Samstag, 29. Oktober 2005

Weise Worte 9

Die Welt ist eine der schrecklichsten, die ich kenne.

FFFfF: So lonely

Eigentlicht sollte der heutige Comic mitten in der Nacht veröffentlicht werden. Schließlich war er bereits fertig. Doch nachts um drei fehlte mir die Energie, um mich mit anderm beschäftigen zu wollen als mit meinem Bettchen.

Doch das war gut so, entdeckte doch meine liebe Mitbewohnerin, die mir übrigens die Idee für das Liebeslied gab, einen winzigen Fehler, der noch korrigiert werden mußte.

Deswegen präsentiere ich erst jetzt, noch immer müde, aber doch guter Dinge, den 40. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comcistrip. Eine weitere runde Zahl ist erreicht! Toll.

Und so.


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[Im Hintergrund: The Dresden Dolls - "A Is For Accident"]

Freitag, 28. Oktober 2005

Tageswort Nr. 29: Klischee-Alternativismus

Soeben sah ich einen Raum, in dem überall Bilder aufgehängt angehängt und angeklebt waren, die in einer schlechten Soap [O, ein Pleonasmus.] zur Verdeutlichung eines alternativen Lebenswandels hätten herhalten können, und das einzige Wort, das mir dazu in den Sinn kam, war
Klischee-Alternativismus.

Paßt perfekt.

[Im Hintergrund: Minas Morgul - "Schwertzeit"]

Erstaunliche Ergebnislosigkeit

Erstaunlich, daß die Google-Suche nach "schlechtes liebeslied" keinen einzigen Ergebnistreffer brachte.
Dabei ist die Welt doch voll davon...

[Im Hintergrund: Selig - "Hier" --- auch hier findet sich kein einziges schlechtes Liebeslied...]

Verbrüderung

Der Versuch, sich der Wirklichkeit anzupassen, das bereits Falsche zu akzeptieren und trotzdem voranzuschreiten, die gemachten Fehler und unglücklichen Umstände, die sich stets dann zu häufen scheinen, wenn ich ein erreichbares Ziel gefunden zu haben glaube, zu beseitigen oder zu übergehen, aus den Löchern, die ich selbst schaufelte oder in die ich unfreiwillig geriet, herauszuklettern [mühsam stets], scheitert immer wieder an den alten Sorgen, die neu erblühen oder an neuen, die hämisch grinsend den alten die Hände reichen und sich mit ihnen verbrüdern.

[Im Hintergrund: Samsas Traum - "Mater Lagrimarum" --- "Was schmerzt, ist das Wissen, daß es einst anders war..."]

WG-typisch

Will ich die Toilette aufsuchen, so ist diese besetzt. Steige ich jedoch wenige Augenblicke später nackt und klatschnaß aus der Dusche [Wir besitzen zwei Bäder.], so ist niemand mehr anwesend, der auf die stürmisch läutende Klingel reagieren könnte, so daß ich selbst gezwungen bin, mir hektisch irgendwelche Klamotten überzuwerfen und - noch immer tropfend - die Stufen hinunterzustürmen, um ein Paket für meinen Mitbewohner in Empfang zu nehmen.

[Im Hintergrund: Dimmu Borgir -"Death Cult Armageddon"]

Mit uns.

Und plötzlich spricht ein bekannter Mund Worte, die seltsam und normal zugleich anmuten und mich fragen lassen, wie wirklich die Gedankenwelt ist, die ich täglich um mich baue.
"Sie hat ja jetzt einen Freund. Ich dachte immer, daß das mit euch was werden würde."

Mit uns.
Es gab Zeiten, da vermutete ich ähnlich, da sehnte ich mich danach, da interpretierte ich jede zufällige Berührung, jedes gesprochene Wort, jedes gefundene Lächeln in diese Richtung, in Richtung einer Hoffnung, deren Erfüllung, mir verwehrt wurde. Ich war nicht betrübt, nicht enttäuscht, deswegen, erwartete nahezu nichts anderes. Die Nähe, die ich erträumte, war illusorisch.

Ich interpretierte sie, die Nähe, als allgemeines Bedürfnis nach aktiv und passiv gelebter Liebe, hineinprojeziert in sie, die ein geeignetes Gefäß zu sein schien, akzeptierte ihre Ferne als Teil der Wirklichkeit, derer ich nicht Herr zu werden vermochte. Wenn ich des Nachts in die Behaglichkeit des Schlafes sank, sandte ich zuweilen einen angenehmen Gedanken in ihre Richtung, fast so, als könnte sie ihn ergreifen, in sich aufnehmen und verstehen, fast so, als wäre die Hoffnung berechtigt.

Doch das war sie nie. Ich bin, war und bleibe ein Wesen, das fremd zu sein scheint in dem Element, das ihn umgibt, das sich andere Plätze schafft, Gedanken, die über die Wirklichkeit hinausragen und mir aus weiter Ferne ein Lächeln herbeizaubern. Mein Dasein ist eine Flucht vor mir selbst und dem Heute, und jeder Schritt, den ich im Hier und Jetzt wage, erscheint mir falsch zu sein, ungute Richtungen einzuschlagen.

Sie dagegen hatte die Geradlinigkeit für sich gepachtet, wußte, was sie wollte, wußte, wie dies zu erreichen war, wußte sich nicht mit dem Bekommenen zufrieden zu geben, sondern stets Höheres, Größeres anzustreben, neuerliche Erfolge, die sie aufbauten, weiterbrachten und die Optimalbasis für potentielle Zukünfte schufen.

Wir paßten nicht zusammen. Zu oft redete ich an ihr vorbei. Sie mochte den Klang meiner Stimme, doch schien es mir, als wäre es egal, was deren Inhalt war, was zu berichten, zu bemängeln, zu bewundern ich wußte. Ich hätte ihr Geschichten erzählen können, und sie wäre mit seligem Lippenlächeln ins Land süßer Träume entschlummert. Doch das tat ich nicht.

Und auch sie redete, redete von Dingen, die ich zu oft für fragwürdig hielt, die ich mit kritischen Blicken beäugte wie ein fremdes Tier, dessen Fremdheit ausreichte, mich davon abhielt, es kennenlernen zu wollen. Ich besitze Fantasie, finde immer Gründe, etwas abzulehnen, wenn ich meine Unsicherheit verbergen, irgendeine Meinung äußern will, die ich an einem anderen Tag gekonnt zu widerlegen weiß.
Nicht alles, was sie erzählte, war in meinen Augen falsch oder ohne Belang. Zuweilen glühte ich auf, eiferte mit, fand die Worte, die aus ihrem Munde perlten und vereinigte mich mit ihnen. Ihre Augen leuchteten, und ein Weg schien gefunden zu sein.

Hin und wieder schloß ich meine Lider, um sie besser betrachten, sehen, zu können, um ihren schlanken Leib entlangzustreifen, sie heimlich in Gedanken zu berühren, ihre Haut zu liebkosen, als wäre sie leicht zerbrechlich, ihren warmen Duft einzuatmen, der mich an meine Sehnsucht erinnerte, an Worte, die ich nie sagen, Gesten, die ich nie wagen würde.

Unsere Nähe beängstigte mich. Fanden wir sie, so wollte ich sie nicht verlieren, doch verlor sie wenige Augenblicke darauf. Zuweilen verzehrte ich mich nach ihr, doch kam kein entsprechendes Wort über meine Lippen. Warum sollte ich sprechen, war doch das Mögliche fern, endlos fern. Sie würde nicht verstehen, ein freundliches Wort der Zurückweisung finden und mich meiner Träume berauben. Das wollte ich nicht, schwieg ein trauriges Lächeln in mich hinein.

Ich hatte Angst vor ihrer Nähe, Angst davor, in ihren Augen nur igendwer, einer von vielen zu sein, denen sie die gleiche Nähe zu schenken bereit war. Für mich bedeutete sie etwas; doch was bedeutete sie ihr? Ich wußte es nicht, konnte es nie in Erfahrung bringen, wollte nicht, aus Furcht, den zarten Glanz meiner Sehnsucht für ein zerspittertes Fragment geborstener Gedanken aufgeben zu müssen.
Was konnte schon passieren? Zuviel, das zu ertragen ich nicht bereit war.

Und ich wartete, wartete auf ein Zeichen, irgendetwas, das Gewißheit verkündete, mich einen Schritt aus meinem Versteck hervorwagen ließ. Doch ihre Nähe war flüchtig, kurz nur, wie ein warmer Sommerwind, der vorüberzieht, einen wohligen Geschmack auf der Haut hinerläßt, die Idee von etwas Größeren, das nie geschehen wird. Ihre Worte waren klar und stark, ließen die ersehnte Spur, das ersehnte Zeichen vermissen.

Ich fragte nicht, ließ irgendwann auch meine Träume sterben.

"Ich dachte immer, daß das mit euch was werden würde."
Wenn andere, Außenstehende, derart dachten, warum wurde es nichts? Lag es an mir? An ihr? An uns? Waren wir einander aus dem Weg gegangen, aus Angst, uns ineinader zu verlieren? War das Schweigen nur ein Warten auf das gegenseitige Zeichen gewesen? Ich weiß es nicht.

"Sie hat ja jetzt einen Freund. "
Ich beruhige mich. Es lohnt nicht, weitere Gedanken über verronnene Möglichkeiten auszugießen, lohnt nicht, das Gewesene zu hinterfragen, auf der Suche nach einer Spur, die genausogut meinem Geist entsprungen sein kann.

Es wäre nichts geworden, versuche ich mir einzureden, doch höre mir nicht zu. Warum auch? Sie ist fern und wird es bleiben. Ich dagegen verweile hier, als wäre ich tief verwurzelt in vergifteter Erde.

FFFfF: Eiskalt

Der Versuch, auf die Erstsemesteranfangsparty der Geisteswissenschaftler zu gehen, scheiterte daran, daß erstaunlich viele Erstsemestler [und andere] sich dazu entschlossen hatten, sich geduldig in die Reihe der vor dem Eingang Wartenden einzugliedern und sich von der Aussicht auf Ausgelassenheit innerhalb der Gemäuer so sehr verlocken ließen, daß sie nicht umhin konnten zu ignorieren, daß sie sich minutenlang keinen Zentimeter nach vorn bewegten. Wir, G und ich, stellten uns ebenfalls an, gaben aber schon bald auf und kehrten in heimatliche Gefilde zurück, so daß ich schon jetzt, zum Anbruch des neuen Tages die Welt mit einem aktuellen Fred-Comic beglücken kann.

Fiel Froide.


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[Im Hintergrund: Samsas Traum - "Nostalgia"]

Donnerstag, 27. Oktober 2005

Datendiebstahlsmöglichkeiten

Der Datenschutz unserer Universitätsbibliothek ist ein befremdlicher Phänomen. Der zufällige Finder [oder weniger zufällige Dieb] eines modernen Magdeburger RFID-Chip-Studentenausweises vermag nicht nur den darauf geladenen Geldwert in der Mensa oder am Kopierer ungefragt verprassen, sondern auch unzählige Bücher auf den fremden Namen aus der Universitätsbibliothek entleihen, ohne daß jemand mißtrauisch die Nase rümpft. Denn das identifizierende Paßfoto [das übrigens bei mir sechs Jahre alt ist und demnach meinem heutigen Ich nur teilweise ähnelt] interessiert die Bibliotheksmitarbeiter unterstützenden Ausleihautomaten nicht im Geringsten.

Benutze ich einen der vielen zur Verfügung stehenden Bibliotheks-Katalog-Rechner, um auf meinen Namen Bücher vorzubestellen oder zu verlängern, so wird mir empfohlen, das mit den persönlichen Daten vollgestopfte Fenster zu schließen. Benutzt dann der nächste Nutzer denselben Rechner und will auch er persönlichere Anwendungen ausführen, so werden ihm beim Einloggen die bisher, von den Vorgängern genutzten Bibliotheksausweisnummern zur Auswahl angeboten. Ich weiß nicht genau, wozu das dienen soll, doch ist es auf jeden Fall hilfreich, wenn man diese Information mißbrauchen will. Schließlich entspricht das Standardpaßwort in der Universiätsbibliothek den ersten vier Buchstaben des Nachnamens - und die meisten Studenten sind zu faul, selbiges abzuändern. Ein kurzer Blick auf einen fremden Ausweis [oder die zufällige Kenntnis des Nachnamens des Besitzers] in Kombination mit der Beobachtung, an welchem Rechner er seine Bücher verlängert oder neue bestellt hat, genügt, um - mit einem Quentchen Geduld, sich in das persönliche Bibliotheksnutzerkonto eines anderen einzuschleichen. Mißbrauch fällt leicht; persönliche Daten liegen hier offen.
Viel kann nicht passieren, das gebe ich zu, kann man doch auf dieser Ebene wenig mehr machen als zu verlängern oder zu zu bestellen. Doch dem gewitzten Datendieb wird schon etwas einfallen, wie er sich diese Informationen profitabel zunutzen machen wird.

Klinge ich paranoid? Mag sein. Wahrscheinlich sogar. Schließlich habe ich heute beobachtet, daß ich nach einer Anfrage im Bibliothekskatalog entweder das Fenster stets schließe und neu öffne, damit meine Anfrage für den Nächsten nicht mehr nachvollziehbar wird, oder daß ich Pseudo-Anfragen starte, die nichts mit dem zu tun haben, was ich wirklich suchte. Es ist erschreckend, sich dabei zu beobachten, wie man unbewußt jeden verdächtigt, mit den eigenen Daten Unsinn treiben zu wollen.
["Bloß weil ich nicht paranoid bin, heißt das nicht, daß ich nicht verfolgt werde..."]

[Im Hintergrund: Die Schröders - "Silver Surfer"]

FFFfF: Winter

Ich bin müde. Deshalb gibt es heute kein Vorwort. Ätsch.


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[Im Hintergrund: Janus - "Vater"]

Mittwoch, 26. Oktober 2005

Es werde Licht...

Als ich den Raum betrat, war es noch dunkel. Geistesabwesend tastete nach dem Lichtschalter, fand ihn, fand einen weiteren. Und noch einen. Verdutzt halte ich inne, vergrößere den Türspalt um das fahle Flurlicht einzulassen.

Ich entdecke fünf Schalter, vier davon Doppelschalter. Jalousien, elektrisch kippbare Fenster - und fünf Mal Licht. Die Beschriftungen sind wirr und unverständlich.

Ich lasse es klicken, mehrmals, durchschaue das System schnell. Es folgt einer Logik, die leicht nachzuvollziehen ist. Vorn, Links Mitte, Rechts Mitte, Links Hinten/Vorn, Rechts Hinten/Vorn.

Und mit einem Grinsen stiehlt sich ein Gedanke in meinen Kopf: Wie wäre es, eine ähnliche Raumbeleuchtung zu installieren, bestehend aus unzähligen [Neon-]Leuchten, die über eine von der Leuchtenanzahl verschiedene Menge Schalter gesteuert werden können.

Doch darf hinter der An- und Ausklickerei keinerlei erkennbare Logik stecken. Betätigt man Schalter 1, so kann es passieren, daß Lampe 1 erstrahlt. Genauso gut können aber drei oder vier beliebig im Raum verteilte Lampen zu leuchten beginnen. Oder gar keine.

Die anderen Schalter, die allesamt mit unnützen, kyptischen Beschriftungen ["Süd-Süd-Ost-Mitte-Links", "Regenbogensonne", "Nicht drücken", "Licht", ...] versehen sind, folgen natürlich anderen, aber gleichsam undurchschaubaren Gesetzen wie Schalter 1.

Und dann möge es dunkel sein und lichtsuchende Raumbetreter anfangen, mit den Schaltern zu kämpfen und ihnen die Optimalbeleuchtung zu entlocken. Wie ein hämischer Blubberkasten würde ich danebenstehen und in mich hinein grinsen...

[Im Hintergrund: Dorn - "Schatten Der Vergangenheit"]

FFFfF: Herbst

Da ich zu der üblichen Comic-Veröffentlichungszeit, kurz nach Mitternacht beim Anbruch des neuen Tages, bereits versuchte, mich unter Decken zu begraben und durch Träume zu wandeln, gibt es den 37. "Fledermaus Fürst Frederick fön Flatter-Comicstrip heute zu einer recht ungewöhnlichen Uhrzeit. Ungewöhnlich für mich natürlich, der schon monatelang nicht mehr um diese Uhrzeit aufzustehen brauchte. Es ist schrecklich.

Andererseits ist es aber auch gut. Ich habe mich durchgerungen, eine wahrhaft unschöne Vorlesung für ein nicht minder unschönes Fach, durch dessen Prüfung ich bereits einmal rauschte, zu besuchen [Ja, bei uns gibt es so etwas, auch bei einer Vorlesung für das 8. Semester: Vorlesungsbeginn morgens kurz nach sieben.], mich meiner Abneigung zu stellen, etwas lernen, verstehen zu wollen - und mein Gesicht und somit meinen guten Willen dem Vorlesenden/Prüfenden zu zeigen.

Wenn ich nach Hause kommen werde, wird es bereits halb elf sein, vermute ich, also ungefähr die Uhrzeit, zu der ich normalerweise aufgestanden bin, gesättigt und geduscht vor dem Rechner sitze und jeden Internetzeitvertreib [Blogs lesen, Mails checken, Nachrichten durchgehen....] abgearbeitet habe.
Danach könnte ich mich meiner Studienarbeit widmen, sowohl sonst als auch heute. Der Tag ist dann noch jung...

Nun ja.


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Dienstag, 25. Oktober 2005

Ablichtung

An der Straßenbahnhaltestelle begegnen sich zwei Menschen. Nichts Ungewöhnliches soweit, doch es ist offensichtlich, daß der einen Hälfte der an dieser Begegnung Beteiligten selbige unangenehm ist.

Sie kennen sich, vermute ich, doch nicht gut, gerade gut genug, um über ein Thema reden zu können. Handball. SCM. Bundesliga. Heimspiele. Champions-League.

Person A, er sieht aus wie ein Günther ["Mit T-H, bitte."], trägt eine Brille, die in intelligenter wirken läßt als seine Worte klingen. Er lispelt ein wenig, und seine Kleidung erweckt den Eindruck, daß sie den Körper bedecken, nicht irgendwie aussehen muß. Die braune Cordhose soll mit ihren unzähligen Taschen vielleicht modern sein, deformiert aber Günthers Körper noch mehr als seine graue, stillose Jacke.

Person B, ein forscher Kerl, ich nenne ihn Ralf, freut sich sichtlich über die Begegnung. Seine Stimme ist laut und biergestählt. Die hochgewachsene Gestalt kompensiert die Rettungsringe, die sich unter einer Jeansjacke verstecken. Jeans scheint sowieso das zu sein, was Ralf am liebsten trägt, und betrachtet man seine sportliche Erscheinung, so könnte man meinen, daß das zu ihm paßt.

Ralf ist selbstsicher, er lacht grob, begrüßt den fast eingeschüchterten, mit leiser, sprachfehlergequälten Stimme antwortenden Günther überschwenglich, legt gleich los mit dem Gespräch, dessen Thematik minutenlang in demselben, einseitigen Brei herumdümpelt.

Ralf ist ein begeisterter SCM-Fan, ist mit seinen Kumpels bei jedem Spiel dabei, trinkt dabei gern die Menge Bier, die es braucht, um lauthals seine Meinung in der vollbesetzten Sporthalle kundgeben zu können, wenn der Scheiß-Schiri mal wieder Mist baut.

Günther ist eher der rationale Typ. Er ist zu alt, um sich noch zu ändern, steckt fest in seinem langweiligen Beruf, in seinem sich wiederholenden Tagwerk, das er nun gerade beendet hat, als er Ralf begegnet - ünrigens zum ersten Mal seit langer Zeit, denn außer Handballfreuden teilen die beiden nichts.

Vermutlich wirken bei ihm zwei Bier Wunder, dann läßt er sich gehen, schließt sich Leuten wie Ralf an, brüllt seine Ansichten umher und darf mal kurz alle Bedenken beiseite werfen. Er mag Ralf nicht sonderlich, doch er mag Handball, und er mag es, sich mit Ralfs Kumpanen zu einer Gruppe zugehörig, stark fühlen zu können.

Und weil er in der Halle hin und wieder die Sau rauslassen, sich selbst vergessen, kann, hat er sich eine Jahreskarte besorgt. Denn wie alle gebeutelten Deutschen muß er sparen und hat flink errechnet, daß er, wenn er für jedes Spiel einzeln löhnt, wesentlich mehr zu bezahlen hat als mit einer Jahreskarte.

Günther ist stolz auf seine schlauen Überlegungen, stolz auf seine Jahreskarte, und kann dadurch etwas berichten, das Ralf, der immer alles zu wissen glaubt, noch nicht weiß. Ralf schaut verdutzt und fragt nach dem Preis einer solchen Jahreskarte.
Der stolze Günther, dem Zahlen eigentlich sehr lieb sind, freut sich, die Antwort geben zu können, nennt irgendeine krumme Zahl, die Ralf schnell wieder vergißt. Zu hoch, zu viel Geld, das auf einmal ausgegeben werden müßte.

"Hast du eigentlich 'nen Spielplan?", fragt Ralf, der sich um solche Sachen erst kümmert, wenn sie ihm einfallen. Günther dagegen ist bestens vorbereitet auf die neue Saison, nickt stolz.
"Kannste mir einen mitbringen?", fragt Ralf, der nicht einmal daran denkt, daß es außer Günther sicherlich leichtere Wege gibt, einen Spielplan für seinen Lieblingshandballverein aufzutreiben.

"Nee.", antwortet Günther leise, "Ich hab nur einen."
"Machste mir ne Ablichtung?", fragt Ralf, und es klingt fast wie ein Befehl.

[An dieser Stelle stutze ich. Das Wort "Ablichtung" als Synonym für "Kopie" begegnete mir noch nicht häufig.]

Günther nickt, doch ist verwirrt. Er weiß nicht, wohin er die Kopie schicken soll, will aber sein Unwissen nicht zugeben. Er kennt Ralf doch schon so lange, allerdings ohne zu wissen, wo er wohnt oder wie er heißt.
Doch Ralf hilft ihm aus der Patsche:
"Bringste mir dann mit, die Ablichtung, ja? Beim nächsten Spiel. Wir sehen uns ja dann."

Erleichtert nickt Günther erneut. Kein Ort, keine Uhrzeit ist ausgemacht. Die Bördelandhalle faßt 8.000 Zuschauer, aber Günther weiß, wo er Ralf finden wird. An der Bar, rechts vom Eingang, wie immer. Zusammen mit seinen Kumpels.

Eine Straßenbahn nähert sich.
"Das ist meine.", sagt Günther und deutet auf die Bahn. Ralf nickt, muß in die andere Richtung.
"Wir sehen uns ja dann.", verabschiedet er sich und überquert die Gleise.

Als die Bahn hält, steigt Günther ein, ein wenig zu hastig. Das Gefährt schließt die Türen, bewegt sich, fort von Ralf, der zu laut, zu fröhlich, nüchtern kaum erträglich ist, der alles besser zu wissen glaubt, aber doch nicht recht hat.

Hinter der Straßenbahn wird Ralf kleiner und kleiner, verliert seine Bedeutung. Günther schiebt seine Brille hoch, doch blickt nicht zurück.
Als die Bahn an der nächsten Haltestelle stoppt, steigt er aus und gesellt sich zu einer gesichtslosen Gruppe schweigend Wartender.

[Im Hintergrund: Ensiferum - "Ensiferum"]

hier

verweilte ich noch immer hier

auf diesem bitterschwarzen stuhl
dessen holz mein antlitz zerfetzt
dessen ritzen meine tränen sieben

in diesem bilderleeren raum
dessen balken mein denken spalten
dessen fenster grau nur zeigen

in diesem atemkalten jetzt
dessen stille mein rückrat bricht
dessen schweigen durch die augen kriecht

verweilte ich noch immer hier

so vermißte ich die brennenden schwingen
so träumte ich von bebender ferne
so verlöre ich mich längst.

[Im Hintergrund: Ensiferum - "Iron"]

Über die Schönheit

Nicht was Schönheit ist, wie sie erwirkt werden kann, sondern wozu, aus welchem Grund, es sie gibt, sollte hinterfragt werden.

Evolutionstheoretische Grundlagen, die schon in fachliterarischen Genialitäten wie "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" Erwähnung fanden, bieten eine scheinbar ausreichend erklärende Lösung: Wer schön ist, wirkt anziehender, hat größere Chancen auf einen Partner seiner/ihrer Wahl und somit auf Nachwuchs. Schönheit könnte also ein Mittel der Natur sein, eine den Sinnen vorgegaukelte Narretei, sein, die einzig und allein der optimierten Fortpflanzung dient. Hielten wir und jedoch an Darwinsche Prinzipien, so müßten nun, nach Millionen Jahren menschlicher Evolution, auf diesem Planeten paarungswillige Schönheiten umherspazieren, soweit das Auge reicht. Das jedoch trifft keineswegs zu.

Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Das läßt die Schlußfolgerung zu, daß die Natur [Es ist befremdlich, von der Natur als ein denkendes, mit Zielen und Bewußtsein ausgestattetes, übermächtiges Wesen zu schreiben.] eine weitere Narretei ausheckt, nämlich beabsichtigt, ebenfalls der besseren Fortpflanzung dienend, Menschen zusammenzubringen, deren zusammengewürfeltes Erbgut die kommende Generation im Vergleich zur derzeitigen verbessern soll. Finden sich also zwei Menschen, die einander als schön empfinden, so mag es tatsächlich sein, daß ausgerechnet diese beiden aufeinandertreffen mußten, um gemeinsam besseres Erbgut zu schaffen.

Doch das klingt zu schön, um wahr zu sein. Denn was ist mit dem allgemeinen Sinn für Schönheit, mit dem wir Menschen bestückt sind, jener, der uns in gemeinsamer Euphorie die Schönheit von Models, Schauspielern oder Popstars bejubeln läßt - oder einfach nur dafür sorgt, daß mehrere Jungs eines Alters gleichzeitig in das klassenstufenschönste Mädchen verliebt zu sein glauben?
Betrachten wir Menschen, Dinge, so können wir Urteile über deren Schönheit bilden. Und auch wenn dieses zuweilen geringfügig voneinander abweichen, läßt sich doch feststellen, daß es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt, daß also der Mensch ein bestimmtes Bild von Schönheit mit sich herumträgt.

Wie läßt sich das erklären? Wozu dient dieses Bild?

Wenn man bei obiger Annahme bleibt, daß zwei evolutionär optimal zueinander passende Wesen einander als schön empfinden, so hieße das doch, daß es, betrachtet man die Anzahl offenkundig schöner Wesen auf diesem Planeten, unzählige Kombinationsmöglichkeiten gibt. Daß dabei jedesmal das Optimum an Genen der nachfolgenden Generation zu erwarten ist, darf also bezweifelt werden.

Hinzu kommt, daß Schönheit hochgradig oberflächlich ist. Sicherlich ist es möglich, vielen Menschen den Umfang ihrer Intelligenz auch äußerlich anzusehen, doch kann Schönheit im allgemeinen keine Aussage über Intelligenz und "innere Werte" machen, was vermuten läßt, daß diese Faktoren bei der Schaffung künftiger Generationen, dem Plan von Mutter Natur folgend, keine Rolle spielen müssen, oder daß die Theorie der durch Schönheit unterstützten, optimalen Partnerfindung schlichtweg Unsinn ist.

Welcher Zweck birgt also die Existenz von Schönheit? Dient sie einfach nur der Freude, die sie beim Betrachter auslöst, dem Gefühl, an etwas Größerem, vielleicht Göttlichem teilhaftig zu werden?
Wohl kaum. Götter sind von Menschen geschaffen worden - nach dem Vorbild der Schönsten unter ihresgleichen. Und die Freude, die Schönheit bewirkt, vermag sie auch zu rauben - sobald der Blick in den Spiegel oder auf das eigene Schaffungstalent bezeugt, im Vergleich zu Schöneren/Schönerem minderwertig zu sein bzw Minderwertiges zu schaffen.

Denn Schönheit ist nicht grundsätzlich positiv. Sie und ihr Gegenteil sind bedeutsame Teile diskriminierender Anschuldigungen und Maßnahmen. Schönheit wird gleichgestellt mit Göttlichkeit, mit "Gut-Sein". Wer schön ist, stellt etwas Besonderes dar. Der Trugschluß liegt nahe, daß alle anderen, oder gerade jene, deren Äußeres jegliche Schönheit vermissen läßt, gottesfern und schlecht seien - und demnach Grund gäben, das Unwohlsein, das ihr unschöner Anblick auslöst, mit eigener Schlechtigkeit zu spiegeln.

Hinzu kommt der Aspekt der Wandelbarkeit der Schönheit. Denn das Bild, das Menschen von Schönheit mit sich herumtragen, ist nicht nur durch allgemeine Vorstellung oder die eigene Sicht auf die Welt bestimmt, sondern auch durch etwas wie Zeitgeist, durch temporär auftretende Merkmale, Eigenschaften, die von den Menschen dieser Epoche als schön erachtet werden - obgleich Vergangenheit und Zukunft anderes behaupten.
Es ist also nicht nur die Frage, wofür es Schönheit überhaupt gibt, sondern warum es nötig ist, daß sich das Bild der Schönheit über die Jahre, Jahrhunderte, wandelt.

Nicht minder interessant ist die Frage, warum sich Menschen darum bemühen, das eigene Äußere zu optimieren, einem derzeit geltenden Schönheitsideal anzupassen. Um sich selbst zu gefallen? Um anderen zu gefallen?
Doch wenn jeder sich verbessert, bleiben dann die schönheitsspezifischen Unterschiede zwischen den Individuen nicht gleich?
Und wenn es gelänge, jeden Menschen mit perfekter Schönheit auszustatten, sähen wir dann nicht allesamt identisch aus? Das kann doch kein Ziel sein, insbesondere weil dann, wenn jeder Mensch unendlich schön ist, das Bild der Schönheit sich wandelt, so daß plötzlich derjenige, dem ein Makel anhaftet, etwas Besonderes, auf befremdliche Art Schönes darstellt.
Das Erreichen von Schönheit erscheint demnach ein nutzloses Ziel zu sein.

Der einzig nutzbare Effekt, den Schönheit erwirkt [wenn man von den albernen Ehrungen besonders schöner Menschen und dem dadurch entstehenden Bekanntheitsgrad derselben absieht], ist der einer größeren Zahl potentieller Partner. Dient Schönheit also doch einer bevorzugten Partnersuche?
Doch wenn dem so ist, wenn der oder die Schöne die Möglichkeit bekommen soll, unter größerer Auswahlmenge den optimalen Partner zu finden, stellt sich noch immer die Frage nach dem "Wozu?".

Heißt die Antwort doch "Evolution"? Sind schöne Menschen die besser angepaßten, diejenigen, die es verdienen, sich fortpflanzen zu dürfen, weil nur mit ihren Nachkommen die menschliche Entwicklung vorangetrieben wird? Wohl kaum.

Ich finde keine Antwort auf die Frage, wozu Schönheit dienen soll. Und wenn es tatsächlich keine Antwort gibt, wenn der Schönheit kein Sinn zugrunde liegt, und wenn ein jeder diesen Umstand zu begreifen beginnt, wird die Schönheit an sich entmystifiziert, für nebensächlich erachtet werden. Doch das soll nicht das Ziel meiner Ausführungen sein.
Aber mich beeindruckt, daß es genügt, dem eigentlich Naheliegenden zu folgen, daß es ausreicht, den Zweck von Schönheit finden zu wollen, um mit der scheinbaren Antwortlosigkeit den täglichen Wahn, der uns umgibt, den permanenten Drang nach Schönheit, egal in welcher Form, in Frage zu stellen.

[Im Hintergrund: Mortal Love - "All The Beauty"]

FFFfF: Erschreckend

Mir gefällt es, wenn die Frederick-Comics in sich abgeschlossen sind, aber zugleich auf Vergangenes anspielen oder eine bereits begonnene Handlung weiterführen. Daher freut es mich, daß der gestrige Comic heute fortgeführt wird, wenn auch diesmal ohne auftretende menschliche Wesen.

Nicht minder freut es mich, daß ich den morgigen Comicstrip bereits begann. tatsächlich versteifte ich mich diesmal nicht darauf, Ideen unter der Dusche zu ersinnen, sondern wurde tatsächlich beim Warten auf die Straßenbahn fündig wurde. Ich danke meinem Kleinen Schwarzen Büchlein für seine spontane Aufnahmebereitschaft.

Doch bevor das Morgige eintrudelt, wir erst einmal das Heutige willkommen geheißen: Der 36. Frederick-Comicstrip.

Und so.


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[Im Hintergrund: Dorn - "Schatten Der Vergangenheit"]

Montag, 24. Oktober 2005

Duschgel

"Du kaufst Duschgel nach dessen Geruch? Das ist irgendwie typisch Frau."
"Wieso? Wonach richtest du denn deine Kaufentscheidung?"
"Nach dem Packungsdesign."

[Im Hintergrund: Otep - "Sevas Tra"]

FFFfF: Höhlenforschung

Der heutige Comic wartete schon eine Weile in meinem Kleinen Schwarzen Büchlein [und in meinem Schädel] darauf, gezeichnet zu werden. Bisher scheute ich mich, weil ich nicht so gern menschliche Wesen auf Papier banne.

Dementsprechend angstvoll ging ich die Sache an. Doch das Ergebnis erfreut mich und vermag mir sogar das Licht zurückzugeben, das ich gestern vermißte.

Fröhlichen Gemüts präsentiere ich also den mittlerweile 35. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip und verrate, daß sich irgendwo inmitten des Comics ein Wortspiel versteckt hat. Wer es findet, darf sich freuen. Der Rest natürlich auch.

Und so.


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[Im Hintergrund: Otep - "Jonestown Tea"]

Sonntag, 23. Oktober 2005

Beschaffungsmaßnahmen

Als ich einst schier unendliche Unmengen frei verfügbaren finanziellen Potentials mein Eigen nannte [Am liebsten hätte ich die Überschrift so wie den Satzanfang genannt...], stellte ich fest, daß es an der Zeit sei, exklusivem Musikgenuß in zweierlei Weise frönen zu wollen: Zum einen als ausschließlicher Konsument der tönenden Klänge, zum anderen aber auch in herausragender Qualität. Nah lag also die Entscheidung, einen nicht unbedeutenden Anteil des vielen Geldes in qualitativ hochwertige Kopfhörer umzutauschen.

Nachdem ich zunächst mit kabellosen Vertretern der Kopfhörergattung ungute Erfahrungen sammelte, entschied ich mich für ein ansprechendes Produkt der Firma Sennheiser, das mich nicht zuletzt mit austauschbarem Kopfhörerkabel beeindrucken konnte. In heimischen Gefilden war es mir von nun an also möglich, von meiner Umgebung abgekapselt Musiken in meinen Schädel strömen zu lassen, ohne andere damit zu belästigen. Schwere Gitarren dröhnten auf mich ein, Schlagzeugsoli entlockten mir ein begeistertes Lächeln - und immer wieder mußte ich mich zurückhalten, nicht mitzusingen, mitzugrölen. Anrufende waren verärgert ob meiner scheinbaren, eigentlich nur partiellen Abwesenheit, meine damalige Mitbewohnerin aber erfreut, nicht länger das Gekreisch und Gelärm ertragen zu müssen.

Irgendwann beschloß dann aber ihr knabberfreudiges Kaninchen, den Geschmack von Kopfhörerkabeln ausprobieren zu wollen und durchtrennte mit einem einzigen Haps das kostbare Kabel. Meine Freude darüber war gering, und alsbald störte mich die Lüsterklemme, die als Notbehelf durchaus funktionierte, aber aus ästhetischen Gründen keine Langzeitlösung darstellen konnte. Ich erfreute mich der damals beim Kauf beachteten Kabelaustauschbarkeit und ging frohen Mutes zum Elektronikfachmarkt meines Vertrauens. Umgehend wurde der Artikel bestellt, und wenige Tage später tauschte ich 30 DM gegen 3 Meter.

Als ich unlängst eine unerträgliche Hörgenußeinschränkung wahrnahm, mußte ich feststellen, daß das teure Kabel abermals beschädigt worden war - diesmal jedoch offensichtlich nicht durch jetzt inexistente Vierfüßer, sondern wohl durch meine Unaufmerksamkeit. '30 DM.', entsann ich mich und gewahrte die unfröhliche Leere in den Tiefen meines Geldbeutels. 'Das muß auch billiger gehen.', hoffte ich und begann das weltweite Netz nach einem Sennheiser-Kopfhörerkabel zu durchforsten.

Auf den Herstellerseiten wurde ich schnell fündig: Erstaunlicherweise verlangte der Ersatzteilshop die gleichen, teuren 15 Euro. Nebenbei allerdings auch noch unverschämt 8,90 Euro für den Versand. Das zu akzeptieren war ich nicht bereit. Leider hielten jedoch die nahezu unerschöpflichen Tiefen des Internets keine weiteren Optionen bereit - und das, obwohl ich ein Kabel mit 2,5 mm und 3,5 Klinkenstecker durchaus als nicht sonderlich ungewöhnlich einstufte.

Auf ging es also erneut zu dem mir längst vertrauten Elektronikfachmarkt, zur Reparaturannahmestelle, dorthin, wo man fröhlich meine Daten aufnahm und versprach, sich bei mir zu melden - wenn ich denn bereit war, mich von anzahlenden 5 Euro zu trennen. Ich war, und erhielt am selben Tag noch eine SMS.

'Das ging ja schnell.' dachte ich erfreut, doch mußte feststellen, daß nur weitere Informationen erbeten wurden. Ich hatte einen falschen Kopfhörertyp genannt, ein Zahlendreher, nicht Weltbewegendes, aber Grund genug für eine erinnernde SMS - und für die Postkarte, die am nächsten Morgen eintrudelte und denselben Informationsbedarf kundtat. Nachdem mich die moderne Kurznachricht, dieser Vertreter des digitalen Zeitalters, angenehm überrascht hatte, stellte die altmodische und überflüssige Postkarte eine neuerliche, aber diesmal unangenehme Überraschung dar.
Kurzerhand stiefelte ich wieder zum Elektronikfachmarkt und korrigierte freundlich lächelnd meine unrichtigen Angaben, darauf gefaßt, noch am selben Tag eine bestätigende Kurznachricht auf meinem Handy entdecken zu können.

Doch nichts dergleichen geschah. Die Wochen zogen ins Land, und der Kopfhörer verstaubte ungenutzt zwischen hölzernen Balken. Mehrmals ertappte ich meine Hand, die willig nach ihm griff, doch dann setzte stets meine Erinnerung ein, die mir verbot, mich mit den unschönen, vom defekten Kopfhörerkabel lädierten Klängen zu widmen.

Irgendwann nutzte ich mein Verweilen in der Nähe des beauftragten Elektronikfachgeschäftes für eine interessierte Nachfrage. Leider hatte ich meinen Anzahlungs-/Auftragseinreichungsschein nicht dabei, was ich bedauerte, aber nicht zu bedauern brauchte, denn der emsige Mitarbeiter unterbrach sogar ein persönliches Gespräch, um meinen Nachnamen in den Computer zu hacken und anhand meiner Kartei möglicherweise neue Informationen hervorzuzaubern. Doch die gab es nicht. "Das kann noch dauern.", wurde ich getröstet, so daß ich ohne jegliche Kopfhörerkabelbeschaffungserfolge verdrossen heimwärts zog.

Wieder verflogen die Wochen, und wieder drängte es mich, nachzuhaken, was aus meinem sehnlichen Wunsch nach einem intakten Kabel geworden war. Wieder suchte ich den in meiner Erinnerung netten Mitarbeiter auf. Wieder hatte ich keinen Anzahlungs-/Auftragseinreichungsschein dabei. Doch diesmal war er vonnöten, enorm wichtig, ja eigentlich sogar die Bedingung dafür, daß ich überhaupt Worte an den Mitarbeiter richten durfte.

Ich lächelte verlegen, wies eingeschüchtert auf den mit Daten vollgestopften Rechner, unter denen ja womöglich auch meine eigenen sein würden, gab meinen Namen kund, buchstabierte mich, begegnete der unwilligen "Na-gut-wenn's-denn-sein-muß"-Miene des Bearbeitenden mit einem morastschen "Es-tut-mir-leid-daß-ich-Sie-nerve"-Gesichtsausdruck und wartete geduldig ab, was das Ergebnis seiner schier endlosen Augenstreifzüge über den für mich nicht erkennbaren Bildschirminhalt sein würde.

'Das ist doch Absicht.', vermutete ich, 'Damit niemand merkt, was für unfähige, Stumpfsinn produzierende Mitarbeiter beschäftigt werden, dreht man die Monitore so, daß wissende Kunden keinen Blick darauf zu werfen vermögen. Vermutlich arbeitet der Elektronikfachgeschäftangestellte jeden zweiten Auftrag ab, indem er scheinbar motiviert auf der Tastatur herumklimpert, aber tatsächlich nur den paßwortgeschützten Bildschirmschoner beackert. Und wahrscheinlich hat der Kerl genau das bei meinem letzten Besuch praktiziert.'

"Wir haben Ihnen eine Postkarte geschickt.", unterbrach der wohl doch agierende Angestellte meine Gedankengänge.
"Ja, aber das ist doch schon ewig her.", reagierte ich flink. "Außerdem stattete ich Ihnen noch am selben Tag einen Besuch ab, um die vorher falschen Informationen zu korrigieren."
Mein Gegenüber sieht nicht auf, starrt suchend auf den Monitor.
'Herrscht wirklich ein solches Datenchaos in den Datenbanken?', wunderte ich mich. 'Oder ist die Bildschirmaufteilung so unübersichtlich, daß jegliche Informationen unauffindbar verschütt gehen?'

"Ach ja, hier steht's ja." Der Elektronikfachmann jubelte fast, bestätigte somit jedoch nicht nur meine Aussagen, sondern auch meine Datenbank-Chaostheorie.
"Das haben Sie sogar bei mir gemacht.", stellte er fest, "Informationen abgeändert. Auftrag nochmals abgesendet."
'Soweit waren wir schon.', seufzte ich innerlich. 'Doch ist mit meinem Kopfhörerkabel?'
"Nee, da ist noch nichts da.", zerstörte der noch immer verwirrt wirkende Angestellte meine Hoffnungen.
"Sieht schlecht aus.", setzte er noch einen drauf.

"Und nun?", wollte ich fragen, doch ich war längst am Boden zerschellt, brachte keinen Ton mehr hervor.
"Ich schick's nochmal los.", meinte der Fachmann eifrig, klickte einmal ['Einmal?', dachte ich beeindruckt und wunderte mich, warum es angesichts solcher Leichtigkeit ein solches Problem darstellte, meine Daten zu überblicken.] und schaute mich zum ersten Mal seit Äonen wieder an.

"Wir melden uns dann.", ergänzte er unpräzise, aber freundlich und verabschiedete mich.
"Tschüß.", brachte ich noch raus, und schlich enttäuscht zum Ausgang.

[Im Hintergrund: Minas Morgul - "Schwertzeit"]

FFFfF: Manifestationen

Während mein Bruder mir schonend beizubringen versucht, daß sein Interesse an Fred inexistent ist und daß meine Zeichnungen stets ähnlich auszusehen scheinen [obwohl er beteuert, daß das prinzipiell nichts Schlechtes sei, auch wenn man einen Hauch von Routine erahnen könnte], befrage ich mich selbstzweifelnd, inwieweit überhaupt Interesse an dem täglichen Comic und an der Gesamtheit meiner Internetselbstdarstellung besteht, und ob ich mich nicht belog, als ich behauptete, daß mein Schaffen in erster Linie mir selbst gilt.

Vielleicht hätte ich einfach zu Bett gehen sollen, anstatt den neuen Tag und die nächste Frederick-Veröffentlichung abzuwarten und mich mit lichtlosen Gedanken zu bestücken, die sich derzeit in meinem Kopf zu häufen scheinen, obgleich ich mich in mir lieber dorthin verkrieche, wo das letzte Quentchen Wille sich hinfloh und um seine Existenz bangt.

Die Stagnation wandelte sich zu Resignation mir selbst gegenüber, zur Feststellung, daß ich trotz der Kleinigkeiten, die anderes behaupten, an denen ich mich festkralle, irgendwann in den letzten Monaten mein Dasein verlor.


Mit leisem Lächeln prösentiere ich den 34. Frederick-Comicstrip, der die Geschichte von gestern fortsetzt, aber mit der Liebes-Thematik nicht mehr viel zu tun hat. Allerdings gebe ich zu, daß mir ein wenig die inhaltliche Tiefe fehlt.
Ich hoffe, daß der morgige [heutige] Besuch der Dusche [oder anderer, inspirativer Orte] mich kreativ aufleben lassen wird.

Und so.


[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]

P.S.: Ich habe beschlossen, das hier bei Morast übliche Frederick-Comic-Vorwort bei Frederick in Zukunft wegzulassen und im dortigen Weblog einzig und allein den täglichen Comic zu veröffentlichen.

[Im Hintergrund: Dementi - "Ich Empfinde Nichts"]

Samstag, 22. Oktober 2005

und dann...

und dann war doch noch
unter meinen nackten füßen
der abdruck eines daseins
gefüllt mit trübem naß
in dem sich ferne sterne spiegeln

und dann war da noch
der atemzug, der schritt gen heute
als das wasser sich im antlitz sammelt
regenschwer auf mich niederprasselt
den boden unter mir erweicht

und dann war da noch
der griff in die wolken
die haltlosigkeit eines weiteren versuchs
als das versunkene wesen
sich selbst vermißt

und dann war da noch
die schwarze schlange hoffnung
die jedes lächeln, das ich fand
zu narbenschrift zerreißt

und dann war da noch
[ich hatte es fast vergessen]
mein leben...

Innenstadtausrottungsmaßnahmen

Befremdlich, daß diese wenig nutzvolle Strategie zur Innenstadtbelebung noch niemanden störte:

Während größere Geschäfte tatsächlich die komplette Ladenöffnungszeitenspannweite ausnutzen und bis 20 Uhr Kunden willkommen heißen, erdreisten sich die Magdeburger Verkehrbetriebe ihre Fahrzeuge schon 19 Uhr von normaler Haltestellenanfahrhäufigkeit auf reduzierten Abendbetrieb umzustellen und somit dafür zu sorgen, daß Einkaufende nach 19 Uhr verstört und ungeduldig an den Innenstadthaltestellen warten und sich für den nächsten abendlichen Shoppingbummel vornehmen, nach 19 Uhr nicht mehr unterwegs sein zu wollen.

Daß demnach, sobald die magische 7 erreicht worden ist, das Magdeburger Zentrum aussieht, als hätten außerirdische Sonarpanzer sämtliche Lebewesen ausgelöscht und nur die vom hereinbrechenden Dunkel eingehüllten Gebäude übrig gelassen, verwundert mich nicht und läßt mich - in zunehmender Kälte auf eine nicht eintreffende Straßenbahn wartend - regelmäßig verzweifeln...

[Im Hintergrund: Otep - "Jihad"]

Selbstbefruchtung:

Wenn Medien von der Empörung der Bevölkerung berichten, aber selbige Empörung mit ihrem Artikel/Bericht erst auslösen...

[Im Hintergrund: Otep - "House Of Secrets"]

Alltagsweisheiten bezweifelnd

Der ewige Zweifler in mir meldet sich zu Wort, bekommt Stimme und Klang, als könnte er Neues berichten, Altes hinterfragend.

"Alles, was schiefgehen kann, geht schief."
In dieser Weise wird Murphys Gesetz genannt und interpretiert, ja hingenommen, als gäbe es keine treffendere Alltagswahrheit. Und doch findet der Zweifler in den wenigen Worten genug Grund zur Skepsis, um dieser Ausdruck verleihen zu wollen.

Meine Fantasiepotential ist begrenzt, kann sich sicherlich nicht mit den kreativen Hochgeistern unserer Zeit [oder vergangener Zeiten] messen, und doch fällt es mir leicht, jeder einzelnen Situation meines Daseins unzählige Möglichkeiten zuzuordnen, unzählige Dinge, die mißglücken, schiefgehen können. In jeder Sekunde stürmt eine Flut von Entscheidungen, von Alternativen, von Wegeskreuzungen auf uns ein, nur selten überhaupt wahrgenommen, doch voller falscher Richtungen, angefüllt mit potentiellen Katastrophen.

Mensch wäre erstaunt, was tatsächlich alles "schiefgehen" kann, beginnt er erst einmal darüber nachzudenken. Vorzugsweise jedoch stellt man nach einer Ansammlung unglücklicher Umstände fälschlicherweise fest, daß tatsächlich alles mißlang, was mißlingen konnte.

Allein die Tatsache, daß man zu einer solchen Feststellung fähig ist, daß also weder Gehirn noch Herz den Dienst verweigerten [von dem Rest des ganzen organischen und anorganischen Körperinhaltes ganz abgesehen], beweist, daß die goldene Regel keine solche sein kann.

Ein Satz ist mir im Gedächtnis, der mit Murphy oft in gleichem Atemzug genannt wird:
"Der Schlüssel ist stets dort, wo du zuletzt suchst." - Der Schlüssel dient nur als Beispiel für Allgemeineres, und doch neige ich dazu, ihn aufgreifen zu wollen.

Wenn man Minuten, Stunden, Tage mit verzweifelter Schlüsselsuche verbracht hat, wird man nicht mit seiner Suche fortfahren, sondern diese - erleichtert über den geglückten Fund - abbrechen.
Die letzte, zur Suche gehörige Tätigkeit war demnach das Auffinden. Der Schlüssel lag in der Schublade, in der Nische, in welcher man ihn am Ende seiner Suche entdeckte, befand sich demnach dort, wo zuletzt gesucht wurde.
Der obige Satz ist wahr, doch keinesfalls ein Murphy-Mysterium oder ähnliches, nur eine Folge des natürlichen Prozesses vom Suchen und Finden.

Ein letztes Beispiel, das ich schon zu oft beobachtete, um es nicht erwähnt haben zu wollen.
Der böse Lehrer droht damit, einen mündlichen Test an der Tafel zu vollziehen, aus der vielköpfigen Schülermasse ein Individuum herauszuzerren und vor den Augen aller nach Wissen und Nichtwissen zu beurteilen. Die Thematik ist eine komplizierte, niemand bereite sich vor. Dementsprechend unwillig ist die zitternde Schülerschar, von der jeder einzelne verzweifelt darauf hofft, daß er nicht der Auserwählte sein muß.

'Ich will nicht.', pulsiert es panisch in den wissensfernen Köpfen der Lernenden.
'Ich will nicht. Aber der nimmt bestimmt mich.'
Und dann erfindet die Schülerfantasie noch einen halbwegs plausiblen Grund, warum der böse, böse Lehrer ausgerechnet ihn bloßstellen wird, bekräftigt also sich selbst gegenüber, daß das bitter Los auf einen selbst fallen wird - und hofft gleichzeitig das Gegenteil.

Und dann ist es soweit. Der Lehrer ruft einen Namen auf. Erleichterung durchströmt alle, denen der Name nicht eigen ist. Jeder vergißt glücklich, daß er bis vor wenigen Augenblicken festen Glaubens war, selber an die Tafel zu müssen.

Nur der eine, der Auserwählte, vermag sich nicht zu freuen, schlurft vor zur Tafel und sagt sich immer wieder verbittert: "Ich hab’s doch gewußt, daß er mich dran nimmt."
Und er hat es wirklich gewußt - genau wie seine nun wieder ausgelassen grinsenden Mitschüler.

[Im Hintergrund: Arch Enemy - "Doomsday Machine"]

FFFfF: Moralpredigt

Eine Schnapszahl ist erreicht, doch bin ich an ihr nicht sonderlich interessiert. Schließlich fiele mir bei nahezu jeder Zahl irgend etwas einigermaßen Interessantes und Lobenswertes ein, um ausreichend Zelebrationsanlaß zu finden.

Auch halte ich die gegenwärtige Uhrzeit, kurz nach vier mitten in der Nacht, in Verbindung mit der gerade erst beendeten, schier endlosen Autofahrt, für keine wünschenswerte Grundlage für derlei Jubilarien.

Allerdings entbehrt es nicht einer gewissen Amüsanz [Gibt es das Wort...?], daß am 22. der 33. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comic veröffentlich wird. Hübsche Sache das.

Nicht minder hübsch ist, daß ich mir diesen Comicstrip unter dem bedrückenden Einfluß schlechter Laune einfallen ließ und mir somit eine gewisse Professionalität beweisen konnte, da meine fredericksche Schaffenskraft offensichtlich auch unter unangenehmen Voraussetzungen zu werkeln imstande ist.
Trotzdem danke ich der freundlichen Aufmuntererin, die mit Sorgenfaltenbügeleisen, Trostpflaster und Ideenkiste mein Lächeln zurückbrachte.

Merci.


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[Im Kopf: A Perfect Circle - "Vanishing"]

Freitag, 21. Oktober 2005

With eyes wide open

Es ist nichts. Nur das Gefühl, niemals die Augen schließen zu wollen, nicht zu schwinden, um aufzuerstehen, aufzustehen in ein neues, altes Morgen, nicht wieder beginnen zu müssen, nicht ein weiteres Mal das Gestern abzustreifen, die alte Hülle zurückzulassen, als wäre die neue nicht längst vernarbt und mit selbem Schürf bedeckt.

Eine stille Angst vor dem Morgen, vor dem Werdenden, und der lächerliche Gedanke, alles Zukünftige ungeschehen machen, mich jedem Kommenden verweigern zu können. Den Schlaf, die Träume meidend, als wären sie des Übels Grund, sie, nicht ich, der unter schützenden Decken dem Stillstand frönt, voranschreitet, ohne die eigenen Schritte sehen, erfassen, zu können, als liefe ich des Laufens wegen, nicht, um irgendwann anzukommen.

Die Füße schmerzen. Blei befällt die Augenlider. Fang mich doch, kichere ich dem Schlaf irrsnnig ins Gebälk, als könnte er mich hören, als könnte ich entfliehen. Vergeblich, ich weiß, doch ein stiller Trost, ein Rachefeldzug an mir selbst, fortzueilen, durch das Gestern zu hetzen, bis die Stille mich überfällt und meine Tränen von weichen Kissen absorbieren läßt.

Ich liebe dich, flüstere ich in die taube Leere, spüre die Worte im Dunkel versickern. Vor meinen geschlossenen Lidern erstarrt die Welt.

Hitler nervt

Das Erste Deutsche Fernsehen strahlte heute [eigentlich gestern, ich weiß] die zweiten Teil des Absolut-Toll-Films "Der Untergang" aus, der Milliarden Zuschauer deutschlandweit vor die Flimmerkisten zerrte und auch für kurze Zeit im Mitbewohnerinnenzimmer düster vor sich hinflackerte.
Herauseilend stellte ich fest, das nicht ertragen zu können, weniger, weil der sich in meinem Kopf befindliche Zweiter-Weltkriegs-Thematik-Überdruß die sich mir darbietenden Szenen mit nahezu blasphemischer Ignoranz zu übertünchen versuchte, sondern vorwiegend, weil mich Hitler nervte.

"Hitler nervt!" schreiend hätte ich durch den Wohngemeinschaftsflur laufen können und keiner hätte mir meine pazifistisch-antifaschistisch angehauchte Bemerkung verübelt, wäre mein Denken nicht in völlig anderen Bahnen gefangen gewesen:

Jedes einzelen Wort, das der Hitler-Darsteller sabbernd von sich gab, klang wie der Ausschnitt aus einer Rede, fast so, als hätte Hitler irgendwann vergessen, daß es ja auch zuweilen angebracht wäre, in normalem, parolenfreien Ton zu reden. Hitler, besser: Bruno Ganz, klang wie eine der unzähligen schlechten Parodien seiner selbst, nein vielmehr wie ein ideologischer verblendeter Donald Duck [Das schlechte Wortspiel, falls auffindbar, ist beabsichtigt.], so daß ich während der weniger Lauschminuten Mühe hatte, dem Geredeten Inhalt entnehmen zu können.

Daß SpongeBob-Episoden einen befriedigenden, aber keineswegs annähernd anspruchsvoller Ersatz darstellen, erfuhr ich kurz darauf, allerdings ohne mich daran zu stören oder von Patricks aufgemaltem Schnurrbart an die nervende Seitenscheitel-Comicente erinnert zu werden...

[Im Hintergrund: The Cure - "Where The Birds Always Sing"]

FFFfF: Die Liebe ...

Und dann war da noch die Frage, ob ich mir vorstellen könnte, neue Figuren einzufügen, deren Antwort ich erahnte, mit dem heutigen,
32. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip aber verifiziere.

Was bleibt, ist zu erwähnen, daß ich den heutigen Comic schon vorgestern zeichnete und mir gestern [was in meinem Kopf irgendwie noch "heute" ist] eine Ruhepause gönnte, obgleich ich sicherlich die Möglichkeit hätte nutzen können, meinen Vorsprung auszubauen.

Doch wofür? Um an anderen Tagen mehr Zeit zu haben? Um Beruhigung in einem Polster zu finden, das mich beunruhigt, weil ich die Werke endlich veröffentlichen möchte? Um meiner beeindruckenden Kreativität Ausdruck zu verleihen, weil es so aussieht, als könnte ich Comics im Fließband produzieren? Weil ich, wenn ich mehrere Werke an einem Tag schaffe, einer Thematik leichter treu bleiben kann?
Vielleicht. Doch wen interessiert's? Mich nicht.

Ich finde es verwirrend genug, in meinem mittlerweile extra angelegten Hefter [der sich in einer extra angelegten Mappe befindet] nachzuschauen, welcher Comic denn heute an der Reihe ist - nicht zuletzt weil mir der fehlende Bezug die Möglichkeit raubt, im Vorwort präzise Insiderinformationen von mir zu geben...

Nun ja.


[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]

[Im Hintergrund: The Cure - "Labyrinth"]

Donnerstag, 20. Oktober 2005

"Brief" - Eine Kurzgeschichte

Einst rief eine Zeitschrift zu einem Wettbewerb aus, bei dem eine in Hundert Jahren spielende Handlung verlangt war - allerdings in 200 Wörtern ausgedrückt. Das rang mir einiges an Wortkürzungsmühen ab - und führte letztendlich zu keinem Erfolg.
Das ist weniger schade, weil ich nichts gewann, sondern weil ich eine eigentlich gar nicht so schlechte Idee zu einem 200-Wort-Krüppel verstümmelte, um an dem Wettbewerb teilzunehmen.
Bevor ich aber diese Verstümmelung wieder umkehre [Keine Ahnung, ob das jemals geschehen wird.], gibt es den erfolglosen Beitrag zu lesen.


Der Versuch, die Gefahr abzuwenden, scheiterte längst. Die Evolution verwelkte auf ihrem Höhepunkt. Der Menschheit droht die Degeneration, der geistige und körperliche Zerfall.

Jahrelang suchte ich nach einem Ausweg, studierte, forschte - doch fand nichts. Nichts, außer dem Pfad, den ich nun beschreite.

Technik erleichtert jede Tat, plant voraus, spart Zeit, Mühe. Die Allgegenwart der Informationen erübrigt Wissen. Menschliches Denken setzt nur noch Impulse, machte sich selbst längst überflüssig. Kein Gedanke, kein Schritt, ohne unterstützende Maschinen. Selbstgenerierend, selbstoptmimierend, perfekt.

Als die AirBots die Atmosphäre renaturisierten, atembare Luft produzierten, schien auch die letzte Überlebenssorge der Menschheit getilgt.
Doch die Menschheit kränkelt. Ihr Dasein hat längst keine Berechtigung mehr. Was wäre ein Mensch ohne Maschinen?

Den OmniVirus zu programmieren, war simpel, ihn in das WorldNet einzuschleusen, nicht minder.

Warten.
Die ersten AirBots sind bereits befallen. Mit ihnen beginnt die Seuche, die digitale Sintflut. Der Rest wird folgen.
Bin ich Gott?

Das Maschinensterben setzt ein. Eine große Stille wird kommen. Ich weiß es, genieße die Vorahnung, suche Überlebende in ihr, Überlebende, die sich besinnen, die neu beginnen, einen richtigeren Weg einschlagen werden.

Ich bedaure, daß mir dieser Anblick verwehrt bleiben wird.

Grundsatz jedes Maschinenwesens: Diene dem Menschen.
Ich diene. Ich helfe.


ZX-VZ-114

[Im Hintergrund: The Dresden Dolls - "Coin-Operated Boy"]

Quietschsucht

Eine befremdliche Sucht hat mich befallen, vielleicht als Ausdruck meiner unbegründbaren Nervosität, vielleicht aufgrund meines steten Spieltriebs, vielleicht auch nur wegen des provozierend unangenehmen, zugleich aber verlockend-interessanten Geräuschergebnisses...:

"Durch fünfmaliges Drücken der Umschalttaste wird die Einrastfunktion aktiviert. Mit dieser Funktion kann die Umschalt-, Strg-, Alt- oder Windows-Logo-Taste ohne gleichzeitigen Tastendruck auf andere Tasten verwendet werden.

Klicken Sie auf "OK", um die Einrastfunktion zu aktivieren.
Klicken Sie auf "Abbrechen, um die Einrastfunktion zu deaktivieren.
Klicken Sie auf "Einstellungen", um die Tastenkombination für die Einrastfunktion zu deaktivieren.


Das Quietschgeräusch, mit dem dieses nette Popup auf dem Bildschirm auftaucht, ist genial. Zuerst erschrecke ich mich. Jedesmal.
Und dann, wenn ich mich beruhigt habe, versuche ich es erneut, mutwillig, provoziere das erschreckende Quietschen, erfreue mich daran, drücke "Esc", um den Dialog verschwinden zu lassen, und dann wieder fünf Mal "Shift". Quietsch. Ein Gesichtsgrinsen klebt zwischen meinen Ohren.

Unter "Einstellungen" fand ich heraus, daß man diese Funktion abstellen kann. Ich war so frei.
Nun bin ich zwar eines steten Schreckens beraubt, aber auch einer skurrilen Sucht...

[Im Hintergrund: Virgin Black - "Elegant ... And Dying"]

Die Zukunftsferne der Gegenwart

Fortschritt und Entwicklung bestimmen unser Weltbild. Stagnation ist nicht erwünscht, ja verschrien als ungut, als gefährlich. Der stete Wunsch, sich weiterzuentwickeln, alles neu und neuer zu machen, jede Kleinigkeit zu verbessern, zu steigern, jede Minute Produkte von beeindruckender Zukunftsnähe auf den Markt zu werfen, beherrscht uns, unser Denken und Handeln. Die Technik siegt und mit ihr der Wunsch, deren Fehler und Unzulänglichkeiten zu kompensieren, auf daß alsbald ein schickeres, handlicheres Gerät mit größerem Funktionsspektrum das aktuelle ablösen möge.

Und dann wache ich auf. Eine Kreissäge kreischt auf dem Hof ihr wildes Lied. Ich erinnere mich, am Vortag die Ladung Steine gesehen zu haben, die auf der bisher brach liegenden Fläche verlegt werden soll. M hofft auf einen akzeptablen Fahrradunterschlupf; ich selbst wage nicht zu hoffen, lausche nur dem penetranten Gesang der Säge. Ein Innenhof, in dem leiseste Handy-Klingeltöne, geflüsterte Worte und sporadisches Mülltonnendeckelklappen durch mehrfach gebrochene, reflektierte Echos in jedes offene Fenster gelangen, mit penetranter Präsenz die Eigenstille stören, erscheint in meinen Augen wenig geeignet zur Position einer Stein zersägenden Maschine. Doch was wäre die Alternative?
Straßensägen mit anschließendem Steineschleppen - eine unzumutbare Bauarbeiter-Zusatzbelastung, die besser durch Mieter-Zusatzbelastung minimiert werden sollte.

Der Fortschritt durchzieht die Gefilde unseres Daseins, technisiert jeden Schritt auf unserem Lebensweg. Doch es gibt Bereiche, die ausgespart werden, Bereiche, in denen der Versuch, zukunftsoptimierende Maßnahmen einzuleiten, nur begrenzt möglich ist. Auf dem Hof arbeitet der Bauarbeiter, und ich finde in ihm das beste Beispiel, in ihm und seinem Versuch, eine leere Fläche zu pflastern.

Ja, ich gebe zu, daß die Industrie ihr Scherflein dazu beitrug, die Gegenwart einkehren zu lassen, indem sie genormte Pflastersteine erfand, die allesamt gleich groß, gleich schwer und vor allem ineinander passend produziert werden. Ich gebe zu, daß vor Unzeiten mangels Strom auch die kreisende Säge ihren schrecklichen Gesang nicht verbreiten, ihre pflastersteinschneidendes Tun nicht praktizieren konnte. Doch damals, ich präzisiere meine Zeitangabe nicht näher, nutzte man einfach kleinere Steine - oder verzichtete schlichtweg darauf, Linienpräzision walten zu lassen.

Heute funktioniert das nicht mehr. Die genormten Standardsteine müssen verwendet werden, und sei es durch nervtötendes Zusägen. Doch betrachte ich die Arbeit des Bauarbeiters, so frage ich mich, inwieweit sie Gegenwartbezug gewonnen und ihre klassischen Vorfahren ersetzt hat. Denn nachdem ein modernes Fuhrwerk eine Ladung Steine vor die Haustür brachte, mußte der Bauarbeiter diese zunächst verlagernd auf den Innenhof kutschieren, um dann zu pausieren und anschließend damit zu beginnen, die Steine einzeln und paßgenau zu verlegen. Jeder Stein mußte angehoben getragen, vorsichtig niedergelassen, und präzise eingepaßt werden. Der Abschluß bildete stets - wie vielleicht schon unter Herrn Cäsar - eine vorsichtige Hammerbenutzung, um den Stein an seiner Position zu verfestigen.
Und schon wartete der nächste Stein und mit ihm der gleiche monotone Ablauf darauf, unzählige Male wiederholt zu werden.

Ich bin jedesmal beeindruckt, wenn ich Straßenpflasterer beobachten darf, wenn ich sehe, welche Straßenstücke sie nach stundenlanger Arbeit mit ihrem Werk versehen haben, wenn ich begreife, daß die römische Sklaven wohl ähnlichen Diensten, mit ähnlichen Werkzeugen agiert haben müssen [allerdings ohne deren heutige, ergonomisch geformte Griffe].

Das Asphaltieren und Teeren, das flächendeckende Betonieren, stellt in der Gegenwart insbesondere für Gehwege keine annehmbare Alternative dar - und selbst diese Arbeit ist bereits Jahrzehnte alt und längst nicht in der Gegenwart angekommen, obgleich stylisch designte Maschinen das Gegenteil zu behaupten versuchen.

Und immer wieder entdecke ich andere Bereiche unserer Existenz, deren Vergangenheitsähnlichkeiten mich überraschen, mich fragen lassen, ob die an dieser Stelle fehlende oder nur lückenhaft vorhandene, zukunftsnahe Gegenwart nun ein gutes oder schlechtes Zeichen darstellt, ob ich mich darüber freuen sollte, Altes bewahrt zu finden oder angesichts der fehlenden Neuerungen traurig mit dem Kopf schütteln sollte...

[Im Hintergrund: My Dying Bride - "The Forever People"]

FFFfF: Zweischneidig

Der 31. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip wartet darauf, gelesen zu werden. Und wieder freue ich mich ankündigen zu können, bei der Thematik geblieben zu sein. Ich gebe sogar zu, daß der morgige Comic thematisch ähnlich aufgebaut sein wird. [Ich hoffe nur, das schreckt jetzt niemanden ab.]

Was ich zu erwähnen vergaß, war, daß ich den Comic allen Wurm-Freunden gewidmet hatte. Das war aber sicherlich offensichtlich anhand der Überpräsenz des kleinen Weichtiers auf allen vier Panels.

Nicht minder bedeutsam sind die Never Asked Questions, die zu beantworten [und zu stellen] ich die Ehre hatte.

Und so.


[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]

[Im Hintergrund: Nine Inch Nails - "Love is Not Enough"]

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