Dienstag, 28. März 2006

FFFfF: Smalltalk

Wow. Das Feedback ist in den letzten Tagen ja enorm. Kaum stelle ich mal eine Frage [oder auch zwei], setzt ein allgemeines Schweigen ein.
Also stelle ich wohl heute mal keine.
Besser so?

Und so.


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[Im Hintergrund: Avantasia]

Wörterschmiede

"Ich habe schon früher Wörterschmiede kennen gelernt, Jake, und sie sind alle mehr oder weniger aus demselben Holz geschnitzt. Sie erzählen Geschichten, weil sie sich vor dem Leben fürchten."
Stephen King - "Der Turm"

Weise Worte 17

Bei der Buchlektüre gibt es keine Werbepausen.

Montag, 27. März 2006

FFFfF: Kritik

Ich gestehe, mir manchmal Sachen auszudenken.
Das ist sicherlich ein befremdlicher Satz aus der Feder eines Menschen, der täglich einen neuen Comic ersinnt, doch trifft er zu.
Denn die im folgenden Comic erwähnte Kritik gibt es nicht.

Falls irgendwer übrigens einen Vorschlag hat, wie ich den 200. Comic zelebrieren sollte [Wir sind momentan bei Nummer 189], so möge er oder sie mir davon berichten, egal, wie abstrus oder abwegig die Sache ist...

Und so.


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[Im Hintergrund: Scream Silence - "To Die For" --- Während eines wahrlich gutes Konzertes dieser Band stellte ich am Freitag fest, daß es an der Zeit ist, mir die Musik häufiger zu Gemüte zu führen - und nicht nur das eine Album, das ich ohnehin schon mochte...]

Sonntag, 26. März 2006

FFFfF: Es ist Frühling!

Ich glaube, ein Comic wie der heutige, der den Frühlingsbeginn einläutet, mußte einfach sein.

Und so.


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Frühjahrsmüdigkeit

Ich bin so müde heute.
Ich glaube, ich bin gähnmanipuliert.

Samstag, 25. März 2006

FFFfF: Tag & Nacht

Eigentlich sollte die heutige Thematik eine ganz andere Richtung berühren. Naja, geht auch so...


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Freitag, 24. März 2006

FFFfF: Wahl

Wow. Das "Gewinnspiel" vom gestrigen Tage hat mir derart viele Antworten beschert, daß ich, hätte ich einen nagelneues Einfamilienhaus oder gar einen Fiat Cinquecento verlost, darauf sitzen geblieben wäre. War wohl zu kompliziert einfach.

Zum heutigen Comic sei erwähnt, daß dessen Thematik, nämlich die Landtagswahl 2006 in Sachsen-Anhalt mir von Knollo gesponsort wurde, der auch für die gestrige Strohhalm-Thematik [Ja! "Strohhalm" wäre die richtige Lösung gewesen!] verantwortlich war.
Bei einer zufälligen Straßenbahnbegegnung kam das Gespräch darauf, daß Fred -Comics ja nicht mit Vorlauf gezeichnet wird, daß also Tagesaktualität herrscht. Dementsprechend sei ich förmlich verpflichtet, die Landtagswahl zu erwähnen.
Ich wehrte ein wenig ab; schließlich neige ich dazu, Weltpolitisches und ähnliches außen vor zu lassen. Doch alsbald kam mir eine Idde, die ich sogleich umsetzte - weswegen der heutige Comic auch ein paar Minuten früher veröffentlich wird.

Und so.


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Massenmord gegen Politikverdrossenheit

Am Sonntag ist Wahl.

Das Deutsch des obigen Satzes ist wahrlich kein gutes, doch an seinem Inhalt ist nicht zu rütteln, zumindest wenn man in Sachsen-Anhalt wohnhaft ist, in jenem Sachsen-Anhalt, daß in sämtlichen Kategorien den letzten Platz, die viel zitierte rote Laterne, sein Eigen nennt - außer natürlich in Negativdisziplinen. Da sind wir plötzlich ganz weit vorne. Grund genug, alles besser machen zu wollen.

Ich lasse die Frage außen vor, ob es nicht immer einen letzten Platz, ein Bundesland, geben muß, das im Vergleich zu allen anderen den Schwarzen Peter zieht [paßt farblich ganz gut zur Laterne] und erkläre lauthals, von Politik keine Ahnung zu haben. Selbiges behauptet jeder, der sich dafür entschuldigt, soeben lauthals mit unsinnigen Stammtischparolen gegen das "System" gewettert zu haben und sollte eigentlich nicht auch für mich als Ausrede dienen, mich vor meiner Verantwortung als Wähler zu drücken.

Gut, dann formuliere ich es anders: Mein politisches Interesse ist minimal.
In politischen Brisanzzeiten, beispielsweise wenn ein Irakkrieg beginnt oder zum ersten mal eine Frau für den Bundeskanzler[innen]posten kandiert, neige ich dazu, die Medienberichte zu verfolgen und Meinungen zuzustimmen oder sie mit kritischen Worten niederzumachen. Jedoch merke ich selbst dann, keine Ahnung zu haben, nur die Oberfläche zu kennen, unter der ein dickes Geschwulst an Informationen pulsiert, das kein Spiegelbild in meinem Schädel findet - und sich auch verwehrt, in mein Wissen einzudringen.

Denn befasse ich mich eine Weile mit einer mich interessierenden Thematik, so stelle ich schnell fest, daß in zahllosen Texten und Sendungen dieselben oberflächlichen Informationen wiedergekäut werden, ohne daß wirklich Neues oder gar Tiefergehendes hervorgebracht wird.
Es gibt das Internet; ich kann mich informieren. Und das tue ich - anfangs. Irgendwann glaube ich genug zu wissen und werde alsbald eines Besseren belehrt. Oder entdecke die zwanzigste abwegige Spekulation über Dinge, die erst entschieden werden müssen und wende mich genervt ab.

Ich interessiere mich nicht für Politik. Wenn ich jemals ein Gespräch in diese thematische Richtung lenke, fühle ich mich wie auf einem Minenfeld, wie im Treibsand, wie auf einem Bürgersteig Magdeburgs. Jeder weitere Schritt, jede weitere Aussage, wird offenbaren, daß ich nichts weiß, wird mich schmachvoll untergehen lassen. Also schweige ich lieber präventiv und versuche zuzuhören. Manchmal frage ich auch nach, um mir Zusammenhänge zu erarbeiten. Doch blicke ich zwei Tage später auf das Gespräch zurück, kann ich mich keines Wissens erinnern, das bei mir verweilte.

Trotzdem wähle ich. Ich bin fähig zu lesen und zu verstehen. Es ist ein Leichtes für mich, die Wahlprogramme der Parteien zu durchstöbern, und auch wenn ich nicht alles erfasse, bin ich doch in der Lage, bestimmten Thesen mit Zustimmung oder Ablehnung zu begegnen.
Ich bin auch nicht denkfern, kann Dummenfang und Stammtischparolen erkennen, den Namen des jetzigen Ministerpräsidenten [und zufälligerweise auch des sachsen-anhaltinischen Finanzministers] nennen und ihren Parteien zuordnen.

Doch wenn man mich fragen würde, was die CDU in den letzten vier Jahren in Sachsen-Anhalt bewegt hat, würde ich schweigen. Wenn man mich fragte, wer außer dem Ministerpräsidenten und dem Finanzminister im Landestag herumsitzt, würde ich schweigen.

Oder ausweichen. Ich könnte erzählen, daß ich einstmals mit Freundin C und Freund M vor dem Landtagsgebäude in Magdeburg parkte. Eigentlich wollten wir weiterfahren, doch das frischgekaufte Speiseeis sollte zunächst verzehrt werden. Wir parkten also, stiegen aus und nahmen auch einen handflächengroßen Ball mit ins Freie, um ihn uns gegenseitig zuzuwerfen. Wir hatten keine Minute unserem arglosen Spiel gefrönt, als ein Sicherheitsmann an uns herantrat und darauf verwies, daß sich schon Abgeordnete beschwert und die Befürchtung geäußert hätten, wir könnten mit unserem gefährlichen Bällchen ihre Autos zerschmettern.
Ich war erstaunt ob der Disziplin, die uns nur aufgrund des Verweilens in der Nähe von Politikern auferlegt wurde.
Wie die hießen, wußte ich trotzdem nicht.

Käme ein Antipolitikverdrossenheitsmassenmörder [Ich sollte wohl Bindestriche setzen: Anti-Politikverdrossenheits-Massenmörder] daher und zwänge mich mit vorgehaltener, geladener und entsicherter Armbrust unter Androhung meines Todes, die wichtigsten Punkte des SPD-Wahlprogramms wiederzugeben. würde ich stotternd abzulenken versuchen und darauf verweisen, daß ich argwöhnte, ein radikaler CDU-Politiker triebe in Magdeburg sein Unwesen.

Der Massenmörder fiele auf meine Finte herein und fragte "Wieso das denn?" und zwänge mich mit vorgehaltener, geladener und entsicherter Armbrust zum Berichten folgender Worte:

Aufgrund der derzeit stattfindenden Wahlwerbungskampagnen, wird insbesondere der Magdeburger Innenstadtbereich mit unzähligen überdimensionalen Gesichtern bepflastert, die mit unsinnigen, nichtssagenden oder schlichtweg durchschaubar-dummen Sprüchen für ihre Partei und um meine kostbaren Stimmen werden. Heimlich hat sich an den meisten dieser Plakate ein Sprühender versucht, der mit roter Farbe allen Politikern rote, runde Clownsnasen verpaßte und somit ein oder zwei Sympathiepunkte meinerseits einheimste. Nicht, weil ich am Liebsten stammtischgerecht ausrufen würde: "Recht so! Politiker - das sind eh alles Betrüger! Mafia!", sondern weil durch diese Aktion die ausufernde Wahlplakat-Überallpräsenz ins Lächerliche gezogen wird, wo sie auch hingehört.
Der heimliche Sprayer verschonte jedoch das wohl lächerlichste Plakat von allen, auf dem vier CDU-Politiker behaupten, sie würden sich "ins Zeug legen" - und das durch eine leichte Abschrägung ihrer Körpersenkrechten untermauern.
"Die CDU wurde verschont?", wunderte ich mich und argwöhnte, daß es einen radikalen CDU-Sympathisanten gäbe. Allerdings ging die Vorstellung einer solchen Person mir nicht in den Schädel, weswegen ich erleichtert aufatmete, als ich gestern auch rotnasiger CDU-Plakate gewahr wurde.

Der Massenmörder und seine Armbrust jedoch fänden die Geschichte nicht komisch, denn schließlich enthielt sie kein Wort vom SPD-Wahlprogramm. Auch mein Bericht über die Einzelbewerberin Christine HabdenNamenvergessen, die täglich ihr mit Sprüchen bemaltes Bettlagen aufspannt, indem sie das eine Ende an einer Laterne , das andere an sich selbst befestigt, würden den Massenmörder nicht von meiner Politikweisheit überzeugen, und so bliebe ihm nichts weiter übrig, als mir den Armbrustpfeil durchs Auge zu schießen.
Doch die Armbrust klemmt, und bevor ich unvorsichtigerweise Häme ob der Benutzung mittelalterlicher Waffen äußern kann, resigniert der Antipolitikverdrossenheitsmassenmörder seufzend und rät mir, zumindest einmal den Wahlomaten aufzusuchen und mich dort testen zu lassen.

"Hab ich doch längst!", töne ich frohlockend, doch der Armbrustmörder ist schon auf dem Weg zu seinem nächsten Opfer.
Allerdings muß ich gestehen, daß der Wahlomat für mich keine große Hilfe darstellt. Bisher hatte ich immer Glück, das das gezeigte Ergebnis mit meinem ohnehin gefaßten Wahlwunsch zusammenfiel. Doch wäre dies nicht der Fall, so würde ich den Wahlomaten in eine virtuelle Ecke kicken und mit meiner Mißachtung strafen. Nicht, weil ich die Idee dieser Spielerei nicht zu würdigen weiß, sondern weil ich mir von einer Webseite nicht vorschreiben lassen möchte, welche Meinung ich zu vertreten habe - egal wie recht sie hat.

Theoretisch müßte ich wohl FDP wählen, denn unser derzeitiger Finanzminister und seine - bei regionalen Wahlen kandidierende - Frau habe die Großzügigkeit besessen, mehrere Hundekotcontainer zu spenden, auf daß in unserem Viertel die Besitzer vierbeiniger Schwanzwedler die Stoffwechselendprodukte ihrer Liebsten fachgerecht entsorgen können. Natürlich beeinflußt mich der Edelmut dieser Spende nicht im Geringsten, was mehrere Gründe hat - und ich zähle nur die unpolitischen auf:
- Wenn man etwas spendet, sollte man darauf verzichten, seinen Namen auf das gespendete Objekt gravieren zu lassen, weil sonst die Spende nämliche keine mehr ist, sondern einzig und allein manifestierte Eigenwerbung - bestenfalls zur Erhöhung des eigenen Gutmenschkontostands. Übrigens erachte ich es auch nicht als unbedingt sinnvoll, Hundekotcontainer mit dem eigenen Namen zu bestücken, weil die Assoziation zwischen Aufschrift und Inhalt zu naheliegend ist.
- Die Spende von irgendwas bewegt mich überhaupt nicht. Erst recht nicht zu einer veränderten Kreuzchensetzerei. Erst, wenn jemand so viel Spendet, daß es ihn selbst zu einem Spendenabhängigen machen würde, verdient er mein Respekt. Für den Spender entbehrliche Spenden sind mittlerweile zu alltäglich geworden, als daß sie mich noch berühren.
- Die Hundekotcontainer funtkionieren nicht. Ich habe auch nirgendwo bisher - wie das in meiner Heimatstadt eine Zeitlang üblich - war einen Plastiktütenspender gesehen, der Hundebesitzer eventuell davon überzeugt hätte, die Hinterlassenschaften ihrer Haustiere ohne direkte Berührung entsorgen zu können. Ehrlich gesagt habe ich bisher in meinem ganzen Leben niemals irgendwo vor meiner Nase sich bücken und die verdauten Nahrungsmittel seines Hundes wegräumen sehen. Ich gebe zu, Hunderückseiten und den daraus hervorkriechenden Abscheulichkeiten nicht unbedingt überdimensional großes Interesse zuzuwenden, doch allein meine häufig unachtsamerweise in Hundekot stapfenden Stiefel können ein ekliges Liedchen davon singen.

Erst neulich wich ich auf dem wirklich breiten Fußweg einer Familie aus, die natürlich nebeneinander gehen mußte. Das allein störte mich nicht, doch daß ich meine Aufmerksamkeit der Familie zuwendete, sorgte für fehlende Bodenbeobachtung und für eine weichbraune Sohlenfärbung. Meine Begeisterung war minimal, und ich find sogleich an, die noch herumliegenden Schneereste niederzutreten, auf daß das Feuchte das Eklige beseitigen möge. Ich sah reichlich albern aus, wie ich auf einer Strecke von dreihundert Metern Länge jeden einzelnen Schneerest mit Fußtritten bearbeite, aber letztendlich war ich erfolgreich und ging fröhlichen Gemüts an den unbefüllten Hundekotcontainern vorbei.

In den letzten Jahren war ich immer einigermaßen fester Überzeugung, daß ich diese oder jene Partei wählen sollte. Als ich 18 war und das erste Mal auf einem Stimmzettel meine Meinung äußern durfte, wählte ich die PDS, die die damals noch so hieß und war anschließend erstaunt, daß ich das getan hatte. Schließlich konnte ich meine Eltern und Großeltern dafür verantwortlich machen, die mich und meinen Bruder kurz nach der Wende überall im Stadtviertel PDS-Aufkleber verteilen ließen. Kinder lassen es sich nicht nehmen, auf einigermaßen legale Weise unzählige Laternenpfähle, Hauseingänge und Briefkästen mit Aufklebern zu bepflastern - und seien es welche politischer Natur. So etwas prägt und führte mein erstes Kreuz direkt in den Kreis neben den drei Buchstaben P-D-S.

Heute wähle ich keine PDS mehr. Käme der Antipolitikverdrossenheitsmassenmörder daher und fragte mich "Warum?", so könnte ich wohl wieder keine eindeutige Antwort geben, müßte mich meiner Unwissenheit schämen und auf einen Metallpfeil in meinem Auge gefaßt machen.
"Das sind doch alles Kommunisten.", würde ich vielleicht flüstern, und der Antipolitikverdrossenheitsmassenmörder würde traurig den Kopf schütteln ob solch lächerlicher Stammtischparolen.

Nicht minder lächerlich ist die DVU, deren Plakate nicht nur Stammtischdummheiten, sondern auch noch faschistoides Gedankengut als wählenswert deklarieren.
Das vermutlich beste Wahlplakat ist klein und von der PDS [deren Spitzenkandidat übrigens aufgrund seines Äußeren abwegige Parallelen zu einem einstmals großen Führer aufkommen läßt] und lautet:
"Sozialer Protest buchstabiert sich ohne d,v,u"
Das ist innovativ und aussagekräftig und erwirbt sich diverse Pluspunkte auf meiner Gutfindskala.
Allerdings wähle ich trotzdem keine PDS [das zeigt wieder einmal, wie funktionstüchtig Wahlwerbeplakate sind], nicht zuletzt, weil ich bereits wählte.

Bei jeder einzelnen Wahl bin ich beeindruckt, wie einfach es ist, bereits vor der Wahl die eigene Stimme abzugeben. Zahlreiche Wahlhelfer stehen im Wahlbüro bereit, jeden Ankömmling bienengleich zu umsummen und jede aufkommende Frage sofort aus der Welt zu schaffen. Es ist sogar möglich, seine Fernwahlunterlagen per Fax oder gar Email anzufordern - nur telefonisch funktioniert es nicht. Ein Leichtes wäre es also, sich die Emailadresse WAHLBETRUEGER@beliebigedomain.de zu sichern und die Wahlunterlagen anzufordern.

Ich wählte, und nach Verlassen des Wahlbüros begriff ich, was es heißt, in einer Demokratie zu leben. Nämlich nicht, sich mit unzähligen unsinnigen Sprüchen und Gesichtern zupflastern oder von Hundekotcontainern verführen zu lassen, sondern alle möglichen Maßnahmen auszuschöpfen, um jedem Wählenden seine Kreuzchenvergabe zu vereinfachen. Jede Stimme hat eine Bedeutung, und nirgendwo wurde mir das so deutlich gemacht wie im geordneten Wirrwarr des Wahlbüros.

Käme jetzt der Antipolitikverdrossenheitsmassenmörder zu mir und wiese mich darauf hin, daß ich am Sonntag gefälligst zur Wahl gehen möge, würde ich ihm in die geladenen Armbrust lachen und darauf verweisen, daß ich bereits gestern meine Stimmen vergab. Der Massenmörder würde zufrieden lächeln, mir auf die Schulter klopfen und mich verabschieden.

Aus dem Augenwinkeln kann ich noch beobachten, wie er seine Armbrust neu lädt, ein paar Schritte geht und sie dann einem Hundebesitzer an die Schläfe hält, dessen knuffiges Pelzwesen soeben den Bürgersteig mit seinen Hinterlassenschaften bestückte...

Donnerstag, 23. März 2006

FFFfF: Schlürf

Ich erinnere mich, als wäre es erst gestern gewesen, daß ich einen "Auftrag" bekam. Nun gut, es war gestern, und ich befand mich auf der li-la-lustigen EInweihungsfeier von . Der gastgebende Einweiher besaß die Freundlichkeit, mein Getränk aufzufüllen, damit ich mich nicht aus meiner bequemen Sitzecke herauszuschälen brauchte. Nachdem er mir also ein Glas voller Kirsch-Bananen-Saft gereicht hatte, fragte er sogar noch, ob ich denn X wünschte.
Ich sagte: "Oh ja.", und kurz darauf wurde mir auch X gereicht, gekoppelt jedoch mit einer Bedingung, die zu erfüllen ich mit dem heutigen Comic verpflichtet war:
Im heutigen Fred-Comic mußte X vorkommen.
Unbedingt.

"What the Fuck ist X, Alder?", werden sich neugierige Lesende fragen, und genau diese wahrschlich schwer zu beantwortende Frage richte ich an mein ehrenwertes Publikum:
Um welchen Gegenstand handelte es sich bei erwähntem X?
Zu gewinnen gibt's aber nix.
Das reimt sich, und was sich reimt, ...


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Weise Worte 16

Flucht ohne Ziel endet im Anfang.

Mittwoch, 22. März 2006

FFFfF: Superheld

Innerhalb kürzester Zeit kam es zum zweiten Mal zum Serverausfall. Das führte dazu, daß meine Fred-Comics nicht ansehbar sind und daß ich den neuen Comic auch nicht hochzuladen vermag. So etwas muß natürlich passieren, wenn ich es eilig habe. Mist.
Ich brauchte eine Weile, um eine Alternative aufzutreiben. Doch da ich mir selbst schließlich versprach, jeden Tag einen Comic zu veröffentlichen, gelang letztendlich, kurz bevor ich die Nerven verloren hätte, auch dies. Also gibt es hier keinen armseligen Platzhalter, sondenr tatsächlich einen Comic. Toll.

Und so.


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Edit 02:00 Uhr: Es hat sich herausgestellt, daß sämtliche Daten auf den Serverfestplatten[?] mit diesen in den Tod gerissen wurden. Ich hatte natürlich niemals daran gedacht, ein Back-Up durchzuführen, da ich alles ja "irgendwo" auf meiner Festplatte habe.
"Irgendwo" ist der richtige Ausdruck, denn schließlich verbrachte ich gerade eine Weile damit, die ganzen Fred-Comic-Dateien zusammenzusuchen: Für jeden Tag gibt es schließlich einen eigenen Ordner, beinhaltend jeweils eine große cpt-Datei und die beiden jpg-Varianten. Es bereitete mir viel Freude, diese Dateien jeweils herauszukopieren und hochzuladen. Zum Glück waren es nur 184 Tage.
Beim Herauskopieren fiel mir das Fehlen der Dateien von [nur!] zwei Tagen auf. Nicht weiter tragisch; die sind vermutlich auf einem anderen Rechner. Und wenn nicht, dann besitze ich selbstverständlich noch das Original, das ich noch einmal einscannen könnte.
Falls aber irgendwer feststellt, daß außer den Bildern für den 26. und 27.11.2005 irgendwelche Comics fehlen, möge mir bitte Bescheid gegeben werden. Danke.
Amüsant ist natürlich, daß ich mich nicht mehr genau entsinnen, was für Daten ich außer den Comics auf den Speicher hochgeladen hatte...

Nun ja. Gute Nacht und so.

Der Film in meinem Kopf

Der Wunsch, unbedingt einen Film, mit dem Titel
"Der verhängnisvoll-tragische Ausflug zum verfluchten Irrenhaus des Todes"
zu drehen, nimmt allmählich Überhand.
Die Handlung dürfte klar sein...

[Im Hintergrund: Sneaker Pimps - "Bloodsport"]

Dienstag, 21. März 2006

FFFfF: Hilfeschreie

Eigentlicuh wollte ich eine kleine Neuigkeit verkünden, doch leider fehlt mir jetzt dafür die Zeit. Ich verschiebe das einfach auf morgen oder so.
Zum heutigen Comic sei gesagt, daß meine Mami ihn bestimmt mag...

Und so.


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Launen

Erstaunlich: Nachdem ich mir vornahm, guter Laune sein, war ich es.

Es ist warm draußen, Frühling fast, und ich genieße das. Ich entdecke ein leises Lächeln auf meinen Lippen, als mir abstrus-alberne Gefdanken im Kopf begegnen, als ich Menschen sehe und mir Geschichtchen zu ihnen ausdenke oder über ihre Auffälligkeiten sinniere. 'Ist sie schön?', frage ich mich, als ein Mädel vorbeiläuft. 'Nur oberflächlich.', antworte ich mir selbst und bin zufrieden, das erkannt zu haben und dieser Art von Schönheit nicht zu bedürfen. Mir entgegen kommt jemand, dem ich keine Sympathie zu schenken gewillt bin, obgleich ich ihn gut kenne. 'Warum treffe ich ihn ständig?, frage ich mich genervt, doch schmunzle alsbald über meinen Versuch, von Unsichtbarem gefesselt in eine andere Richtung zu blicken, ihn dann wie zufällig im letzten Augenblick des Vorbeilaufens zu entdecken und mit möglichst knapp gehaltenem Gruß weiterziehen zu lassen. Ich begreife, daß ich frei bin, und einen unbeobachteten Moment lang verfalle ich in eine Art unauffälligen Hopserlaufs.

Irgendwann begegne ich einer Freundin, bleibe stehen, grüße sie, ihren Freund, führe Gespräch. Nicht lange, denn allzu schnell finden die beiden Liebenden einander und lassen mich in Gerede und Gehabe außen vor. Unbeteiligt stehe ich neben ihnen, bis Aufbruch sie von mir reißt und mich mit dem Gefühl einer unfüllbaren Leere zurückläßt.

'Da bist du ja wieder.', begrüße ich meine Trübnis, doch schicke sie wieder fort.
Die gute Laune gefiel mir besser.

[Im Hintergrund: Agathodaimon - "Chapter III"]

Tageswort Nr. 35: Postkoitale Genialität

Soeben schoß mir diese Wortgruppe durch den Kopf:
Postkoitale Genialität.
Ich bin mir unschlüssig darüber, worin sich diese genau äußert bzw wie eine solche aussehen könnte, aber es hört sich zumindest interessant an...

[Im Hintergrund: The Vision Bleak - "Carpathia - A Dramatic Poem"]

Montag, 20. März 2006

FFFfF: Post

Nachdem gestern die Schneck Premiere feiern konnte, gibt es heute eine weitere: Der erste Fred-Comic ohne Fred.

Und so.


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[Im Hintergrund: Taunusheim - "Nebelkämpfe"]

Tageswort Nr. 34: Lebenläufer

Soeben überarbeitete ich, um potentiellen Praktikumsanbietern zu gefallen, meinen Lebenslauf, als mir in den Sinn kam, was ich sein könnte:
ein Lebensläufer.

Was dahinter steht, weiß ich leider [noch] nicht, aber es hört sich zumindest gut an...

Stadt der Drehtüren

Daß ich Drehtüren verachte, hatte ich - so glaube ich - bereits irgendwann einmal erwähnt. Gerne würde ich eine donnernd-gesungene Schimpftirade anstimmen, in der auch schwarzmetalltypische Grunz- und Kreischlaute nicht fehlen dürfen, und die von mir als Sinnlos erachteten Drehtüren auf diese Weise musikalisch verteufeln. Doch meine Sangeskünste sind eher in unterem Mittelmaß angesiedelt, was die wenigen Gitarrengriffe, die auszuführen ich vermag, nicht wettmachen könnten. Überhaupt fehlten mir für eine richtige Schimpftiradengesangsformation noch ein ausreichend versierter Basser und ein Schlagzeugmann, den es nicht stört, daß sein Musikwerkzeug stets am hinteren Ende der Bühne positioniert wird.

"Drehtüren / ihr widerlichen Drehtüren!", brüllte ich ins Mikro und scheute mich nicht, anschließend auch gleich die von mir derzeit bewohnte Stadt zu beschimpfen: "Magdeburg / du widerliches Magdeburg / Mööööhhh!!". Das "Mööööhhh!!" steht übrigens für einen Grunzlaut im niederen Frequenzbereich.
Magdeburg ist eigentlich gar nicht widerlich. Leider aber ist Magdeburg die Stadt der Drehtüren. Und da Drehtüren eine widerlich-dumme Erfindung darstellen, erdreistete ich mir, in obiger Black/Death-Metal-Komposition die Widerlichkeit der Drehtüren auf die eigentlich gar nicht widerliche Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts zu übertragen. "Magdeburg / du wenig widerliche Stadt / voller widerlicher Drehtüren" wäre einfach nicht überzeugend gewesen.

Genauso wie einstmals irgendjemand die Bürgermeister Deutschlands von der eigentlich überdenkenswerten Ansicht überzeugte, daß moderne Kunst, insbesondere wenn sie meterhoch, häßlich und rostanfällig ist, öden Innenstädten eine süßlich duftende, sonnenhell strahlende Note kultureller Offenheit und kreativer Freigeistigkeit verleiht und somit potentielle Innenstadtbeleber in Scharen aus umliegenden Dörfern, Bundesländern und Staaten herbeilockt, die die künstlerische Genialität der Altmetallaufbereitungsmaßnahme nicht nur mit vom Staunen geöffneten Mündern und glotzenden Augen, sondern auch mit ausführlichen Kaufexzessen in den innenstädtischen Läden und Cafés zu würdigen wissen, genauso schien einst das Gerücht durch Magdeburg geeilt sein, daß Drehtüren vornehm, ästhetisch und ungemein praktisch seien.

Das sind sie nicht. Drehtüren sind langsam. Öffne ich eine normale Tür auf normale Art und Weise [Klinke runterdrücken; Tür ziehen/schieben; durch den entstehenden Spalt schlüpfen], so überhole ich jeden zeitgleich eintretenden Drehtürbenutzer. Die Zeit, die ich bereits an unnütz langsame Drehtüren verschwendete, hätte ich längst nutzen können, um ein ganzes Album voller musikalisch wertvoller Liedstücke über die Vorteile normaler Türen gegenüber sich drehenden aufzunehmen.
Leider mangelt es oft an Türalternativen, und so bleibt mir keine Wahl, als mich zusammen mit der Tür drehen zu lassen.

Ohne nachzudenken fallen mir drei Drehtüren an zentralen Stellen in Magdeburg auf; und alle drei sind anders, als hätte der Drehtürenverkäufer, der die Hausbesitzer zum Einbau eines solchen Undings überredete, auch noch genug künstlerischen Anspruch gehabt, Einmaligkeiten schaffen zu wollen.

Die Tür zum bahnhofsnahen Vielraumkino beispielsweise muß manuell betrieben werden, eignet sich daher gut als Anschauungsmaterial des Hebelgesetzes: Faßt also Papis übereifrige Tochter zu weit innen an, muß sie wesentlich mehr Kraft aufbringen, das Türungetüm in Bewegung zu setzen, als wenn sie ihre Fingerchen am äußeren Ende der Tür positioniert. Wenn Papi dann nicht schnell genug seine helfenden Erwachsenenhände einsetzt, fängt Papis übereifriges Töchterchen auf der Stelle an zu heulen ob ihrer kindlichen Unfähigkeit, plauzt bockig auf den Drehtürenboden und blockiert somit für allen Nachkommenden die Drehtürbenutzung und somit den Ein- oder Ausgang.
Grundsätzlich vermeide ich es, die Kino-Drehtür zu berühren, mehr Arbeit aufzuwenden, als beispielsweise die Benutzung einer Normaltür benötigt hätte; es kommt immer irgendwer und dreht für mich mit.

Die Tür zum "Palazzo", einem Café mit einstmals recht noblem Flair, das aber heute nur noch in den Köpfen der Altmagdeburger als vornehm gilt und in Wirklichkeit zur Heimat unfreundlicher Schneckentempo-Kellner wurde, stellt eine besondere Drehtür-Raffinesse dar. Sie steht still, doch sobald jemand in ihr Inneres tritt, reagieren nützliche Sensoren und setzen das drehende Ungetüm in Bewegung. Augenblicke später befindet man sich im Café-Inneren und kann stundenlang darauf warten, endlich die Karte gereicht zu bekommen, während der von der Drehtür eindringende Kaltluftschwall an der nächste Erkältung bastelt.

Das Magdeburger Allee-Center ist eines von jenen Dingern, die mittlerweile in jeder Innenstadt zu finden sind und möglichst vielen Geschäften auf möglichst vielen, durch Rolltreppen und Fahrstühle erreichbare, Etagen in einem einzigen Gebäude zusammenwürfeln. Im Magdeburger Allee-Center findet man neben derzeit fünf Schuhgeschäften [Ein dritte Etage und somit eine Unzahl neuer Schuhgeschäfte soll in wenige Tagen eingeweiht werden.] eine nicht geringe Zahl an Drehtüren. Früher war ich der Ansicht, daß die Drehtüren sich mit konstanter Geschwindigkeit bewegen würden, doch so etwas wie Konstanz gibt es auch bei ihnen nicht. Ständig wird beschleunigt und abgebremst - und das, ohne daß ein übereifriges Töchterchen in den schmaler werdenden Spalt der Drehtür schlüpft und diese für einen Augenblick zum Stillstand bringt.

Die Allee-Center-Drehtüren besitzen nämlich nur zwei Öffnungen. "Normale" Drehtüren sind Kreuze, die in vier Kammern Menschen unterbringen und mit sich drehen können. Die zwei Kammern der Allee-Center-Drehtüren dagegen sind zwar wesentlich größer als ein Viertel des Drehtürkreises, aber auch kleiner als die Hälfte. Es bleibt also ein Platz dazwischen, der - natürlich - mit Werbung vollgestopft werden kann. Decken sich diese kammerartigen Öffnungen mit dem Ein- bzw. Ausgang des Gebäudes, dann dreht sich die Tür mit verhältnismäßig langsamer Geschwindigkeit. Hat jedoch die Tür einen Winkel von fast 90 Grad hinter sich gelassen, beschleunigt sie, um den in der Tür stehenden möglichst schnell ihre Freiheit zurückzugeben.

Erdreistet sich ein übereifriges Töchterchen, im letzten Augenblick noch in die Kammer zu hüpfen, hilft auch alles Patschehändchen-Anschieben nichts mehr: Die Tür hält an und gibt den Eingesperrten Grund, ihrem Einkaufsstreß-Ungemach murmelnd und stöhnend Laut zu verleihen. Die ohnehin vergleichsweise langwierige Prozedur verzögert sich zusätzlich.

Tatsächlich verhält es sich jedoch nicht so, daß ich Drehtüren verachte, weil sie sich in quälender Langsamkeit drehen oder weil immer übereifrige Töchterchen oder nacheilende Papis den Gebäudezu- oder -austrittsprozeß unnötigerweise verzögern. Ich habe selten Grund zu derartiger Eile, daß ein paar innerhalb der Drehtür verlustig gehende Sekunden nicht entbehrlich wären, selbst wenn die Sammlung aller verlorengegangenen Sekunden die Entstehung eines guten Black-Metal-Albums mit dem Titel "Drehtür, widerliche Drehtür" erwirkt hätten.
Nein, was mir mißfällt, ist es, daß sich viele ungeduldige Einkaufswillige gleichzeitig in diese Kammern zu stopfen versuchen - und bei geringster Gelegenheit zu schimpfen beginnen. Ich mag es nicht, mich mit Zentimeterschritten zu bewegen, weil die Platz- und Drehtürgeschwindigkeitsverhältnisse mir keine andere Wahl lassen. Am liebsten, wenn ich eine Drehtür betrete, gehe ich noch eins, zwei Schritte und bleibe dann stehen, bis sich auf der anderen Seite eine Öffnung offenbart, die groß genug ist, mich samt meines Rucksack durchzulassen. Jedoch klappt das niemals, allein schon weil die Nachdrängelnden ständig in Bewegung sein wollen, lieber Millimeterschrittchen zurücklegen, als einen Augenblick lang zu ruhen und abzuwarten.

Ich verachte Drehtüren, weil sie "echte" Türen in den Schatten stellen. Im Allee-Center werden die Drehtüren nämlich flankiert von zwei "echten" Türen, die sich jedoch unsinnigerweise nicht von außen öffnen lassen. Will ich also die Albernheit einer Drehtür nicht über mich ergehen lassen, wenn ich das Gebäude betrete, muß ich hoffen, daß eine dieser beiden Türen durch Zufall einen Spalt weit offensteht oder daß gerade jemand das Gebäude verläßt und mir sozusagen die Klinke in die Hand gibt. "Normale Tür / du wunderschöne normale Tür", summe ich dann und betrete das Allee-Center.

Allerdings lassen sich die flankierenden Türen auch häufig nicht von innen öffnen. "Die Drehtür ist breit genug. Die reicht aus!", sagt sich der verantwortliche Türenverschließer und dreht den Schlüssel vorsichtshalber einmal mehr im Schloß - damit auf keinen Fall irgendwer dahereilen und diese Tür ihrer Bestimmung zuführen kann. Doch ich eile, drücke die Klinke nach unten, stemme mein Gewicht gegen die Tür, ohne daß sie sich auch nur um Haaresbreite bewegt. "Dieser gemeine Türenverschließer!", schimpfe ich und überlege, ob ich meinem Black-Metal-Album ein weiteres Werk namens "Türenverschließer / du widerlicher Türenverschließer" hinzufügen sollte.
Unterdessen bewegen sich die Drehtürbenutzer innerhalb der Drehtür im Schneckentempo vorwärts und lachen mich aus, weil ich etwas Besseres sein und nicht mit dem gemeinen Pöbel die Drehtür teilen wollte. Doch das Lachen bleibt ihnen im Halse stecken, wenn ein übereifriges Töchterchen sich in letzter Sekunde in den Drehtürspalt drängt...

Neulich lief ich quietschvergnügt durch die Magdeburger Innenstadt. Gerade hatte ich eine unversehrte Tafel Mini-Schokolade in meinem Rucksack entdeckt und war nun in Begriff, diese auszupacken und genüßlich zu vertilgen. 'Hui, es ist Freitag!', fiel mir da ein, 'Zeit, die neuesten Black-Metal-Erscheinungen im örtlichen Musikwarenfachgeschäft zu belauschen!'. Also begab ich mich zum Allee-Center. Die flankierenden Türen präsentierten sich mit abweisender Verschlossenheit, die Drehtür dagegen mit sympathischer Offenheit. Denn gerade, als ich mich ihr näherte, zeigte sie mir ihre kammrige Seite, so daß ich nur hineinzuschlüpfen brauchte. Ich hatte die Kammer für mich allein und blieb auf der Stelle stehen. Keinen Millimeter bewegte ich mich, während die Tür um mich herum rotierte und ein Stückchen Vollmilchschokolade auf meiner Zunge schmolz. Ich war guter Dinge und vollends vertieft in den Genuß der Süßschmelze in meinem Mund, so daß ich nur am Rande meines Bewußtseins wahrnahm, daß die Drehtür plötzlich stehenblieb.

Ein Farbiger war im letzten Moment zu mir in die Kammer gehuscht. Die Sicherheitssensoren hatten reagiert und die Tür angehalten. Vorsichtshalber. In der anderen Kammer höre ich Leute schimpfen. Ich lächelte vergnügt, weil mich schimpfende Leute immer lächeln machen.
"Jaja!", sprach der Farbige in perfektem Deutsch, "Diese Scheiß-Ausländer!" Und dabei grinste er mich an.
Ich grinste zurück, und es war mir egal, ob ich Schokolade an den Zähnen kleben hatte oder nicht.

In der Badewanne

Ich bade selten. Mit vier Gleichaltrigen eine Wohnung zu teilen bedeutet, sich in den Bädern niemals wirklich heimisch fühlen zu können. Schließlich wartet vielleicht schon der nächste potentielle Nutzer vor der Tür, sich ärgernd, daß jemand sich erdreistete, ein ausgiebiges Bad zu nehmen.

Es hat sich durchgesetzt, daß Baden-Wollende die anderen Anwesende über ihr Vorhaben in Kenntnis setzen. Ein von höchsten Dringlichkeiten getriebenes Türgerüttel kann somit vermieden werden. Dennoch mißfällt mir die Vorstellung, daß irgendwer, und sei er mir auch noch so gut bekannt, die im Bad gesuchte Entspannung durch versehentliche Badtüröffnungsversuche zunichte machen könnte.

Obgleich ich als Kind nahezu täglich badete, stellt für mich heute ein Wannenbad tatsächlich etwas Exklusives dar, das nicht durch Kannst-dU-dich-bitte-beeilen-Profanitäten zunichte gemacht werden sollte. Wächst also in mir der Wunsch nach einem Bad, so harre ich geduldig aus, bis ich die Wohnung nur noch mit mir selbst teile und ein Eintreffen der anderen innerhalb der nächsten Stund auch nicht erwartbar ist.

Ich bade selten, und vergesse deswegen immer wieder, was mir während des Badens jedesmal bewußt wird: Baden ist öde und unspektakulär. Angeblich die beste Art, Entspannung zu finden erweist sich bereits nach wenigen Minuten als unnützes Warten auf die sich einstellende innere Ruhe.

Erst vorgestern badete ich. In Ermangelung besserer Badezusätze hatte ich dem Wasser ein paar Tropfen Kneipp-Erkältungsbad beigefügt und ein angenehmes, Nase befreiendes Aroma geschaffen, das mir glücklicherweise zusagte. Ich liebe es, heiß zu baden, so heiß, daß ich es nahezu nicht mehr ertrage, daß mir jede Pore zu brennen, zu jucken scheint, wenn ich meinen Körper langsam in das heiße Wasser versenke. Als Kind versuchte ich bei jedem Bad, die Wassertemperatur ein kleines Stückchen näher an Unerträgliche anzunähern - und mich durch Gewöhnung abzuhärten.

Vermutlich gibt es nur zwei Momente am allein konsumierten Wannenbad, die wirklich von Bedeutung sind: Das Ein- und das Auftauchen.

Das heiße Wasser verschlingt, verbrennt meine Haut, und ich erfreue mich des Gefühls, wenn der anfängliche Schmerz gewichen ist und wohliges Hitzeempfinden zurückläßt. Ich benetze jeden Quadratmillimeter Haut langsam, mit Vorsicht, behutsam, will auskosten, was sich allzu schnell in Gewöhnung wandelt.
Irgendwann liege ich. Wasser verschlingt, bedeckt meinen Körper, nur der Kopf bleibt verschont, gekrönt von bereits feuchtem Haar. In die Stille des Badezimmers, der leeren Wohnung atme ich Eukalyptus- und Metholdämpfe, und ein Lächeln findet meine Lippen, als ich begreife, daß ich mich wohl fühle, daß in diesem Moment alles in Ordnung ist.

Der Augenblick jedoch ist kurz, viel zu kurz. Denn alsbald empfinde ich das heiße Wasser nur noch als unbedeutendes, heißes Wasser. Schon entdecke ich die erste Frage, ob ich es mir erlauben dürfe, die Wanne bereits wieder zu verlassen, in meinem Denken, gekoppelt mit dem schlechten Gewissen des Verschwenders. Ich bleibe..

Unnütz liegt meine Brille auf dem Wannenrand; beschlagen erblindeten die Gläser. Ich versuche, in einem guten Buch zu lesen, die Badezeit künstlich zu verlängern, doch ohne Sehhilfe erweist sich das eigentlich Angenehme als unerwartet anstrengend. Ich kämpfe mich durch die Zeilen und spüre, wie ich unruhig werde, mich bewegen möchte, mich nicht länger auf die gedruckten Worte konzentrieren kann.
'Was soll am Baden so toll sein?', wudnere ich mich, lege das Buch weg, erledige die üblichen Waschformalitäten und reiße den Stöpsel aus dem Wannengrund. Schon will ich aufstehen, als ich innehalte. Der zweite gute Moment: Das Auftauchen.

Lächelnd lehne ich mich zurück, spüre das Wasser langsam aus der Wanne entweichen, an meinem Leib vorbeigleiten, sich in den Ausfluß stürzen. Mein Körper taucht auf, ohne sich zu bewegen, ist der feucht-warmen Badezimmerluft ausgesetzt, doch friert nicht. AUfgehitzt erfreue ich mich der Ruhe, die mich endlich gefunden hat. Während die letzten Tropfen Wasser der Wanne entweichen, verspüre ich zum zweiten Mal völliges Wohlbefinden, tauche ein in die Entspannung, die mir das Badewasser erst durch dessen Fehlen geben konnte. Ich friere nicht, mein Herz klopft laut, aufgepeitscht von der nun entwichenen Hitze; ich fühle mich leben. Zufrieden schließe ich die Augen und verharre im Moment. Es ist ruhig; keine Musik belästigt meine Ohren, keine Stimmen. Nur Stille. Und Wärme. Und ich.

Als die Hitze meines Leibes zu entfliehen beginnt, stehe ich auf. Meine Haut ist längst getrocknet, und selbst das Haar wirft keine Wasserperlen auf den Fliesenboden, als ich der Wanne entsteige. Das weiche Handtuch reibt die letzten Topfen weg.
'Ein Bademantel wäre nicht schlecht.', denke ich und schlüpfe glücklich in frischgewaschene Kleidungsstücke.

[Im Hintergrund: Dementi - "Für Heute Reicht's"]

Sonntag, 19. März 2006

FFFfF: Abends

Heute mit [natürlich unbezahlter] Schleichwerbung.

Und so.


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[Im Hintergrund: Stillste Stund - "Ursprung Paradoxon"]

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