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morast - 7. Jan, 20:47 - Rubrik:
Frederick
Ob ich dich vermisse, fragst du. Mein Blick hängt starr in der Luft, klebt in deinen Augen.
Natürlich, wisperst du, meine niemals ertönenden Worte vorwegnehmend, natürlich vermisse ich dich. Immer und ewig.
Du weißt es, brauchst mich bloß anzusehen, meine Starre mit deinen Gedanken zu durchbrechen, die Hülle wegzuwerfen und vom Boden aufzulesen, was in der Asche noch von mir auffindbar ist. Ich vermißte dich bereits, bevor ich begriffen hatte, daß du weg warst.
Vielleicht, führe ich diese alberne Phrase fort, begriff ich bis heute nicht, und werde es nie. Vielleicht, ergänze ich lautlos murmelnd, vermisse dich gar mehr als mich, mehr als den Teil meiner selbst, den du mit dir nahmst. Vielleicht aber, flüstere ich, vermißte ich dich nie, niemals dich, nur das Bild von dir in meinem Kopf.
Du lächelst. Ich rede wirr, meinst du und siehst aus dem Fenster. Unberührtes Weiß breitet sich vor deinen Blicken aus. Ich kann die Träne fühlen, die ich nicht sehe, die deine abgewandte Wange hinunterperlt, die Träne, die mir zeigen würde, daß du verstehst, vielleicht mehr, als ich je begreifen kann.
Warum?, hauchst du auf das Glas. Die Scheibe beschlägt, hüllt das unberührte Weiß außerhalb dieser Wände in undurchdringlichen Nebel. Warum?
Ich brauche nicht zu antworten. Wie versteinert liegt die Zunge mir im Mund. Müde klettert ein Mundwinkel nach oben. Du drehst dich nicht um und bemerkst mein Lächeln doch.
Weil du mich liebst, klaubst du mir erneut die Worte von den Lippen, weil du mich noch immer liebst. Mein Lächeln wächst, formt sich zu einem inneren Teil meiner selbst, das ich nach außen zu tragen wage.
Ich bin längst weg, hauchst du. Vielleicht existiere wirklich nur noch irgendwo in deinen Träumen. Als ich entfloh, bliebst du stehen. Als die Welt sich weiterdrehte, bliebst du stehen. Als du dich endgültig verlorst, bliebst du stehen. Um mich zu betrachten. Mich, in deinen Tränen. Mich, in deinen Träumen.
Vielleicht existiere ich gar nicht länger. Nur als Teil von dir schwebe ich durch den Äther und gebäre immer neue Worte, um das Alte zu umschreiben, das längst verwelkte. Vielleicht existiere ich nur noch, um dir immer wieder den alten Schmerz emporzuheben, ihn dir ins Gesicht, ins Gedächnis zu schmieren wie einen alten Freund, wie alte Wunden, die du lecken und mit Selbstmitleid bedecken kannst.
Träge schüttle ich mit dem Kopf. Das Haupt ist mir schwer geworden, will zu Boden gleiten. Kraftlos halte ich mich aufrecht.
Nein, es geht dir nicht um Schmerz, begreifst du, nicht um Selbstmitleid. Du tust es für mich, der vermeintlichen Schönheit wegen, der vergeblichen Hoffnung wegen. Der Schmerz ist dir egal; das Licht ist es, was du suchst. Das Licht.
Ich blicke auf das Nebelweiß vor deinem Mund. Schweige.
Ich bin längst gegangen, flüsterst du. Vermiß mich nicht, weinst du.
Ich vermisse dich; meine Worte finden ihre Sprache wieder. Träge bewegt sich der Zungenwurm in seinem Bett. Ich vermisse dich mit jedem Wort, das du nicht sagst, mit jedem Windhauch, der deine Gestalt nicht findest, mit jedem Gedanken, der unausgesprochen in mir verbleiben muß. Ich vermisse dich. Nicht, weil ich dich verlor. Nicht weil du gingst. Nein, weil nach all den Jahren, den Äonen, nach all den Wegen, den Gedanken, das Vergessen mich noch immer nicht fand, dich noch immer nicht aus mir tilgte, die Liebe zu dir nicht raubte nicht schmälerte.
Mein Weg ist nicht der Tod, nicht das Dunkel. Ich bin süchtig nach dem Leben, atme es ein und verharre jauchzend in seligsten Momenten. Und doch ...
Dich zu finden, hieß, dich niemals verlieren zu können.
Du drehst dich um. Tränen weben feine Muster auf deine Haut.
Ich bin längst gegangen, flüsterst du. Längst.
Ich weiß, antworte ich, ich weiß es längst. Doch nicht das Begreifen fehlt.
Ich bin längst gegangen, flüsterst du ein drittes Mal. Deine Liebe schwebt hinter mir her wie der Schleier einer Braut, die in die Arme des anderen gleitet. Ich renne. Ohne es zu wollen, renne ich. Die Erde rotiert, und mit ihr ich. Nur du verharrst, sehnst dich zurück, sehnst dich in die falsche Richtung nach vorn.
Vielleicht, und deine Stimme stockt einen Seufzer lang, vielleicht verweile ich nicht hier, niemals hier. Vielleicht bin ich auch jetzt, in diesem Moment, in diesem Raum, nur ein Teil deiner Träume.
Vielleicht, antworte ich, und sehe dir nach, als du verblaßt.
morast - 7. Jan, 02:56 - Rubrik:
Wortwelten
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[Im Hintergrund: Ensiferum - "Ensiferum"]
morast - 6. Jan, 16:36 - Rubrik:
Frederick
Ach ja. Es hätte ein Moment werden können. Einer von jenen, wenn du verstehst.
Du verstehst nicht. Hörst nicht zu. Einer von jenen, sagte ich. Einer von jenen Momenten, die sich in den Verstand, ins Herz, ins Auge brennen, die in einsamen Sehnsuchtsnächten und schwermutsschwangeren Stunden selbstreanimierend aus dem Untergrund auftauchen und mich verzehren. Nichtigkeit wecken aus dämmerndem Schlaf der Geduld. Der Geduld mir selbst gegenüber.
Es hätte einer dieser Momente werden können. Wärest du geblieben. Hättest du innegehalten, mich festgehalten, ich dich, nicht gehen gelassen, niemals gehen gelassen. Auch damals nicht, bevor alles zu spät wurde.
Es hätte einer dieser Momente werden können, die alle Träume begründen, die glimmen, glühen, verzehren, deren Schmerz unerreichbare Schönheiten annimmt.
Was ich meine? Welchen Tag? Welche Stunde? Es spielt keine Rolle. Es war nur eine Sekunde, ein Bruchteil eines Neins, der genügte, um Scherben zu gebären. Es hätte jede Stunde, jeder Tag sein können. Jeder Moment.
Vielleicht hättest du dein Haupt in meine Kissen, in meine Arme, in meine Seele gebettet, vielleicht dich in mir, mich in dir, uns im Jetzt gefunden, vielleicht den Moment dein Eigen, unser Eigen, stillen Reigen, nennen können. Vielleicht.
Vielleicht wären deine Lider darniedergestürzt, schmetterlingsflatternd, den Augenglanz hüllend, als dürfte ich nicht ahnen, was ich längst wußte, was mein suchender Mund dir aus jeder Pore saugte.
Vielleicht hättest du geflüstert, wortlos, tonlos, atemlos, und doch voller Klang, voller Regen. Ich hätte dem Rauschen gelauscht und gewußt, ohne zu wissen, gespürt, ohne das Verlorensein verloren zu haben, hätte mich fortspülen lassen von deinem Tränenfluß, von ungesagtem Nichtwort, irgendwohin, wo ich längst auf dich wartete.
Es hätte ein Moment werden können. Einer von jenen, die alles bedeuten.
Du begreifst nicht, erfaßt mich nicht, erinnerst dich deiner Gedanken, deines messerdünnen Neins, deiner längst belegten Hände, deiner fremdmundwarmen Lippen, flüchtig nur, als wäre alles ohne jegliche Bedeutung, ein Vorübergleiten durch das Heute mit mir als Randfigur ohne Namen.
Wie du mich ansiehst. Alles wäre ich allem Denken, allem Weltlichen entrückt, als breitete ich einen schillernden Teppich zu deinen nackten Füßen aus, dessen Geistesfäden traumgeknüpft einem fremden Übersein entsprangen.
Als hieße ich nicht länger ich, sondern Feind, Trugbild, Falschvergangenheit.
Keine Sorge, ich berühr dich nicht. Jeder Millimeter zwischen uns birgt Meilensteine unmenschlicher Überwindungen für mich. Ich halte mich fern, obgleich meine Worte anderes verkünden.
Es ist nicht wahr. Hab keine Angst. Ich halte still. Fliehe nur, ich werde nicht folgen.
Du vertraust mir. Noch immer. Nicht bis in die Ewigkeit meines Wahns, doch jetzt und hier. Ich atme. Du bleibst. Nicht lange mehr, ich weiß es. Doch jetzt und hier.
Der Moment zerbrach, weißt du. Bevor er begann. Bevor ich begann, ihn zu erfassen. Bevor die Farben in meinem Schädel ihn umfaßt, ergriffen hatten. Du brauchtest nur ein einziges Wort, um eine Welt zu tilgen, nur eine Silbe, um alle Farben verblassen zu lassen.
Warum ich trotzdem lächelte, willst du wissen. Warum ich trotzdem wartete, verblieb, Worte in den Äther warf und dich mit ihnen umgarnte? Warum ich nicht rannte, nicht weinte, nicht starb, willst du wissen.
Weil ich dich liebe. Weil du es weißt. Längst weißt.
Schau mich nicht so an. Schau nicht nach außen, schau in dich. Tiefer. Du weißt es. Dein trauriges Lächeln verrät dich.
Ich rannte nicht. Wohin auch? Es gibt keinen Ort der Welt für mich, der ohne mich ist, der dich in mir fehlen läßt. Für mich bedurfte es nur eines Lidschlags, und jeder Traum wäre wahr geworden, nur eines Zeichens, einer Berührung, um mich jede Flucht, jedes Augenmeer vergessen zu lassen.
Es hätte einer dieser Momente werden können. Er lag nahe, berührte bereits den rissigen Rand der Wirklichkeiten. Er lag nahe, doch ein einziger unbedachter Atemzug genügte, um ihn zu klirrendem Eis werden, das Eis in Milliarden Splitter bersten zu lassen.
Wann?, willst du wissen. Immer!, antworte ich, nun selbst traurig lächelnd. Wann?, wiederholst du und deutest auf die zwischen uns liegenden Vergangenheiten. Immer!, seufze ich und streichle ein Stück Gestern.
Deine Welt ist voll anderer Blicke, weißt du. Deine Augen glauben fremd zu sein, fremde Gestalten am Rande meines Kreisels. Es fällt ihnen schwer, mich zu finden.
Ich kann es verstehen. Ich lebe nur in meinem Kopf. Nur hier, wo der Moment geboren ward, der nie begann. Der Moment, der alles hätte werden können. Einer von jenen.
Geh nicht! Ich kenne deine Tränen. Jede einzelne. Verbirg sie nicht. Verbirg dich nicht.
Doch du eilst hinaus. Zitternde Hände bedeckten glimmende Augen. Deine nackten Füße finden blind ihren Weg durch die Scherben.
Es klirrt leise, als auch dieser Moment zerbricht. Doch deine Sinne flohen längst.
Ich atme aus.
Es hätte ein Moment werden können.
Einer von jenen.
[Im Hintergrund: VAST - "Visual Audio Sensory Theatre"]
morast - 6. Jan, 03:12 - Rubrik:
Wortwelten
Wow. Ich entwickle mich allmählich zum Künstler. Nicht in Bezug auf mein Talent, sondern in Bezug auf meine beemerkbaren Macken und Eigenheiten. Heute wurde ein minimiertes Bild von mir in sachgemäß akzeptablem Umfeld wiederverwertet, und ich konnte es nicht lassen zu erwähnen, daß ich gerne vor einer solchen Verwendung gefragt werden möchte. Als ob das etwas geändert hätte. Schließlich sage ich sowieso nicht Nein...
Hinzu kommt, daß mir heute wieder klar wwurde, nciht zu mögen, wenn irgendewr mir beim Zeichnen über die Schulter schaut oder unfertige Comics betrachten möchte. Eigentlich albern; doch fühle ich mich dadurch wohler...
Nun ja...
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morast - 5. Jan, 22:22 - Rubrik:
Frederick
Da wurde doch tatsächlich bemängelt, daß den letzten Fred-Comics wenig Details innewohnten. Der heutige ist nur ein weiterer dieser Sorte, was mich aber nicht zu Entschuldigungen treibt. Es kann nicht imemr schneien oder der Himmel voller Sterne sein. Außerdem sei eräwhnt, daß beispielsielsweise Höhleninnereien zumeist von Regentropfen, Schneeflocken und Sternen sind. An gut, der heutige Comic spielt draußen; aber das macht ja nichts.
Schließlich wird so das Auge auf die wenigen Details, die dafür umso bedeutsamer sind, gelenkt. Und so soll es ja auch sein. Zumindest manchmal.
Und so.
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[Im Hintergrund: Muse - "Origin Of Symmetry"]
morast - 4. Jan, 17:44 - Rubrik:
Frederick
"Ich bin so passiv, daß ich meine Passivität noch aktiv unterstütze..."
morast - 4. Jan, 17:25 - Rubrik:
Fetzen
Und dann gab es noch das Lied, das in dem Augenblick endete, da ich beschloß, zum nächsten übergehen zu wollen. So viel musikalisches Feingespür seitens der Interpreten kann ich nur bewudnern...
morast - 4. Jan, 16:16 - Rubrik:
Krimskrams
Opera als Browser zu nutzen, bietet viele Vorteile. Einer davon ist, daß man in die Adreßzeile auch ab und an Buchstaben wie a, e oder g schreiben kann. Setzt man nämlich dahinter ein Leerzeichen und hinter diesem einen Suchbegriff, so gelangt man zu zur Suchergebnisseite von amazon.de, ebay.de oder google.de, ohne die Worte amazon, ebay oder google überhaupt eingegeben zu haben. Das Ganze ist individuell erweiterbar und und erleichtert mir beispielsweise das Aufrufen von dict.leo.org oder wikipedia.
Doch ich schweife ab, wollte ich doch nur auf ein einziges Ereignis heraus, daß mich im wahrsten Sinne des Wortes amüsierte, doch eigentlich keine derart lange Einleitung nötig hat.
Soeben beschloß ich nämlich, das amazon,de-Angebot nach Werken der Band Muse zu durchsuchen. Ich zückte also meinen Browser [der laut Computerbild in Wirklichkeit ein "Internetverbindungsprogramm" ist] und gab meine Suchanfrage ein:
a muse
Als wäre es ein Befehl, amüsierte ich mich tatsächlich und beschloß, mir diese Zeile öfter einmal ins Bewußtsein zu rufen...
[Im Hintergrund: Muse - "Showbiz"]
morast - 4. Jan, 15:26 - Rubrik:
Wortwelten
Noch immer wach, hoffend, in fremden Gedanken das Echo meiner eigenen zu finden und doch ein Wort, das mich von mir selbst entrückt.
Noch immer wach, versuchend, in fremden Stimmen diejnige zu finden, die jede Einsamkeit betäubt.
Noch immer wach, auf der Suche nach meinem Leben...
morast - 4. Jan, 00:39 - Rubrik:
Geistgedanken
Heute ist wieder einer von diesen Tagen. Ich atme, laufe durch die Wohnung, finde ständig Dinge, mit denen ich mich beschäftigen könnte und andere, die in meinem Leib verschwinden, um Gemüt und Magen zu besänftigen. Tatsächlich kann ich sogar behaupten, Sinnvolles geschaffen, Nützliches bewirkt zu haben. Dennoch fühle ich mich unnütz. Jeder Schritt, den ich gehe, scheint falsch, überflüssig, ziellos, planlos, sinnlos zu sein. Wenn ich versuche, mich zukonzentrieren, höre ich die stetigen Stimmen, die ihren "Du-mußt"-Singsang von sich geben und jede Tat, jede Handbewegung mit zusätzlicher Falschheit bepudern.
'Ich bin nicht hier.', denke ich und wünsche für einen Moment, vor mir selber fliehen zu können. Doch das ist Unsinn. Ich mag mich, ein wenig, mir gefällt, wer ich bin, was ich kann. Aber zuweilen könnte ich mich stundenlang nur für das ohrfeigen, was ich verpaßte, was ich vernachlässigte, vergrub, ignorierte, was ich noch immer verdränge, als gehöre es nicht zu mir zu meinem Leben, als würde es, wenn ich es vergesse, auch aus dem Bewußtsein sämtlicher anderer Menschen verschwinden.
Es gibt Listen. Ich versuche, mich zu kontrollieren, mich überwachen, mich dabei zu ertappen, wie ich mal wieder tagelang hinter unnützen Gedanken herhing, wie ich mich mit fadenscheinigen Beschäftigungen über Wasser hielt und eine Berechtigung zum Dasein erwirke. Ich observiere mich und finde Befriedigung darin, die vielen Häkchen und durchgestrichenen Zeilen zu zählen, die auf meiner Liste von Erfüllung künden - und doch keine Befriedigung verschaffen. Nicht, weil es nicht genug sind. Nein, es sind einfach nicht die richtigen Stellen, nicht die richtigen Worte, vor denen Häkchen gesetzt, die mit schwarzem Fineliner durchgestrichen wurden.
Es ist, als würde ich ein riesiges Puzzle zusammensetzen, aber mich nur um den Hintergrund, den Himmel, die Sonne, das Meer und ferne Bergsilhouetten kümmern, statt das Hauptmotiv, das riesige Schiff im Vordergrund, das mich mit dröhnenden Motoren gen Zukunft tragen soll, zu bearbeiten, als ließe ich es aus, um es für später aufzuheben, für ein Später, das es hoffentlich nie geben wird.
Ich fürchte mich vor diesem Später, weil ich weiß, daß es der Zeitpunkt sein wird, an dem mein Versagen öffentlich wird, an dem ich es mir selbst gegenüber zugeben muß. Das Später ist ein roter Fleck in meinem Auge, der sogar verbleibt, wenn ich die Lider zusammenpresse und mir den entführenden Traumschlaf herbeirufe.
Wenn es nach mir ging, so würde ich dieses Später aus meinem Dasein streichen. Es sollte ein Davor geben und ein Danach, aber kein Mittendrin, keinen Punkt, an dem alles geschieht, keine Realisation meiner Selbst, das die letzten Meter zum Abgrund endlich überwand und nun auf den Sturz wartet.
Ich übertreibe, sicherlich. Doch wenn ich mich betrachte, sehe ich den komischen Kauz, der seit Monaten seine Zeit vertreibt. Nein, er läßt sich auf der Zeit treiben, wartet ab und weiß nicht, worauf. Alles möge in seine Hände fließen, sie sind harrend geöffnet, versuchen, die Chancen zu greifen, doch können es nicht, weil er nicht fähig zu sein scheint, sich selbst zu bewegen, sich zu ihnen hin zu neigen, eigene Schritte in ihre Richtung zu wagen.
Unlängst sah ich mich am Tisch meines Bruders sitzen, in ferner Zukunft. Ein Lockenbart wuchs mir vom Kinn, in dem sich bereits graue Fäden zeigten. Mein Bauch war ein weiches Hüpfkissen für meine Neffen und Nichten, die neugierig zu ihrem wundersamen Onkel aufschauten, wie er da saß, in abgewetzten Klamotten, mit einem selbstironischen Lächeln auf den Lippen, einem leisen Funkeln in den Augen, das nur schwer die Trauer dahinter verbarg. Der Onkel wußte Geschichten zu erzählen, absonderliche Gesichten, die zum Lachen und Staunen einluden. Und manchmal zeichnete er. Ein kleines Tier mit großen Kulleraugen, eine Fledermaus vielleicht oder einen Käfer. Wenn er zeichnete, verwandelte er sich für einen Moment selbst in ein Kind, vertiefte sich in die Spitze des Stiftes, in die wenigen Linien, die auf dem weißen Blatt bereits zu sehen waren. Seine Zungenspitze ragte ein wenig heraus, spielte mit dem Mundwinkel, ohne daß er sich dessen gewahr wurde. Und während die Kinder freudig triumphierend die Zeichnung hochhielten und bewunderten, flogen meine Gedanken zurück in die Vergangenheit, dorthin, wo ich am Anfang aller Möglichkeiten stand, ohne sie wahrzunehmen, ohne sie erfassen zu wollen, dorthin, wo ein junger Mann selbstzweifelnd auf der Stelle klebte und unsicher dort verharrte, wo die Wirklichkeit ihn nicht finden konnte.
Einen Tritt in den Hintern benötige ich, sage ich mir oft genug und weiß, daß ich selbst es sein muß, der mir diesen verpaßt. Oft genug bekomme ich Hinweise, Ratschläge, Nachfragen; doch irgendwie fühle ich mich stets bedroht, belästigt, angegriffen, glaube, nicht verstanden zu werden, es besser zu wissen, andere Richtungen einschlagen zu wollen, die sich mir nur noch nicht offenbart haben.
Ich selbst bin es, der sich aufraffen, der mich antreiben muß. Das weiß ich, und wenn sich diese Erkenntnis endlich wieder einmal in mein Bewußtsein gefressen hat, kann ich nicht anders, als aufzustehen und anzufangen. Ich weiß nicht genau, womit, doch ich fange an, beschäftige mich, finde Dinge, die seit Jahr und Tag hätten erledigt sein sollen, raffe mich auf, weiterzumachen oder von neuem zu beginnen, finde alte Kraft, wo ich sie einst ablegte und treibe mich an.
Doch dann kommt die Pause, die Ruhephase, die Erschöpfung; vielleicht sogar das Begreifen, daß unmöglich zu schaffen ist, was zu schaffen sein soll. Ich atme durch, setze mich hin und lenke mich von düsteren Gedanken ab, die nun vermehrt meinen Geist bevölkern. Wie konnte ich glauben, voraneilen zu können, wo ich doch noch immer ich bin, noch immer derselbe faule, träge Kerl, der lieber auf das Leben wartet, statt ihm entgegenzueilen?
Der erste Widerstand auf meinem Weg, das erste Hindernis, kann schon genug sein, um mich aufzuhalten, mich zu zerbrechen. Ich sehe mir zu, wie ich zu Boden gehe und zucke desinteressiert mit den Schultern. War ja klar, denke ich und wende mich ab. Irgendwo warten irgendwelche Nebensächlichkeiten darauf, von mir mit geschickter Hand vollbracht zu werden, mich vom Eigentlich abzulenken
Ich finde mich wieder mit meinen Gedanken allein gelassen in meinem Zimmer, sehe mich um und erfasse, was alles noch vor mir liegt, wovor ich Angst habe. Dinge, die mich enttäuschten, für die ich nur noch Resignation übrig habe, keine Empfindung mehr, nur Desinteresse. Dinge, die mir etwas bedeuten, doch niemals so liefen, wie erhofft, die mich irgendwann zaudern, straucheln, aufgeben ließen. Dinge, die zu erreichen ich mir nie wünschte, die auf mich zukamen, um dann in meiner Hand doch zu zerbrechen...
Ich sehe sie und sehe mich in diesem Haufen aus Scherben, und es schmerzt zu begreifen, daß neue Scherben sich zu den alten gesellen werden. Vielleicht liegt mein Bestreben darin, sie zu verhindern, mich vor weiteren Scherben zu bewahren, die Gefahr des Zerbrechens zu meiden, indem ich die Gefahr, ja das Leben selbst meide.
Aus Angst vor der Möglichkeit zu scheitern, scheitere ich schon vor dem Beginn des Weges. Das klingt, als ob es richtig wäre, und doch stimmt es nicht. Nicht ganz.
Genug Leute kenne ich, die mich daran erinnern, daß das, was ich bin und will, daß meine Taten und Gedanken nicht unnütz sind. Genug Momente in meinem Dasein gibt es, die mir Freude und Leben schenken, die mich den alten Scherbenberg vergessen und mich mutig nach vorne stürzen lassen. Und doch ist heute einer von diesen Tagen, an denen ich glaube, längst stehengeblieben zu sein, stehengeblieben, während die Welt sich um mich herum weiterdrehte, stehengeblieben, irgendwann, als ein winziger Schritt, eine winzige Tat, die bessere Möglichkeit gewesen wäre...
morast - 3. Jan, 22:48 - Rubrik:
Geistgedanken
In der Lidl-Obst- und Gemüseabteilung entdeckte ich heute neben wunderlichen Mini-Zucchini und deliziösen Granatäpfeln Sharon-Früchte, Herkunftsland: Israel.
Das hatte ich fast erwartet.
morast - 3. Jan, 19:01 - Rubrik:
Krimskrams
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[Im Hintergrund: Muse - "Origin Of Symmetry"]
morast - 3. Jan, 13:58 - Rubrik:
Frederick
Da war doch noch was!? Irgendetwas, das mit Weihnachten zu tun hatte...?
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morast - 2. Jan, 19:30 - Rubrik:
Frederick
Wenn man erwartet, Marzipan zu schmecken, ist Nougat einen Augenblick lang eklig.
morast - 1. Jan, 19:11 - Rubrik:
Weise Worte
Fred hat es geschafft. Das neue Jahr ist erreicht, und den
"Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comic gibt es immer noch.
Hier ist Nummer 104.
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morast - 1. Jan, 19:01 - Rubrik:
Frederick
Wo bleibt er denn?
Hier ist er, der letzte Fred-Comic dieses Jahres.
Ich wünsche allen Lesner und Nichtlesern natürlcih das Beste, Guten Rutsch und einen Riesenhaufen Bliblablo. Mindestens.
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[Im Hintergrund: Dornenreich]
morast - 31. Dez, 22:09 - Rubrik:
Frederick
In nahezu letzter Minute trifft der heutige Comic im Internetz ein, natürlich mal wieder mit silvestriger Thematik behaftet.
Und so.
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[Im Hintergrund: Die Ärzte - "Geräusch"]
morast - 30. Dez, 23:21 - Rubrik:
Frederick
"Hit the road Jack!"
"Mach ich. Wenn ich ihn treffe."
"...?"
"Wer ist eigentlich dieser Road-Jack?"
morast - 30. Dez, 17:23 - Rubrik:
Fetzen
Die 100 ist überschritten. Es geht weiter. Und noch immer hält mich die Thematik Silvester gefangen. Naja, nicht mehr lange...
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P.S: Ich finde es übrigens erstaunlich, daß sich noch nie jemand beschwerte, wenn ich den Fred eines Tages erst spät veröffentlichte. Heißt das nun, daß die Leser tolerant sind bis zum GetNo oder daß es vollkommen egal ist, wie oft ich Comics veröffentliche...?
morast - 29. Dez, 16:43 - Rubrik:
Frederick