Donnerstag, 29. September 2005

Zielsuche

"Ich würde auch sinnlos durch die Gegend wandern,
wenn ein Ziel hätte..."

Namensangelegenheiten

Ich heiße Bastian.

Das ist an sich nichts wirklich Ungewöhnliches, und ich bin froh, daß meine Eltern so freundlich waren, mir einen derart schönen Namen verliehen zu haben, der nicht nur immer wieder mit Michael Ende und seiner "Unendlichen Geschichte" [Ein Immer-Wieder-Gut-Buch] in Verbindung gebracht werden kann, sondern sich auch wohltuend vom viel verbreiteten vornamentlichen Einheitsbrei abhebt.

Mir mißfällt allerdings zuweilen, mit dem findigen Spitznamen "Basti" versehen zu werden, was die Anredenden nach Erwähnung dieses Mißfallens ein wenig verdutzt, bietet sich doch mein Vorname an, auf diese Art und Weise verkürzt und verniedlicht zu werden.

Doch eben jene Verniedlichung trägt dazu bei, daß ich vor "Basti" in alberner Ignoranz meine Ohren zu verschließen versuche, werde ich doch, einmal derart gerufen, emotional in meine Kindheit zurückversetzt und fühle mich nicht nur plötzlich, als wäre ich erst seit zehn oder zwölf Jahren auf Erden, sondern auch, als würde mir eine "niedere" Rolle auferlegt, eben die eines zu Urteilen nicht fähigen Kindes.

Das klingt lächerlich, und ist es vermutlich, doch leider suche ich mir mit Worten verbundene Emotionen in den seltensten Fällen selber aus. Im übrigen gibt es durchaus mehrere menschliche Wesen, die mich "Basti" nennen dürfen, ohne einen zum Kehlkopf geführten Handkantenschlag oder ähnliches befürchten zu müssen.
Allerdings handelt es sich dabei - abgesehen von meinen Familienmitgliedern - um Freunde, deren Bekanntschaft sich über genug Jahre erstreckt, um in meine Kind- und "Basti"-Zeit hineinzureichen, die den Spitznamen sozusagen aus Tradition heraus benutzen.

Ein anderer Grund, warum ich "Basti" als ungeeignet für mich erachte, ist der, daß es viel zu viele Sebastians auf Erden gibt, die allesamt von Freunden und Eltern "Basti" gerufen werden und somit den unschönen Schluß zulassen, daß sei, die Sebastians in Wirklichkeit meinen wunderschönen - verkürzten - Namen trügen, also ebenfalls Bastian hießen, ohne die befremdliche Vorsilbe.

Jedoch bin ich derart beschaffen, daß ich nicht wünsche, mit den vielen Sebastians dieser Welt in einen großen Basti-Topf gesteckt und dort verrührt zu werden, sondern erachte meinen Vornamen für weniger gewöhnlich und wesentlich schöner als das lapidare "Sebastian".
Könnte ich es also erwirken, richtete ich ein, daß jeder Sebastian auch "Sebasti" gerufen werden sollte, um der Gerechtigkeit Tribut zu zollen und mir sowohl meinen Namen als auch meinen Spitznamen zu lassen.
Derlei wird jedoch nie geschehen, weswegen ich es vorziehe, nicht "Basti" gerufen werden zu wollen und jedem Spitznamensuchenden empfehle, kreative Gedanken fließen zu lassen, um sich eine Spitznamenalternative zu ersinnen.

Tatsächlich gab es in meine Vergangenheit auch von "Basti" abweichende Spitznamen [Ich vermeide absichtlich das Wort "Kosenamen", da ich dieses mit "liebkosen" assoziiere und mich ekle, wenn ich bedenke, daß auch Personen, von denen ich niemals auch nur annähernd so etwas wie eine Liebkosung erhalten möchte, Spitznamen nutzen.], die allerdings zumeist wenig kreatives Potential bargen.

Zwar kein wirklicher Spitzname, aber doch ein häufig vernommener Zuruf war [und ist] "Brillenschlange", und längst vermag ich nicht mehr zu zählen, wieviele Male ich diese lächerlich-humorlose, durchweg unkreative Beleidigung vernahm, die befremdlicherweise auch in der Gegenwart noch Bedeutung zu haben scheint.

Nicht minder unkreativ ist, aus "Basti" das Wort "Spasti" zu formen und es zum Spitznamen zu deklarieren. Als ich das erste Mal mit dieser Bezeichnung konfrontiert wurde, hatte noch keine Ahnung, was ein Spasti eigentlich sein soll, reagierte dementsprechend gleichgültig. Und erst nachdem ich so oft "Basti-Spasti" genannt wurde, daß es mir schon wieder egal war, erfuhr ich von der Bedeutung dieses unlustigen Reims. Allerdings war ich längst abgestumpft und kümmerte mich nicht mehr drum.

Ein Freund meines Bruders, mit dem ich in meiner Kindheit zum Leichtathletiktraining ging, neigte dazu, mich "Bas" nennen zu wollen, hielt es wohl für besonders clever, meinen Vornamen auf eine Silbe zu reduzieren. Zwei Mal erklärte ich ihm, daß ich kein Musikinstrument sei. Beim dritten Mal erläuterte ich ihm, daß er, wenn er es noch einmal wagen würde, mich so zu nennen, eine scheuern würde - was ich dann auch tat. Ohne Konsequenzen übrigens - abgesehen davon, daß ich seitdem nie wieder "Bas" hieß.

Während des Studiums handelte ich mir den Spitznamen "Blacky" ein, der mich immer an "Black Beauty" erinnerte und mir dementsprechend mißfiel. Jemanden, der regulär schwarze Kleidung trägt, als "Blacky" zu bezeichnen, hielt und halte ich übrigens auch nicht unbedingt für einfallsreich, was regelmäßige Gesichtsentgleisungen meinerseits verursachte, sobald meine Ohren mit diesem alberne, anglophilen Spitznamen in Berührung kamen.
Ursprünglich war es nur einer, ein kaspriger Unsympath, dessen Schnodderschnauze ständig dergleichen entwich, doch alsbald übernahm ein durchaus erträglicher Mitstudent, selber stets schwarz gekleidet, den vermeintlich amüsanten Spitznamen und wurde fortan zum Adressat eines sporadischen Grummelns aus meiner Kehle.

Mich in einer Magdeburger Community anmeldend und dort einige Bekanntschaften schließend erwirkte ich, daß mir auch in der Wirklichkeit ["... dort, wo der Pizzabote herkommt."] der Nutzername "stormrider" anhängt und nachgerufen wird. Erstaunlicherweise erregte dies ausgesprochen wenig Mißfallen meinerseits, vermutlich, weil die stetige Iced-Earth-Assoziation in meinem Kopf erträglich war.
Als weniger erträglich erachte ich allerdings die gern benutzte Verkürzung auf "Stormi", die mich nicht nur so fühlen läßt, als wäre ich zu einer der lustig-blauen Schlümpfe mutiert und dürfte mich neben Schlaubi und Torti in eine Reihe stellen, sondern auch die Frage aufkommen läßt, ob Namensabkürzungen überhaupt sinnvoll sind, ob die minimale Abkürzung, das Weglassen weniger Buchstaben eine solche Mühen-Ersparnis mit sich bringt, daß es gerechtfertig ist, das Risiko einzugehen, das Gegenüber könnte sich womöglich gar nicht darüber freuen, mit diesem Titel versehen zu werden.

Tatsache ist nämlich, daß ich meinen Vornamen durchaus mag und daß ich sieben Buchstaben nicht für zuviel erachte, um vollständig ausgesprochen zu werden, insbesondere weil im persönlichen Gespräch eigentlich eher unüblich ist, jemanden direkt mit Namen anzureden.

Hinzu kommt, daß "Bastian" in meinem Umfeld bereits ein Eigenleben entwickelte. Laufe ich mit einer Eistüte in der Hand gegen eine Glasscheibe, fahre ich extra Hunderte Kilometer zu einer Hochzeit, um am Ziel festzustellen, die festlichen Kleidungsstücke vergessen zu haben, verliere ich mein Portemonaie ausgerechnet dann, wenn es ausnahmsweise mal 150 Euro beinhaltet, ... - dann habe ich mal wieder einen Bastian produziert, eine der Situationen, die durchaus typisch für mich sind und somit mit meinem Vornamen bezeichnet werden dürfen.

Und als ich gestern Abend eine Meinung zu meinen Fred-Comics einholte, erfuhr ich, daß selbige durchaus "bastianisch" seien - was ich selbstverständlich als Kompliment erachtete.

Ich verwehrte mich nicht gegen Spitznamen, Kosenamen, nicht gegen Bezeichnungen, die auf irgendeine meiner Eigenschaften anspielen und amüsant gemeint sein sollen, doch ist "Bastian" meinem Denken ein Name, den ich mag und achte, der also nicht unbedingt durch minderwertige und unkreative Titulationen ersetzt werden braucht.

Ich heiße Bastian. Und das ist gut so.

[Im Hintergrund: Janus - "Auferstehung" --- "Du verlierst dich in mir..."]

FFFfF: Raus!

Eigentlich bin ich viel zu müde, um überhaupt noch irgendetwas Sinnvolles auf die Reihe zu bekommen. Trotzdem vollendete ich soeben das letzte Panel des heutigen und zehnten Frederick-Comicstrips, ohne auffallende Fehler einzuflechten.

Ich zelebriere also fröhlich die heute erreichte Zweistelligkeit und hoffe das Beste für Freds Zukunft...

Nun werde ich erstmal versuchen herauszufinden, welche Geräusche sich in meinem Kopfkissen verstecken.
Gute Nacht und so.


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P.S.: Es sei noch schnell erwähnt, daß ich mich durchaus ein bißchen darüber freue, die Handlung [sofern man das derart bezeichnen darf] der letzten beiden Comics fortgesetzt zu haben...

[Im Hintergrund: Stillste Stund - "Blendwerk Antikunst" --- Merkwürdigerweise erhielt ich das Album heute per Post, obgleich es erst am 04.10 veröffentlicht werden wird. Ich bin verwundert, genieße aber die Klänge und denke nicht daran, mich zu beschweren...]

Mittwoch, 28. September 2005

Fettwabbel

Mir fällt gerade auf, daß ich - wäre ich nicht mit einem Körper gesegnet, der keinerlei Gewichtszunahme zuzulassen scheint - ein geeigneter Kandidat für Mega-Übergewicht-Wegen-Übermäßigen-Frustfressens wäre...

[Im Hintergrund: Cradle Of Filth - "Cthulhu Dawn"]

Albernes

Albern, im Herbst, während windiger, regnerischer Tage, sein Auto aufgrund allgemeiner Parkplatznot unter einem prall fruchtbestückten Kastanienbaum parken zu müssen.

Albern, einen "Babynator"-Pappaufsteller in einer Videothek auf Anhieb von hinten zu erkennen, bloß weil man sich an eine auf dem Filmplakat betrachtbare Ente erinnert und deren Silhouette ohne Zögern identifizierte.

Albern ist, durch den Regen zu eilen, vor selbigem hinfortzueilen und dabei aufgrund tropfenüberfluteter Brille und mangelhafter Fußwegbeleuchtung sämtliche Pfützen zu übersehen, hineinzustolpern und sich von unten noch mehr zu befeuchten, als es der Regen vermocht hätte.

Albern ist, den Korb mit dem Bücher-Hefter-Lernutensiliar so an dem beaufsichtigenden und nach verbotenen Lebensmitteln suchenden Bibliothekseingangswächter vorbeizutragen, daß der eigene Körper jeden mißtrauischen Blick in das Korbinnere verwehrt.

Albern ist, für einen Augenblick zu glauben, man sei in einem Computerspiel gefangen, bloß weil man am Morgen ein Taschentuch vom Schreibtisch geklaubt hat und nun bei Ankunft in der Universitätsbibliothek [Ich kürze das Wort nur nicht mit "Uni-Bibo" ab, weil ich - wie bereit aufgefallen sein dürfte - lange Wörter mag.] feststellen muß, daß man sich mit irgend etwas Schmierig-Schleimigem am Rucksack besudelt hat und eben jenes Taschentuch so auffällig gut gebrauchen kann, daß es sich dabei unmöglich um einen Zufall handeln wird, sondern von einem lustigen Programmierer genau so geplant worden sein muß.

Albern ist, daß natürlich ausgerechnet in dem Augenblick, da man sich dazu entschloß, die Pause zu beenden und endlich weiterzulernen, eine Universitätsbibliotheksbesuchergruppe an meinem Tisch vorbeiwatschelt und dementsprechend geräuschintensives Ablenkungspotential mit sich führt.

Albern ist, wenn in der Bibliothek nun doch die Nase läuft und ein Taschentuch fehlt, weil es für Schleimentfernungszwecke genutzt wurde. Der Glaube an die eigene Existenz innerhalb eines Computerspiels, in der jeder Gegenstand eine Bedeutung hat, wird zugleich zerrüttet und aufgebaut. Zerrüttet, weil das Taschentuch seinen Einsatz hatte, aber trotzdem noch gebraucht wird; aufgebaut, weil man sich wohl hätte vorausschauend entscheiden müssen, welcher Taschentucheinsatz die meisten Bonuspunkte bringen wird: Schleim oder Rotz.

Nicht minder albern ist der Gedanke, eine völlig unbekannte im Regal eifrig nach geeigneten Büchern stöbernde Besucherin mutwillig und dezibelstark zu erschrecken, um ihren sicherlich störenden Schluckauf zu beseitigen...

[Wird vielleicht fortgesetzt.]

P.S. Albern ist übrigens auch meine wenig emanzipierte Word-Rechtschreibprüfung, die das Wort "Besucherin" nicht kennt und durch "Besuchern" ersetzen will.

[Im Hintergrund: Stillste Stund - "Golem" --- Eigengedankenbetäubung durch musikalischen Krach...]

Frühaufstehertag

Es mutet schon ein wenig albern an, daß ich, der nicht unbedingt zu jenen zählt, die zu nächtlicher Stunde aufwachen und außer Haus gehen wollen/müssen, ausgerechnet am ersten sachsen-anhaltinischen Frühaufstehertag tatsächlich früh aufstehen muß.

Der Tag an sich ist auch albern. Bloß weil einer statistischen Erhebung folgend Sachsen-Anhalter [Heißen wir so? Oder "Sachsen-Anhaltiner"?] neun Minuten früher aufstehen als der Deutschland-Durchschnitt, nämlich 6.39 Uhr [ich habe keine Ahnung, wann ich - von heute abgesehen - das letzte Mal derart zeitig aufstand.], öffnen heute alle beteiligten Läden, Geschäfte, Behörden, Bibliotheken und Museen in S-A neun Minuten früher.

Supi.

Eine derart lächerliche Statistik außerdem zum Aufhänger einer ganzen Werbekampagne ["Land der Frühaufsteher"] zu nehmen, ist nicht albern, insbesondere weil diese neun Minuten auch symbolischen Wert haben und aufzeigen sollen, daß in S-A schon immer alles etwas eher erfunden, gefunden, entdeckt, bedacht etc wurde.

Nun ja, wenn es nach mir ginge, würde ich noch einmal zu Bett gehen und nicht eher wieder aufstehen, bis es Zeit wird, die Mensa aufzusuchen. Dann kann ich immer noch was erfinden. Ein Perpetuum Mobile 2. Art beispielsweise.

FFFfF: Das Gegenmittel

Zu einer für mich doch recht ungewöhnlichen Uhrzeit präsentiere ich - müde, verschlafen und wenig begeistert von den kommenden Stunden - den neunten Comicstrip von Fred, der albernen Fledermaus.

Ich gestehe, daß irgendwelche Leserwünsche diesmal unberücksichtigt blieben, abgesehen von meinem eigenen, die Handlung des gestrigen Comics ansatzweise fortzusetzen.

Fiel Spaß und so.


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Dienstag, 27. September 2005

Alberne Alliterationen im Alltag

"Ach ja, dieser scheußliche Schneeschieber..."
[Gemeint ist selbstverständlich nicht das Kaltwasserdepositionswerkzeug, das vowiegend in winterlichen Jahreszeiten Gebrauch findet, sondern der gruftigen Gestalten {Schon wieder eine Alliteration! - Was für eine verrückte Welt.} vorbehaltene Tanzstil, der den Eindruck erweckt, man kehre mit den Füßen Schnee vor sich her.]

"Ich mutiere mal eben zum bösartigen Badblockierer."
[Innerhalb einer Fünfer-WG ist Rücksicht vonnöten und somit auch eine solche - zugegebenermaßen leicht übertriebene - Ankündigung.]

[Im Hintergrund: Deine Lakaien - "Follow Me [acoustic]" --- "In my garden follow me / I will hunt you 'round the tree..."]

Morgendlicher Ohrwurm 34: Gartenspaziergang

Erstaunlich ist, wenn man [scheinbar] ohne äußere Einflüsse erwacht, auf die Uhr blickt, die behauptet, man hätte noch dreißig Minuten bis zum penetranten Aus-Dem-Bett-Läuten Zeit und feststellen darf, daß man sich bereit fühlt, schon jetzt, nicht erst in einer halben Stunde, dem Tag zu begegnen.

Nicht minder erstaunlich ist, wenn man aufgrund einer physikalisch unmöglichen Zwei-Körper-am-selben-Ort-zur-gleichen-Zeit-Situation das Bad nicht betreten kann und all die zeitverschwendenden Lernverzögerer [inklusive Zeugs-In-Die-Schüssel-Milch-Und-Honig-Drauf-Frühstück], die man sonst nach dem Duschen stundenlang auf sich selbst anwendete, schon vorher, innerhalb von 15 Minuten erledigt und nun nur auf die Bad-Vakanz und das anschließende, eigene Zur-Bibliothek-Streben wartet.

Errstaunlich ist es auch, gleich nach dem Erwachen festsellen zu dürfen, daß gleich zwei Lange-Nicht-Gehört-Ohrwürmer die beiden Hörorgane in Anspruch zu nehmen scheinen, beide - selbst unsittlich gemischt - angenehm tönen und den Tag mit wohlig geformten Hintergrundklängen begrüßen - und das, obwohl selbiger unter dem Schatten eines dunklen Morgen-Sterns steht.

Und während das Wasser auf den eigenene Schädel einstürzt, singen die Gedanken immer wieder die gleichen Zeilen...

"Ja ja ja, ich bin ein Blender
und verschwinde mit der Zeit
der Rest der Welt war schon vorher da
ich verschwinde mit der Zeit
dort wo die Nacht anfängt zu schrei'n..."

[aus: Selig - "Ich Geh Nochmal Spazieren"]

und

"She´s the one I adore
she´s the one..."

[aus: Chamber - "In My Garden"].

FFFfF: Sonnenaufgang

Und wieder erfülle ich Leserwünsche. Ich bin toll.

Tatsächlich jedoch erfolgte die Erfüllung eher zwanglos und nebenbei.
G hatte erwähnt, daß ihm die Comicsprache zusagt, daß also "Flatter", "Brems" und Konsorten immer wieder ein Lächeln zu entlocken imstande sind. Daher [und weil ich es sowieso beachsichtigte] findet die Comicsprache auch in diesem Strip Einzug.

Und weil ich gerade am Schwafeln bin, erwähne ich auch, daß es mir ein wenig leid tut, die Lesenden mit meiner - zuweilen unschönen - Handschrift belästigen zu müssen. Ich gebe mir durchaus Mühe, bin aber nicht bereit, das Individuelle gegen eine standardisiert-langweilige, nachträglich in die Sprechblasen [bzw. Sprechrechtecke] einfügte Schriftart einzutauschen.

Vorerst bin ich auch noch nicht bereit, die sicherlich etwas alberne Angewohnheit, alles per Hand auszumalen, gegen eine computergenerierte Füllung auszutauschen [... auch wenn ich heute schon wieder einen neuen Edding zu erwerben hatte ...]. Schließlich möchte ich die fertigen, unschätzbar wertvollen Comic-Originale auch in der Hand halten und versehentlich verlieren können...

Doch nun zum heutigen Werk, dem achten Fred-Comicstrip, zu dem ich eigentlich nichts weiter erwähnen möchte als den albernen Umstand, daß ich beim Betrachten des dritten Bildes [=Panels] stets das Bedürfnis habe, den kleinen Fred tröstend in die Arme nehmen zu können...

Und so.

Fledermaus Fürst Frederick von Flatter:
"Sonnenaufgang"



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[Im Hintergrund: Slut - "Easy To Love" --- Es muß ja nicht immer evil sein...]

Montag, 26. September 2005

Tageswort Nr. 27: Befindlichkeiten

Weil es mir, nachdem ich es heute morgen niedergeschrieben hatte, im Kopf herumgeisterte, nicht losließ und selbst so schöne Begriffe wie "Rechteckhohlleiter", "Lastimpedanz", "Harnstrahler" und "Yagi-Uda-Antennen" mit seiner andauernden Präsenz übertönte, weil es mir im Schädel herumspukt, ohne daß ich mich dessen erwehren kann, wage ich nun den Versuch, mich von ihm zu breifreien, indem ich es kurzerhand zum heutigen Wort des Tages [auch wenn selbiger gleich beendet sein wird] küre:
"Befindlichkeiten".

Erstaunlich an diesem Wort, wenn man davon absieht, das es nicht gewillt ist, mich loszulassen, erscheint mir, daß es einen negativen Beigklang mit sich trägt, obwohl - zumindest in meinen Augen - Befindlichkeiten [selbst negative], insbesondere wenn sie in ansprechender Form geäußert werden, durchaus etwas Schönes darstellen können, auch wenn sie einen selbst nur peripher [oder gar nicht] berühren...

[Ich sollte mir abgewöhnen, in meine Schreibe derart viele Unterbrechungen einzufügen, daß ich mich anhöre wie ein verkorkster Politikerimitator auf der Suche nach dem längsten und unverständlichsten Satz ever.]

[Im Hintergrund: Agathodaimon - "After Dark" --- Ich wundere mich, jetzt erst zu bemerken, daß "Blacken The Angel" ein netter Album-Titel ist...]

Relevanzfragen

Sich in den letzten Tagen immer wieder dabei zu ertappen, nach unzähligen themenverbundenen, aber irrelevanten Einleitworten und übervielen ausschmückenden, sätzverlängernden, angeblich klärenden, jedoch eher unbedeutenden Nebensatzteilergänzungen [Wortkonglomerat aus "Nebensätzen", "Satzteilen" und "Ergänzungen"] die Phrase "Aber darum geht's nicht." einzuflechten und anschließend genau diese Zwischenbemerkung mit verdächtig gerunzelter Stirn zu überdenken, weil sie die antwortferne Frage erzwingt, worum es denn sonst ginge...

[Im Hintergrund: Janus - "Die Tage Werden Enger" --- erneut feststellend, daß Janus geniale Meisterwerker sind und jederzeit genossen werden dürfen...]

Ein Lob [mit vielen Klammern]

Auch auf die [nicht zu unterschätzende] Gefahr hin, daß sie [oder eine ihrer Freundinnen] dies [möglicherweise auf der Suche nach einem aktuellen Fred] zu Gesicht bekommen wird, kann ich nicht umhin zu gestehen [Ich glaube "gestehen" trifft es nicht ganz...], daß mich meine Mitbewohnerin [selbst nach drei gemeinsam verwohnten Jahren] immer wieder in [durchaus angenehmes] Erstaunen zu versetzen [und zuweilen gar meine Bewunderung zu erheischen] vermag.

Eben noch [Das "eben noch" bezieht sich auf einen undefinierbaren Punkt in nicht allzu naher Vergangenheit] bestätigte sie mir [blödelnderweise], daß es überflüssig sei, einem Hund [oder einem ähnlichen Wesen] mitzuteilen, er sei jetzt fällig [aus welchem Grund auch immer], weil er sich dessen [wenn auch mit veränderter Schreibweise] durchaus [mehr oder minder] bewußt sein sollte, da platzt sie kurz darauf [Das Gesprächsthema hatte bereits andere Regionen beührt.] plötzlich mit einem [durchaus nachdenkenswerten] Satz heraus und beeindruckt mich [nachhaltig]:

"Ohne die Massenmedien gäbe es keinen globalen Terrorismus."

[Obgleich eine dieses Thema betreffende Diskussion sicherlich nicht uninteressant werden würde, beschränke ich mich in diesem {mit persönlichen Befindlichkeiten vollgestopften und weltverändernde Ansätze meidenden} Weblog auf die schlichte Erwähnung des obigen Satzes.]

[Im Hintergrund: Opeth - "Silhouette"]

FFFfF: "Keine Eier"

Mehr oder minder unbewußt folgte ich zwei Wünschen meiner geschätzten Mitbewohnerin, als ich den heutigen Comicstrip zeichnete:
1. Fred sollte endlich mal [wieder] "bergab", also fledermausmäßig kopfüber, in der Gegend hängen.
2. Würmer [oder zumindest einer] sind Pflicht. Die fetzen nämlich.

In der Hoffnung, daß der Rest der Geschichte nicht minder fetzt, verzichte ich auf längere Vorreden und präsentiere den siebten [Ist das Wort "siebten" nicht viel schöner als "siebenten"?] Teil des "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comics.

Und so.


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[Im Hintergrund: Tool - "Die Eier von Satan" --- "... und keine Eier!"]

Sonntag, 25. September 2005

Zwischen uns

"Die Welt berührt mich nicht.", täusche ich Sorglosigkeit vor.
Meine Lüge ist wahr, in diesen Momenten steht die Welt still, treibt fernab meiner Gedanken durch ein fremdes Universum.

Die Furcht liegt in meinen Augen, verborgen, verbirgt ein Flackern, Sehnsucht vielleicht, vielleicht noch immer Liebe. Meine Hand zittert, als ich mir eine Strähne aus der Stirn streiche.

"Weißt du noch...?"

Der Anfang eines Satzes glüht auf meiner Zunge, brennt sich in meine Sinne, wünscht, ausgesprochen, in den stillen Raum geworfen zu werden. Zu gern wüde ich dich erinnern, mich erinnern, wiederholen, was ich oft, zu oft, sagte - und längst nicht mehr weiß.

Ich recke das Kinn fröhlich nach oben, als könnte ich den mich überschwemmenden Sorgen Widerstand leisten, als könnte ich noch für weitere endlose Momente den Kopf über Wasser halten, mich retten, bis ein neuer Tag, ein neues Leben anbricht.

Du durchschaust mich, spürst die Schatten wartender Tränen in meinen Worten, bemerkst die Falschheit meines Lächelns, weißt um die bleichen Finger, die einen Augenblick zu lang in der Luft verharrten, als wollten sie zu dir enteilen, lang Vermißtes wiederfinden.
Du betrachtest mich, als ahntest du die Fragen, die in mir schlummern, die vielen Worte, die längst den Äther eroberten und irgendwo zwischen uns verstarben, betrachtest mich, als wärest du keinen endlosen Tag, keinen Ewigkeit, durch die Ferne geeilt.

"Es geht mir gut.", lüge ich und zerfalle in Gedanken.

Du schweigst, und ich bemerke traurig die unausgesprochenen Spuren, die Zeichen an der Wand, die andere Namen tragen, entsinne mich meines Wissens, entsinne mich der Gegenwart, schüttle langsam mit dem Kopf, als könnte ich sie vertreiben.

"Mir auch.", flüsterst du.
Jede Silbe wiegt Tonnen, hängt wie grauer Regen im Raum, ergießt sich kalt in mein Denken.

Du lächelst nicht, und ich verstehe. Ein trauriges Spiel, das wir spielen, wissend und negierend zugleich.

'Bist du glücklich ... ?', liegt es mir im Sinn, ein lauerndes Tier, das in seinem Versteck verharrt, nicht wagt, herauszustürzen, aus Angst, die Beute könnte zu groß, zu gewaltig, sein. Kein "Ja." bin ich zu ertragen bereit, kein "Nein." wird von deinen Lippen gleiten.

Ich seufze, um die Stille zu vertreiben, blicke dir in die Augen. Keine Furcht. Bedauern vielleicht. Ein mattes Glitzern, als könnte ich...

Du drehst den Kopf weg, blickst aus dem Fenster, durchdringst dein Bild im Glasspiegel, starrst in das lichtlose Dunkel der Nacht, als könntest du dich, uns, dort finden, eine Antwort vielleicht auf meine niemals erklingende Frage.

"Vielleicht sollte ich ...", will ich beginnen, doch verharre stumm, vergesse meine Worte in meinem freudlosen Lächeln.
"... gehen.", ergänzt du, fast lautlos, lächelst verloren, greifst meine zitternde Hand.

Ich spüre den Regen durch meine Gedanken rauschen und finde kein Lächeln mehr, das ich dir schenken könnte.

"Bleib.", hauchst du.
Tränen zeichnen glitzernde Spuren auf deine Wangen. Meine freien Finger folgen ihnen, wischen sie zärtlich fort, als heilten sie ein Stück Vergangenheit.

"Erinnerst du dich...", frage ich nun, und du nickst, beißt dir auf die Lippen, versuchst zu lächeln, während weitere Tränen dein Antlitz benetzen.

"Bleib." hauchst du noch einmal und stürzst, der Wirklichkeit entfliehend, in die Obhut meiner Wärme.

Blog-Remix: "Die Begegnung mit der Glasbausteinfrau"

Das Wochenende stand vor der Tür, und die Leere im heimischen Kühlschrank hatte bereits existenzbedrohliche Formen angenommen. Ich schielte auf meine Uhr. Die Zeiger schienen hämisch zu grinsen: Kurz vor Acht.
Ich hatte nichts anderes erwartet.

Vermutlich würde ich, selbst wenn deutsche Geschäftsbetreiber irgendwann die staatlich tolerierte Möglichkeit erhalten sollten, täglich für 24 Stunden ihre Ladenpforten zu öffnen, es trotzdem irgendwie schaffen, erst auf den allerletzten Drücker, erst im letztmöglichen Augenblick, durch die lichtschrankenunterstützte Glastür meines favorisierten [weil nahegelegenen] Einkaufmarktes zu stürmen und in zielorientierter Hast die mehr oder minder nahrhaften Lebensnotwendigkeiten aus den bereits geleerten Regalen zu klauben.

Ebenfalls zu erwarten war, daß ich erst vor den in Kürze schließenden Lebensmittelgeschäftstüren feststellte, daß sich der für den vorübergehende Besitz eines Einkaufwagens notwenige Plastikchip in einer anderen Hose, in einem anderen Rucksack oder in einem anderen Leben befand und daß zugleich ein "echtes" Eurostück in den überschaubaren Tiefen meines Portemonaies unauffindbar blieb. Selbst durch eifrige Geldwechselversuche [inklusive eines zwar mühsam aufgebrachten, aber dennoch eigentlich überzeugend-freundlichen Lächelns] ließ sich keinerlei passender Ersatz auftreiben.

Seufzend, den regulären Riten eines freitagabendlichen Last-Minute-Einkaufs folgend, krallte ich mir also die nächstbeste Pappe - wissend, daß sie letztendlich doch zu klein sein würde - und begann, durch die neonlichtüberfluteten Gänge zu pirschen, um mir und meinem pelzig-parasitären Mitbewohner das Wochenend-Überleben zu sichern.

Um mich herum wuselten gesichtlose Menschenmassen, zumeist - ebenso wie ich - Opfer ihrer eigenen DummTrägheit, standen im Weg, redeten zu laut oder waren einfach nur viel zu "da", um erträglich zu sein. Für einen Moment wünschte mir nichts sehnlicher als einen blinkenden, neonroten Stirnaufdruck "Misanthrop", der jedem menschähnlichen Wesen in meiner Nähe die unmißverständliche Bitte um einen gehörigen Maximal-Sicherheitsabstand in den tumben Schädel hämmern würde.

Ich schüttelte langsam den Kopf, als könnte ich dadurch die wirren Gedanken verscheuchen.
'Schnell raus hier.', dachte ich und tilgte die letzten Geräusche um mich herum mit dem wütenden Elektrogitarrenkrach aus meinen Kopfhörern. Die Welt verstummte, als ich die Lautstärke maximierte, und ich hob amüsiert einen Mundwinkel.

Der Pappkarton war zu klein. Das begiff ich schon nach wenigen Metern, schon nach wenigen, eilig in meinem Arm zusammengerafften Lebensmitteln. Die Pappe war zu klein und würde, sobald ich nicht mehr genügend achtgab, sobald ich meine Aufmerksamkeit anderen Dingen zuwendete, unter ihrer Last zusammen-, oder besser: auseinanderbrechen. Auch das war zu erwarten.

Und während ich darum kämpfte, die einzukaufenden Produkte einerseits trageoptimal innerhalb des Kartons anzuordnen, andererseits diesen mit beiden Händen formstabilisierend zu stützen, bemerkte ich eine ältere Frau, die am Ende des Ganges stand und sich verwirrt umsah, als wäre sie von hundsgemeinen Außerirdischen in diese fremde Welt abgesetzt und hier zurückgelassen worden.

Sie war klein, doch nicht klein genug, um übersehen zu werden. Und trotzdem schien es, als hätte sie eine Sphäre unsichtbarer Unnahbarkeit um sich herum errichtet, als würde jeder in ihrer unmittelbaren Umgebung versuchen, diese möglichst schnell wieder zu verlassen und die Frau mit größtmöglichen Ignoranzportionen zuzuschütten.

'Oh nein.', dachte ich, ahnte bereits, was kommen würde, seufzte, hoffte heimlich noch immer auf die Existenz eines wirksamen "Misanthrop"-Schildes auf meiner Stirn und setzte scheinbar unbeteiligt meinen Einkauf fort.
Die alte Frau rührte sich nicht von der Stelle, schien auf jemanden, auf mich, zu warten.

'O nein.', dachte ich nochmals und verlagerte den bereits überfüllten Pappkarton auf meinen rechten Arm.
Die Frau – ich stellte fest, unfähig zu sein, ihr Alter auch nur annähernd schätzen zu können – stand am Ende "meines" Ganges, reglos, nach vorn gebeugt, als trüge sie eine schier unerträglich Bürde.
'Ihre Brille vielleicht.', dachte ich und grinste humorlos. Ihre Brille wirkte wie ein abscheuliches, modernes Kunstwerk, "Aschenbecher-In-Kunststoff", wie ein Satz häßlicher Glasbausteine, über dem sich fettiges Haar zu einem traurigen Frisurimitat zusammenfand.

Die Frau roch, nein: stank, nach Schweiß, nach Schweiß und Urin.
Ich seufzte, mal wieder, war schon Schlimmerem begegnet.

Vorsichtig versuchte ich, ihr auszuweichen, wie alle anderen den Blick abzuwenden, war schon fast vorbei, als ich versehentlich mit meinem Karton ihre für diese heißen Temperaturen völlig unpassenden Klamotten streifte. Sie blickte auf, ohne überrascht zu wirken, und sprach mich an:
"Entschuu-uu-u-u-ldigu-u-ung?

Ich sparte mir einen weiteren Seufzer, jeden "Ich hab's ja geahnt."-Kommentar und den Gedanken an mein dringend notwendiges Stirnschild und zerrte die Kopfhörer aus meinen Ohren.
Leise klirrten elektrische Gitarren in die muffige Ladenluft, vermischten sich mit dem kaum wahrnehmbaren Hintergrundrauschen menschlicher Anwesenheiten.
'Warum ist keiner von denen hier?', fragte ich mich wütend, 'Warum ausgerechnet ich und warum ausgerechnet heute?'.

Meine Gedanken beiseite schiebend, klebte ich den bestmöglichen Versuch eines Lächelns auf meine Lippen und erkundigte mich vorsichtig:
"Ja?"

Erst beim zweiten Versuch verstand ich sie. Ihre Stimme war leise und brüchig, als traute sie sich nicht zu reden - oder hätte es lange nicht getan.
Hinter übergroßen Glasbausteinbrillengläser blickten zwei Augen hilfesuchend zu mir hoch.

'Es stimmt.', stellte ich mitleidig fest, 'Mit dem Alter werden wir wieder zu Kindern.'
Die alte Frau war beinahe wieder im Embryonalstadium angekommen, schien allein kaum lebensfähig zu sein, blickte mich an, als wäre ich ihre Krücke, ihr rettender Engel am Rande des Abgrunds.

Nun war auch ich zum Teil ihrer Sphäre, ihrer Aura, geworden. Ich bemerkte es sofort, denn die übrigen Einkäufer wichen nicht nur der alten Frau aus, sondern auch meinen neugierigen, ja herausfordernden Blicken, als wären sie dank meines selbstlosen Opfers von ihrer Helferspflicht entbunden, von ihrer Menschlichkeitsbürde befreit worden.

Fast erahnte ich das hämisch-erleichterte Grinsen in den Mundwinkeln der Vorbeigehenden, die Belohnung für ihre stupide Ignoranz anderen gegenüber, das Glück, sich aus allem heraushalten zu können, sich nur um ihre eigene Nichtigkeit kümmern zu müssen.
"Schönen Dank, ihr Idioten.", schimpfte ich - lautlos natürlich.

Weder die Blindheit der Vorbeigehenden, noch die unerträgliche Hilflosigkeit der alten Frau, ihre offensichtliche Bedürftigkeit trugen dazu bei, meine ohnehin unerträgliche Laune zu verbessern..
Doch ich lächelte tapfer, als die alte Frau an meinem Ärmel zupfte und ein kaum vernehmbares Flüstern aus ihrer Richtung meine Ohren suchte.

In überteuerte Designerkleidung gehüllt eilte ein hochgewachsenes Wichtigtuerpaar vorbei. Während die Frau ihrer urtypischen Geschlechterrolle nachging, Nahrungsmittel und andere notwendige Utensilien zusammenzusuchen, beschränkte sich das Männchen darauf, den sich füllenden Einkaufwagen zu schieben und mit abschätzendem Blick die Umgebung zu mustern.
"Das gibt was zu erzählen." schienen seine sonnebrillenverhüllten Augen zu sagen, "Im Aldi finden sich immer irgendwelche Freaks." Und mit höhnischem Grinsen schaute er zu mir, zu uns, herüber, als wären wir soeben dem Kuriositätenkabinett eines Zirkus' entlaufen.
Ich bedachte ihn mit dem finstersten Blick, den ich auf die Schnelle auftreiben konnte, und wandte mich wieder dem Stimmchen zu.

"Entschuu-uu-u-u-ldigu-u-ung?", tönten - beinahe lautlos - die Glasbausteine neben mir ein weiteres Mal.

"Ja?", fragte ich geduldig, "Was denn?"
Ich beugte mich nach unten, um ihr brüchiges Stimmchen besser vernehmen zu können.
Sie lächelte scheu und flüsterte stockend: "Sha-a-aaampooo...?"

Man mußte schon blind sein, um das Shampoo zu übersehen. Ihre Aschenbecherglasbausteine schienen nicht nur abschreckend unattraktiv, sondern auch absolut wirkunsglos zu sein.
Wir waren dem Haarwaschmittel derart nahe, daß ich es schon riechen konnte. Nun ja, beinahe, war doch die Umgebungsluft geschwängert vom markanten Eigenduft der alten Frau.

Diesmal konnte ich den Seufzer nicht unterdrücken, bückte mich und präsentierte ihr die drei möglichen Sorten, auf die die Sortimentsauswahl glücklicherweise beschränkt war.
"Shampoo?", fragte ich, laut und deutlich, als stünde ich vor einem geistig zurückgebliebenen Kind. Alle verfügbaren Sorten in den Händen haltend präsentierte ich ihr die zur Verfügung stehenden Alternativen:
"Hier: Gegen Schuppen. Für Normal und leicht fettend. Für coloriert."

Der Fettgehalt ihrer Haare hätten ausgereicht, um das Linoleum der gesamten Aldifiliale in eine glänzende Rutschbahn zu verwandeln, doch wagte ich nicht, ihr die Shampoosorten-Entscheidung vorwegzunehmen. Lange Zeit schwankte sie zwischen "Normal" [Das "leicht fettend" würdigte sie mit fast schon damenhafter Ignoranz.] und dem Antischuppenprodukt. Entscheidungen zu treffen fiel ihr offensichtlich ebenso schwer, wie alleine einzukaufen.

"Nein.", verkündete sie plötzlich, als ich schon überlegte, wie es mir gelingen könnte, mich unauffällig aus ihrem Blickfeld zu stehlen.
"Ich nehme doch das Grüne: für Normal!", entschied sie und griff vorsichtig nach der grünen Shampooflasche in meiner Hand, als wäre sie das Unikat einer Swarovski-Kristallglaskaraffe.

"Prima.". Ich seufzte erneut [Das schien zu einer schlechten Angewohnheit zu werden.] und warf die andern Flaschen achtlos an ihre Plätze zurück.
'Überstanden.', dachte ich, rückte den allmählich schwer werdenden Karton auf meinem Arm zurecht und wollte mich verabschiedend abwenden, als ich ihr Stimmchen erneut vernahm.

"Entschuu-uu-u-u-ldigu-u-ung?", erklang es flüsternd unter meterdicken Glasbausteinen hervor. "Ist das da Duuuschgee-ee-eel?"
Kraftlos deutete sie auf die Badezusätze in 1,5-liter-Flaschen.
"Nein.", antworte ich, die letzten Reste meiner Hilfbereitschaft zusammenraffend.
"Das ist zum Baden. - Duschgel ist das hier.", ergänzte ich und zeigte auf die direkt daneben stehenden Flaschen.
"Ich nehme immer das gelbe.", half ich ihr weiter. "Das ist super für die Haut."
"Jaaa?", höre ich die alte Frau wispern, "Dann ne-ee-e-eehm ich das auch."
Und tapfer, fast stolz und mit ungewohnter Zielsicherheit, ergriff sie die gelbe Flasche und klemmte sie sich unter den Arm.

Lautlos nickte ihr zu und verabschiedete mich. Irgendwann ist auch meine Geduld erschöpft.
"Schönen Tag noch.", wünschte ich ihr - und meinte es ernst.

Die alte Frau sah mich an, blickte über ihre Aschenbechergläser hinweg und lächelte, als hätten wir jetzt ein gemeinsames Geheimnis, als verbände uns die Vorliebe für gelbes Duschgel.
Ich lächelte zurück, konnte mich dessen nicht erwehren, und fand sie - für einen Moment und mit fest verschlossenem Riechorgan - beinahe sympathisch.

Erleichtert zog ich von dannen, mit dem guten Gefühl, soeben meine tägliche Pfadfindertat hinter mich gebracht zu haben, eilte, mit dem bleischweren Karon beladen, auf dem Weg zu Kasse an den Sonderangebots-Gartengeräten vorbei. Dort bemühte sich der maskuline Teil des Wichtigtuerpaares gerade darum, einen fachmännischen Kennerblick aufzusetzen und die dargebotenen Werkzeuge kritisch zu mustern.

Höhnisch schenkte er mir sein "Freaks-Aus-Dem-Zirkus"-Grinsen, als ich ihn passierte, und ich ertappte mich, ernsthaft die Frage nachzudenken, ob der Garantieanspruch auf Spaten und Hacken verfiele, wären sie über und über mit Blut und Hirn [von letzterem allerdings eher weniger] besudelt...

Während ich noch in wohligen Gedanken schwelgte, vernahm ich hinter mir die bekannte, bröckelnde Stimme der Glasbausteinfrau, die sich gerade an Mr Wichtig wandte :
"Entschuu-uu-u-u-ldigu-u-ung?"

Ich lächelte stumm, verbarg mein Grinsen in den mit Salami-Pizzen befüllten Tiefen einer Kühltruhe.
Die alte Frau ließ nicht locker, zog Mr Wichtig an seinem teuren Designerärmel und fragte leise:
"Daaamenbiii-i-i-inden? ... E-e-e-xtra dick?"

Und für einen Moment glaubte ich zu erkennen, wie sie, die kleine, hagere, stinkende Frau, mir über ihre Aschenbecherglasbausteine hinweg schelmisch-vergnügt zuzwinkerte, während sie sich bei Mr Wichtig einhakte und ihn gnadenlos in ihre markante Aura zerrte.

Sein höhnisches Grinsen schmolz in Sekundenschnelle, wich einer ungesunden Gesichtsröte. Er rang nach Worten, doch fand keine, ließ sich willenlos von der alten Frau führen, ziehen, den neonlichtüberfluteten Gang entlang, dorthin, wo die reichliche Auswahl der Damen-Hygiene-Artikel auf ihn wartete.

Blog-Remix: "wasch.mittel.zart.bitter."

an einem freitag spätnachmittag husche ich, müde und schlecht gelaunt, noch eilig in den discounter meines vertrauens.

nur schnell noch menschen-/katzenfutter, und wein für einen ruhigen abend mit den hoheiten und herzallerliebstem.
ach ja - und waschmittel.
und brötchen fürs hoffentlich besser gelaunte frühstück, morgen.
käse?

natürlich keinen euro klein - und der einkaufswagenchip trampt wahrscheinlich per anhalter durch die galaxis oder treibt sonst was und -wo, jedenfalls ist er nicht an seinem angestammten irgendwo-platz in linus' tape- und knöllchenüberfülltem handschuhfach.

sämtliche "könnten sie eventuell 2 euro wechseln"-versuche werden im keim und durch, mich in meiner missmutigkeit um längen schlagende, mitmenschen (pah!) erstickt.

"friday i'm in love", schießen mir plötzlich "the cure" durch den kopf und in diesem moment würde ich herrn robert smith gerne eins auf die eh schon rotverschmierte fresse hauen.
(so etwas passiert mir übrigens ausserordentlich selten.)

o.k. - dann eben ohne wagen.

rein ins verhasste getümmel und schon beim zusammenraffen der ersten produkte meines begehrs erhasche ich, augenwinklig, am ende des gangs: eine kleine frau, anscheinend wahllos andere menschen ansprechend, welche sich in diesem moment sofort fluchtartig von ihr entfernen.
"oh, nee - bloß keine muttchen, jetzt", denke ich und schäme mich dabei ein bisschen, aber derzeitiger launestatus lässt einfach nichts anderes zu.

inzwischen habe ich beide arme fast voll mit geraffel meiner wahl und bin am ende des gangs angelangt:

bei muttchen.

muttchen hat kein schätzbares alter.
sie geht gebückt, als ob sie unter der last ihrer glasbausteinbrille schier zusammenbricht und möfft ein bisschen. - nach schweiss und voll ausgelasteter "tena lady".
ihr haar ist dünn und fettig. sie selbst scheint recht mager, aber unter der viel zu warmen und schlecht sitzenden kleidung kann ich das nicht mit bestimmtheit ausmachen.

und dann bin ich auch schon dran:

"entschuu-uu-u-u-ldigu-u-ung?", spricht sie mich an.

jetzt, mit dieser leisen, brüchigen stimme, erinnert sie mich an ein aus dem nest gefallenes vogelküken, das blind und verzweifelt nach seiner mutter ruft.
in diesem moment moment möchte ich dem kindchen-schema und dem helfer-komplex genauso eins auf die fresse hauen, wie herrn robert smith.

um uns herum gehen die mir bis dato nachfolgenden konsumenten sichtbar erleichtert ihren erledigungen nach.
"zum glück hat'se mich nicht erwischt", denken wohl die meisten.
"schönen dank, ihr idioten.", denke ich.
ich habe keinen bock. echt nicht.
muttchen ist jetzt wirklich das letzte, was ich brauche.

mit einem breit grinsenden - "tse - arme irre... wo ist die denn ausgebrochen..." zieht ein überstylischer schnösel mit seinem schnösel-gegenstück (weiblich) beim anblick meines stinkenden, kleinen glasbausteinvögelchens an mir vorbei. (es ist ja übrigens grade wieder total "in", "schnell nochmal" bei aldi einzukaufen, aber auf die kö nimmt man die tüten anschließend immer noch nicht mit)
in ermangelung eines kragens knirsche ich nur mit den zähnen, statt ihn platzen zu lassen.

"entschuu-uu-u-u-ldigu-u-ung?", piepst es wieder neben mir.

ich gebe auf.

"ja, was denn?", frage ich das muttchen, dessen alter ich beim anblick ihrer über meinen katzenfutterbepackten arm lugenden augen nun überhaupt nicht mehr einschätzen kann.
sie seufzt erleichtert auf und piepsbrüchelt: "sha-a-aaampooo...?"
das shampoo steht direkt vor uns im regal. unten.
offensichtlich helfen die glasbausteine auch nicht mehr.

ich seufze ebenfalls, nehme, unter anwendung kunstvollster akrobatik, jeweils eine der drei shampoo-sorten aus dem regal und halte sie ihr hin: "shampoo? - hier: gegen schuppen - für normal und leicht fettend - für coloriert."
mir ist die einzig mögliche antwort klar, doch muttchen schwankt erst noch bedächtig zwischen gegen schuppen und normal (das und leicht fettend lässt sie beschämt aus).
"nein. ich nehme doch das grüne: für normal!", entscheidet sie sich schließlich doch und nimmt mir ganz vorsichtig ihre favorisierte flasche aus der hand, als wärs ein edelstein.

"prima.", seufze ich und schmeiße die anderen packungen wieder zurück.
grade will ich "tja dann..." sagen und weitergehen, als sie wieder ansetzt:
"entschuu-uu-u-u-ldigu-u-ung? ... ist das da duuuschgee-ee-eel?", piepst sie und zeigt auf die badezusätze in 1,5-liter-flaschen.
"nein.", antworte ich. "das ist zum baden. - duschgel ist das hier." (ich zeige auf die flaschen direkt daneben.) "ich nehme immer das gelbe - das ist super für die haut."
"jaaa?", flüstert muttchen und: "dann ne-ee-e-eehm ich das auch."
fast stolz greift sie nach der gelben flasche und klemmt sie sich unter den arm.

"schönen tag noch.", wünsche ich ihr nun und muttchen lächelnd mich an, über ihre brille.
als hätten wir jetzt ein tolles geheimnis.
ich muss nun doch zurücklächeln und habe sie - mir den "die-tena-ist-voll"-möff wegdenkend - fast ein bisschen gern.

ziehe von dannen. - am schnösel vorbei, der grade mit gegenstück gartengeräte begutäugt, die rücken dekadent und abwertend zum toilettenpapier gedreht, das direkt gegenüber aufgebaut ist.
er lächelt mich an, während ich an ihm vorbeigehe. - mit diesem "tja, einer muss es ja machen"-blick, für den ich ihm... (aber das denkt ihr euch sicher schon).

keine minute später höre ich, betont unauffällig über die tiefkühltruhe gebeugt, wie muttchen den schnösel fragt:
"entschuu-uu-u-u-ldigu-u-ung?
daaamenbiii-i-i-inden? ... e-e-e-xtra dick?"

fast glaube ich, dass sie mich, klammheimlich und über ihre glasbausteine hinweg, schelmisch anblinzelt, während sie sich bei ihm einhakt und ihn - mitsamt seiner schlagartig aufsteigenden gesichtsröte - richtung damen-hygiene-artikel zieht.

["wasch.mittel.zart.bitter." entstammt der Feder der geschätzten Rebella und existiert auch als Audio-Variante.]

Blog-Remix: Vorwort

Es ist soweit. Heute werden die Ergebnisse des von Herrn Bandini initiierten Blog-Remixes veröffentlicht.
Den Vorgaben entsprechend werde ich nun beide Texte, das entzückende Original "wasch.mittel.zart.bitter." von Rebella und meinen Remix veröffentlichen, auf daß ein vergleichender Blick möglich werde.
Und tatsächlich empfehle ich, auch wenn diversen Lesern das Original nicht unbekannt sein dürfte, sich mit Hingabe beiden Texten zu widmen. Es lohnt sich.

Da jedoch dieser Weblog-Eintrag so eine unerträgliche Länge erhalten würde, erdreiste ich mir, ihn zu zerstückeln, in "Vorwort", "Original" und "Remix" dreizuteilen.
Es sei mir verziehen.

Weniger verzeihbar ist allerdings mein ankündigendes Geschwafel, wenn es denn kein Ende nimmt.

Daher verbliebt mir nicht weiter, als eine angenehme Lektüre zu wünschen und vergnügt in mich hineinzugrinsen.

FFFfF: Mobiles Musikabspielgerät

Das bisherige Schema durchbrechend, bei dem stets zwei Comicstrip zueinandergehörig waren, präsentiere ich heute den sechsten Fred.

Nach ein paar Real-Life-Kritiken habe ich festgestellt, daß Publikumsbefragungen wenig sinnvoll sind, sagt doch jeder etwas anderes.
Die eine wünschte Vampire, hatte aber leider das zweite der ursprünglichen beiden Werke noch nicht zu Gesicht bekommen. Die nächste wünschte sich das Auftreten niedlicher Hunde und Katzen, die von der Fledermaus eingewiesen werden. Dann gab es noch eine auf persönlicher Erfahrung beruhende, durchaus spannende, Sache, bei der eine Fledermaus von einem nachts leuchtenden Swimmingpool angezogen gefühlt hatte und von dort errettet werden mußte.
Ach ja, meine Mitbewohnerin übrigens freut sich über die Comics insbesondere wegen der Würmer und wünscht - natürlich - mehr von denen.

Vielleicht inspiriert mich das alles irgendwann, vielleicht aber auch nicht. Mal sehen.

Wichtiger ist es aber vorerst, den heutigen Comicstrip aufzuzeigen, der den wunderschönen und unkomplizierten Titel
"Mobiles Musikabspielgerät"
trägt und sich - natürlich - auch um ein solches dreht...

Und so.


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P.S.: Wer den Comic nicht durchschaut [Das ist durchaus möglich. Real-Life-Erfahrungen bewiesen es.], dem sei geraten, den allerersten "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Strip zu betrachten...

[Im Hintergrund: Virgin Black - "Elegant...and Dying"]

Samstag, 24. September 2005

FFFfF: Erkältung

Nicht zuletzt um zu beweisen, daß ich auch Auftragsarbeiten annehme [und dadurch Unmengen unterstützender Gelder und Geschenke zu erwirken gedenke], freue ich mich sehr, einen Leserwunsch erfüllen zu können, hatte doch Rebella freundlichst angefragt, ob es denn möglich sei, einen Erkältungsfred zu zeichnen.

Und so präsentiere ich den fünften Comicstrip der Fledermaus Fürst Frederick von Flatter, der zugleich bei der Lektüre genesende Wirkung entfalten möge.

Und so.


[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]

[P.S.: Sollte es sich - was ich zu bezweifeln wage, aber trotzdem nicht ausschließen möchte - nach obiger Ankündigung meiner allgemeinen Auftragsannahmewilligkeit ergeben, daß ich von zahlreichen Wünschen und Bitten überschwemmt werde, bitte ich schon vorab um milde Nachsicht, falls es mir nicht gelingen wird, allen Wünschen [zufriedenstellend] nachzukommen.]

[P.P.S.: Ich bin mir dessen bewußt, daß der Veröffentlichungstermin täglich zeitiger wird. Aber keine Sorge, viel zeitiger als heute geht es fast gar nicht.
Außerdem bin ich sowieso gespannt, wie lange ich dieses tägliche Zeichnen durchhalten und wann ich das erste Mal in Verzug geraten werde...]

[Im Hintergrund: Stillste Stund - "Biestblut"]

Freitag, 23. September 2005

FFFfF: Vegetarier

Mit einem Lächeln auf und einer [leider nur imaginären] Blume zwischen den Lippen präsentiere ich den vierten Comicstrip von Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter, der übrigens nichts dagegen hat, wenn man ihn formlos Fred nennt...

Fiel Froide und so.


[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]

[Im Hintergrund: Samsas Traum - "Ach Schwesterlein im Eispalast"]

Donnerstag, 22. September 2005

Zu viele Dinge

«Es gibt zu viele Dinge.», sinniere ich in mich hinein, mit blinden Augen nach außen starrend, auf die vorbeigleitende Welt, ihre Farben und Konturen, die einzufangen ich nicht imstande bin.

«Es gibt zu viele Dinge, die es wert sind, geliebt zu werden, zu viel Schönes, Liebenswertes.»

Ich steige aus und frage mich, wie ich leben kann, ohne immerfort stehenzubleiben, innezuhalten, wieder und wieder den Augenblick einzuatmen, in mir festzuhalten, wie ich existieren kann, ohne die Augen zu schließen und zurückzudenken, mich zu erinnern an die Träume, die ich sah, an die, die bereits geschahen, die mich berührten, an die, deren Berührung ich ersehnte.

«Zu viele Dinge.», wiederhole ich sehnend, murmle ich seufzend in mich hinein, das eigene Echo formend.

Dort drüben steht sie, lächelt, betrachtet eine Ferne, die ich niemals erreichen, vielleicht noch nicht einmal erahnen kann, widmet ihre Gedanken Tausenden Welten, allesamt unsichbar für mich.

Und auch ich bin unsichtbar, hülle mich in das Mißgeschick der falschen Richtung, in die Spiele der falschen Herbstwinde, in das Gewand, das nur ich bin, bleibe stehen und betrachte sie, nun ebenfalls lächelnd.

«Einst...», erinnere ich mich und bedarf keiner weiteren Worte, keiner weiteren Bilder, um zu wissen, daß «Einst...» nur die weggeworfene Möglichkeit einer Vergangenheit bedeutet, nur ein anderer Weg, der niemals begangen, dessen Ende nie bedauert werden konnte.

Ein zaghafter Schritt sucht ihre Nähe. Im Sinn schwebt die Frage. Die Antwort naht - ein lautloses «Ja.» - und mit ihr ein rasender Storm lärmenden Metalls, der sich grau und schwer vor meine Blicke schiebt, sie meinem Denken zu entrauben sucht.

Reglos verharre ich, bleibe stehen, als wüßte ich nicht, führe den Blick nach innen.

«Zu viele schöne Dinge.», flüstere ich tonlos und gehe weiter, mit offenen Sinnen dem Leben entgegen...

[Im Hintergrund: Zadera - "Sie"]

Paradox oder was?

«Ich präferiere das Wort "bevorzugen"...»

FFFfF: Lecker!

Heute etwas zeitiger:
Der dritte "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip, wie versprochen mit geringerem Batman- und größerem Frederick-Anteil.

Und so.


[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]

[Im Hintergrund: Selig - "Blender"]

Mittwoch, 21. September 2005

FFFfF: Rettung naht

Tatsächlich gelang es mir heute, einen zweiten "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip zu vollenden und bin ein bißchen stolz, ihn präsentieren zu dürfen.

Viel Spaß und so.


[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]

P.S.: Morgen gibt es, ich verspreche es hoch und heilig, weniger Batman und mehr Frederick!

[Im Hintergrund: Nocte Obducta - "Nektar Teil I: Zwölf Monde, eine Hand voll Träume"]

Über das Doppeltaschentum

Bei niemehrschule fand ich soeben einen Beitrag über das DDT, das dem weiblichen Geschlecht vorbehaltene Mysterium des "Doppeltaschentums".

Über ähnliches machte ich mir heute in der Straßenbahn Gedanken, als ich eine kleine, dicke Frau beobachtete, die mit wollener Strickjacke, fleckiger Jogginghose und weißen Sticksocken unter unförmigen Sandalen recht nachlässig gekleidet war und einen rot-schwarz-gemusterten Rucksack trug, sich aber das Damenhafte bewahrte, indem sie ihre Handtasche [der Riemen befand sich unter denen des Rucksacks] an der Seite baumeln ließ - obwohl "baumeln" vielleicht das falsche Wort ist, krallte sie die Handtasche doch fest, als wäre zu befürchten, daß im nächsten Moment ein bösartiger Handtaschenräuber vorbeieilte, um sie ihr heimtückisch zu entreißen.

Insbesondere weil der Rucksack den Eindruck von Leere und Leichtigkeit erweckte, fragte ich mich, warum sie ihren Handtascheninhalt nicht in ihn füllte - oder ganz auf ihn verzichtete.

Vielleicht liegt die Antwort ja tatsächlich darin, daß Kleinsthandtaschen sehr damenhaft wirken und somit - ebenso wie unbequeme, hochhackige Schuhe - geschlechtsspezifizierende Akzente setzen können, wenn alle Hoffnung schon verloren scheint.

Allerdings muß ich zugeben, der Ansicht zu sein, daß eine Frau auch mit prall gefülltem Reiserucksack bepackt und schweren Springerstiefeln bekleidet sein kann, ohne an Weiblichkeit zu verlieren...

Im übrigen ist ein Freund von mir Besitzer eines Herrenhandtäschchens, etwa in der Art, wie sie auch mein Opa früher nutzte. Und jedes Mal, wenn ich ihn damit sehe, frage ich mich, ob diese Herrenhandtasche mit ihrem um das Handgelenk baumelnden Riemen alberner ist oder mein Rucksack, indem ich nur Kleinigkeiten mit mir herumtrage...

FFFfF: Begegnung mit Batman

Hier ist er also, der heutige Fred-Comicstrip. Ich gebe zu, es ist bereits nach Mitternacht, doch schwöre, ihn kurz vor 12 beendet zu haben. Leider dauerte nicht nur das Zeichnen länger als erwartet [nicht zuletzt, weil meine Stifte allesamt zu sterben scheinen], sondern nahm auch das Scannen noch ein paar Sekunden in Anspruch, weswegen ich nicht pünktlich, nicht noch am 20. September, imstande war, den Comic zu veröffentlichen.
Es sei mir verziehen.

Doch genug des Geschwafels. Bilder sagen mehr als Worte [Oder so].

20.09.2005: Begegnung mit Batman
[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]

[Im Hintergrund: VAST - "Visual Audio Sensory Theatre"]

Dienstag, 20. September 2005

Gestatten, Fürst Frederick fon Flatter.

Ich las heute von einem Comiczeichner, der jeden Tag einen Strip anfertigte und somit über zwei Jahre hinweg eine Menge Material fabrizierte.
Da ich zuweilen dazu neige, alberne Figuren aufs Papier zu bannen, dachte ich mir, daß es vielleicht nicht das Schlechteste wäre, würde ich mich an Ähnlichem versuchen, würde ich also täglich einen kurzen Strip zeichnen.

Das ist ein waghalsiges Vorhaben, doch bin ich augenblicklich sehr motiviert, gibt es doch längst eine Figur, die für derartiges in Frage kommt:
Fred, der eigentlich "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter" heißt, soll - vorerst - Hauptdarsteller in dem Selbstexperiment sein.

Fred gibt es schon ein paar Monate, zeichnete ich doch bereits zwei Strips mit ihm und sammelte ein paar zusätzliche Ideen [die ich nur wiederfinden muß]. Heute in der Bibliothek, als ich den Plan auszutüfteln begann, fielen mir zusätzliche Lustigkeiten ein, die eventuell auch verarbeitet werden könnten.

Damit mein Vorhaben aber überwacht wird, ich mich sozusagen nicht betrügen kann, und es nicht nur mir nützt, plane ich, die Comicstrips an dieser Stelle zu veröffentlichen, täglich, insofern ich dazu in der Lage bin.

Erwartet jedoch bitte keine humoristischen oder künstlerischen Genialitäten. Frederick ist relativ schlicht und mindestens ebenso albern wie ich, weswegen es durchaus sein kann, daß der eine oder andere Witz etwas platter ausfällt.

Ich hoffe, daß ich noch heute den ersten Strip vollenden werde. Mein Scanner lebt glücklicherweise wieder und wird mich dabei unterstützen.
Jedoch gibt es zum Einklang einen kleinen Vorgeschmack, die beiden bereits existierenden Frederick-Comics, die sozusagen die Geburt der Figur in die Wege leiteten.

Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter #1 [96 kB]
Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter #2 [78 kB]

Fiel Freude.

Tageswort Nr. 26: Dentalrasierer

Unter der Dusche stürzen mir stets die unsäglichsten Dinge in den Schädel, darauf bestehend, irgendwie umgesetzt zu werden. Soeben war es das Wort "Dentalrasierer", das mich nicht nur erheiterte, sondern zu weiteren, nicht weniger albernen Gedanken anregte - und daher zum Wort des heutigen Tages deklariert werden soll.

Für diejenigen unter den Lesenden, die gerade in Fragezeichenmeeren ertrinken und sich wundern, was denn ein Dentalrasierer eigentlich sein soll, halte ich auch schon die passende Erklärung parat, um sie jedem vor die Nase zu knallen, der die Kasperei noch nicht durchschaut hat:
Ein Dentalrasierer dient natürlich vorwiegend Menschen mit Haaren auf den Zähnen...
[Spätestens jetzt wünsche ich ob der Durchschaubarkeit des Witzes eine an die Stirn geführte Hand klatschen zu hören...]

Ich stelle mir vor, wie das Design herkömmlicher Naßrasierer den dentalen Bedürfnissen angepaßt werden wird, was sich insbesondere darin äußert, daß das Rasierklingenformat immens verkleinert wird, so daß die Rasierklingenhersteller und -verkäufer sich schon vergnügt die Hände reiben aufgrund der Möglichkeit, die bisherigen überteuerten Rasierklingenpreise massiv zu überbieten und die Minitur-Dentalrasierklingen erst im Familien-Vorteils-Jumbo-XXXL-Pack einigermaßen erschwinglich werden zu lassen.

Und tatsächlich ist ein solcher Dentalrasierer für die gesamte Familie anwendbar. Endlich wird eine weitere Männerdomäne erobert und gleichgestellt, wirkt es doch nun nicht länger ungewöhnlich, wenn weibliche Wesen mit Rasierern in ihrem Antlitz herumwerkeln.
[Die Unterstellung, daß vorwiegend der feminine Bevölkerungsanteil mit Haaren auf den Zähnen, sogenannten Dentalfrisuren, gesegnet ist, erspare ich mir ebenso wie die Überlegung, ob sich denn jemals Dentalfriseure etablieren können werden.]

Elektrische Dentalrasierer werden die Menschheit spalten - in diejenigen, welche die Naßrasur bevorzugen, weil schließlich das aus dem Motorbrummen eines elekrischen Rasierers resultierende Kribbeln an den Zähnen unerträglich ist, und in diejenigen, die sich gerade wegen dieses skurrilen Kribbelgeühls rasieren.

Und ich bin mir sicher, daß eine Firma wie "Braun", die sowohl in der Elektrischen-Zahnpflege-Branche als auch im Eletrische-Rasur-Bereich längst etabliert ist, keinerlei Probleme haben wird, den willigen Markt mit raffinierten Zahnbürsten zu überschütten, die zugleich Zähen zu reinigen und Dentalrasuren vorzunehmen vermögen.

Bleibt zu erwähnen, daß ich mir selbst natürlich eine solche Albernheit niemals antun werde - aber mich schon jetzt darauf freue, glücklich im Whirlpool auf dem Dach meines Geldspeichers zu liegen und in Gedanken die Milliarden zu zählen, die ich mit meiner genialen Erfindung verdiene...

[Im Hintergrund: Dreadful Shadows - "Buried Again"]

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