Mittwoch, 20. Juli 2005

Manipulationshumor

Woerl

"Ich hasse diese Blog-Manie."

Nachdem ich heute wieder auf einen Text stieß, den ich vor wenigen Tagen in einem Forum verfaßte, beschloß ich eben spontan, von dort zu zitieren, sowohl den Beitrages, der mich zu meiner Antwort bewegte, als auch das, was ich zu sagen hatte:

Ich hasse diese Blog-Manie. Ich kann es nicht verstehen auf zig Blogseiten irgendwelche Informationen zu lesen.
Oder gibt es bestimmte Blogs, die auch sinnvoll sind?!


Vieles ist wahrlich Mist. Aber es gibt genug gute Blogs, die sich aus diversen Gründen bereits etablierten, spreeblick, argh! und bildblog beispielsweise. Diese sind oft nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam.

Man sollte Weblogs nicht als Internetvariante von Teenie-Tagebüchern auffassen, sondern eher als einen Weg für einen Schreibenden/Zeichnenden/Fotografierenden, auf sich aufmerksam zu machen, sein Werk darzustellen und dadurch positive oder negative Kritik, also Resonanz, zu ernten. Und tatsächlich hilt solche Resonanz vielen [unter anderem mir], sich weiterzuentwickeln.

Es gibt unter den Weblogs durchaus ein paar angenehme, ein paar die außergewöhnlich sind, obgleich sie Alltägliches berichten. Ebenso wie man zu einem Buch greift, um eine gute geschichte zu lesen oder sich im Fernsehen irgendeine Sendung ansieht, kann man [oft auch bequem per RSS abonnierbar] sich so Erlebnisse, Ideen, Gedanken, Informationen, ... abrufen und zu Gemüte führen.

Es ist schlichtweg eine Art, das Internet zu nutzen, weder sonderlich neu, noch innovativ oder andersartig.
Der Rummel um die Weblogs ist daher tatsächlich zuweilen übertrieben.

Aber für mich beispielsweise bedeutet mein Weblog die Möglichkeit zu schreiben, regelmäßig, immer wieder, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen und mir Dinge durch den Kopf gehen zu lassen. Es bedeutet für mich, Wortwerke zu verfassen, die vielleicht keinen großen Bestand haben, aber mich selber weiterbringen, weil durch deren Niederschrift nicht nur meine eigenen Augen geöffnet werden, sondern vielleicht auch andere Gefallen finden und einmal mehr hinsehen, einmal mehr nachdenken.
Wenn das nicht klappt, wenn niemand das Weblog lesen möchte, dann ist das auch kein Weltuntergang.

Mich stört die von der Presse oftmals genutzte Beschreibung der Weblogs als Medium der Zukunft. Die wenigsten Weblogautoren sind tatsächlich in Flüchtlingsgebieten Lebende oder Katastrophen Beiwohnende, die live und direkt die ganze Internetwelt an ihren Augenzeugenberichten teilhaben lassen können.

Die meisten Weblogs sind überflüssig. Sicherlich.
Aber vermutlich nicht für deren Betreiber.

Geldbündelgummi

Als nicht unbedingt produktiv erachte ich es, innerhalb von ohnehin wenig realitätsbezogenen Filmen unlogische Einzelheiten zu entdecken, die beim ersten Betrachten gar nicht auffallen.

In dem 1989er Streifen "Otto - Der Außerfriesische" versucht Otto seinen Bruder Benno in Amerika zu finden, weil nur mit dessen Hilfe der Leuchtturm/Ostfriesland/wasauchimemr gerettet werden kann. Auf den Straßen New Yorks[?] findet Otto ein Bündel Geldscheine.
Erfreut hebt er es auf, betrachtet es, sagt "Toll. So einen Gummi kann ich gut gebrauchen.", behält den Gummi und wirft das Geld wieder weg. Lustig.

Mir jedoch kamen Zweifel an der Wirklichkeitsnähe dieser Situation. Nicht, weil er das Geld wegwirft, sondern weil ich nicht glaube, daß irgendwer - auch im fernen Amerika, wo ja bekanntlich alles möglich ist - Geldscheine mit einem Gummiband bündelt.

Wer genug Geldscheine zum Bündeln hat, wird sich doch ein Portemonaie oder zumindest eine Geldklammer leisten können. Ich gebe zu, daß mit dieser Investition das Geldbündel anschließend umfangsreduziert wäre und womöglich keinen Gummi [oder dessen ästhetischeres Äuivalent] mehr bräuchte.

Trotzdem wage ich zu behaupten, daß ein gewöhnlicher Haushaltsgummi bei Geldbündelbesitzern nicht unbedingt hoch angesehen ist und auch auf fremde, neidvolle Geldbündelbetrachter wenig Eindruck macht.

Kreative Stille

Es bedarf nicht vieler Dinge, um kreativ zu sein.

Gestern Abend lag ich bereits im Bett, bereit, mich einem erholsamen Schlaf hinzugeben, als mir Zeilen einfielen, die vielleicht ein lyrisches Werk werden könnten. Kaum war ich aufgestanden, um sie niederzuschreiben, drohten sie bereits zu entweichen. Ich eilte, krakelte auf einen alten Notizblock, in der Hoffnung am nächsten Tag noch lesen zu können, was ich verfaßte, legte mich wieder hin.

Und wieder: Einige Wörte schwirrten durch meinen Schädel, klangen gut, wollten mehr werden, wollten wachsen. Doch ich war zu müde, um mich konzentrieren, schon zu fern, um noch Gegenwärtiges thematisieren, ausformuliern zu können. Trotzdem stand ich auf, erneut, schrieb nieder, was mich beschäftigte, was mir keine Ruhe ließ, nahm den Notizblock mit ans Bett - und schlief endgültig ein.

Nun bin ich wach, abgelenkt durch Tausend Kleinigkeiten, Wirklichkeiten, die Ideen aus meinem Kopf saugen, Einfälle vernichten. Ich konzentriere mich zu sehr auf das Jetzt, beschäftige mich zu sehr mit dem, was ist, um für einen Moment loszulassen udn meinem Inneren zu lauschen.

Ich hörte oder las von einem Künstler, der nichts weiter in seinem Arbeitsraum zu stehen hatte als einen Stuhl und sein Künstlerutensiliar, lächelte über diese Eigenheit, doch zögere jetzt. Vielleicht findet er dort, was er sucht: sich selbst.

Zwei Orte kenne ich noch, an denen Stille herrscht, an denen die Welt für wenige Augenblicke schweigt, an denen die Funken meiner Gedanken sich zu Silben, zu Wörtern, zu Bildern formen können: die Toilette und die Dusche.

Die Abgeschiedenheit vom Jetzt wird mir gut tun. Ich denke, ich gehe jetzt duschen.

Dienstag, 19. Juli 2005

Begegnung mit dem Besserwisser

Ich wette, wenn ich einen Typen wie Bastian Sick träfe und ihn fragte, warum es "ertrinken" oder "ersticken", aber "verdursten" oder "verhungern" heißt und warum es kein echtes Wort für "erstinken" [zu Tode kommen durch Gestank] oder "erschwitzen" [zu Tode schwitzen] gibt, würde mir dieser eine ausführliche und äußerst langweilige, uninteressante und desillusionierende Begründung liefern, die mir aufzeigte, daß es manchmal besser ist, nur die Frage, nicht die Antwort zu kennen...

Gesprächsfetzen 8 - Langweilige Maschinen

"Was heißt eigentlich Bohrmaschine auf Englisch?"
"Keine Ahnung. Ich schau mal nach."
"Okay."
"... Boring machine."
"Was?"
"Ja! 'boring machine' steht hier."
"Das gibt genug Stoff für ein schlechtes Wortspiel."
"Stimmt. Muß ich mir gleich aufschreiben."

Montag, 18. Juli 2005

Rückblick

Wenn ich mich an ihn erinnere, so empfinde ich ihn als angenehmen, ja schönen Abend. Warum verwundert, ja erschreckt, es mich dann, daß ich auf allen Fotos lache...?

Präventives Grämen

Meine Mitbewohnerin zieht aus. In wenigen Tagen ist es soweit. Sie trauert ein wenig, doch freut sich zugleich auf ihren Auslandsaufenthalt.
Demenstprechend schwankt ihre Stimmung immer wieder hin und her. Vorhin hat sie mich, während ich Wäsche aufing, einfach so umarmt. Weil sie ja bald weg sei.

Ich selbst bin nicht traurig. Nicht, weil ich ein kaltherziger, emotionsloser Mensch wäre, nicht, weil ich mich über ihren Auszug freue, nicht, weil ich sie nicht leiden kann.
Nein, ich neige nur nicht dazu, vorher zu trauern. Ich weiß, daß ich ihr Fehlen früh genug bemerken, bedauern werde, weiß, daß es genug Momente geben wird, in denen ich wünschte, sie verweilte noch immer im Zimmer nebenan.

Präventives Grämen.
So nannte ich es, was sie, meine Mitbewohnerin momentan zuweilen betreibt, erfreute mich heimlich am Klang der beiden Äs.

Ich denke nicht an morgen. Dafür ist morgen noch genug Zeit. Auch für Trauer.

Samstag, 16. Juli 2005

Werde ich alt...?

Vielleicht sprach es für unbewußten Selbstschutz, vielleicht einfach nur für ein gereiftes, gesundes Eigenzufriedenheit, möglicherweise aber auch für nahezu narzißtische Egozentrik, daß ich gestern Nacht innerhalb einer Diskothek feststellte, daß nicht ich zu alt für diese Lokalität war, sondern die anderen viel zu jung...

Freitag, 15. Juli 2005

Nur Fliegen sind schöner...

Die Toilette meiner Wohngemeinschaft verfügt über kein Fenster. Zumindest über kein "echtes", besitzt sie doch einen adäquaten Fensterersatz, bestehend aus einer Plexiglasscheibe in der Decke, von der zu Regenzeiten ein angenehmes, beruhigendes Tropfenklopfen [schönes Wort] zu hören ist, und aus einem einigermaßen wirksamen Stinkluftentsorger in Form eines an- und ausschaltbaren Luftabzugs.

Das jedoch half der Fliege wenig, die sich in den kleinen Toilettenraum verirrt hatte und diesen nun mit mir teilte, war das einzige, was sie brauchte, doch ein offenes Fenster, oder zumindest eine geöffnete Tür, die in einen Nachbarraum mit offenenem Fenster führte [oder zumindest in einen Nachbarraum mit offener Tür...].

Doch ich saß bereits auf dem Klo, hatte die Tür abgeschlossen, war eifrig dabei, Stoffwechselendprodukte von mir zu geben [Ich weiß, das hört sich wenig appetitlich an, aber im allgemeinen führt man auf der Toilette nichts sonderlich Appetitanregendes aus.]. Ich war entspannt, ruhig und gelassen. Nicht umsonst hat man auf der Kloschüssel sitzend oder unter der Dusche die besten Ideen: Man schaltet ab, entfernt sich für wenige Momente von der omnipräsenten Wirklichkeit.

Die Fliege flog herum. Es handelte sich um ein besonders dickes Exemplar; dementsprechend laut waren ihre Fluggeräusche.
Anfangs war ich genervt, wurde ich doch nicht nur durch den Lärm in meiner Ruhe gestört, sondern auch durch die hektik, die von dem kleinen summenden, brummenden Tier ausging, das panisch nach einem Ausgang suchte, immer wieder gegen die Plexiglasscheibe stieß, in Türnähe umherirrte, kreisförmige Bahnen in die Luft malte.

Doch eigentlich hatte ich nichts gegen Fliegen, erst recht nichts gegen ihr Brummen. Erst vor wenigen Tagen hatte mich eine von ihnen angenehm in den tag hineingeweckt. Und Fliegen waren schließlich auch keine Motten, deren Existenz mich zuweilen durchaus störte.

Also redete ihr der panisch herumkreisenden Fliege gut zu.
"Bleib ruhig. Gleich bist du draußen. Warte noch. Setz dich irgendwo hin. Von mir aus auch auf mein Bein. Sei locker. Ich bin gleich fertig..."

Die Fliege hörte nicht zu, schwirrte umher, als hinge ihr Leben davon ab.
'Was das für Energie kosten muß...', dachte ich.

Als ich fertig war, mir die Hände gewaschen und die Tür geöffnet hatte, fand die Fliege den Ausweg noch immer nicht.
"Hier lang, Süße.", forderte ich sie auf und machte es ihr vor. Endlich begriff sie und schwirrte überglücklich in die Küchen und durch das geöffnete Fenster in die Freiheit.
'Meine gute Tat für heute.', schmunzelte ich.

Soeben flog eine Fliege in mein Zimmer, drehte eine Runde, knallte zwei Mal gegen die Fensterscheibe udn fand dann den Ausgang.
'Na bitte.', dachte ich, 'Geht doch.'

Zwischen Hunden und Schlingpflanzen

Die im Süden Magdeburgs befindlichen Salbker Seen haben auch schon bessere Zeiten gesehen. Der Meinung war nicht nur die etwa 40jährige, durchaus angenehm proportionierte Dame in ihrem knappen Bikini, die offensichtlich nach diversen vergangenen Jahren erstmals wieder hier verweilte, sondern auch ich, obgleich ich erst vor geschätzten vier Jahren erstmals von der Existenz der beiden Seen erfuhr.

Nachdem ich im vorigen Jahr aufgrund Zeit- und Begleitpersonenmangel einzig und allein im griechischen Ausland meinen Adoniskörper in feuchtes, öffentliches Naß tauchte, vermochte ich mich in diesem Sommer nicht zurückzuhalten, wurde nahezu magisch angezogen von der angenehmen Vorstellung, mir in den Abendstunden, nach erfolgreich beendetem Tagwerk [falls existent], ein wenig Erfrischung zu gönnen.

Gestern Abend war ich zum fünften Mal Besucher der beiden Seen, die tatsächlich im offiziellen Stadtplan mit römischen Zahlen durchnumeriert sind [wobei für mich unlogisch erscheint, daß der der Innenstadt zugewandte See die II trägt].

Besuch Nummer 1 erfolgte an See Nummer II, dort, wo ich schon in früheren Jahren zuweilen zu baden gepflegt hatte, relativ abgeschieden und Bäumen, deren Schattenwurf sonnenwanderungsbedingt durchaus unkonstant war. T, ein Freund und Kommilitone begleitete mich, nachdem ich ihn zum Baden überredet hatte. Das Wasser war nicht sauber - dergleichen zu erwarten wäre unpassend gewesen -, aber durchaus angenehm. Und nachdem die Jugendlichen nebenan ihren Platz aufgegeben und zu Sandmännchen und Mami heimgekehrt waren, konnten wir sogar das an einem Baum befestigte Tarzan-Seil ausprobieren.
Die wohl bedeutsamste Erfahrung des Tages war, daß gelbe, griechische Luftmatratzen eher Luft ein- als auslassen.

Besuch Nummer 2 verschlug uns, meine Mitbewohnerin A und mich, an See Nummer I, dort, wo ehemals ein Bezahl-Freibad existierte, das nun von einer relativ offiziellen Badestelle abgelöst wurde.
Auffällig hier waren fünf Dinge:
1. Wenn man ein großes Auto hat und plant, in den nächsten Tagen wieder baden zu gehen, braucht man die eigene Luftmatratze nicht ihres gasförmigen Inhalts zu berauben. Wenn man kein Auto sein eigen nennt, schon.
2. Luftmatratzen heißen in Jugendsprache selbstverständlich "Lumatras" [was mich gerade an eine der vier großen Sunda-Inseln erinnert und die Frage aufwirft, warum ich mir merke, daß Sumatra neben Java, Borneo und ... zu erwähnter Inselgruppe gehört.].
3. Das Wasser im Salbker See I ist derart trüb, daß man, wenn man den eigenen Arm unter Wasser ausstreckt, die Hand keinesfalls mehr zu erkennen vermag.
4. Scheinbar öffentliche Badeplätze sind Anlaufstellen für Prollvolk. Beispielhaft dafür waren die beiden Pärchen, von denen sich die "Männer" jeweils mit einem Bier auf mitgebrachten Campingstühlen plazierten, die "Frauen" dagegen mit einer Decke auf dem Boden vorlieb nehmen mußten.
4. Asiaten, die langsam am See entlanglaufen und sich in Gedanken versunken immer wieder kreisförmig den Bauch streicheln, wirken mysteriös und fördern die Eigenkreativität beim Erfinden von Gründen für dieses absonderliche Verhalten

Besuch Nummer 3 war ein besonders angenehmer, hatten doch Freundin J und ich uns spontan dazu entschieden, nachts um eins zum nächsten See, Salbker See II, zu radeln und dort immer eine Nachtbade-Aktion zu initiieren. Tatsächlich war es aber eher ein Nachtschwimmen und Nachterzählen, war es doch J aufgrund des nicht sonderlich warmen Wassers nicht genug, einfach nur herumzuplanschen, sondern schwammen wir doch mehrmals mehrere Meter in Richtung Seemitte und zurück.
Fröstelnd, in trockene Sachen schlüpfend, uns mit Decken und Handtüchern bedeckend, vor der Kälte schützend, erzählten wir stundenlang, tauschten angenehme und unangenehme Erinnerungen, als hätte die Dunkelheit den Schleier der Fremdheit für Augenblicke gelüftet.
Ich erkannte an diesem Abend/Morgen unter anderem Folgendes:
1. Mir fällt es schwer, ohne Brille Sterne oder gar Sternbilder auszumachen, die in diesem Zustand auf mich wie verschwommene Lichtflecken wirken.
2. Lange, bevor die Sonne aufgeht, ist es hell am Horizont.
3. Zecken mögen mich noch immer.

Besuch Nummer 4 war geprägt von geplanter Spontaneität, hatten doch meine Mitbewohnerin A und ich "geschäftlich" in Seenähe zu tun und uns bereits mental und kleidungstechnisch darauf vorbereitet, kurz in den Salbker See II zu springen, um der bulligen Hitze entgegenzuwirken. Natürlich führten wir das Vorhaben aus, diesmal ohne Lumatras.
Jedoch hatten wir mehrere unschöne Dinge einzusehen:
1. Der Salbker See II ist tatsächlich inoffizieller Nacktbadestrand, weswegen es uns nicht leicht fiel, ein Plätzchen zu finden, an dem wir vor primären und sekundären Geschlechtsorganen blickdicht abgegrenzt waren.
2. Jeder andere See in Magdeburg wird sauberer sein als diese stinkende Plörre, die an jenem Tag unsere Leiber aufnahm. Tatsächlich war es äußerst unangenehm zu baden, fanden wir doch nicht nur immer wieder müllartige Schwimmkörper auf Gesichtshöhe, sondern waren auch dem ekelhaften Geruch des Sees ausgeliefert, der mir vorher nie in dieser Intensität aufgefallen war. Fluchtartig verließen wir das Wasser, doch der Geruch folgte uns bis nach draußen.
3. Wenn man als überzeugter Nichtraucher davon amüsiert ist, daß kindliche Jugendliche Zigaretten zu erbetteln versuchen, erfährt man Beleidigungen, die aber erst im Weggehen ausgesprochen werden, um die direkte Konfrontation zu umgehen.
4. Autos, die in der Sonne parken, heizen sich auf.

Nach den unappetitlichen Erfahrungen an Salbker See II [Ich vermeide bewußt, die Abkürzung "SS" zu nutzen.], entschied ich, als ich gestern C gegenüber nachgab, mit ihr baden zu gehen, lieber Salbker See I in Benutzung zu ziehen.
Und tatsächlich kannte sie ein lauschiges Plätzchen, das zwar keine Ungestörtheit lieferte, aber zumindest noch mit den Resten der Abendsonne beglückt wurde. Wir ließen uns nieder und gingen langsam ins Wasser. Dieses war erstaunlich warm, aber nicht sauberer als zuvor. Zumindest stank es nicht, wenngleich die Wasserpflanzen am Einstieg etwas unangenehm waren.
Wir schwammen, bis C nicht mehr konnte [Dabei wäre es ein leichtes gewesne, den See zu durchqueren und wieder zurückzuschwimmen.] und gingen dann aus dem Wasser.
Mit uns badeten ein Ruderboot, drei ältere Herrschaften [Mann, Frau, Vater von Mann] und hin und wieder in paar Hunde.
Ein besonders schönes, kampfhundartiges Exemplar erwartete uns, als wir das Wasser verließen. Ein Angler war in Begriff, sich hier niederzulassen und hatte sein Haustier mitgebracht. Allerdings war dieser [der Hund] wenig gefährlich, schien er doch alt und träge, vor allem aber schlafbedürftig und an Menschen uninteressiert.
Mit Interesse beobachtete ich den Angler, wie er sein Utensiliar auspackte und zusammenbaute. Ein bequemer Campingstuhl entstand, ein Halter für zwei High-Tech-Angeln, die mit einem piependen Gerät ausgestattet waren, das über jegliche Regung am Köder informierte. Ich war erstaunt, mit welchem Aufwand Angeln verbunden war.

C und ich unterhielten uns. Über heute. Über die Zukunft, die eigenen Pläne. Hin und wieder quakte ein Frosch. Ich liebe dieses Geräusch.
"Hier ist letztes Jahr ein Chinese ertrunken.", meinte C.
"Warum denn das?"
"Na, die lernen wohl dort nicht, wie man schwimmt."
Die Vorstellung von 1,3 Milliarden um Hilfe schreienden Nichtschwimmern fand ich befremdlich.

Dann kam die 40jährige. Ein Radfahrer starrte ihr hinterher. Sie beschaute sich diverse Badestellen, wog offensichtlich ab, gesellte sich dann zu uns.
"Sind hier viele Schlingpflanzen?", fragte sie unsicher.
SCHLINGpflanzen? Wohl kaum.
Ich antwortete beruhigend, teilte ihr mit, daß es eine Art Schneise gebe, in denen es kaum Pflanzen gäbe und daß es im tieferen Wasser weitgehend pflanzen- und müllfrei sei.
"Daß das hier alles so verkommen ist.", sagt sie kopfschüttelnd, entkleidet sich, ignoriert den schlafenden Hund und geht vorsichtig ins Wasser.

C und ich gehen auch. Allerdings zum Auto. Vorbei an einem Schild, das uns vorher gar nicht aufgefallen war:
"Baden verboten."

Donnerstag, 14. Juli 2005

"Make-up" - Eine Kurzgeschichte

Ein trostloses Halbdunkel präsentierte sich meinen müden Blicken. Der Wind wehte mir kalten Nieselregen ins Gesicht. Ich lief weiter, langsam, in Gedanken versunken.
"Lust?", fragte eine weiche Stimme von rechts. Ihr kurzes, blondgefärbtes Haar leuchtete verlockend im trüben Laternenschein. Meine Blicke glitten zurückhaltend über ihren zierlichen, jungen Körper, den durchscheinende Gewänder unzureichend verhüllten , versanken in ihren blitzend-grünen Augen.
'Natürlich habe ich Lust.', dachte ich, doch schüttelte träge mit dem Kopf.
Ich ging weiter, keine zehn Schritte, als sie sich mir in den Weg stellte.
"Hartz IV?", fragte sie. Ich nickte unsicher.
"Für dich: 60 Euro."
Ich sah auf.
Ihre massigen Brüste quollen beinahe aus dem pinkfarbenen BH. Ich bemerkte die Falten in ihrem Gesicht, nur mangelhaft mit Make-up kaschiert, nickte erneut.
Sie ging voran, mit einstudiert-wogenden Gang, der ihr breites, einladendes Becken betonte. Meine Blicke klebten zwischen ihren Schenkeln, dort, wo der knappe Rock endete.
Nach wenigen Metern öffnete sie eine hellgraue Tür.
Ein riesiges, rundes Bett dominierte das Zimmer. Nachtschrank, Stuhl, Spiegel. Alles in Pink.
Sie setzte sich ans Fußende, schlug die Beine übereinander, zündete sich teilnahmslos eine Zigarette an.
"Zieh dich aus."
Als ich meinen Gürtel öffnete, bemerkte ich den harten Gegenstand in meiner Hosentasche.
'Das Foto.', erinnerte ich mich, holte die Kamera hervor. Verstohlen betrachtete ich sie durch das Objektiv.
"Jedes Foto - 50 Euro.", teilte sie mir desinteressiert mit.
Zigarettenqualm stieg von ihrer Hand zur Decke. Sie lächelte nicht.
Ich drückte ab. Einmal. Das mußte reichen.
Ich fischte den zerknitterten Geldschein aus der Hose.
"50 Euro. Mehr habe ich nicht."
Sie steckte ihn ein, ohne aufzusehen. Ihre Finger zitterten.
'Ich muß hier raus.'
Zwei Schritte zur Tür. Ein Blick zurück.
Auf der Bettkante saß ein Wrack.
Im Licht der grellen Straßenlampen betrachtete ich das Foto.
'Sie ist alt geworden.', stellte ich ohne Bedauern fest.
Ihren Englischunterricht hatte ich nie gemocht.

Allerdings nicht in Seattle...

Es wird bereits hell. Nachts um drei erwache ich, durstig, mit Wörtern überflutet. Eine Geschichte läßt mich nicht los, will geschrieben werden.

Ich stehe auf, schalte den Rechner an, gehe zum Kühlschrank. Das blaue Licht des Bildschirm erhellt den gesamten Flur. Das kalte Mineralwasser erfrischt, belebt meine Sinne. Ich bin bereit.

Eine Stunde lang schreibe, tippe, ich. Dreihundert Wörter, die nur aneinandergereiht zu werden brauchen. Die Bilder sind fest in meinem Kopf verankert. Nur das Ende wackelt noch. Doch ich weiß, was ich will.

Kaum liege ich wieder im Bett, fällt mir der richtige Ttel für die Geschichte ein.

Erneut stehe ich auf, erganze die fehlende Überschrift, trinke noch einen Schluck Wasser und hoffe, daß ich nun endlich Schlaf finden werde.

[4:21 Uhr]

Mittwoch, 13. Juli 2005

Drei Buchwühlgedanken

Als ich mich gestern zusammen mit unzähligen weiteren Textbegeisterten durch die Unmengen preisreduzierter Mangelware-Taschenbücher eines Standard-Buchladens kämpfte, stellte ich exakt drei Dinge fest, die nun Erwähnung finden sollen:

1. Die üblicherweise zu den sommerlichen Jahreszeiten gehörige Temperaturerhöhung weckt bei einer erstaunlich zahlreichen Gruppe an Menschen ein enormes Schwitzpotential, das selbst mich, der olfaktorisch nur selten zu beeindrucken ist, unangenehm berührt. In der Buch-suchenden Masse - und ich gehe davon aus, daß Buchläden vorwiegend von Personen beehrt werden, die es einst lernten, sich korrekt zu reinigen - sammelten sich die verschiedensten Körperausdünstungen zu diversen nasenunfreundlichen Duftballungen, die mich nach ihrem Zurückweichen jedesmal aufatmen ließen.
Schlimmer als der reine Schweißgeruch, der - ich gebe es zu - oft nicht verhinderbar ist, wirkte auf mich der Versuch, ebenjenen Schweiß mit nicht minder penetranten Gutfinddüften zu übertünchen. Das entstehende Konglomerat war als unerträglich einzustufen und erinnerte mich an Zivildienstzeiten, in denen auf den Toiletten immer Blumenduftsprays herumstanden, so daß der Abort nach deren ausführlicher Benutzung stets den Geruch von mit Fäkalien bedeckter Blumenwiesen beherbergte.
Es verwundert, daß Bücher zuweilen so starkes Interesse auslösen, daß dadurch selbst derartige Unanehmlichkeiten ertragen oder gar ignoriert werden können.

2. Innerhalb der ausgestellten Preisnachlaßbücherkisten tummelten sich unzählige literarische Werke, jedes einzelne für 2,50 Euro, für einen Preis, den ich durchaus für annehmbar halte, wenn auch das Buch annehmbar ist. Ein solches zu finden, erwies sich allerdings als erstaunlich aufwendig.
Tatsächlich durchwühlte ich sämtliche Kisten, hatte letztendlich jedes einzelne Buch mit meinem Blick bedacht und wurde mir bewußt, wie viele ungute, vielleicht sogar minderwertige, Bücher es bereits gibt, wieviel Ramsch allein in diesem Buchladen verkauft wurde. Mir wurde bewußt, daß schon unzählige Autoren versucht hatten, ihr Bestes zu geben und nur von Dingen berichtet hatten, die ich als uninteressant und unspektakulär erachtete. Ich freute mich über die verschiedenen Geschmäcker der Lesenden, doch konnte nich umhin zu bemerken, daß innerhalb der Wühlkisten, ja innerhalb von Buchläden allgemein, erstaunlich viel Müll zu finden ist.
Wie kann ich als Schreibender, als potentieller Buchautor, als Schriftsteller, also davon ausgehen, daß meine Werke besser sein werden, daß sie nicht zum unverkaufbare Wühlkistenausschuß mutieren, wie kann ich sicher sein, daß meine Werke überhaupt wert sind, in Buchläden verkauft zu werden? Wie kann ich sicher sein, daß die anderen Schriftsteller nicht auch der Meinung waren, ihr Buch sei optimal, gelungen, genial, daß sie nicht auch - ebenso wie ich - von ihrem Schreiben, ihrem Schaffen, vollends überzeugt waren, daß ich letztendlich nicht nur ein weiteres überflüssiges Buch kreieren werde?
Der Gedanke erschreckte mich.

3. Letzendlich wurde ich insgesamt drei Mal fündig. Drei Bücher behielt ich in der Hand, während ich eifrig mit dem Wühlen fortfuhr. Nach und nach legte ich ein Buch nach dem anderen weg, hatte es mir überlegt, war zur Besinnung gekommen, hatte festgestellt, daß 2,50 Euro zwar nicht sonderlich viel für ein gutes Buch darstellten, aber möglicherweise noch immer zu viel waren für die Werke, die ich ausgewählt hatte. Je länger ich also stöberte, zögerte, desto weniger Bücher wollte ich erwerben.
Und ich stellte folgendes fest: Wenn ich zu lange zögere, zu lange nachdenke, dann bereue ich womöglich den ein oder anderen spontan gefaßten Entschluß, besinne mich und halte mich zurück, warte ab und verschiebe alles auf eine unbestimmbaren Punkt in ferner Zukunft.
Entscheide ich mich spontan, denke nicht lange nach, greife zu, fasse die Gelegnehit beim Schopfe, dann kann es sein, daß ich ebenso spontan Freude, Glück erfahre, daß ich Bekanntschaft mit völlig Neuem mache, daß ich all meine Vorurteile und Bedenken für einen Moment über Bord werfe und feststelle, daß das gut so ist.
Doch ebenfalls kann es geschehen, daß eine Spontan-Aktion nur Unglück und Schmerz, nur Enttäuschung und Zweifel, mit sich bringt, daß sie mich verzweifeln läßt ob meiner Tat, so daß ich mir wünsche, ich hätte niemals derart agiert.
Aber wenn dem so ist, ist festzustellen, daß das Spontane, kurzfristig Bereitwillige, entweder Pech oder Glück in sich bergen kann, daß aber das Normale, Überlegte, Besonnene, nichts Neues bereithält und - ich übertreibe mal wieder maßlos - die alte gähnende Langeweile begrüßt, die eiegntlich nicht Teil meines Dasein sein sollte.

Mit drei interessanten Gedanken aber keinerlei neuen Büchern bestückt verließ ich den Buchladen.

Dienstag, 12. Juli 2005

"And I Hope Forever..."

"Fade away into dust again
And I will see what I want

I sing my sad songs
And I hope forever

Denounce the spears thrown by mourners
Cherish the fears and wait for death

I sing my sad songs
And I hope forever"


[JJ72 - "Bumble Bee"]

Montag, 11. Juli 2005

staub

dein name schwelt wie welkes laub
der tränenqualm erinnert mich
treibt ferngedanken aus dem mund
der hustenreiz speit keinen klang

mit ruß bedeckt mein lichterdrang
gibt stillstes dreiwortschweigen kund
in kalter asche such ich dich
durch meine hände rinnt nur staub.

www.bluthand.de

knotenpunkt

verhungert auf dem weg zur suche
getrieben von der süßen kraft allen anfangs
gefangen in wilder sehnsucht nach mir selbst
verdurstet am knotenpunkt der möglichkeiten.

tausendfach spaltend die einheit ersucht
auf tausend wegen kein ende wünschend
die eigene haut auf tausend erden ausgebreitet
in tausend winden rieselt meine asche.

www.bluthand.de

Das Jacket

Ich hatte es eilig. Na gut, eigentlich bestand kein Grund zur Eile, jederlei Hektik war überflüssig, lief mir doch kein Termin, keine Zeit, davon. Trotzdem hastete ich die Straße entlang. Seit mehreren Stunden war ich unterwegs und gehte einzig und allein den Wunsch, endlich anzukommen, endlich sitzen und ruhen zu können.

Ich rannte fast, meine Füße stolperten übereinander, ich hielt inne, hastete weiter, Irgendwo mußte das Auto doch stehen; irgendwo mußte mein Bruder es doch geparkt haben. Ich sah mich un, suchte, lief weiter, überstürzt, ungeduldigt, entnervt. Menschen kamen mir entgegen, musterten mich teilnahmslos, verschwanden aus meinem Sichtfeld.

Gerade, als ich aufgeben, umdrehen wollte, gerade, als ich in Begriff war, das Telefon zu zücken und meinen Bruder mit meinem Ärger zu überschütten, sah ich es, erkannte ich das Auto in der Ferne. Endlich! Ich jubelte innerlich, meine Hand fand die Autoschlüssel, hielt sie krampfhaft fest.

Doch halt! Irgend etwas stimmte nicht, etwas war falsch. Nur was? Mein Jacket! Wo war mein Jacket?

In Anbetracht der Temperaturen hatte ich es unter den rechten Träger meines Rucksacks geklemmt. Doch dort war es nicht mehr. Panisch drehte ich mich um, blickte zurück, entdeckte es sofort: ein schwarzes Kleiderknäuel auf grauem Asphalt, vielleicht zweihundert, dreihundert Meter von mir entfernt.

Nun rannte ich tatsächlich, spurtete zum Jacket, hib es auf, klopte den Straßenstaub ab. Ich hatte es wieder, sah auf.

Um mich herum gingen Menschen, nicht übermäßig viele, doch genug, um der Straße ein belebtes Äußeres zu verpassen. Doch niemand hatte etwas gesagt, niemand hatte auch nur ein Wort in meine Richtung verloren. Einige von ihnen mußten doch gesehen haben, wie ich mein Jacket verlor, doch nichtsahnend weiterlief. Jemand mußte es gesehen haben, desen war ich mir sicher.

Doch niemand hatte mich darauf hingewiesen. Ich hätte gerufen, hätte nachgefragt, wäre wahrscheinlich hinter dem Verlierenden hinterhergerannt, um ihm sein Eigentum zurückzubringen.

Ich blickte auf, sah mich um, sah in abwesende Gesichter. 'Sind denn alle blind?', fragte ich mich und ging langsam zum Auto.

Sonntag, 10. Juli 2005

Menschen 16

Die blinde Frau mir gegenüber schließt die Augen. Plötzlich sieht sie normal aus, nicht länger fern dieser Welt.

Ihre Ohren sind bedeckt von altmodischen Kopfhörern. Verwundert betrachte ich sie, ist doch nun nicht nur durch ihr fehlendes Augenlicht, sondenr auch durch die betäubten Hörsinne von der Wirklichkeit abgetrennt, weilt sie doch nun vollends irgendwo in der Unerreichbarkeit - und wirkt sie doch nun näher, greifbarer als noch zuvor.

Rassenpräferenz

Als ich das Abteil betrete, fällt mir ein riesiger weißer Hund ins Auge. Er hat es sich auf dem Boden bequem gemacht, zusammengerollt, den Kopf auf Vorderpfoten gebettet. An seiner Leine ist ein Aufnäher befestigt: "Blindenhund".

Erst jetzt bemerke ich seine Besitzerin, eine blonde Frau, vielleicht 30, von angenehmer Schönheit. Ihre Augen sehen in die Ferne, ins Nichts, ihre Blicke sind nicht zu greifen. Ich bin fasziniert. Als ich mich niedersetze, reagiert sie nicht. 'Sie hört mich.', denke ich, doch ihre Blicke bleiben fern.

Neben mir sitzt sich ein älteres Ehepaar gegenüber, unterhält sich angeregt. Zur linken des Mannes steht ein Korb, mit einer Decke gefüllt. Erst beim zweiten Hinsehen entdecke ich den Hund im Inneren des Korbes, ein putziges, winziges Wesen mit übergroßen Ohren, das zum Streicheln und Liebhaben einlädt.

Mit Erstaunen vergleiche ich die beiden Hunde, die mit mir das Abteil teilen, sind sie doch der gleichen Tierart zugehörig und trotzdem enorm verschieden:
Das kleine, unscheinbare, knuddlige Fellknäuel, das für Streicheleinheiten auserkoren zu sein scheint, und den majestätischen, riesigen, weißen Blindenhund, dessen Existenz einer wahlich gewaltigen Aufgabe gewidmet.

Ohne Verwunderung stelle ich fest, wie eindeutig meine Sympathien verteilt sind, wieviel Respekt ich dem größeren Tier bereits zolle.

Unten

Ich kann mich nicht mehr genau daran entsinnen, wann ich zum ersten Mal beschloß, nicht die obere Etage des Zuges zu bentuzen, sondern in diesem S-Bahn-artigen Gefährt im Erdgeschoß zu verweilen. Ich kann mich auch nicht mehr genau der Gründe entsinnen, die mich zu dieser Entscheidung bewogen, doch vermute, daß es etwas mit der Behaglichkeit der kleineren Abteile zu tun hatte, mit der vermeintlichen Ungestörtheit, die man "unten" erfahren konnte.

Und so begebe ich mich, sobald mein Zug am Bahnsteig eingefahren ist, stets an dessen Ende, an die letzte oder vorletzte Tür, betätige den Öffner und steige ein. Hier bringen Radfahrer ihre Räder unter, nehmen auf klappbaren Sitzen Platz.
Ich gehe weiter. Nirgendwo ein Raucherabteil in Sicht, dessen unappetitliche Ausdünstungen meine Atemluft bevölkern könnten.

Ich lächle stumme, öffne die Tür zu dem kleinen Abteil. Es ist bereits gefüllt. Die beiden Viererplätze, von denen ich mir normalerweise einen sichern kann, sind belegt. Doch auf den restlichen vier Doppelsitzen hat sich noch niemand niedergelassen - ich habe die freie Auswahl.

Ein kurzer Gedanke an die Fahrtrichtung, und auch ich habe meinen Sitzplatz gefunden, ziehe das Jacket aus, friemle das Musikabspielgerät aus der Tasche und stöpsle mir die kopfhörer ein. Kaum habe ich mich gesetzt, erklingt hinter der Musik in meinen Ohren eine unverständliche Durchsage, und der Zug setzt sich langsam in Bewegung.

Draußen regnet es.

In Gedanken versunken zücke ich meinen Notizblock und versinke in wohlige Behaglichkeit.

Flatterfred...

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