und lächelte.
Es machte tatsächlich nichts.
Doch sie hatte sich bereits in Rage geredet, wollte nicht länger schweigen:
"Zwei Mal kontrollieren. Das machen sie bei den Ausländern nicht!"
Was sollte das schon wieder heißen?, fragte ich mich und versteckte mich hinter meinem Buch.
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morast - 29. Mär, 20:53 - Rubrik:
Bahnbegegnungen
Gerade stellte ich ernüchtert fest, daß mein neuwertiger mp3-Player mir den Dienst versagte, als auch schon drei Jugendliche in die Bahn einstiegen und beschlossen, den verbleibenden Viererplatz [den anderen hatte ich in Beschlag genommen] meines Abteils zu beziehen. Die drei, zwei weibliche und ein männliches Wesen, erweckten keinen angenehmen ersten Eindruck, nicht zuletzt weil sie mit den kalten Rauch ihrer soeben hastig konsumierten Zigaretten meine Atemluft verunzierten. Automatisch ordnete ich sie in die Proll-Fraktion ein. Buffalos, Gürteltaschen, schwarzgefärbtes Haar und unnatürlich gebräunte Gesichtshaut boten genug Indizien.
Ich versuchte zu lesen, doch ihre Stimmen drangen an mein Ohr, verseuchten den akustischen Nahbereich mit unglaublich leerem, inhaltslosem Dahergerede, mit plumpen, humorbefreiten Wortwitzen, mit ausgelutschten Fernsehzitaten und beeindruckend dummem Gelächter.
Den Höhepunkt ihres Konversationsimitats bildete folgende, vom maskulinen Pseudowitzbold ausgestoßene Weisheit:
Frauen wollen Blumen.
Jedoch glauben sie sofort, wenn sie mit Blumen beschenkt werden, daß der Schenkende etwas ausgefressen habe.
Bevor ich den anzweifelnd-kritischen Stimmen in meinem Kopf nachgehen konnte, folgte eine verdeutlichende Anektdote aus dem scheinbar ereignisreichen Leben des beeindruckend beleibten Mädels, ein faszinierender, sich unablässig im Kreis drehender Dialog:
< Ey, ... [beliebigen Namen einsetzen] hat mir och neulich Blum' geschenkt.
Ich so: "Warum schenkstn mir Blum'?"
"Wieso?"
Ich so: "Na, haste was ausgefressn?"
"Wieso?"
Ich so: "Na, warum schenkstn mir Blum'?"
"Na, nur so."
Ich so: "Das globste ja selber nich!" >
Selten sehnte ich mich so sehr nach einem funktionstüchtigen Musikabspielgerät.
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morast - 29. Mär, 20:52 - Rubrik:
Bahnbegegnungen
Ich sitze im "Spielehaus", einer alternativ gehaltenen Lokalität inmitten von Halle, und versuche mich auf das Spiel zu konzentrieren, das M und ich - einer unbedeutenden Tradition folgend - ausgewählt haben: 3D-Vier-Gewinnt.
Drei Personen, nur wenig jünger als wir, in unscheinbare Markenklamotten gekleidet, betreten die Kneipe, einen freien Tisch suchen. Ich sehe kurz auf, begegne den Blicken von Person 1, einem leicht angeheiterten Brillenträger, der uns eingehend mustert, sich zum Nebentisch begibt, ein paar Worte mit seinen Freunden wechselt und anschließend laut loslacht. Selten hörte ich ein derart gehässiges Lachen, eins, das bewußt mit immenser Lautstärke in den Raum geschleudert wurde, um sich die Aufmerksamkeit aller zu sichern.
Angewidert wende ich mich ab, schaue auf das Spielbrett.
"Dannnnn-zick."
Ich blicke erneut auf. Person 2 schaut mich an, hat gerade den Aufdruck meines Shirts vorgelesen. Für einen Moment stutze ich: 'Kennt er Danzig [eine erwähnenswert gute Metalband]?', doch sein Gesicht zeigt blanke Leere - kein Wiedererkennen, keine abwertende oder gar gutheißende Meinung über die Musikgruppe, womöglich noch nicht einmal die Kenntnis der gleichnamigen Stadt in Polen.
Ich beglückwünsche Person 2 zu seiner Fähigkeit, vorlesen zu können und ernte eine genuschelte Entgegnung, deren Inhalt mich nicht erreicht.
Meine Blicke finden das Spielbrett und vertiefen sich darin.
Die Barfrau, klein und stämmig, doch nicht um Worte verlegen, gesellt sich zu den drei Neuankömmlingen, will sie aus ihrer Lokalität entfernen. Sie haben Hausverbot. Ihre Aufforderung zum Gehen wird von den Dreien nicht ernst genommen, sie diskutieren, werden beleidigend, hinterfragen die Gründe, scherzen plump. Die Barfrau bleibt ruhig, erinnert an ihre letzte Anwesenheit, an die zerschmetterten Bierflaschen, an den begangenen Hausfriedensbruch, an das erteilte Hausverbot, droht mit Polizei.
Die Drei lachen abfällig, sonnen sich gar im unrühmlichen Glanze ihrer Untaten, bleiben reglos sitzen.
Die Barfrau geht.
Die Drei holen Bierflaschen aus dem Rucksack, öffnen sie, stellen sie demonstrativ auf den Tisch, schauen höhnisch zur Barfrau hinüber, die gerade in einem Stadtmagazin blättert. "So wird das aber nichts!", lachen sie.
Ein Vierter tritt hinzu, mit albernem Backenbart und ebensolcher Proll-Jogginghose. Schnell wird er von seinen Freunden über die Geschehnisse aufgeklärt. Er zuckt mit den Schultern, doch bevor er sich setzen kann, taucht die Barfrau wieder auf - flankiert von zwei Männern.
Der erste der beiden, muskulös, mit Pferdeschwanz, verschränkt die Arme vor der Brust, versucht vergeblich, bedrohlich auszusehen, wirft böse Blicke. Der zweite, groß, doch schlanker, kurzhaarig mit beginnender Kahlheit, spricht ein paar ruhige Worte.
Die Drei schauen, verstummen kurz. Der Vierte befindet sich bereits auf dem Rückzug. Die Verbleibenden erheben sich, langsam, wollen sich keine Blöße geben. Die Barfrau verschwindet samt ihrer Begleiter. Zögernd, in künstlicher, provozierender Gemütlichkeit ziehen die Drei sich an, finden ihre höhnischen Worte wieder, setzen sich gar noch einmal, stehen wieder auf - und gehen endgültig.
Ich wende mich wieder meinem Spiel zu - und verliere.
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morast - 29. Mär, 17:58 - Rubrik:
Wortwelten
Gestern:
Samsas Traum - "A.usgesperrt"
[Endlich mal wieder ein wirklich sinnbefreiter und kurzer Weblog-Eintrag.]
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morast - 29. Mär, 16:36 - Rubrik:
Morgenwurm
Die Fläche der Fahrstuhlkabine umfaßt etwa 1,5 x 2 Meter. Ich steige ein, grüße höflich das ältere Ehepaar, das sich bereits in der Kabine befindet. Sie beginnt zu reden. Sie flüstert, unendlich leise, die heilige Fahrstuhlstille nicht verletzen wollend. Er brummt zustimmend.
Ich verstehe jedes Wort.
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morast - 29. Mär, 15:42 - Rubrik:
Menschen
Alte Menschen, die lauthals und kopfschüttelnd über die angebliche Langsamkeit der Kassiererin schimpfen - und sich kurz zuvor freiwillig in die offensichtlich längste Kassenschlange stellten.
Eine Jugendliche, mit einer olivgrünen Jacke bekleidet, auf der sie in krakligen Filzstiftbuchstaben ihre Englischkenntnisse kundtut:
"Punks not death."
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morast - 29. Mär, 15:42 - Rubrik:
Menschen
Weil es mir heute wieder in Erinnerung gerufen wurde, mal was "Altes", vom 10. Juni 2004:
"Back To Nature | Where We Can Be | Faster, Harder, Wild And Free!"
Diesen wahrhaft tiefgründig-historischen Satz brüllten einst die drei (vermutlich maskulinen) Wesen einer von mir nicht wirklich geschätzten deutschen Pseudo-Techno-Combo, deren Werke man vermutlich nur instrumental und unplugged über sich ergehen lassen kann, zu einigermaßen erträglichen Klimperklängen des beliebten Miss-Marple-Schwarz-Weiß-Krimis "16 Uhr 50 ab Paddington" und bewiesen damit schon 1995, daß der Mensch den unkontrollierbaren Drang verspürt, sich Naturellem zu widmen.
Doch wohin soll ein Großstädter sich wenden, wenn der Drang ihn überwältigt, wohin soll sein Grün suchendes Auge blicken, wohin seine Waldboden-ersehnenden Füße laufen? In den Stadtpark, wo Stille längst zu den zur Neige gehenden Rohstoffen des Erdenrunds gezählt werden kann, weil nicht nur lärmende Kinder, nicht nur klackende Nordisch-Geher, nicht nur aufzupustende Heißluftballons und fernsteuerbare Minitrucks jeglichen Hauch von Idylle rauben, auf den Boden schmettern und mit inbrünstigem Haß darauf rumtrampeln, sondern wo auch jeder grüne Quadratmeter vom Plastikbunt gedankenlos "vergessener" Lebensmittelverpackungen, von flatternden Farben herrenlos durch die Gegend fliegender Einkaufstüten und den unappetitlichen Folgen der Einführung der Einweg-Windel besudelt und verseucht wurde? Sollte man gar wirklich, um dem Auge ein wenig Natur zu gönnen, kilometerweite Autobahnfahrten auf sich nehmen müssen und somit nicht nur die letzten Reste längst kultivierten Pflanzenwuchs mit schä(n)dlichen Autogasen zusätzlich zu belasten, sondern den eigentlichen Natur-Genuß um den allgemein üblichen An- und Abfahrtsstreß bereichern? Wohl kaum.
Meist bleibt dem in tristem Betongrau Wohnhaften nichts anderes übrig, als sich der wenigen Bäume zu erfreuen, welche von ABM-Kräften des städtischen Grünnflächenamtes unlängst entlang einzelner Straßen aufgestellt wurden, um den begehrenden Blicken zumindest ein wenig Abwechslung bieten zu können. Doch was muß ich erblicken, versuche ich mich diesen Mini-Oasen zu laben, deren Grundfläche durch die allgegenwärte Gehwegbepflasterung auf knapp drei Quadratmeter radikal begrenzt wurde? Gar Schreckliches!
Das Grünflächenamt gibt sich alle Mühe, das ohnehin stark behinderte Wachstum der Straßenpflanzen zusätzlich zu erschweren, indem alljährlich Äste und Zweige, ja ganze Baumstämme, die möglicherweise im Laufe ihres Wachstums in naher oder ferner Zukunft unter Umständen in einigermaßen absehbare Nähe eines Hauses oder eines Straßenschildes kommen könnten, brutal entfernt, abgesägt und zerschreddert werden. Überall sehe ich sie, die Verstümmler, wie sie den geplagten Pflanzen Körperteile abtrennen und diese herzlos in ihre Zerkleinerungsmaschine werfen. Und zu allem Überfluß werden die drei Quadratmeter, die dem Baum oder Strauch zum Leben gelassen wurden, dann noch mit den Überresten seines eigenen Leibes oder das seiner Artgenossen bestreut, mit niedergemetzelten Stücken noch existierender Gewächse. Wenn ich mich in eine Badewanne setzte, mit lauter Zeigefingern (darunter auch meine eigenen) oder auch nur mit literweise Menschenblut (darunter auch mein eigenes) gefüllt, würde ich als unheilbarer Psychopath gelten. Städtische Pflanzen werden jedoch zu derartigem Schicksal gezwungen. Grausam!
An Grausamkeit jedoch kaum zu überbieten ist der Anblick, den die bereits erwähnten drei Quadratmeter bieten, wenn Herbst und Winter alles wachsende Grün verschlungen haben und nur noch der blanke Boden übrigbleibt. Dieser, so stellt dann sich schnell heraus, ist gar nicht so blank. Vielmehr hatten die ganzen Monate über sämtliche Hunde aus der Nachbarschaft die Gelegenheit genutzt, mehrmals täglich den Baum und dessen minimierten Lebensraum mit ihren Stoffwechselendprodukten zu bepflastern, so daß vom eigentlichen Boden nicht mehr viel zu sehen ist, da dieser einer stinkenden Landschaft aus verwesenden Krümeln und Klößchen weichen mußte. Lecker! An dieser Stelle gilt mein Lob und Respekt zwei Personenverbänden: Zum einen den lokalen FDP-Vertetern, allen voran die wohl häßlichste Frau Magdeburgs, die sich gemeinschaftlich für mehr Hundekotbereinigungsmöglichkeiten einsetzen. Zum anderen preise ich die Grünflächenamtmitarbeiter, deren Aufgabe es ist, in jedem Frühling, mit Arbeitshandschuhen nur umzureichend geschützt, die besagten drei Quadratmeter von sprießendem Unkraut zu befreien...
Doch zurück zu angenehmeren und vor allem tiefsinnigeren Themen. Ich frage mich beispielsweise, ob es an Deutschlands Arbeitsmarktsituation oder einfach nur an der Wichtigkeit der maximalen Auslastung bereits erworbener Geräte liegt, daß die winzigen, in Städten verfügbaren Rasenflächen teilweise mehrmals wöchentlich mit überdimensional großen Gerätschaften und Maschinen bearbeitet werden müssen. Will man einfach nur dafür sorgen, daß die ABM-Kräfte etwas zu tun bekommen oder möchte man gar das bißchen Grün minimieren und somit sichergehen, daß selbiges frei von Leben und lebenden Bewohnern bleibt? Oder möchte man die möglicherweise langschläferisch veranlagten Anwohner durch ständigen Rasenmähermotorenlärm darauf hinweisen, daß hier gearbeitet wird, während man selbst noch in den Federn liegt und nichts für Deutschlands Wohlstand tut? Ich vermag es nicht zu erklären.
Ebensowenig erklärbar ist der im Herbst plakatierte Aufruf, man möge doch das von den Bäumen fallende Laub beseitigen, nicht um die bestehende Rutschgefahr zu vermindern, sondern um irgendwelchen 'gefährlichen' Käferwuchs zu reduzieren. Hallo? Daß Blätter im Herbst von Laubbäumen fallen, halte ich für durchaus natürlich. Wieso muß selbst das noch überwacht und optimiert werden? Wieso erfinden Menschen Geräte wie "Laubsauger" oder irgendwelche Pustedinger, die einem das Harken abnehmen, indem sie mittels bewegter Luft das trockene Laub vorantreiben? Ist das wirklich nötig?
Geplagt von derlei Gedanken, von der Vorstellung, versehentlich in drei Quadratmeter voller Hundekot zu stolpern, fliehe ich nun doch in den Stadtpark, suche mir ein einigermaßen müllfreies Plätzchen, hole die Cola aus dem Rucksack, reiße eine Tüte Chips auf, stöpsle mir die Kopfhörer meines mp3-Players in die Ohren und beobachte voller Wonne die plumpen Flugmanöver unzähliger Taubenschwärme.
Ich liebe die Natur!
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morast - 25. Mär, 17:57 - Rubrik:
Wortwelten
Ich erwachte heute morgen mit dem untrüblichen Gefühl, daß nicht nur der vergangene Tag ein äußerst angenehmer gewesen war, sondern daß auch der Kommende schön werden würde. Ich fühlte mich wie Urlaub - obwohl ich mir den Wecker gestellt hatte. Aufgaben harrten meiner, doch hatte ich mir für heute nicht Bedrängendes, nichts Unerfreuliches vorgenommen. Und in meinem Schädel erklang ein Liedchen, das mich zu erfreuen wußte:
Bright Eyes - "Haligh, Haligh, A Lie, Haligh"
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morast - 25. Mär, 16:35 - Rubrik:
Morgenwurm
Als ich den Straßenbahnsitzplatz ergattert hatte, wurde mir bewußt, daß es ein Fehler gewesen war, sich hierhin zu setzen. Nicht, weil es unbequem war, nicht, weil unangenehme Menschen um mich herumstanden. Nein, mich störte der Umstand, daß ich nicht in Fahrtrichtung blicken konnte. Dabei war mir egal, ob ich Sicht nach außen hatte. Es bestand auch keine Gefahr aufkommender Übelkeit, wie es bei manchen Zugfahrern verbreitet ist, die sich prinzipiell ans Fenster und prinzipiell in Fahrtrichtung setzen müssen.
Nahezu alle Sitze in dieses Straßenbahnwagons waren in "richtiger" Richtung angeordnet. Nur meiner nicht. Ich schaute also allen entgegen, konnte gar nicht anders, als alle anderen anzublicken. Ich versuchte, aus dem Fenster zu sehen, doch interessierte mich die falsch herum vorbeigleitende Umgebung wenig. Menschen sind interessanter.
Schnell hatten meine Augen das interessanteste Objekt ausgemacht: Ein junger Mann mit sauber gestutztem Bart und langem, blonden Haar. Der Bart sah komisch aus. Nicht minder komisch wirkten die beiden Nietenarmbänder. Ich habe nichts gegen Nietenarmbänder, doch sie sollten sich in das Gesambild einfügen. Hier wirkten sie aufgesetzt, unnatürlich. Die Kapuzenjacke trug die Aufschrift "Anthrax", eine Metalband, von der ich zugegebenermaßen nicht viel kannte. Sein schwarzer Armeerucksack war bestückt mit unzähligen Aufnähern. Metallica. Ich seufzte innerlich und ohne Begeisterung. Die schwarze Wollmütze auf seinem Schädel erweckte einen albernen Eindruck.
Er blickte zu mir. Schnell sah ich weg, scheinbar in die vorbeifliegende Umgebung vertieft. Zuweilen ist es gefährlich, allzu neugierig zu sein. Menschen neigen zu aggressivem Verhalten, wenn man sich zu sehr für sie interessiert.
Als ich wieder hinsah, spielte er mit seinem Nietenarmband. Scheinbar war es ihm genauso ungewohnt wie es aussah. Neben mir wurde ein Platz frei. Er setzte sich, starrte mich an, schaute weg, starrte wieder. Freundlich erwiderte ich seinen Blick.
"Wo hast du die Jacke gekauft?", stotterte er mit erstaunlich piepsiger Stimme und zeigte auf mein Samtjacket. Ich war verdutzt, versuchte mich zu erinnern. "Moment.", antwortete ich lächelnd, "Gleich fällt es mir ein." Im Geiste begann ich zu hoffen, daß ich das Jacket nicht in H&M oder einem ähnlich uninteressantem Laden erworben hatte.
Dann erinnerte ich mich: "In einem Second-Hand-Store in Halle." Das klang gut. Alternativ. Das übergroße C&A-Schild, das ich nach dem Kauf hastig von der Innentasche entfernt hatte, erwähnte ich nicht.
Er nickte mir zu. "Sieht gut aus. Wie Emppu. Von Nightwish."
Ich zuckte mit den Schultern, wußte nicht, ob mich nun freuen sollte oder nicht. Nightwish. Nun ja. Kenne ich, mag ich nicht. Emppu? Keine Ahnung, wer das ist.
Noch während ich nach einer Antwort suchte, hielt die Bahn. Ich sah aus dem Fenster, stand auf.
"Hier muß ich raus.", sagte ich und floh.

[Emppu]
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morast - 24. Mär, 20:35 - Rubrik:
Bahnbegegnungen
In fremder Person erblicke ich eine andere, betrachte sie, erkenne sie aus zukünftigen Erinnerungen, mag sie, schenke ihr ein Lächeln, als wüßte ich.
Einzig ihr Gesicht stimmt nicht, stört, scheint falsch, gehört nicht zum Leib, den zu kennen ich glaube, gehört nicht zu meiner Erinnerung.
Mein Lächeln trifft nicht ein, erweckt ein kaltes Schweigen.
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morast - 24. Mär, 17:55 - Rubrik:
Wortwelten
Ich versuche, dir nicht zuzuhören, mich woandershin zu denken. Ich wollte dich nicht treffen, nicht sehen, keinesfalls hören. Dein Mund speit Wissen, fades Besserwissen. Ein hohler Bach plätschert zwischen deinen Lippen hervor, kennt alle Antworten, löst alle Rätsel. Ich hüte mich zu fragen, rede, ohne zu meinen. Wäre ich hier, wäre ich falsch.
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morast - 24. Mär, 17:55 - Rubrik:
Wortwelten
Als ich heute die Freundin einer Freundin sah, mußte ich feststellen, daß sich ihr Bauchumfang seit unserer letzten Begegnung erheblich vergrößert hatte. 'Ist sie etwa schwanger?', wunderte ich mich. Doch ich schwieg, wagte nicht, die Frage an sie persönlich zu richten.
Denn sich bei einer Frau zu erkundigen, ob sie schwanger sei, obwohl sie es nicht ist, kann für den Neugierigen durchaus schmerzhaft enden.
Ängstlich verhüllte ich meine Frage mit Stille.
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morast - 24. Mär, 17:54 - Rubrik:
Wortwelten
Heute war ich inkonsequent.
Prinzipiell neige ich dazu, McDonalds und BurgerKing zu meiden, nicht zuletzt weil ich deren Eigentitulation als "Restaurants" übertrieben euphemistisch finde. Hinzu kommt, daß ich in den Filialen weder geschmacklich noch sättigungstechnisch überzeugt werden kann, da spätestens nach einer halben Stunde der angeblich verdrängte Hunger zurückkehrt .
Was mich jedoch am meisten stört, ist der viele Müll, den jeder einzelne Konsument produziert. Ich schämte mich nach jedem Verzehr fastfoodiger Mahlzeiten und beschloß eines Tages, in Zukunft weder zu BK noch zu McD zu gehen.
Heute jedoch war ich inkonsequent, brach meinen Beschluß, den ich mehrere Monate lang über aufrechterhalten hatte. Doch ich hatte Hunger, wirklichen Hunger. Hunger, der nicht durch die verbleibenden drei Toastbrotscheiben in meinem Regalfach gestillt werden konnte. Hunger, der auf der Stelle versorgt werden wollte.
Ich ging also zu McDonalds. Die Filiale war voll von pinken Punks. Kaum hatte ich mein Essensimitat erhalten, suchte ich eine abseits gelegene Ecke. Das sich auf meinem Tablett befindliche Blatt bot während des In-den-Mund-Schaufelns nur wenig Unterhaltunsgwert. Einzig die Rückseite vermochte es, mich ein wenig zu fesseln, war doch dort eine riesige Tabelle abgedruckt, aus der hervorging, wieviel Kilokalorien, Fett und Kohlenhydrate jedes einzelne McD-Produkt besaß.
Ich stellte also fest, daß ich während der Lektüre mehr als 1000 kcal zu mir nahm. Leider konnte ich diese Zahlendimension nicht einordnen, weswegen mich das weder beeindruckte noch schockierte. Auch als ich ausgerechnet hatte, daß soeben exakt 50 Gramm Fett in meinen Magen gewandert waren, war ich wenig überrascht.
Ich trank aus und ging. Ungutes Essen im Bauch. Unnütze Zahlen im Kopf.
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morast - 24. Mär, 17:54 - Rubrik:
Wortwelten
Als ich am heutigen Morgen erwachte, wuselte mir ein Liedchen durch den Kopf, das ich schon eine geraume Weile nicht mehr vernahm. Mal wieder war ich darüber belustigt, weder einen inhaltlichen noch einen musikalischen Bezug zu meinem Dasein herstellen und somit irgendwelche Gründe für das Vorhandensein des Liedes in meinem Schädel finden konnte.
Annett Louisan - "Das Gefühl"
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morast - 24. Mär, 16:34 - Rubrik:
Morgenwurm
Als ich heute einen ungewöhnlichen Rückweg von der Mensa wählte, kam ich an einem Briefkasten vorbei, der vom Sitz einer Firma kündete, deren Namensgeber entweder viel oder keinen Humor hatten [oder einfach des Englischen nicht mächtig waren]:
ASS GmbH.
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morast - 23. Mär, 17:53 - Rubrik:
Wortwelten
Ich sitze auf einer Couch inmitten einer Kneipe. Die Stimmung ist gut, die Musik gedämpft. Ich kann meine Nachbarn reden hören. Ein Mädel erzählt von dem Jugendbekleidungsfachgeschäft "Olymp & Hades". Die Thematik allein mag verwerflich sein, doch wesentlich schlimmer ist, daß sie versucht, die Wörter zu anglifizieren. "Ollimp änt Häjds". 'O mein Gott!', denke ich und korrigiere mich: 'O meine Götter!'. Denn die griechischen Götter an den ebenso griechischen Orten hätten sich bei derartiger Verunglimpfung ihrer Wohnstätten bestimmt die Haare gerauft und Zeus angefleht, ein paar gehörige Blitze zu werfen. Vorsichtshalber wechselte ich meinen Sitzplatz.
Gerade versuche ich herauszufinden, wann die nächste Straßenbahn an dieser Haltestelle eintrudeln würde, als zwei Gestalten auf mich zugehen bzw -torkeln. Beide sind in einer Art HipHopStyle gekleidet, der aber ziemlich billig aussieht - in jeglicher Hinsicht. Der erste, mit modischem Schirmstirnband auf Schädel nuschelt eine Frage in meine Richtung. Ich erahne, daß es um die Bitte nach Zigaretten und/oder Alkohol geht. Ich habe nichts, gebe das zu verstehen. Der nächste Versuch der Ausformulierung einer Frage bezieht sich auf die Straßenbahn. "Noch drei oder vier Minuten.", sage ich. Der Freund tritt hinzu, erkundigt sich ebenfalls nach der Straßenbahn, möchte zudem noch die Uhrzeit erfahren. Ich gebe bereitwillig Auskunft und wundere mich, warum seine Lippe so blutig ist. Währenddessen pinkelt HipHopper Nr.1 in einen Hauseingang. Beide stelle angewidert aber belustigt fest, daß Urin stinkt. Nr.1 bückt sich und klaubt einen Zigarettenstummel vom Boden auf. 'Wie dreckig muß es einem gehen, damit man so etwas tut?', frage ich mich. Er reißt den Filter ab und versucht, den kümmerlichen Rest anzuzünden. Die Bahn nähert sich. Das Feuerzeug streikt. Nr.2 hilft aus. Die Feuerzeugflamme versengt mehr Haut als Tabak. Die Bahn beginnt zu bremsen. Noch immer ist der Stummel unangezündet. Noch immer bemühen sich die beiden. Für einen Zug. Für einen lächerlichen Zug an einer alten, weggeworfenen Zigarette. Die Bahn hält. Nr.2 steckt sein Feuerzeug ein, geht zur Tür, findet unterwegs noch einen Zigarettenstummel im Rinnstein, steckt ihn ein. Die beiden setzen sich. Hin- und hergerissen zwischen Abscheu und Mitleid suche auch ich einen Sitzplatz - am anderen Ende der Straßenbahn.
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morast - 23. Mär, 15:41 - Rubrik:
Menschen
Ich ging an einer Frau vorbei. Sie klagte seufzend über diverse Krankheiten und Wehwehchen, und ich fragte mich, ob ich auch sämtliche Gespräche mit dieser Thematik füllen werde, wenn ich älter bin. Gerade meinte sie "...da wurde mir ganz schwarz vor Augen...", als ihre Gesprächspartnerin desinteressiert einen von diesen säuberlich frisierten, winzigen Hunden am Halsband packte, hochhob und sich unter den Arm klemmte, als wäre er nichts weiter als ein unebdeutendes Plüschtier, ein modisches Spielzeug mit einer lächerlichen Schleife im Fell. Als ich weiterlief, sah mir der Hund traurig hinterher, fast, als wäre er sich seiner Bedeutungslosigkeit bewußt.
Eine Straßenecke weiter begegnete ich einem weiteren Hund. Ausgelassen wühlte er in einem riesigen Stoffwechselendproduktberg herum und ignorierte sein glatzköpfiges Herrchen, das verärgert nach ihm rief: "Bitch! Bi-itch!!!" Für einen Augenblick war ich verdutzt. Wie konnte man seinen Hund derart titulieren? Doch als ich der wörtlichen Übersetzung des Begriffs gedachte, erschien die Namensgebung plötzlich weniger skurril. Verschmitzt lächelnd ging weiter.
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morast - 23. Mär, 15:39 - Rubrik:
Menschen
Heute kommen gleich drei Worte in Frage, die ich allesamt in einer Mail verwendete, weswegen sie mir überhaupt erst bewußt wurden.
Das erste ist
fletzen.
Mein Duden kennt diese transitive Verbform erstaunlicherweise nicht, weswegen ich davon ausgehe, daß es sich um regionales Idiom handelt. Schön finde ich das lange E vor dem TZ, was irgendwie ungewöhnlich anmutet. [Vor einem TZ erwarte ich normalerweise einen kurzen Vokal]. Nicht minder schön finde ich, daß das Wort genauso bequem klingt wie seine Bedeutung.
Das zweite Wort des Tages heißt
vergraulen.
Mein weiser Duden behauptet, das wäre Umgangssprache. Immerhin kennt er es. Mir fiel auf, daß es nicht häufig verwendet wird, dabei doch einen recht interessanten Klang hat.
Das dritte und letzte Wort des heutigen Tages ist
Durchlaucht.
Diese Fürstenanrede klingt derart lächerlich, daß ich sie unbedingt mal erwähnt wissen wollte. Die Assoziation zu grünem Lauch will mir dabei nicht aus dem Kopf weichen...
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morast - 23. Mär, 10:50 - Rubrik:
Tageswort
Es ist kurz vor Zehn. Abends. Ich saugte gerade mein Zimmer. Zumindest Teile davon.
Derartiges Verhalten sollte verboten werden. Ich meine nicht das dezibelintensive Staubsaugen um diese späte Uhrzeit. Das stört bestimmt niemanden; schließlich übertönt meine laute Musik den Krach des Gerätes. Nein, ich meinte den irrwitzigen Gedanken, zuerst monatelang gelagerte Papierstapel wegzuräumen und anschließend gar Möbelstücke zu verrücken, nur um ein wenig Dreck zu beseitigen. Leider entpuppte sich nämlich das erwähnte "bißchen" als eine immense Unratansammlung, in der sich neben Staub, Papierschnipseln, alten Rechnungen, Schrauben, Styroporkrümeln und leeren Batterien erstaunlich viel Nützliches befand. Dieses bereitet allerdings enorme zusätzliche Mühe, weil es auch erst einmal ordentlich verstaut werden will, bevor ich mit dem Saugen fortfahre.
Ach egal, ich deponier das Zeug einfach in irgendeiner Ecke, dort, wo ich in den nächsten Tagen garantiert nicht saugen werde.
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morast - 22. Mär, 17:52 - Rubrik:
Wortwelten
Ich begreife es nicht. Unzählige Menschen haben sich seit Jahren, vielleicht sogar seit Jahrzehnten, darüber beschwert, doch bis heute hat sich nichts daran geändert:
Betrachtet man die Rückseite einer CD (früher: Musikkassette) oder DVD (früher: Videokassette), um mehr über den Inhalt zu erfahren, um in Erfahrung zu bringen, welche Titel auf dem Datenträger vertreten sind oder um einfach nur die Gestaltung der Außenseite zu würdigen, stellt man immer wieder fest, daß die bedeutsamsten Textstücke und Bilder stets von einem preisbenennenden oder werbenden Aufkleber verdeckt sind, einem Aufkleber, der nicht nur unangenehm schwer zu beseitigen und übergroß dimensioniert worden ist, sondern der sich auch auf allen CDs/DVDs/Kassetten an gleicher Stelle befindet, so daß noch nicht einmal der Blick auf ein Ersatzexemplar etwas nützt.
Ein stetes Ärgernis, das abgeschafft werden sollte!
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morast - 22. Mär, 17:52 - Rubrik:
Wortwelten
Ich bin 23 Jahre alt.
Vielleicht stimmt es, daß Männer nie erwachsen werden. Vielleicht stimmt es auch, daß ich eine Macke habe. Oder mehrere. Auf jeden Fall bestand heute mehrfach Anlaß, an meinem Geisteszustand Alter zu zweifeln. Schließlich verschlug es mich beim Besuch der örtlichen Karstadt-Filiale mal wieder in die Spielzeugabteilung [fadenscheinige Ausrede: Die ist gleich neben der Musik-/Video-Abteilung...].
Ich weiß nicht, wie lange ich vor dem Regal stand, aber ich muß gestehen, daß ich eine geraume Weile brauchte, um zu realisieren, daß ich plötzlich den innigen Wunsch hegte, mir eine Batman-Actionfigur zuzulegen [inklusive funktionstüchtigem Bat-Signal!]. Und nicht meine Vernunft, mein erwachsenes, rationelles Denken, vermochte es, mich vom Kauf abzuhalten, mir der Unsinnigkeit meines Wunsches bewußt zu werden, sondern nur der lächerliche Umstand, daß ich ein wenig unzufrieden mit einigen Kleinigkeiten des Figur-Designs war.
Hastig eilte ich weiter. Eine riesige SpongeBob-Figur thronte auf einem Reagl und forderte mich auf, seine Nase zu drücken. Ich zögerte nicht und drückte.
"Oooooh, meine Nase!", wunderte sich der plüschige SpongeBob.
Ich kicherte lautlos, drückte erneut.
"Tröööt!"
Nochmal.
"Hey, laß meine Nase los!"
Ich wette, meine Augen leuchteten vor Vergnügen. Doch ich tat SpongeBob den Gefallen, ließ seine Nase los und ging.
Im Saturn setzte ich mich auf ein bequemes Möbelstück, das vor dem Fernseher positioniert war. "Bambi" lief. Verwirrt realisierte ich, daß ich noch nie in meinem Leben "Bambi" gesehen hatte. Gebannt starrte ich auf den riesigen Bildschirm. Ich hörte nichts, doch das, was ich sah, beeindruckte mich, weckte den Künstler in mir, der die Details, die Kunstfertigkeit des 63 Jahre alten Films bewunderte. Ich wußte nicht, worum es ging, hatte den Großteil des Filmes verpaßt [Bambi war längst erwachsen], doch konnte mich nicht abwenden.
Erst als neben mir zwei Teenager kicherten und auf mich herabblickten, als wäre ich meines Verstandes beraubt worden, löste mich verwundert von den bunten Bildern und stand auf.
Vielleicht sollte ich niemals erwachsen werden.
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morast - 22. Mär, 17:51 - Rubrik:
Wortwelten
Aus der Sicht eines Mannes:
Begegnet man einer bezaubernd schönen Frau, die merkwürdigerweise mit jemandem zusammen ist, der ihr - was das Aussehen angeht - keineswegs gerecht wird, denkt man verwundert:
"Was will die denn mit DEM !?"
Nimmt eine solche Frau sich allerdings jemanden, der auch erstaunlich gut aussieht, denkt man verächtlich:
"War ja klar, daß die sich so einen Schönling krallt !!"
Vermutlich besteht der einzige Ausweg für die schöne Frau, es dem kritischen Betrachter recht zu machen, darin, IHN zu erwählen.
Blöd nur, wenn es mehrere kritische Betrachter gibt...
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morast - 22. Mär, 17:50 - Rubrik:
Wortwelten
Die Mensa bot heute wenig Erbauliches an. Einzig die "Fernöstliche Pfanne", kleingeschnittenes Schweinefleisch mit undefinierbarem Gemüse in unappetitlich brauner Soße, schien genießbar zu sein. Sättigungsbeilagenalternativen zu Kartoffeln standen aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit nicht mehr zur Auswahl, doch störte mich das nicht. Ich wählte noch einen leckeren Quark als Nachtisch, bezahlte und begab mich an einen abgelegenen Tisch in der Ecke. Unangenehm berührt mußte ich feststellen, daß in der gesamten Mensa Wesen herumlungerten, die ich nicht zu sehen wünschte. Ich holte das Buch aus dem Rucksack und legte es auf den Tisch.
Jahrelange Mensaerfahrung hatte mich gelehrt, wie man spannende Lektüre mit soßenfleckminimierter Nahrungsaufnahme kombinieren konnte: Ich brauchte nur sämtliche Nahrungsmittelkomponenten kleinzuschneiden und zusammenzurühren. Heute hatte ich also nur die Kartoffeln zu zerquetschen und mit dem braunsoßigen Geschnetzelten zu vermengen. Anschließend konnte ich das Mittagessen geistesabwesend mit Löffel oder Gabel in den Mund schaufeln, ohne für Zerkleinerungsprozesse oder Beilagenauswahlverfahren vom Buch aufsehen zu müssen: Meine Fernöstliche Pfanne war ein einziger Haufen Matsch.
'Ich mag Matschepampe!', ging es mir durch den Kopf, und ich mußte mir recht geben.
Schließlich liebe ich es, das, was im Magen sowieso zusammentreffen wird, schon vorher zusammenzurühren, zu einer homogenen Masse zu verbinden, der es dann zwar an Ästhetik, aber nicht an Geschmack mangelt. Ich liebe es, das Messer wegzulegen und einfach nur schaufeln zu können. Ich liebe Quark, Pudding und Joghurt, liebe Geschnetzeltes jeder Art, liebe Aufläufe, Bauernfrühstück, Rührei und dickflüssige Suppen.
Deswegen mißtraue ich auch Spaghetti: Der Aufwand, der für die Nahrungsaufnahme betrieben werden muß, ist das Essen zuweilen gar nicht wert. Ähnlich erging es mir früher mit Caipirinha. Dieses endlose Rühren, Stochern und Durch-Den-Strohhalm-Saugen bedeutete mir viel zu viel Mühe für den nicht überzeugend guten Geschmack. Auch Raclette beurteile ich ähnlich: ein Essen in winzigen Raten, die allesamt eher appetitfördernd als -stillend wirken.
Dabei erstreckt sich meine Abneigung nicht auf eine gemütliche, zeitintensive Nahrungsaufnahme. Ich selbst speise eher genießerisch [= Euphemismus für "lahmarschig"] und mag es, wenn nach dem Essen nicht alle gleich aufspringen und sich in verschiendenen Ecken der Wohnung verteilen oder gar übereifrig auf den Abwasch stürzen. Ich liebe es sogar, eine Forelle ihrer Gräten zu berauben, den kompletten Knochenbau in einem gründlich vorbereiteten Streich zu entfernen, um sich dann genüßlich dem Verbleibenden zu widmen.
Doch es gibt Augenblicke, in denen ich mich schon während des Essens zurücklehnen möchte, in denen ich meiner Faulheit nachzugeben suche, in denen der Prozeß der Nahrunsgmittelaufnahme möglichst aufwandsreduziert ablaufen sollte. Ein Löffel genügt, und die zu einem unappetitlichen aussehenden aber äußerst wohlschmeckenden Brei verrührte Speise findet ihren Weg in meinen Mund.
Fast, als wäre ich im Schlaraffenland...
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morast - 22. Mär, 17:50 - Rubrik:
Wortwelten