Sonntag, 9. Oktober 2005

Morgendlicher Ohrwurm 35: schneespaziergang

Es ist wie verhext. Als ich erwachte, entdeckte ich einen Ohrwurm im Schädel, de mich schon am gestrigen Tage mit seiner Anwesenheit erfreut und nun offensichtlich beschlossen hatte, weiterhin [durch] mein Denken zu s[tra]pazieren.
Das Merkwürdigste an diesem Exemplar ist vermutlich, daß es kein Lied ist, jedenfalls keines, was bereits existiert, das mich plagt, kein bekannter oder zumindest eingängiger Song, dessen Meldoie oder Textbruchstüke mir durch den Geist schweben und mich nicht loslassen.

Nein, es handelt sich tatsächlich um dieses Gedicht, dessen Zeilen vereinzelt in meinem Kopf umherpurzeln und mich beschäftigen.
Es gibt keinen Anlaß dafür, keinen wirklichen Grund, warum ich mich ausgerechnet heute, da die Sonne scheint und die Luft angenehm spätsommerliche Temperaturen annehmen wird, mit einem winterlichen Gedicht auseinandersetze.

Insbesondere die letzte Strophe

"ich lache den schneewesen zu
die grüßend den wegesrand säumen:
vergangenheit treibt hinfort
verblaßt in schönstem weiß.
"

hallt in meinem Kopf wider. Doch leider kann ich mich nie des gesamten Textes entsinnen, und so verbleibt dem ruhelosen Ohrwurm nichts weiter, als Eigenes zu dichten und das Neue mit der Erinnerung zu mischen.
Das Ergebnis sieht so aus:

"ich blicke den schneewesen nach
die lachend sich die bäuche kraulen
"

Auch nicht schlecht...

[Im Hintergrund: Tristania - "Midwintertears"]

FFFfF: Ein Buch!?

Juchhu!
Es besteht Grund zur Freude, denn mit dem heutigen Tag erscheint der 20. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip.

Eine weitere runde Zahl ist erreicht, ein weiterer Schritt auf dem Weg werweißwohin begangen, eine weitere Stufe auf der Treppe des KeineAhnungwas genommen, .... bliblablo.

Ich freue mich, doch würde ich meiner Freude zusätzlichen Ausdruck verleihen, hörte ich womöglich noch an wie ein schwafelnder Käfer. Und das muß ja nicht sein.

Allen Sich-Mit-Mir-Freuenden Sei versichert, daß ich noch ein paar Ideen im Schädel und auf Papier mit mir herumtrage, daß also der 20. Comicstrip bei weitem nicht der Letzte gewesen sein wird.

Alles wird gut. Oder so.


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P.S: Eventuell wird es in den nächsten Tagen zu Veröffentlichungsengpässen kommen, da ich nicht dazu neige, auf Vorrat zu zeichnen und hochzuladen, aber morgen zu meiner Mami fahren werde, wo zwar ein Scanner existiert, selbiger jedoch an einem Funktionstüchtigkeitdefizit leidet und womöglich die allgemeine Kontinuität unterbrechen könnte.

Ich verspreche, mein Bestes zu geben, die Regelmäßigkeit der Comic-Erscheinungen aufrechtzuerhalten und notfalls alles Verpaßte nachträglich in einem Schwung zu liefern.

[Im Hintergrund: My Dying Bride - "Der Überlebende"]

Samstag, 8. Oktober 2005

In eigener Sache - Teil 2

Meine anfängliche Skepsis bezüglich podcastiger Weblogeinträge war wandelbar, mutierte allmählich zu einer Gewißheit, die zum einen die Erkenntnis beinhaltet, daß es Podcasts gibt, die mir gefallen, von denen ich mehr zu hören wünsche, die mich berühren und Erlebtes oder Erdachtes auf "richtige" Art und Weise zu intonieren wissen; zum anderen jedoch zum Verständnis mir selbst gegenüber führte, zum Begreifen, daß ich nie wirklich gewillt war, einen Audioblog zu betreiben, nur meiner fortwährenden Neugierde Ausdruck verlieh und ein Experiment vollzog, das - und erstaunlicherweise trifft das tatsächlich zu - ein erfolgreiches Ergebnis mit sich zog.

Erfolgreich allerdings nicht in dem Sinne, daß ich fortan alle Hebel in Bewegung setzen, alle Mühen und Kosten aufbringen werde, um den wenigen Geneigten ein oft wiederkehrendes, anspruchsvolles Hörerlebnis zu schenken, sondern dahingehend, daß ich nach mehreren Versuchen verstand, daß Podcasting nichts ist, was ich wirklich gern mache und was ich in Zukunft fortführen will.

Zum einen mißlang es mir stets gegenüber einem Mikrophon das auszudrücken, was ich mir selbst oder "echten" Zuhörern gegenüber hervorgebracht hätte. Zum anderen liegt meine Vorliebe - und das stellte ich in aller Deutlichkeit fest - beim geschriebenen Wort, und der Aufwand, selbiges zu vertonen, ist mir noch immer zu hoch, insbesondere wenn das Ergebnis mich nicht wirklich zufriedenzustellen vermag.

Ich betrachtete meinen eigenen Audioblog "GrünTon" stets als minderwertig gegenüber meinem "wahren" Weblog, und auch jede dankbar entegegengenommene, positive Kritik konnte mich nicht von meinem Entschluß abbringen, "GrünTon" zu deaktivieren.

Somit verbleibt mir also nichts weiter, als daß Kapitel "GrünTon" in mir zu beerdigen und mich darüber zu freuen, derartige Erfahrungen gesammelt zu haben.
Machs gut.

[Im Hintergrund: Dreadful Shadows - "A Sea Of Tears"]

In eigener Sache - Teil 1

Statistiken sind eine amüsante Sache, und so mancher - mir nicht unbekannte - vermag sich stundenlang mit deren Auswertung aufzuheitern. Mich selbst interessieren lediglich die täglichen Besucherzahlen, die nach einem mich unlängst schockierenden Hoch nun wieder normale Werte annehmen, und natürlich die albernen Suchmaschinenbegriffe, die zum meinem Weblog führten.
Und so kann ich nicht umhin, letztere [mal wieder] auszuwerten:

Es erfreut mich, daß es außer mir noch einige andere alberne Wesen in deutschsprachigen Landen zu geben scheint, die außergewöhnliche Worte lieben...
badewannenwasserfarben - Ein wunderschönes Wort, das auzugraben sich jederzeit lohnt [nicht zuletzt, weil es sowohl ein Substantiv als auch ein Adjektiv sein kann.].
glitzerbuchstaben - Der Klassiker schlechthin. Ich staune, wieviele Menschen im weltweiten Netz nach Glitzerbuchstaben suchen. Allerdings finden sie bei mir nur ein schwarze Tasche mit pinkfarbener Schrift...
rüsseltier - Ich grinse noch immer. Ein tolles Wort.
junggesellenabschiedsabend - Ich bin sprachlos. Wer sucht nur nach einem solchen Wortungetüm?

Zuweilen lassen Suchmaschinenanfragen durchblicken, daß die Suchenden so etwas wie Hilfe erwarten von den Seiten, derer sie fündig werden....
selbsterkenntnis - Ich bezweifle, daß Selbsterkenntnis einfach so im Internet zu finden ist...
angst - Dagegen weiß auch ich leider kein Mittel...
innehalten - ... kann manchmal helfen.
flucht vor mir selbst - Äh...
mein hintern ist gross [Und was soll ich da jetzt genau tun...?]

Sexuelle Themen halten sich glücklicherweise in annehmbaren Grenzen.
sex im morast - Auch ein Klassiker. Naja, wer darauf steht...
sie sah die blöße meiner scham - Was für ein Satz. Und noch immer frage ich mich, ob das nicht ein Pleonasmus ist und ob es tatsächlich so schlimm wäre, wenn...
gibt es noch hoffnung auf besinnung der menschen? - Ich liebe diese Frage und wünschte, ich könnte sie beantworten.
meine mitbewohnerin ist doof - Äh... Das tut mir leid. Ehrlich.

Zuweilen frage ich mich allerdings, wonach genau die Suchenden forschten bzw warum gerade mein Weblog als Antwort in Frage kommt...
schlechte wortwitze - Also wirklich. Ich mache nur gute Wortwitze.
warum grüßen wir - Gute Frage.
einen satz mit dem wort erwehren - "Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß 'erwehren' mit Genitiv genutzt werden sollte."
den erledigungen nach eilen - Häh?
wörter mit jumbo - "Jumbo-Jet" fällt mir da spontan ein. Viel mehr allerdings auch nicht...
bereits erworbener geräte - Wie jetzt...?

Zu guter letzt präsentiere ich noch den Suchbegriff, der mich am meisten erfreute, obgleich wahrscheinlich - aus irgendwelchen Gründen - eher nach der Hexadezimalzahl für die Farbe Weiß als nach meiner kleinen Comicfledermaus Frederick gesucht sein wird...
fffff.

[Im Hintergrund: Samsas Traum - "Der Spiegel sieht mich nicht"]

Sätze, die niemand braucht

"Los, heiterer, schwuler Gogo-Tänzer!"
bzw.
"Go, gay gay gogo!"

[Im Hintergrund: Vanitas - "Schließe mir die Augen"]

Blütentische und ein lesender Käfer

Dieser Raum blüht.

Als ich ihn betrete, umschwirren mich Menschen wie Bienen, Tausend kleine Flügelwesen, mich bemerkend, ignorierend, ihrer Wege ziehend, mit sanftem Gebrumm die Stille füllend. Summend verharren sie an der einzigen Quelle, hocken hektisch wuselnd auf reinen, weißen Blütenblättern, andere berührend, flüchtigen Kontakt zu ihnen suchend, als müßten sie sich der gegenseitigen Anwesenheit versichern. Doch sie sind hier, agieren majestätisch, königlich, als gehörte ihnen jede Blüte, jeder freie Platz in diesem Raum, als wüßten sie, was geschehen wird.

Ihr Brummen wirkt vertraut und fremd zugleich, wirkt so sicher, sich ihrer selbst, ihres Wollens bewußt, und einen fragenschweren Augenblick später wird mir klar, warum. Sie sind nicht allein, niemals ist eine von ihnen allein. In Gruppen schwirren sie zwischen den Blüten hindurch, nehmen auf ihnen Platz, unzertrennliche Einheiten bildend, durch eigene Brummlaute, eigenartiges Gebaren, eigens besetzte Blüten, abgesteckte Territorien, bestätigt und von anderen emsig umherhuschenden Bienengrüppchen abgesondert.

Ich bin allein, ein träger Käfer, dessen durchscheinendes Flügelkleid nach hektischem Flug, nach dem wahnwitzigen Versuch, die verstrichene, hinfort eilende Zeit zu überholen, noch immer zittert, nicht zur Ruhe kommt, ein Flatterbrummen verursacht, das mir die Fühler, die winzigen Gliedmaßen beben läßt. Für einen Moment verharre ich im dämmrigen Eingangsbereich, überschaue mit Facettenblicken die wimmelnde Bienenmasse auf der Blütenwiese, ihr Hocken und Starren, ihr Summen, das zuweilen einem Lachen gleicht, das perfekte Goldschwarz ihrer abendlichen Gewandung, das mich schwarzen Käfer grinsen läßt. Mein schwarzer Chitinpanzer glänzt gülden im matten Kunstlicht und erweckt immer wieder den zarten Eindruck, ich wäre ein passender Teil, zumindest jedoch nicht verkehrt, kein wirklich Fremder im hellen Blütenmeer.

In klitzekleinen Trappelschritten bewege ich mich zur Quelle, finde einen Tropfen klaren Wassers, trage ihn zu einer freien Blüte am unbeleuchteten Rand, erklimme den Stengel und lasse mich auf dem weißen Blütenblatt nieder. Der Tisch ist leer, und ich bemühe mich, meinen starren Leib - eine angemessene Bequemlichkeit suchend - auf dem Blütenblatt zu verteilen, ohne jedoch allzu sehr aus der Rolle des Bienenfreunds zu fallen, ohne die innere Fremdheit allzu sehr nach außen zu kehren. Ich lächle, freue mich über die Sicht, von den restlichen Blütentischen unbeeindruckt, auf das knorrige Stück Holz, das in nicht allzu großer Ferne darauf wartet, mit einem Lesenden bepflanzt zu werden.

Noch immer flirrt mein Flügelkleid, vermochte nicht völlig, die eigentlich zurückgelassene Ankunftshektik abzustreifen, am garderobierten Eingang abzugeben, surrt leise, als wünschte es Ablenkung, einen stillen Moment im Inneren meiner Gedanken. Ich suche, doch das stiftlose Sortieren alter Kassenzettel vermag die stille Unerträglichkeit des auf die Hektik folgenden Wartens nicht zu besänftigen.

Die Bienen schwirren weiter, ihre reservierten Blütenblätter findend, die fetten und weniger fetten Wänste darauf niederlassend, als wäre es das ihnen angeborene Recht. Ein Bienenwesen kommt herbeigesurrt, blickt mir aus Tausend Facetten eine Frage in den Kopf, die ich mit einem gemütlichem Zangenklappern beantworte, als hätte ich eine andere Wahl. Die Biene dankt - und entreißt meiner Blüte ein glitzerweißes Blatt, trägt es behende zu einer anderen Blüte, wo es wenig kunstvoll hinzugefügt wird. Sie will bei den ihren hocken, läßt sich nieder, die gesellige Rune mit imposant wackelnden Fühlern begrüßend. Ich beobachte das Schauspiel, bemerke beeindruckt wie das eigentlich weibliche Wesen mit übermännlichem Verhalten, mit Bier, Zigarette und rauhem Gebrumm dem Blütenmittelpunkt zu erheischen sucht, wende mich ab, meinem Wassertropfen zu, der in der Blütenmitte, im Kelch, schwebt, als wäre er köstlichster Nektar, harrend des mir zu bereitenden Genusses. Ich lächle, vergesse die Bienen, die fehlende Beschäftigung, die leise zitternden Flügelchen, und beobachte voll Wonne das Perlen winzigster Bläschen, die in seinem Inneren gefangen ein winziges Eigenleben zu entfalten versuchen.

Wieder und wieder rüttelt mich das aufdringliche Gebrumm einer Biene aus meinen faszinierten Träumereien, wuselt um mich, um alle Tische herum, zupft Blütenblätter, um sie an anderer Stelle einzufügen, befühlt unzählige Bekannte und Freunde mit absurd langen Fühlern, flitzt mit auf dürren Gliedmaßen durch den Raum, als wäre sie von besonderer Wichtigkeit, als wäre sie der ungekrönte König des Schwarms. Und mit jedem Vorbeigleiten sinkt mein Wille, mein Wunsch, sinkt die Bereitschaft, auf dieser Wiese, auf diesem Blütenblatt, verweilen zu wollen, befürchte ich doch für einen Moment, in ihm, dem ruhelosen Unsympath, den künftig Lesenden entdeckt zu haben. Doch der Eintritt ist gezahlt, riß ein kleines, aber bemerkbares Loch in meinen Panzer, dem zugute ich abzuwarten bereit, dem Lesenden eine Chance zu geben gewillt bin.

Noch zwei weitere Male kreist eine Fremdbiene in meine Nähe, um mit dem typischen Fragenblick ihren Facettenwunsch in meinem Schädel zu drängen, um ein bestätigendes Zangenklappern zu erhalten und voll Wonne meiner nur noch karg bestückten Blüte ein weiteres Blütenblatt auszureißen. Letztlich bin ich allein - ich freue mich heimlich darüber, hatte ich doch an diesem Abend nichts anderes ersehnt, sitzend auf dem letzten Blütenblatt, mit verblassender Ungeduld das Kommende erwartend.

Die Wichtig-Biene hockt sich vor das Holz, lenkt mit lautem Summen die ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich, läßt das allgemeinen Gesummbrummsel verstummen, leitet den Abend ein. Ich atme auf, koste erleichtert vom köstlichen Naß meines Tropfens, lasse die lebenslaufigen Leierworte des Einleiters über mich ergehen wie einen nicht ersehnten Regentag und erwarte - wieder einmal unmerkbar lächelnd - freudig die Ankunft des eigentlichen Lesers.

Und tatsächlich, dort sitzt er schon, Bernd Lichtenberg, ein kuschliger Käfer, der sich auf dem morschen Holz, im Mittelpunkt Tausender Augen, nicht recht wohl zu fühlen scheint, der sich leise bedankt und zu lesen beginnt.

Ich lausche, bin entzückt. Kleine Geschichte dringen an mein Ohr, liebevoll erzählt, zugleich ein inneres Lachen und tieferes Hinterhersinnen fordernd, Geschichten, die nach weitern fordern, das Lauschen zu einem leisen Genuß ausarten lassen. Selbst die Bienen verstummten, schweigen, hören zu. Nur hin und wieder kehrt eine von ihnen das innere Lachen nach außen, stört meine empfindlichen Sinne. Doch ich beruhige mich wieder, lasse mich auch vom Ärger über störende Forteilende nicht erfassen und versinke in kleinen Welten, die heil und beschädigt zugleich sind, die mir gefallen und mich feststellen lassen, daß diese Art und Weise, den Abend zu füllen, die richtige war.

Als der Käfer endet, knattern wir erfreut mit den Flügeln. Abwartend, fast bescheiden, sitzt der Lesende auf seinem Holz, will fliehen, sobald das Geräusch verklang, sobald der wichtige Ein- und Ausleiter wieder zum Vorschein tritt. Doch dieser läßt ihn nicht, schickt ihn auf sein Holz zurück, fordert ein Gespräch, einen Autor-Leser/Hörer-Dialog, den keine Biene - und auch ich nicht - mit Begeisterung zu beginnen bereit ist. Und so stellt die Wichtig-Biene die erste Frage, die Motivation betreffend, Hintergrunde erfragend, die mich nicht interessieren, befürchten lassen, die kleinen Geschichtchen in meinem Käferkopf mit unangenehmem Nachgeschmack zu bekleistern. Ich sauge den letzten Tropfenrest auf dem Blütenkelch und sirre vergnügt von dannen, argwöhnisch glotzende Bienen hinter mich lassend, hinaus in die kühlschwarze Nachtluft, in die ich mich erhebe, zwischen Blättern und Ästen hindurch fliege, als wäre der Himmel allein mein.

Und Fragen drängen sich in meinen Kopf, quellen vielleicht aus dem Gehörten, vielleicht aber auch aus der inneren Ruhe, der Gewißheit, gesellschaftslos angenehme Stunden verbracht zu haben, Fragen, mich und meine Wollen, mein Streben betreffend, Fragen, die ich mir nie zu stellen, nie zu beantworten wagte, Fragen, die zu formulieren ich nicht länger aufschieben sollte, Fragen, die mich begreifen lassen, an einem Wendepunkt zu stehen, mitten in der Luft, Fragen, die mich bewegen und in mir den Wunsch entfachen, öfter innezuhalten und genau solche Fragen in meinen eigenen Schädel zu werfen.

Ich lächle, als ich heimkehre und unter trockenen Birkenblättern meine Träume begrüße.

FFFfF: Von Göttern und Regenwürmern

Der 19. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip verweilte nach dessen Fertigstellung auf dem Scanner und bescherte mir heute morgen eine gewisse Traurigkeit, obgleich dessen Inhalt keineswegs von Traurigkeit geprägt ist.

Denn der von mit benutzte Edding hatte es sich zur Aufgabe gemacht, nach seiner Anwendung noch weiteren Ausbreitungsprozessen zu frönen und sich und sein Schwarz auf eigentlich unschwarze Comicinhalte zu ergießen. Vielleicht lag es an der Scanner-Nacht, in der das Blatt unzureichender Lufttrocknung ausgesetzt war, vielleicht an im Übermaß genutzter Edding-Färbung, vielleicht aber auch am durchaus minderwertigen Papier.

Ich weiß es nicht, doch gebe mir zum einen Mühe, mir und meinen Werken in Zukunft derartiges zu ersparen, und freue mich zugleich darüber, daß der Scanvorgang bereits vor dem Verlaufen geschah und somit keine zusätzlichen Bildbearbeitungsmaßnahmen erfordert.

Demnach ferbleibt mir nichts weiter, als allen Lesenden fiel Froide zu wünschen...



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[Im Hintergrund: Pink Floyd - "Shine On You Crazy Diamond"]

Freitag, 7. Oktober 2005

Ja.

Tokio Hotel [und das schreibe ich nicht, um unzählige Klicks auf meinen Weblog zu bekommen, sondern um Umständlichkeiten {Nein, ich stottee nicht.} wie "Ich-nenn-sie-jetztmal-gewitzt-'Peking-Jugendherberge'." zu vermeiden] sollen in irgendeinem albernen Blatt [Es soll ein Sonderheft der Bravo gewesen sein. Aber eigentlich ist es mir egal.] sich unfreundlich über Magdeburg und speziell dessen [deren? ihre? seine? meine?] Innenstadt geäußert haben, unter anderem mal wieder erwähnend, daß hier "nichts los" sei. Das schlug natürlich Wellen in regionalen Wurstblättern und lokalen Foren, berührte mich allerdings überhaupt nicht.

Mir fällt diese Aussage eigentlich nur ein, weil mir heute eindeutig zu viel los ist. Leider hat man spätestens in der Oberstufe eingetrichtert bekommen, daß frei- und samstägliche Abende gefälligst mit Amüsement zu füllen seien und keineswegsunterkeinenUmständenaufgarkeinenFall allein zu Hause verbracht werden dürfen.

Allerdings ist mir gerade durchaus nach Allein-zu-Hause-verweilen und Gedanken-treiben-lassen, nach Ab-und-an-ein-gutes-Buch-vor-die-Nase-führen, nach Leckere-Kleinigkeiten-in-mein-Gesicht-stopfen und nach Mich-darüber-freuen-daß-die-hintergründliche-[Hat nichts mit "gründlich" zu tun, soll aber auch nichts mit "hintergründig" zu tun haben, weil man das falsch verstehen könnte aber nicht soll.]-Beschallung-so-wundertoll-ist.

Doch meiner guten Erziehung entsprechend wurmt es mich, daß ich den heutigen, freitäglichen Abend zu Hause verbringen soll/muß/will, weil es doch angeblich nichts Öderes, Unspannenderes, Unspektakuläteres, Langweiligeres, ... [tbc. {Das soll "to be continued", nicht "Tuberkulose" heißen.}] gibt, als das zu tun, was ich zu tun gedenke.

Also suche ich nach Alternativen, erinnere mich an die alberne Aussage der nicht minder albernen Musikgruppe mit dem noch alberneren Asien-Bezug und würde ihr [der Aussage, nicht der Sängerin, die keine ist] am liebsten recht geben, wäre da nicht die Wahrheit, die anders aussieht und mir ohne nachzudenken eine Handvoll Möglichkeiten in den Kopf spült, von denen ich am liebsten keine wahrnehmen würde und glücklicherweise auch schon ein paar verpaßte.

Leider existieren in dieser wunderschönen Stadt [aus der übrigens die Musikformation stammt, die nicht sich nicht Peking-Jugendherberge nennt] Opportunitäten [was für ein bescheuertes "Möglichkeit"-Synonym] in großer Zahl, und leider gefallen mir auch einige davon, was insofern mit "leider" betitelt werden muß, als daß mir heute ausnahmsweise homophob zumute ist, weswegen ich also für humanoide Gesellschaft oder für mich umwirbelnde Menschenmassen nur wenig Freude aufzubringen bereit bin.

Was nun? frage ich mich und zeige dem Spiegelbild das ausweglose Dilemma. Das gemeinschaftliche Bowlen habe ich genauso verpaßt [absichtlich] wie das sicherlich amüsante Improvisationstheaterfestivalchen [ebenfalls absichtlich]. Spätabendliche Gestaltungsmöglichkeiten bieten sich auch an, liegen aber in zeitlicher Ferne [und stoßen auf erwähntes Menschenmißfallen].

Doch eine Lesung findet statt, beginnt erst in 45 Minuten, lädt mich förmlich zur Anteilnahme ein, insbesondere weil mir durchaus der Sinn nach einer solchen steht.

Vielleicht sollte ich also Tokio Hotel ebenso vergessen wie mein Vorhaben, allein heimatlichen Gefilden zu frönen und mich statt dessen auf die Socken, bei denen es sich allerdings um Strümpfe handelt, machen.

Ja.

FFFfF: Motivationstraining

Als ich den 18. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip zeichnete, wurde ich von meiner Mitbewohnerin gefragt, ob dieser autobiograohische Züge trägen würde. Belustigt verneinte ich.

Nachträglich stellte ich mir die Frage, ob der Comic eine Art Abrechnung darstellen soll. Auch das glaube ich verneinen zu können, wenngleich ich mir nicht sicher bin, ob nicht mein Unterbewußtsein sich möglicherweise eingeschlichen und meine Gedanken geleitet hat. Wer weiß.

Auf jeden Fall hat der Comic ausnahmsweise eine Menge Text.
Und so.


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[Im Hintergrund: My Dying Bride - "The Dreadful Hours"]

Donnerstag, 6. Oktober 2005

Mensa-Speiseplan-Dichtkunst

"Bolognese mit Reibekäse"

Nicht wissen

Die Frage ist doch, ob ich das, was ich zu wissen glaube, wirklich weiß, oder ob ich mir nur einredete, ich würde es wissen und nun mit dem Gefühl, es tatsächlich zu wissen, mein Gewissen besänftige...

mittelpunkt

bedacht - um nicht zu atmen
die stille nicht zu stören
kein flüsterlaut erweckend
gedankenkeim berührend

meine finger - leise zitternd
streift ein bitterschwerer hauch
weht mein müdes perlenauge
hin zum mittelpunkt der welt

bedacht - um nicht zu lieben
in stillem sinn zu schwelgen
die anmut stumm genießend
gedankenblasen folgend
bedacht - um zu entgleiten
als wäre ich stummer sturm
als wär ich ferner teil
vom mittelpunkt der welt.

[Im Hintergrund: Gravenhurst - "Fires In Distant Buildings"]

FFFfF: Wunschfee

Wieder ein kurzes Vorwort, der verrät daß der heutige 17. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip zwar keine neue, aber für mich doch unlängst angenehm-amüsante Idee beinhaltet, die mir gut genug gefiel, um derart veröffentlicht zu werden.

Und so.


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[Im Hintergrund: Gravenhurst - "Black Holes In The Sand"]

Mittwoch, 5. Oktober 2005

zwischen den zeilen

fremdgelebte wortgefüge
fang mich auf
ein flüstern stirbt
zwischen gilbend grauen seiten

weltgeschwärzte blicke schweifen
streifen hochgelobtes land
fang mich auf
um nicht zu fallen
fluchtgeburt in eignem kopf

blind erwacht
nur zeilen findend
fang mich auf
doch höre nichts
silben prallen gegen wände
schmettern leere ins gesicht.

Kommunikation

Nachdem ich mit meinem Mitbewohner, im Nebenzimmer [also in Luftlinie maximal fünf Meter weiter] wohnend, schon häufiger telefoniere und mit meiner Mitbewohnerin [drei Zimmer weiter, maximal zehn Meter entfernt] zuweilen chatte, stellt sich mir die Frage, wie das mit der WG-internen Kommunikation klappen soll, wenn es auf dem Klo weder Telefon noch ICQ gibt...

Das Brillengeheimnis

Musikfestivals bringen es für gewöhnlich mit sich, daß nicht nur die hygienischen Grundbedürfnisse leiden müssen, sondern auch die eigene, äußere Ästhetik. In einer Gruppe hunderter, tausender Leute, die allesamt mit mehrtägiger Duschwasserknappheit und Spiegelabwesenheit bepflastert sind, bildet man jedoch derart keine Ausnahme, darf sich also ungepflegt, unrasiert, ungeschminkt, ungekämmt und mit verdreckten Klamotten noch immer wohl und als Teil der Gesellschaft fühlen.

Sicherlich gibt es jene, die sich bemühen, die wenigen zur Verfügung stehenden Dusch- und Waschmöglichkeiten nach bester Verfügbarkeit zu prüfen und dementsprechend zu nutzen; sicherlich gibt es auch - insbesondere auf gothisch angehauchten Veranstaltungen - zahlreiche Spiegelmitnehmer, Frisurherrichter und Schminkköfferchen-Nutzer, doch gehöre ich nicht wirklich zu ihnen, versuche, bei Festivals aufwandsminimal gut auszusehen. Das fällt nicht weiter schwer, sorgt doch schon ein täglicher Wäschewechsel in Kombination mit einem nicht vernachlässigbaren Waschbeckenminimalkontakt für annehmbares Eigen- und Fremdwohlbefinden.

Was jedoch in Abwesenheit von fließendem, Hände reinigendem Wasser und selbstbildreflektierenden Oberflächen zur Schwierigkeit ausartet, ist der Versuch, normalerweise durch Gläser beseitigte Blindheit mittels Kontaktlinsen auszugleichen, also die Brille durch unsichtbare Plastikscheibchen zu ersetzen. Tatsächlich bin ich mir, Handspiegelmitnahme und eigentlich unnötige, da nur äußerlich bemerkbare Mühen vermeidend, dazu übergegangen, auf Festivals meine durchaus liebgewonnene Brille auf meiner Nase belassen zu wollen und die Existenz von Kontaktlinsen weitestgehend zu ignorieren.


Das ist insofern von Vorteil, als daß ich dadurch mich mehr wie ich selbst fühle und auch keine Rücksicht auf verstrichene Stundenfristen, nach denen die Augeneinsätze zu entfernen sind, oder auf deren möglichen Verlust durch müdigkeitsbedingtes Augenreiben nehmen muß. Mit der Brille auf der Nase besuche ich also Konzert für Konzert, lausche beglückt, begeistert oder desinteressiert den von der Bühne erschallenden Klängen und freue mich über die gute Sicht, die mir mein Sehfehlerkompensator [den ich niemals als "Nasenfahrrad" bezeichnen würde] ermöglicht.

Und dann vernehme ich Gitarren, laut und heftig, zu heftigstem Haareschütteln, zu zwanglosem Ausrasten verleitend. My Dying Bride befüllen die Bühne und werten das Wave-Gotik-Treffen für mich merklich auf. Die Gitarre ruckt und zuckt und mit ihr, im Takt, mein Fuß, mein Leib, mein Haupt.

Doch wohin, frage ich mich nicht zum ersten Mal, mit der Brille, wohin mit dem albernem, lästigen Drahtgestell? Meine Taschen sind zu klein, zu eng, als daß ich nicht befürchten müßte, die in ihnen verwahrte Brille bei der nächsten Bewegung deformierenden Drücken auszusetzen und so nachhaltige, plastische Schäden zu erwirken.

Aber der Schädel will geschüttelt werden, weigert sich, zu derart mitreißenden Klängen starr in der Luft zu verharren. Schon beginnt ein neuer Song, ein Wahnsinnstück vom aktuellen Album, das ich längst zu meiner derzeitigen Lieblingskomposition dieser Band deklariert hatte. 'So soll es sein', rüttle ich mich auf, reiße mir die Brille aus dem Gesicht, falte deren Bügel zusammen, halte sie fest, doch nicht zu sehr, in meiner Hand, schützend vor Äußerem, das zum Sehen Notwendige stetig befühlend, mit Eigenschweiß verschmutzend, doch nahe wissend, unversehrt.

'Ja!', kreischen meine Gedanken freudig erregt, kennen den Text, legen ihn mir auf die Lippen, während sich mein Kopf schon eingeschwungen hat zum fordernden Takt der metallischen Klänge. Meine Haare schweben an mir vorbei, rechts, links, rechts, links, die Musik dröhnt in meinen Ohren, und euphorisch widme ich mich meinen Bewegungen, lege alle Wucht, alle Kraft hinein, die ich zu geben bereit bin, lasse mich fallen, lasse mich los, vergesse alles, die Menschen um mich herum, die Enge inmitten der Masse, die Unfähigkeit, ohne Brille die Bühne zu erkennen, treibe zuckend hinfort, löse mich auf in der hämmernden Gitarrenwucht.

Das Lied klingt aus, und ich sehe auf, platziere die Brille wieder in meinem Gesicht, um erkennen zu können, was vorn geschieht, dort, wo meine Helden des Augenblicks ihre Instrumente [und auch die Stimme des Sängers zähle ich als ein solches] zu Besserem, lautrerem, Schönerem, Bewegenderem treiben. Der Sänger umkrallt das Mikrophon, flüstert einige Zeilen in die gespannte Stille des Publikums, schließt die Augen, läßt sich gehen. Und dann setzen die Gitarren wieder ein, der Baß gesellt sich dazu, vom Schlagzeug nach vorn gejagt. Die Stimme wird zum Gekreisch, preßt sich wütend, schmerzvoll durch den Äther findet mich, der längst schon wieder die Brille abnahm und sich den Takten hingibt.

Neben mir bewegt sich ein Mädel, schüttelt ebenso wie ich ihr Haupthaar, läßt sich gefallen, was auch mir gefällt. Ich kann sie kaum erkennen, meine eigene Blindheit versperrt mir die Sicht, lähmt meine Augen, doch schürt die Neugier, läßt mich aufrichten, hinüberblicken, die Brille auf die Nase kleben, wie ein Ertrinkender, den es nach festen Formen, klaren Konturen, dürstet. Ich sehe sie an und lächle, denn mir gefällt, was ich sehe, wie sich ihr langes Haar im Takt verliert, wie geschmeidig sich ihr Leib im Einklang mit den dröhnenden Klängen bewegt.

Als auch sie sich aufrichtet, lächle ich weiter, denn plötzlich zaubert sie eine Brille hervor, setzt sie vorsichtig in ihr Antlitz, lächelt mir zurück, als hätten wir uns gefunden unter all jenen, die diese kleine Sorge nicht teilen, als wüßten nur wir, was es bedeutet, zwischen Stillstand und Blindheit entscheiden zu müssen, als formte das gemeinsame Geheimnis ein glitzerndes Band, das zaghaft in den schwermütigen Klängen zu wehen beginnt.

Das Lächeln nicht loslassend raube ich mir die Sicht, senke meinen Kopf erneut, um My Dying Bride mit wehendem Haar zu begegnen, um mich darin zu verlieben, wie das eigene Haar wirre, taktgeformte Zeichen in die klangschwere Luft malt.

Und wieder und wieder halte ich inne, um verstohlen zu ihr hinüberzusehen, um mich des Bandes zu vergewissern, das zwischen uns bebte, um sie die Brille ab- und aufsetzen zu sehen, sie in ihrer Hingabe zu beobachten, ihr zuzulächeln, als bedürfe es keiner Worte. Sie lächelt zurück, sobald sie mich sieht, steigert den musikalischen Genuß mit der ungesagten Verlockung greifbaren Möglichkeiten.

Al die letzten Takte verstummen, die Musiker nach wiederholten Zugaben die Bühne verlassen, als die wuchtgeschwängerte Publikumseuphorie sich in ein blindes Wuseln verwandelt, jeder einen Weg, einen Freund, ein Gesicht oder nur einen Platz zum Sitzen sucht, schenke ich mir das Sehen zurück, bleibe stehen, als könnte ich die Zeit anhalten, und blicke zu ihr.

'Was nun?', frage ich, doch zwei Mädel entreißen mir eine Antwort, finden ihre Freundin, die bis eben anmutig ihre Haare wirbeln ließ, reißen sie mit sich in die Menge. Die Brille wieder im Gesicht wissend dreht sie sich noch einmal um, sieht zurück, schenkt mir einen letzten Blick, bevor sie von den schwarzgewandeten Massen verschluckt wird.

Ich bleibe zurück, lausche dem Nachhall des Erlebten in meinen Ohren, finde das Lächeln auf meinem Gesicht und vermag nicht zwischen Wonne und Bedauern zu entscheiden.

[Im Hintergrund: My Dying Bride - "Like Gods of the Sun"]

FFFfF: Luftakrobatik

Mal wieder versorgte ich mich mit Stiftnachschub, und mal wieder versuchte ich mich daran, das zeit- und materialaufwendige Schwärzen des Hintergrunds durch digitalen Ersatz auszugleichen, also mittels eines Bildbearbeitungsprogramms dafür zu sorgen, daß nicht ausgemalte Flächen schwarz gefärbt werden, ohne daß man den Übergang zwischen echter [analoger?] und digitaler Linie zu erkennen vermag.

Doch genau das ist das Problem, und bisher befriedigte mich das Ergebnis trotz mehrerer Versuche keineswegs, so daß ich zunächst dabei bleiben werde, den Comic vollständig per Hand zu zeichnen und digital nur ein paar Fehlerchen auszumerzen und Kontrast/Helligkeit zu verbessern. Das ist auch insofern schöner/besser, als daß der mir nah stehende Leser nicht auf die im Internet sichtbaren Fred-Comics zurückgreifen muß, sondern tatsächlich mit Comics gefüllte, papierne Blätter befühlen und betrachten kann. In solchen Dingen darf man durchaus altmodisch sein, denke ich.

Der heutige Comic ist nicht unbedingt von weltbewegender humoristischer Feinsinnigkeit oder ergreifender Tiefe geprägt, doch ich fand den Gedanken witzig und setzte ihn daher in Bildern um. Wer ihn dohv findet, möge wegsehen und sich an anderem [an zukünfitgen Fred-Comics beispielsweise] erfreuen.

Allen anderen präsentiere ich fröhlich den heutigen "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip, der übrigens die Nummer 16 trägt.

Und so.


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[Im Hintergrund: Stillste Stund - "Alice [Der Spiegeltanz]"]

Dienstag, 4. Oktober 2005

"Papi!!!"

Und während ich in Gedanken versunken durch die Stadtbibliothek schlenderte, stolperte unbeholfen ein Kleinkind auf mich zu und rief freudig erregt:
"Papi!!!"
Hab ich mich erschrocken...

[Die darauffolgende Erleichterung, als der kleine Junge an mir vorbeieilte, bedarf wohl keiner Erwähnung.]

[Im Hintergrund: Agathodaimon - "Sacred Divinity"]

Und als ich aufwachte, war ich ein Haus.

Angeregt durch den aktuellen kopf.hörer-Audioblog-Eintrag von rebella wurde ich dazu bewegt, mir zu überlegen, was für eine Art von Straße ich im Augenblick gerne wäre und gelangte zu folgenden Gedanken:

Obgleich der Weg das Ziel sein sollte, neigen Straßen dazu, irgendwohin zu führen, ein Ziel zu haben. Was also, wenn ich eine Straße bin? Was ist das Ziel?

Für mich greifbarer ist der Vergleich mit einem Raum, einem Gebäude, einer Lokation. In diesen Augenblicken beispielsweise wäre ich gerne ein kleines gemütliches Cafe mit Blick auf Park und Fluß, mit kleinen Tischen, um die sich gemütliche Sitzgelegenheiten gruppieren.

Hier findet man sich, um sich zu treffen, um beisammen zu sein, zu reden, einander kennenzulernen oder zu kennen, um die Ruhe des Augenblicks und dessen Schönheit auszukosten, Kaffee oder Kakao zu sich zu nehmen und sich zu fragen, was das Leben bedeutet.

Hier werden Gespräche geführt, Diskussionen, doch nicht wutentbrannt mit alkoholigen Atemzügen, nein in kuschliger Atmosühäre mit notwendiger Ernsthaftigkeit und nicht minder notwendigem Humor.

Vielleicht bin ich ein Künstlercafé, ein Ort, an dem sich kreatives Potential sammelt und ballt, dort, wo Ideen herumfliegen wie wilde Funken, von Haupt zu Haupt hüpfen und Augen leuchten lassen.

Gen Abend erklingen zuweilen Klavierkompositionen, begleitet von amüsanten Texten beeindruckender Tiefe oder erheiternder Oberflächlichkeit. Für einen Augenblick verstummen die Gespräche und die Blicke richten sich nach vorne zum Applausmagneten, der durch sein Schaffen zu bewegen weiß und neue Funken, neue Ideen in den Raum fließen läßt...

Wäre ich also eine Lokation, so wollte ich in diesem Augenblick dieses Café sein.

[Es ist schön festzustellen, daß man sich gerade gut fühlt.]

[Im Hintergrund: Samsas Traum - "Der Triumph des Herzens"]

Das Wunder an der Wand

An meiner Wand klebt ein Regenbogen, klein nur, doch wunderschön. Still sitze ich, starre auf die Rauhfasertapete, deren ödes Weiß plötzlich mit Farben überflutet wurde.

Einzelne Sonnenstrahlen finden den Weg durch mein Fenster, finden eine lose herumliegende CD, brechen sich in deren Silber, malen meinen Regenbogen an die Wand und lasse mich lächeln.

Am Ende des Regenbogens stapeln sich weitere CDs, unzählige, angefüllt mit wundervollen, mitreißenden Kompositionen - einwahrer Schatz also.

Weichen die Sonnenstrahlen, schwindet der Regenbogen, verblaßt langsam, gibt der Wand ihr altes Weiß zurück. Doch dann kehrt er zurück, leuchtet fröhlich in mein Zimmer, als hätte er es sich hier schon häuslich eingerichtet.

«Bleib doch hier, mein Freund.», lächle ich ihn an und zähle neugierig seine Farben, die mir freudig entgegenstrahlen.

[Im Hintergrund: The Dresden Dolls - "Good Day"]

FFFfF: Es wirkt.

Auch wenn die Gefahr besteht, daß die Vorworte allmählich immer kürzer werden, verzichte ich auf lange Reden, erwähne nur kurz, daß mich nervt, daß sämtliche meiner Eddings, dicken Fineliner und Faserstifte den Geist aufgegeben haben, und präsentiere hiermit den
15. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip.

Und so.


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Montag, 3. Oktober 2005

Adressat: Verstorben.

Eine Urlaubspostkarte zu finden, die ich niemals abschickte, die niemals einen kretischen Briefkasten von innen sah, niemals ihr Ziel erreichte. Worte, nichtssagend und hohl, Postkartentypischer Klischeeinhalt, und doch voller Freude über den Moment, über dessen Schönheit.

Adressat: Verstorben.

Wie ein höhnisches Grinsen füllen die Namen meiner Eltern die Adreßzeile. Wie ein aufgesetztes Lächeln wirkt die Anrede. "Liebe Mami, lieber Vati".

Zu erfahren, daß mein Vater verstarb, während ich auf Kreta verweilte, den Sonnenschein, das Meer, das Leben, genoß, daß mein Vater verstarb, ohne daß ich ein letztes liebes Wort an ihn hatte richten können, zu bemerken, daß die Postkarte, an meine Eltern, an Mutter und Vater, gerichtet nur Mittelmeersalz in heimische Wunde, nur Pein, zusätzlich-unnötiger Schmerz darstellen würde, ließ die Karte, mit Worten vollgekritelt und sonnigem Urlaubsmotiv verschwinden, irgendwo in den Untiefen meiner Zeichnungen, meiner Notizen.

Und nun halte ich sie in den Händen, die Postkarte ohne Ziel, das Zeichen Vergeblichkeit, als hätte sie auf mich gewartet, in Stille, höhnisch, herzlos.

Mich verschließend fliehe ich [der Angst folgend] irgendwohin in hellere Denkgefilde, finde mich, ein Leben suchend, das jeden Augenblick beendet sein könnte, auf eine Postkarte wartend, die mich nie erreicht.

Wider die Angst

Mein heutiges Dasein aus einem zukünftigen, postmortalem Blickwinkel betrachtend stelle ich zuweilen gewisse Parallelen zu einem Film fest, den ich einst sah, einem, in dem nach dem Tode eine Art Zwischenstation eingerichtet war, in dem entschieden wird, ob die eigene Seele gen Himmel oder gen Hölle zu fahren habe. Um dies beurteilen zu können, werden - einem Gerichtsprozeß gleich - verschiedene Szenen des eigenen, vergangenen Lebens auf einer Art Videowand dargestellt, wobei sich sowohl der Verteidiger, der einem den Weg nach oben ebnen soll, als auch derjenige, der alles in Frage stellt, Szenen aussuchen darf, die ihre jeweilige Position bekräftigen.

Ich befürchte fast, daß in dem von mir bedachten Film, der tatsächlich als Vergleich zu meiner Sichtweise herhalten soll, Meryl Streep und Chevy Chase [Möge es nicht Chevy Chase gewesen sein!] einander in diesem Zwischenreich kennenlernen. Und während die Meryl-Streep-Figur ein tadelloses Gutmenschen-Dasein geführt hatte, weil sie irgendwelche Hunde aus brennenden Häusern rettete, hat die Chevy-Chase-Figur damit zu kämpfen, kein sonderlich gutes Leben geführt zu haben. Denn das Fazit aller Lebensabschnittsbetrachtungen lautete bei ihm jedesmal, daß es einzig die Angst war, die sein Handeln und Nichthandeln bestimmte.

Und tatsächlich stelle ich mir genau diese Frage: Ist es die Angst, immer wieder die Angst, die mein Leben bestimmt, meine Schritte lenkt?

Zu oft schon mußte ich mir ein beschämtes "Ja." zur Antwort geben und gleich darauf meine Gedanken nach dem Warum zermartern. Ich bin träge, das weiß ich, doch will ich ändern, will ich immer wieder ändern.
Erst unlängst ward [nur im Scherz, doch ernst genug, um mich darüber nachsinnen zu lassen] festgestellt, daß ich ein passiver Mensch sei, und ich bin geneigt, dem zuzustimmen. Nicht immer, nicht in jedem Bereich meiner Existenz, doch in zu vielen, zu oft.

Blicke ich also irgendwann aus meiner Nachtodzukunft auf mich zurück, so will ich nicht begreifen müssen, daß es Angst war, die mich entschied, mich auf bestimmten Gleisen fahren, die mich Fehler und Gutdinge bewirken ließ. Ich will zurücksehen und lachend feststellen, daß jede Tat, ob gut ob schlecht, geschah, weil ich es so wollte [oder weil ich es nicht hätte beeinflussen können], daß nicht die Angst mir Hindernis oder Wegbereiter war, sondern mein eigener Wille, der Wunsch, eine bestimmte Richtung zu begehen, einen eigenen Pfad zu wählen.

Es ist ein schweres Vorhaben, das ich faßte, das Streben nach der Unabhängigkeit von der eigenen Angst, fällt es doch schon schwer, mir die Frage zu beantworten, was ich eigentlich beabsichtige, was ich willl, mir ersehne und in welche Richtung ich mich wenden muß, um dorthin gelangen zu können.

Doch in meinem Schädel droht die ewige Frage, die ich nach meinem Ableben keineswegs mit "Ja." beantworten will:
War es Angst, die mein Handeln bestimmte?

[Im Hintergrund: Stillste Stund - "An das Morgenlicht" --- "War es nicht das Morgenlicht / Das mir zeigte, dass die Nacht vorüber war?"]

Eierkuchenimitate

Ich gebe zu, daß gekaufte Fertigeierkuchen nicht unbedingt Vertreter kulinarischer Extase darstellen, ja, daß sie mit "echten", also selbstgemachten, Eierkuchen auf keinen Fall mithalten können. Und doch erwarb ich unlängst zweifach [also nicht nur zu Probezwecken, sondern tatsächlich mit zukunftorientiertem Verzehrbewußtsein] als Pfannkuchen betitelte Eierkuchen, die nur wenige Minuten in einer heißen Pfanne verbringen müssen, um einigermaßen schmackhaft zu werden. Das geht schnell, ist einfach [dementsprechend bestens geeignet für Aufwandsvermeider wie mich] und schmeckt immerhin noch gut genug, um sich daran erfreuen zu können.

Im Gegensatz zu "echten" Eierkuchen jedoch verfügen die gekauften Produkte über eine wenig erfreuliche Eigenschaft: Sie schmecken nicht kalt. Nicht einmals ansatzweise. Trocken und vor allem erstaunlich fest belästigen sie die Zungenoberfläche und wünschen sich nichts sehnlicher, als erhitzt zu werden.

Dann nämlich, wenn sie ein paar Augenblicke in einer heißen Pfanne verbracht haben, mutieren sie zu annehmbaren Eierkuchenimitaten, deren Farbe noch immer ein wenig abzuschrecken vermag, deren Konsistenz jedoch durch milde Weichheit überzeugt. Und auch der Geschmack läßt sich nun ertragen, insbesondere wenn der Eier- oder Pfannkuchen in einem deliziösen Apfelmus-Zucker-Konglomerat ertränkt wurde.

Mich erstaunt allerdings, daß schlichte Wärmezufuhr genügt, um die Back- bzw. Bratwaren von einem Festkörper- in einen labbrig-eierkuchenartigen Zustand zu wandeln. Nicht minder erstaunt mich, daß, wenn man die Kaufeierkuchen entsprechend zeitintensiv in der Bratpfanne erhitzt, diese wieder einen Festkörperzustand einnehmen - und dann erst langsam anfangen, unhelle Farbtöne anzunehmen.
Ein durchaus interessanter physikalischer Prozeß, an dem ich gerne herumexperimentieren würde, wäre ich nicht zu viel zu hungrig und somit ungeduldig gewesen, um mich mit derartigen Albernheiten aufzuhalten.

Allerdings befürchte ich, daß es bereits eine Galileo-Sendung über dieses Phänomen gibt, weswegen ich meine Gedanken lieber weltbewegenderen Dingen als Eierkuchenimitaten widme.

[Im Hintergrund: Bright Eyes - "Arienette"]

FFFfF: Fledermaussorgen

Der Tag der Einheit hat - wie ich soeben feststellte - überhaupt nichts mit dem heutigen Comicstrip zu tun. Selbst wenn ich mich anstrenge und krampfhaft irgendwelche Zahlenspiele betreiben möchte, fällt mir nichts Gescheites, nichts Eine-Brücke-Zum-Aktuellen-Tagesgeschehen-Bauendes ein.

Darum erwähne ich ohne derartige Einleitung, daß der heutige "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip die Nummer 14 trägt und hiermit von mir großzügigerweise veröffentlicht wird.

Fiel Froide und so.


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[Im Hintergrund: Ashes You Leave - "The Passage Back to Life"]

Sonntag, 2. Oktober 2005

vernunftbegabt

"Was unterscheidet uns Menschen eigentlich vom Tier?"
"Das Praktizieren von Oral- und Analverkehr."
"..."

FFFfF: Tageslicht

Da das gestrige Vorwort recht lang war, beschränke ich mich nun auf wenige, bedeutsame Zeilen.

Erwähnt sei, daß ich bis jetzt daran sitze, meinen Rechner zu renovieren. Ungeahnte Komplikationen machten alles nur schlimmer und schlimmer. Trotzdem gelang es mir, den heutigen Fred-Comicstrip einzuscannen und ins Netz zu stellen. Freut euch also, liebe Leser.

Mit der 13 erfolgt eine Prämiere, wird doch heute zum ersten mal ein Fred-Comcistrip präsentiert, der in Tageslicht spielt und daher ebenso heißt. Ich gestehe aber, daß ich nicht plane, Freds Tätigkeiten in Zukunft vorwiegend tagsüber geschehen zu lassen.

Und so.


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[Im Hintergrund: My Dying Bride - "The Deepest Of All Hearts"]

Samstag, 1. Oktober 2005

Verhört

Mit Weib und Seele.

FFFfF: Polaroid

Nachdem ich den gesamten gestrigen Tag damit verbrachte, meinen Rechner zu renovieren, durfte ich nun feststellen, daß mein Bildbearbeitungsprogramm ebenso abhanden kam wie die alten Fred-Scans. Glücklicherweise fand ich zumindest für letzteres einen provisorischen Ersatz, der mir zeigte, daß mit schnellerem Rechner auch mein alter Scanner flinker arbeitet.

Und so kann ich meinem Vorhaben, jeden Tag einen "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip zu veröffentlichen, treu bleiben und präsentiere nun die Nummer 12, allerdings nicht, ohne noch anderthalb Worte darüber zu verlieren.

Denn schließlich folgte ich heute dem Wunsch der geschätzten Mandy, einen Fotoapparat unterzubringen. Es tut mir wirklich leid, daß es nur eine Polaroid-Kamera wurde. Doch geschah das aus dramaturgischen Gründen [Wow, ich höre mich wichtig an...].

Wer nun daran zweifelt, daß im ersten Bild eine Polaroid-Kamera zu sehen ist, möge mir erklären, wie es denn sonst sein kann, daß Fred schon im dirtten Bild den Abzug in der Hand hält.
Außerdem ist der Wurm ein exquisiter Fotograf, der sich auf Polaroid spezialisiert hat und derzeit gar keine andere Kamera bedienen würde...

In diesem [oder - von mir aus - auch einem anderen] Sinne.


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[Im Hintergrund: Opeth - "Deliverance"]

Abschied

Ich stehe auf. Mein letztes Wort verklang schon vor Minuten, doch nicht einmal dein Blick streift mich noch. Ich betrachte dich, vergrabe meine Hände tiefer in den Taschen, als fände ich dort, was ich suche, was deinem Atem fehlt.

Ich seufze, erwarte längst nicht mehr, daß du reagierst, daß du aufsiehst, gar lächelst, dich aus den grauschwarzen Papierzeilen befreist, hinter denen du dich versteckst.
Gedankenlos räume ich mein Geschirr in das Spülbecken, mein eigenes, lasse deines auf dem Tisch stehen, als gehörte es zu einer fremden Welt.

"Zu verschieden.", hallt es in mir nach, und ich wundere mich, warum ich noch immer mit dem Kopf schütteln, aufbegehren, widersprechen möchte, noch immer in Frage stelle, was du als finsteren Schlußpunkt zwischen uns setztest.

'Kämpf doch!', schreit die heisere Stimme in meinem Schädel, gellt mir Vergangenheiten ins Ohr, als würde ich mich nicht erinnern können. Doch kann ich nicht länger kämpfen, schlurfe kraftlos durch den Flur, lasse dich hinter mir zurück, umhüllt von kalter Ignoranz.

Zu oft perlten unsere Tränen zu Boden, zu oft flogen Fetzen, verzweifelte Rufe, versteinerte Silben durch die Luft, zerschmetterten die gläsernen Masken, unter denen wir heimlich jede Sekunde in Frage stellten.
Doch es gab kein Zurück, und je häufiger ich fragte, je weniger ich verstand, desto tiefer versankst du im Morast ungesagter Worte. Verstummt klaubtest du deine Gründe, deine Richtung, aus abgewetzten Zeilen fremder Schreibe, aus abgetragenen Wortgerüsten zungenschwerer Münder.

Ich glaubte dir nicht, doch liebte zu sehr, um belogen zu sein, atmete zu heftig, um dich noch einmal verstehen zu machen.
'Halt inne.', wollte ich flüstern, doch du warst längst fortgeeilt, den eisigen Winden hinterher, als könnten sie dich halten. Meine Klänge schwebten dir nach, wisperten einen Namen in den Orkan, der einst meiner war, doch nun in tosendem Heulen verblaßte.

Nun sitzt du am Tisch, als hättest du längst vergessen, als wäre ich in von fremder Gestalt, ein Wesen, deines Anteils nicht würdig. Säße ich noch, so würdest du reden, von Dingen, von Menschen, von Heute. Leere Blasen würden zwischen deinen Lippen hervorquellen und unhörbar zerplatzen. Ich säße da und erschräke mich mit jedem lautlosen Knall, mit jedem geistlosen Klang, der deine Zunge verließe, könnte mich nicht halten, dich zu küssen, deinen Mund mit Wärme zu schließen, mit Wonne zu füllen.

Doch ich stehe auf, räume ab, betrachte die Schaufensterpuppe auf deinem Stuhl, gegen deren Gesicht ich einen Stein, einen Diamanten, werfen möchte, auf das es zerbräche, in Scherben zerfiele und dich freigäbe, dich, wie du unter der Keramik lachst und weinst, wie du dort lebst, allmählich zu ersticken drohst an deiner eigenen Wirklichkeit.

Ich klaube meine Jacke vom Stuhl, versenke mich darin, erinnere mich an deine Wange auf diesem Stoff, rosig schimmernd im Anlitz eines Winters, dessen Kälte uns nicht zu erreichen vermocht hatte. Deine Blicke, als du nach oben schautest und das Funkeln in deinen Augen dich an mich verriet.
"Halt mich.", flüsterte es, und ich barg deinen fröstelnden Leib in meinen Armen.

"Bis denn.", mein heiseres Krächzen kratzt an der bleiernen Stille, hallt wider von den Mauern deiner Gedanken. Die Stimme versagt, als ich das Wort an dich richte, eine letzte Reaktion begehre, die rechte Hand unsicher zu einem lässigen Abschiedsgruß hebend.

Doch du schweigst, verhüllst dich in den Schleier stummer Reglosigkeit, der dein Schneckenhaus ward, seitdem die teilenden Worte zwei Nichtwelten gebärt hatten. Wie ein verlassener Planet treibst du an mir vorbei, und nicht mein Licht, nicht mein Echo, vermag dich noch zu rühren.
"Wer bist du?", frage ich mich wieder und wende mich ab, ab von dir, ab von meiner Vergangenheit, ab von dem Schmerz, als könnte ich ihn zurücklassen, hinter mir vergessen, als wäre er nicht Teil eines jeden meiner Wege.

Die Türklinke schenkt mir einen kalten Kuß, die Dielen seufzen traurig unter meinen Sohlen, nehmen knarrend Abschied.
'Ich komm nicht wieder.', begreife ich. Weglos drängt sich de Zukunft vor meine Augen. Jede Richtung scheint falsch.

Ein letzter Blick zu dir, meine Mundwinkel formen ein tapferes Lächeln.
"Alles wird gut.", soll es sagen, doch die Lüge wiegt schwer.

Du siehst auf, siehst mich an.

Silbern glänzen Tränenfäden auf deinen blassen Wangen, Buchstaben einer fremden Sprache. Zögernd öffnest du den Mund, als müßtest du die Worte neu erlernen, neu finden, in dir, in der trägen, tränenschweren Luft.
Kein Ton verläßt deine Zunge, schwängert den Äther mit deinem Klang; keine Silbe erreicht, erfaßt mich, nimmt mir den letzten Grund zu fliehen.

Ich sollte gehen, doch in hinter deinen Augen wartet ein Dunkel.

Deine Lippen bewegen sich, lautlos, schmelzen unter heißen Tränen, formen die Wirklichkeit neu.
"Halt mich..."

[Im Kopf: Janus - "Überleben"]

Freitag, 30. September 2005

Silhouetten

Die blinde Ästhetik schwelgender Trauer findet meine Blicke, mit glitzernden Perlen besetzt, unter bleiernen Lidern. Als formten sich Geräusche zu Worten, Worte zu Gedanken, Gedanken zu Gefühlen, als ließe mich ein winziger Klang erinnern, verweile ich im Stillstand der Zeit, versuchend Vergangenheit zu atmen, quecksilberträge Flüsse geronnener Zeit. Dein Lachen suche ich, doch finde nur meine Tränen, als wären sie Sinnbild des Verbleibenden, Stilleben in der Vergänglichkeit. Unter meinen Gedankenfingern bröckelt die Einnerung, zerfällt zu wehenden Wolken graubunten Staubes, Silhouetten formend, Schattenbilder, die mich fangen, berühren, die ich nicht halten, nicht fassen kann. Ich vergaß ihre Namen, zeichne mit zitternder Hand ihre Umrisse in die Luft, sehe mit schließendem Auge dein Antlitz darin, dein Lächeln, das allein der Ferne zu gehören scheint. 'Bleib.' scheint es zu singen, doch ich verblasse, verliere an Gestalt, an Sinn, entweiche dem Sein, nur ein Schimmern hinterlassend, dort, wo einst meine zärtlichsten Gedanken ruhten.
'Ein Traum.', denke ich und schlafe ein.

[Im Hintergrund: Penetralia - "Carpe Noctem: Legends Of Fullmoon Empires"]

FFFfF: Mäusejagd

Heute tat ich mich schwer. Erstmals brach ich den Versuch eines Comics ab, begann einen anderen. Doch auch hier hatte ich zu kämpfen und kann deswegen mit einiger Erleichterung verkünden, nun den elften "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip vollendet zu haben.

Die Idee stammt übrigens aus der Zeit der ersten beiden, jemals gezeichneten Fred-Comics, wenngleich ich mich nicht entsinnen kann, wann das nun genau war.

Doch das spielt keine Rolle, ist der doch einzig der entstandene Comic bedeutsam, weswegen er nun folgt.


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[Im Hintergrund: VAST - "Blue"]

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Hier wird es fortan weitergehen: http://morast .eu Und...
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