Wenn ich schreiben könnte, was ich denke, wüßte ich, was ich meine.
Wenn ich schreiben könnte, was ich denke, wüßtest du, wer ich bin.
Ich kann es nicht, versuche es immer wieder, finde Worte, neue, alte, finde Wege, mich zu beschreiben, zu umschreiben, doch finde nirgendwo mich, nur einen Teil, einen Fetzen, dem Augenblick entrissen, einem Wunsch, einem Blick, einem Gefühl entleibt, abgetrieben, rausgerissen aus dem Geist, der mich dachte, der mich fühlte, der ich war, irgendwann.
Die Summe bildet kein Ganzes, bildet weniger, nur einen Hauch dessen, was ist, nur eine Idee dessen, was aus mir besteht.
Die Summe bildet kein Ganzes, bildet mehr, ein Meer aus Fragen, die mich, dich, zu überfluten drohen. Meine Sprache ist nicht meine Sprache ist nicht deine Sprache, fremde Vokabeln anderer Welten, die wir zu verstehen glauben und doch anderes bedeuten.
Vielleicht sollte ich schweigen. Vielleicht sollten meine Hände ruhen, wartend die Zeit unter den Fingernägeln bewahren, die Augenblicke in den Ausfluß gießen, als existierten sie nur in meinem Kopf, als bedürfe es nicht mehr, sich zu erinnern, das Innere nach außen zu tragen.
Doch die Worte quellen unter meinen geschlossenen Lidern hervor, brechen aus, umrahmen meine Welten, doch sehen sie nicht, krakeln wirre Silhouetten zu Boden, die du findest, aufnimmst und zu begreifen versuchst, die du findest und mit deinen eigenen Welten, deinen Gedanken, deinen Tränen schmückst, zurücksendest in meinen wirr quellenden Schädel, um Antworten zu suchen, die mir selbst verborgen bleiben.
Für einen Augenblick versuche ich zu erklären, mich zu erklären, zu klären, was ich dachte, fühlte, war; doch vermag es nicht. Der Moment verrannte in der Unendlichkeit des Vergangenen, und alles, was ich von ihm zurückbehielt, sind Silhouetten, Fragmente, konturenschwere Formen, die ich sein könnten, mich spiegeln, erklären könnten. Doch sie schweigen, senden falsche Signale, falsche Worte in den Äther, als höhnten sie hämisch deiner Verwunderung.
Und zuweilen sehe ich sie Lieder schreiben, Lichter, die über mich hinweg zu strahlen, mich in den Schatten eines größeren Ichs zu stellen vermögen, die Blicke und Zeilen auf sich ziehen, als wäre ich mir überlegen. Ein Lächeln findet mich, doch ich weiß, es gilt nicht mir, es gilt nicht meinem Kopf, nicht meinen Gedanken, nur dem strahlenden Schatten, nur dem Konstrukt meiner selbst, das in fließender Bewegung bezaubernde Blasen aus glitzernder Luft in die Sonnenstrahlen wirft. Ich sehe mir zu und trete Risse in den Spiegel, freue mich selbstverlustig meines Andersseins.
Als das Schweigen mich weckt, finde ich mich erneut. Die Worte kribbeln unter den Nägeln, suchen die Flucht, ein neues Werk zu beginnen, neue, alte Teile von mir durch Welten zu streuen, als bildeten sie irgendwann ein anderes, besseres, richtigeres Ich, als bedürfe es nur mehr und mehr von ihnen, um ihnen mein Leben zu schenken, um mit ihnen mich erklären zu können.
Ich sehe ihnen nach, sehe sie im Abendrot verschwinden, ein feines Gespinst fremdbekanntschöner Krakeleien, deren Stärke mich ängstigt und mit Stolz erfüllt, deren Sinn jedoch mir noch immer verborgen bleibt.
[Im Hintergrund: Gravenhurst - "Fires In Distant Buildings"]
morast - 8. Nov, 21:03 - Rubrik:
Geistgedanken
Und immer wieder die gleichen Worte, die ich an die Leere richte:
Fang mich auf
Doch längst verlor ich das Gesicht des Wesens, das mich fangen, mich halten könnte, sollte, würde. Ich atme meine Angst gegen Spiegel und spüre die Zeit mich nach unten treiben, tiefer und tiefer hinein in den endlosen Fall. Die Wucht des kommenden Aufschlag wächst mit jeder welkenden Sekunde. Ich kann meinen Schrei ersticken hören, dort, in naher, ferner Zukunft, doch noch schreie ich, presse die verbleibende Luft aus meinen Lungen, als wäre sie Gift, das Gift des Alltags, das Gift des Lebens.
Der beschlagene Spiegel gibt nur zöglerlich mein Antlitz preis, schämt sich dessen, was er zu offenbaren hat, als ahnte er, daß ich mich in ihm nicht länger finden kann, das Wesen in seinem Inneren niemals werden wollte. Ich bin entsetzt von mir selbst, wende mich ab, als könnte ich es.
Fang mich auf
Die Worte schmelzen bereits auf meiern Zunge, verbreiten den bitteren Geschmack fehlender Auswege.
Fang mich auf
Die Leere schweigt.
[Im Hintergrund: Oomph! - "Wunschkind"]
morast - 8. Nov, 12:15 - Rubrik:
Geistgedanken
Voller Freude präsentiere ich heute den
50. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip.
Als ich mit dem Zeichnen begann, dachte ich, daß es mir doch gar nicht so schwer fallen dürfte, ein Jahr lang täglich einen Comic zu zeichnen. Oder länger.
Doch nun, da ich die 50 erreicht habe, stelle ich fest, daß allein diese Zahl mich schon beeindruckt, obgleich Fred noch nicht einmal zwei Monate existiert.
Nichtsdestotrotz [Ich liebe dieses Wort.] bin ich guter Dinge, was die Zukunft dieses Comics angeht. Bisher hatte ich nie das Gefühl, ohne jegliche Idee dazustehen, nie das Gefühl, an meinen mir selbst auferlegten Anforderungen zu verzweifeln. Das gibt mir Mut und den Optimismus, der nötig ist, um guter Dinge weiterzumachen.
Und so.
[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]
[Im Hintergrund: Dorn - "Schatten der Vergangenheit"]
morast - 8. Nov, 10:55 - Rubrik:
Frederick
O, soeben fiel mir auf, daß heute dieser Weblog 200 Tage alt wird.
Das ist selbstverständlich falsch, unrichtig gar. Schließlich begann ich bereits ich am 20. oder 21. Januar dieses Jahres, allerdings in myblogigeren Sphären, die ich irgendwann im April zu verlassen wußte.
Demnach ist diese tolle 200 gar nicht echt, nur eine einigermaßen hübsche Zahl mit ein paar Nullen drin, deren Aussage jedoch kaum bedeutung haben kann, darf oder soll. Schließlich führte ein solches Jubiläum, wäre es eins, die unausgesprochene Aufforderung mit sich, so etwas wie ein Fazit abzuliefern oder zukünftige Perspektiven ins Auge zu fassen.
Dergleichen mißfällt mir jedoch, weswegen ich großzügigerweise darauf verzichte.
[Im Hintergrund: Janus - "Auferstehung"]
morast - 7. Nov, 22:15 - Rubrik:
Wortwelten
Der Straßenbahn entfliehend, in dem stimmenstarke Kinder geräuschintensiv den Namen Benjamin wiederholen [Ich dachte die ganze Zeit an Herrn Blümchen und sein Törööö.] und versuchen, die Lieblingsbonbonsorte kundzugeben, stellte ich fest, daß die Jugendlichen in der nächsten Straßenbahn, die hämisch lachend gemeinsam Verlebtes auswerteten, dabei mehr Sitzplätze als nötig blockierten und eine Aura der Bösartigkeit in die Runde warfen, noch unerträglicher waren als die Kinder, und überlege, ob ich in Begriff bin, zum Misanthrop zu mutieren.
[Erstaunlich, daß das latein-griechische Wort "homophob" nicht die Abneigung/Angst {phobos} Menschen {homo} gegenüber bezeichnet, sondern die Ablehnung von Homosexualität.].
morast - 7. Nov, 15:10 - Rubrik:
Bahnbegegnungen
Nach einem angenehm verlebten Abend nach Hause zu kommen, das eigene Spiegelbild zu betrachten und vergnügt festzustellen, daß man in den letzten Stunden besser aussah als man auszusehen geglaubt hat, und dann mit gesteigertem Selbstbewußtsein ins Bett zu kriechen...
morast - 7. Nov, 15:00 - Rubrik:
Krimskrams
Der
49. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip.
Jetzt neu: Mit viel Text.
Und so.
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[Im Hintergrund: Haggard - "And Thou Shall Trust The Seer"]
morast - 7. Nov, 11:23 - Rubrik:
Frederick
Den heutigen,
48. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip mag ich besonders, vereinigt er doch mehrere Morastsche Seiten.
Und so.
[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]
[Im Hintergrund: EverEve - "Tried And Failed"]
morast - 6. Nov, 13:11 - Rubrik:
Frederick
Sehr geehrter Herr Morast,
Ihre Bewerbungsunterlagen haben wir in der Zwischenzeit eingehend geprüft.
Leider können wir Ihnen keinen Praktikantenplatz in dem von Ihnen gewünschten Zeitraum anbieten. Aus diesem Grund senden wir Ihnen Ihre Bewerbungsunterlagen mit diesem Schreiben zurück.
Mit freundlichen Grüßen,
T-Mobile Deutschland GmbH
Diese freundlichen Worte waren Bestandteile eines Briefs, den ich soeben erhielt.
Dabei sind mehrere Dinge bemerkenswert:
1. Die nette T-Mobile-Dame schien nicht fähig zu erwähnen, auf welche meiner Bewerbungen sie sich bezog, so daß ich erst anhand eines Vorwahlvergleichs herausfand, um welche Stelle es sich handelt.
2.
"in dem von Ihnen gewünschten Zeitraum"
Bei meiner Bewerbung reagierte ich auf eine Anzeige, in der einzig und allein mit "Einsatztermin: ab sofort" ein zeitlicher Bezug gegeben war. Von einem Zeitraum war nichts gesagt worden, und auch ich hatte mich - abgesehen von der Mindestlänge des abzuleistenden Praktikums - nicht spezifisch zu einem Zeitraum geäußert. Der von mir "gewünschte Zeitraum" existiert also gar nicht.
3.
"senden wir Ihnen Ihre Bewerbungsunterlagen mit diesem Schreiben zurück"
Der Brief bestand aus einem einzigen Blatt Papier. Von zurückgesendeten Bewerbungsunterlagen keine Spur. Das war allerdings auch nicht weiter verwunderlich, bedenkt man, daß die Bewerbung über das Telekom-Online-Bewerbungsportal erfolgte.
4.
"Ihre Bewerbungsunterlagen haben wir in der Zwischenzeit eingehend geprüft."
...
[Im Hintergrund: Scream Silence - "2nd"]
morast - 5. Nov, 15:30 - Rubrik:
Farbenfroh
Es ist erstaunlich, daß es exakt dreieinhalb sinnlos vertrödelter Stunden bedurfte, um mich davon zu überzeugen, daß etwas anderes als Herumsitzen und Hunger haben wesentlich mehr Sinn in sich bergen würde. Noch erstaunlicher ist eigentlich, daß sich die vergangene Zeit in meinem Kopf anfühlt, als hätte ich soeben mehrere Tage achtlos in jene finstere Ecke geworfen, in die normalerweise der inexistente WG-Hund zu pinkeln pflegt.
Ich weiß, was zu tun wäre, doch bin nicht bereit dazu. Ich weiß, was mich erheitern könnte, daß die Freude nur wenige Schritte entfernt wartet, doch bin nicht willens, mich zu bewegen. Und wenn ich darüber nachdenke, so erscheint mir mein Verhalten als ebenso sinnbefreit und nutzlos wie mein herumsitzendes Auf-Nichts-Warten, das ich mit internetziger Amüsanz zu beträufeln versuche.
Doch die Erkenntnis nützt nichts, treibt mich nicht aus meinem Sessel hoch in die Welt, und nur mein zunehmender Hunger läßt die Wirklichkeit sich in mir bemerkbar machen.
Was tue ich hier, frage ich mich und begreife, daß ich seit Stunden dem gleichen Album lausche, ohne es bisher vernommen zu haben. Nun jedoch höre ich es, freue mich über das ergeifende Lied, das gleich noch einmal meine Gehörgänge beträufeln darf und suche in dem kramüberfluteten Zimmer nach kälteabwehrenden Kleidungsstücken.
Ich will raus, denke ich und wundere mich, daß ich für diese Erkenntnis mehrere, auf dreieinhalb Stunden komprimierte, Tage gebraucht habe.
[Im Hintergrund: Scream Silence - "Transient"]
morast - 5. Nov, 13:37 - Rubrik:
Wortwelten
Bei
smarf entdeckte ich ein knorriges Stück Holz, das dort für mich zurückgelassen worden war. Für einen Augenblick glaubte ich es, aus vergangenen Zeiten wiederzuerkennen, doch freute mich dann, mich zu irren und hob es auf - konnte ich mich doch der Zahlenspielereien mit 23 und 5 nicht verwehren.
doch nun treibe ich durch die gezeiten und habe zuweilen das gefühl, nichts und niemand könnte mich noch berühren, mich noch erkennen, glaube, mich selbst zu verlieren, planlos und ohne richtung.
Morast, Artikel 23, Satz 5
Gerne jedoch bin ich bereit, das hölzerne Ding weiterreichen...
... an den gefühlskonservierenden
Deef
... an den schmafu-ige
livian
... an die Leben lernende
Paulaline
... an die Berliner
Nadine
... und an den gedankenweltigen
Viator,
in der Hoffnung, daß es gefunden werden wird.
[Futur I Passiv fetzt.]
Worum geht es eigentlich?
Darum:
• Begib dich ins Archiv deines Weblogs.
• Finde den 23sten von dir geschriebenen Artikel.
• Finde den 5ten Satz, veröffentliche ihn und reiche das Stöckchen weiter an 5 Leute.
morast - 5. Nov, 11:54 - Rubrik:
Farbenfroh
Wie angekündigt setze ich mit dem heutigen,
47. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip die Maßnahmenliste der letzten beiden Tage fort, ohne zu wissen, ob es in den nächsten Tagen damit weitergehen wird oder nicht.
Auch bin ich mir unschlüssig darüber, ob ich auch in den nächsten Tagen damit fortfahren werden, den aktuellen Comic erst ein paar Stunden nach MItternacht zu veröffentlichen.
We'll see.
[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]
morast - 5. Nov, 10:02 - Rubrik:
Frederick
Zu einer Zeit, in der ich mich mit der Überlegung beschäftigte, ob ich denn nicht, wenn ich einmal groß wäre, zum Lehrer tauge und ob Biologie und Chemie nicht geeignete Fächer wären, um deren Inhalte an Schüler weiterzugeben, wurde meine Klasse von einem Lehrer unterrichtet, der auf den gewöhnlichsten aller Nachnamen hörte: Herr Schmidt.
Da ich noch längst nicht in der siebenten Klassenstufe weilte, demnach auch noch nicht die Inhalte der Chemiestunden vermittelt bekommen hatte, richtete ich mein Augenmerk auf die Biologie, also auf das Fach, das Herr Schmidt uns beizubringen versuchte.
Herr Schmidt war ein seltsamer Kerl. Ich kann mich nicht erinnern, daß er jemals etwas anderes trug als ausgewaschene Jeans und seinen Aktenkoffer mit der dreistelligen Zahlenkombination. Herr Schmidt hatte einen fettigen Seitenscheitel, den er abgöttisch zu lieben schien, der ihn aber - das war selbst mir Geschmacksunkundigen damals schon bewußt - entstellte, insbesondere weil sich zu ihm eine Art Mähne gesellte, also Haare, die ihm hinten in den Kragen wuchsen und äußerst unmodern wirkten.
Herr Schmidt trug keine Brille, wie es das Lehrerklischee forderte. Diese hätte auch schlecht in sein affenartiges Gesicht gepaßt, das - wenn ich heute darüber nachdenke - bar jeden Intelligenzfunkens zu sein schien. Dabei war Herr Schmidt nicht dumm, keineswegs, wußte er doch bestens über seine Fächer Bescheid, gab uns eine Information nach der andern kund, die wir niederzuschreiben und in Kurzkontrollen und Klausuren zu wiederholen hatten.
Einmal machte Bianca den verzeihlichen Fehler, in einer Definition statt "Organismus" "Orgasmus" zu schreiben und erheiterte Herrn Schmidt somit maßlos. Ich kann mich nicht erinnern, den Grund für sein Gelächter damals verstanden zu haben, doch begriff ich, daß es etwas mit dem Geheimnis seines Aktenkoffers zu tun haben mußte.
Der Aktenkoffer stand nämlich niemals auf; nur manchmal klackte Herr Schmidt zweifach an den Verschlüssen und öffnete ihn, natürlich so, daß niemandem aus der Klasse Einsicht in das mysteriöse Innere gewährt wurde. Niemandem, außer demjenigen, der dem Lehrertisch am nächsten, in der ersten Reihe, saß und der, sobald Herr Schmidt den Blick abwandte, heimlich in das Kofferinnere lugte.
Der heimlich Einblick Suchende war ich, und ich war es auch, der nicht verstand, warum Herr Schmidt sich überhaupt die Mühe machte, täglich seinen Aktenkoffer durch die Gegend zu tragen, fanden sich in ihm doch nur ein oder zwei Hefter, ein paar Schreibgegenstände und eine Zeitschrift. Das allein forderte keinen Aktenkoffer, aber vielleicht glaubte Herr Schmidt, mit einem solchen Koffer wichtig und lehrerhaft auszusehen. Ihm fehlte schließlich die Klischee-Brille.
In unseren Augen jedoch erschien Herr Schmidt eher skurril und albern.
Ich war es übrigens auch, der herausfand, welche Zeitschrift es war, die Herr Schmidt stets mit sich herumtrug, die er in dem geschlossenen Koffer vor neugierigen Augen verbarg, aber nicht vor mir geheimhalten konnte. Es war die Blitz-Illu, die vielleicht niveauloseste Schmuddelzeitschrift, die an Kiosks erwerbbar war, angefüllt mit erotischen, aber keineswegs pornographischen, Inhalten, mit Bildern leicht- oder unbekleideter Mädchen und Texten voller erfundener, unfaßbar tragischer Szenarien und Entdeckungen.
Herr Schmidt besaß vermutlich genügend Intelligenz, um die Texte für wertlos zu erachten. Sein Augenmerk galt also den Bildern - eine Information, die für uns Schüler, insbesondere uns Jungen, von hohem Wert war und für allerlei Getuschel sorgte. Allerdings nicht während seines Unterrichts, denn zuweilen wurde Herr Schmidt sehr ärgerlich und regte sich minutenlang über irgendeine, in unseren Augen unbedeutende Kleinigkeit auf.
Unsere Mädchen waren gewitzter, hatten begonnen, sich auf andere Art und Weise für Herrn Schmidt zu interessieren. Denn nach ein paar Unterrichtsstunden wurde ersichtlich, bei welchen Themen Herr Schmidt mit Vorliebe abschweifte und über Biologiefremdes zu reden begann.
So erwähnte er Charles Darwin, der mit der "Beagle" über die Meere gefahren war und ermahnte uns, die "Beagle" nicht mit den Beatles zu verwechseln. Das wäre uns Jungen im Traum nicht eingefallen, waren doch derart veraltete Musikgruppen kein Teil unserer Welt. Constanze und Jana jedoch inszenierten, als eines Tages eine Kurzkontrolle anstand, einen Dialog, der genau auf dieser Verwechslungsgefahr aufbaute. Herr Schmidt tapste arglos in die Falle, ließ sich nach ein paar einleitenden Worten seitens der Schüler, auf den Gedankengang ein, was wohl die Bedeutung des Wortes "Beagle" sei. Nachdem er die Hunderasse ausgiebig erläutert hatte, sprang er über zu den Beatles, zu Elvis Presley und weiter zu anderen Themen, denen ich längst nicht mehr zuhörte. Die Stunde war gerettet, die Kurzkontrolle fiel aus, hatte dem Biologielehrer-Monolog weichen müssen.
Eine seiner Monolog-Weisheiten blieb mir bis heute im Gedächtnis und taucht immer mal wieder auf, wenn ich morgens vor dem Spiegel stehe. Damals war bei mir an ersten Flaum noch nicht zu denken, und trotzdem wies uns Herr Schmidt darauf hin, daß man möglichst spät damit beginnen sollte, sich selbst zu rasieren.
"Wenn man einmal anfängt,", erzählte er, "wird es immer schlimmer. Zuerst rasiert man sich noch einmal die Woche, dann mehrmals und schließlich muß man sich täglich rasieren, um gesittet auszusehen. Dann gibt es kein Zurück." Ich glaube, Herr Schmidt haßte das Rasieren.
Wir argwöhnten, ob Herr Schmidt ein Trinker sei, und bis heute weiß ich es nicht, ja bezweifle es. Und doch zeigte er Eigenschaften, die jenen armseligen Figuren eigen war, deren Leben aus nichts als der Gemeinschaft gleichwertiger Alkoholabhängiger und flüssigem Vergessen bestand. Sein fettiger Scheitel glänzte, und hin und wieder vergaß Herr Schmidt, sich zu rasieren. Zuweilen wirkten seine Augen glasig, und seine Monologe an der Tafel wechselten ohne Zusammenhang von einer Thematik zur nächsten.
Doch er roch nicht - wenn man den penetranten Geruch seines Deodorants ignorierte -, ging aufrecht und gerade, mit federndem Schritt und stets so, als habe er ein Ziel. "Lernt fleißig.", pflegte er zu sagen, "Sonst werdet ihr noch einer von denen, die morgens froh um sechs am Kiosk stehen, mit der Bierdose in der Hand, und in den Papierkorb pinkeln." Wir lernten, doch konnten nicht umhin, Herrn Schmidt für wundersam zu erachten. Wie normal war denn ein Lehrer, der die Xanthoproteinreaktion, die Nachweisreaktion für aromatische Aminosäuren in Proteinen, an sich selbst ausprobierte, indem er Salpetersäure auf seine Hand schüttete und anschließend herumging, um die Gelbfärbung der Haut zu zeigen?
Irgendwer von uns bekam heraus, daß Herr Schmidt eine Frau hatte. Sie war behindert. Er selbst sprach nicht darüber, aber die nackten Mädchen in seiner Aktentasche ließen vermuten, daß er nicht in jeder Hinsicht glücklich mit ihr war.
"In der nächsten Stunde führe ich mündliche Tests durch.", kündigte Herr Schmidt einmal an.
Ich erschrak. Mir fiel es leicht zu lernen, in Klausuren die richtigen Ergebnisse niederzuschreiben. Doch mündlich, von Angesicht zu Angesicht mit dem Feind, der vermutlich nur Böses wollte, würde ich versagen. Die Stunde drohte ein Debakel zu werden, denn obgleich Herr Schmidt nicht die Zeit hatte, jeden von uns zu prüfen, war es sicherlich allein meine Angst, die mich auf den freien Stuhl neben ihn befördern würde.
Es regnete an dem Tag, und Herr Schmidt begann seine Stunde. Ich bangte, doch Herr Schmidt dachte nicht daran, mit den Prüfungen zu beginnen. Vielmehr erzählte er, scheinbar ohne Anlaß, von seiner Studienzeit, damals, als er auch tagelang habe lernen müssen, bis nichts mehr in den Schädel paßte, als er wieder und wieder verzweifelte und sich wieder und wieder zu weiterem Lernen anspornte. Doch einen Tag vor der Prüfung legte er all seine Hefter und Bücher nieder, ging hinaus durch den Nieselregen zur nächsten Kneipe, dorthin, wo er sich desöfteren abends mit seinen Studienfreunden zu treffen pflegte, und betrank sich. Er verbrachte den Tag mit Trinken, schlief am nächsten Morgen aus, und ging dann mit geklärtem Kopf in die Prüfung.
Wie diese ausgegangen war, verriet er uns nicht. Vielleicht weil er begriffen hatte, daß seine Erzählung ihren Zweck verfehlt hatte. Schließlich war uns kaum noch in Erinnerung, daß er uns mahnen wollte, frühzeitig mit dem Lernen anzufangen und den Prüfungsvortag mit anderem zu verbringen, sondern nur, daß Herr Schmidt getrunken hatte, um sich von seiner Last zu befreien. War Herr Schmidt doch ein Trinker?
"Eigentlich wollte ich ja mündliche Kontrollen machen. Das habe ich leider nicht geschafft.", sprach Herr Schmidt in das Klingeln hinein, das grell und unangenehm unsere Erlösung verkündete.
"Aber seid nächstes Mal vorbereitet.", rief er uns hinterher, als wir bereits erleichtert nach draußen eilten, als könnte Herr Schmidt es sich noch einmal anders überlegen.
In der nächsten Stunde hatte Herr Schmidt sein Vorhaben vergessen, und wenige Wochen später war er nicht länger unser Biologielehrer. Er wurde ersetzt durch irgendwen ohne schmierigen Seitenscheitel, ohne Nackedei-Aktenkoffer, ohne die Beatles-Beagle-Geschichten. Ich weiß nicht, woran es lag, daß er entlassen wurde, vernahm Gerüchte von Drogenmißbrauch, von Problemen mit seiner Frau, doch wußte, daß allein seine Unfähigkeit als Pädagoge ausreichend Grund gewesen wäre, ihn seiner Arbeit zu entledigen.
Ich traf Herrn Schmidt noch häufig, grüßte ihn stets freundlich. Wir entdeckten, daß er täglich durch die Innenstadt lief, stets mit altbekannter Hinten-Lang-Frisur, stets mit ausgewaschener Jeans. Sein Aktenkoffer fehlte, dafür trug er nun immer ein Kapuzen-Sweatshirt und ein Basecap, das seinen fettigen Scheitel verbarg. Seine Hände versteckte er in den Ärmeln seines Sweatshirts, als müßte er Einstichlöcher verbergen. Er magerte ab, und binnen weniger Monate alterte sein Gesicht um Jahre.
Ich sah ihn von nun an seltener. Doch wenn ich ihn entdeckte, waren seine Schritte noch immer zielgerichtet, und ich fragte mich stets, wohin wohl er eilte. Doch sein Blick war fern, und er erkannte mich nicht länger. Ich entdeckte Mitleid für ihn in mir, Mitleid, weil er wegen seines fehlenden Jobs womöglich auf eine schiefe Bahn gekommen war, die nur abwärts führte.
Das alles liegt viele Jahre zurück, doch auch heute noch begegne ich manchmal Herrn Schmidt, wenn ich in meiner Heimat verweile, beobachte ihn, wie er kofferlos durch die Innenstadt läuft, die Welt um ihn herum mißachtend, noch immer mit Kapuzenshirt und Basecap bekleidet, und frage mich, ob er sich an mich erinnern würde, wenn ich ihn anspräche.
Ich wage es nicht, doch mit einiger Erleichterung bemerke ich, daß er noch immer lebt, daß er nicht schlechter aussieht, daß er sich irgendwie gefangen zu haben scheint.
Und dann blicke an mir herab und stelle verwundert fest, daß ich kein Lehrer geworden bin, obwohl ich mir damals nicht anderes vorstellen konnte.
[Im Hintergrund: Scream Silence - "Forgotten Days"]
morast - 4. Nov, 19:24 - Rubrik:
Wortwelten
Nach mehreren terminvereinbarenden Mails und Telefonaten, nach einer dreistündigen Schulung, nach ausgiebiger Regel- und Hinweislektüre und wiederholter Dialogübungen hielt ich mich für bereit, meinen Nebenjob anzutreten. Obgleich mir mißlang, extra zeitig ins Bett zu gehen, fühlte ich mich dann, als ich mich endlich dazu durchrang, längst müde genug, um gleich auf der Stelle einzuschlafen. Doch das tat ich nicht, und so lenkte ich meine wirren Gedanken in die Handlung eines angenehmen Buchs, das letztendlich meine Augen zu schließen wußte.
Aber ich fand keinen Schlaf, entdeckte in meinem Kopf mindestens drei wirklich gute Geschichten, die niederzuschreiben sich lohnen würde und den Wunsch, sofort aufzustehen und mich ihnen hinzugeben. Nebenbei trieben die geübten Dialoge ihr albernes Spiel in mir, führten mich ins Absurdum, bis ich alles ignorierend mich auf der Toilette wiederfand und vom Anblick der noch immer sommerzeitlichen Uhrzeit schockiert war, gestand sie mir doch nur noch vier Stunden Schlaf bis zum unfreiwillig-freiwilligen Erwachen zu.
Als ich 3.30 Uhr den Wecker klingeln hörte, beschloß ich, die Mitternächlichkeit meines Wachseins zu ignorieren und den Tag für angebrochen zu erklären. Ein gemütliches Frühstück erwirkte zusätzliche Hektik, als ich zur Bushaltestelle rannte, um keinesfalls am ersten Arbeitstag meinen Antritt verpassen. Ich durchquerte die Stadt, und mit mir unzählige Gesichter, die aussahen, als würden sie täglich um diese Uhrzeit aufstehen müssen. Ich lenkte mein Mitleid von mir selbst auf ihre zerfurchten, teigigen Mienen und begriff, welch Wonne es war, den Sonnenaufgang schlafend verbringen zu können.
Als ich eintraf, war meine Kollegin bereits anwesend, eine Bulgarin, die gut genug deutsch sprach, um für diese Arbeit geeignet zu sein, doch nicht gut genug, um sich ihrer selbst sicher zu sein. Der angekündigte Teamleiter fehlte - ich hatte nichts anderes erwartet und ersetzte ihn.
Wir waren im Auftrag einer Firma unterwegs, die wiederum im Auftrag einer Firma agierte, die wiederum für das Land tätig war, und hatten nichts weiter zu tun, als sechs Stunden lang mit ein- und demselben Bus umherzufahren, in ihm verweilend die Einsteigenden und Aussteigenden, die Kinderwagen , Rollstühle und Fahrräder zu zählen, die Zahlen an jeder Haltestelle niederzukritzeln und nebenbei die Fahrgäste mit einer Reihe von Fragen über ihren Fahrtweg und die Häufigkeit desselben zu plagen.
Die Bulgarin wollte zählen - eindeutig der leichtere Teil unseres Schaffens, ich willigte ein und belästigte die Busfahrenden mit meinen Interviews. Kurz vor sechs Uhr morgens war leicht nachvollziehbar, daß der Antwortunwille unter den eben Aufgestandenen recht verbreitet war; trotzdem fanden sich auf der ersten, einstündigen Fahrt fünf freundliche Menschen, die mich meinen Interviewzettel ausfüllen ließen und dafür sorgten, daß ich mit ausgetrockneter Mundhöhle in meiner Wasserflasche höchste Freuden fand.
"Ich hasse Busse.", teilte ich meiner Kollegin mit, die sich wenig dafür interessierte, daß ich meine Aussage gern mit kindheitlichen Erlebnissen begründet hätte, bei denen zuweilen meine über Busflure verteilten Mageninhalte eine Rolle spielten. Ich schwieg also, nutzte die Endhaltestellen-Wartepause, um die auf meinem Fragebogen eingetragenen Antworten in kryptische Zahlencodes zu übersetzen und den klischeewidersprechend freundlichen Busfahrer nach einer Möglichkeit der Blasenentleeren zu befragen. Er wies mich zum Metro-Großmarkt, dessen Pforten jedoch noch geschlossen hatten, weswegen ich, den Personaleingang nutzend, durch die geheimen, fremden Augen eigentlich nicht zugänglichen, Gänge irrte, bis ich eine Erleichterungseinrichtung fand und anschließend sicheren Schrittes, als würde ich hier erlaubterweise umherwandeln und das alles kennen wie meine Westentasche, den Rückweg zum Bus antrat.
Ich genoß die frische Nachtluft, die dem wachsenden Druck in meinem Schädel die Kraft nahm, stieg ein, gesellte mich zu meiner Mitarbeiterin, die, als der Bus sich wieder in Bewegung setzte, zwei Nullen bei Ein- und Aussteiger auf ihren neuen Zettel kritzelte. Als sich die ersten Fahrgäste zu uns gesellten, begriff ich, daß nun mit höherer Aktivität und unzähligen Schülern zu rechnen war. Ich interviewte ohne Gnade, torkelte durch den prall besetzten Bus, um zu neuen Opfern zu gelangen, erhielt unzählige Ablehnungen, doch erwischte auch ein paar Willige, deren Antworten meinen kleinen Block befüllten. Hin und wieder hielt ich inne, atmete tief durch, richtete meine Blick nach vorne, durch die Scheibe auf die Straße, nahm mich zusammen, als könne ich alle Anzeichen meiner zunehmenden Übelkeit ignorieren, ja verschwinden lassen.
Die Fahrt schien kein Ende zu nehmen. Meine Befragungen erschienen mir allmählich weniger bedeutsam, ihre Anzahl wuchs langsamer. Aus meinen Zetteln las immer ich die Menge der bis zur nächsten Endhaltestelle verbleibenden Minuten ab und stöhnte lautlos in mich hinein. Ich erwog, meine Mitarbeiterin von meinem Zustand in Kenntnis zu setzen, doch sie hatte nur Augen für die Ein- und Aussteigenden, schien mich seit Anbeginn der ersten Fahrt mit höflicher Ignoranz zu dulden.
Ich blickte aus dem Fenster und erkannte die Gegend, wußte, daß es nur noch wenige Minuten dauern konnte, bis wir anhielten, uns eine kleine Pause gönnen durften. Als der letzte Fahrgast ausstieg, erstarb das Motorengeräusch. Die Ruhe, das fehlende Schaukeln und Schunkeln, die Bewegungslosigkeit des Busses, taten mir wohl, und ich erdreistete mir, den Fahrer erneut nach einer Toilette zu befragen. Er wies hinter einen Zaun, drückte mir sein Schlüsselbund in die Hand und mahnte mich zur Dringlichkeit. Dankbar rannte ich zur gezeugten Tür, schloß auf, fand das Klobecken - und übergab mich.
Ich hatte mich seit Jahren nicht mehr übergeben und längst vergessen, wie ich dieses Gefühl haßte, wie sehr mich es anwiderte, den eigenen Körper immer wieder zusammenkrampfen zu spüren, wie sehr mich es störte, nicht Herr meiner selbst sein zu können.
Ich traf das Becken nicht vollständig, benetzte jedoch einen Teil meiner Hose.
Als ich mich entleert hatte, mahnte ich mich zur Ruhe und Eile zugleich. Mit Klopapier und Papierhandtüchern bereinigte ich den Beckenrand, den Boden, mich selbst, nur provisorisch, doch gut genug, um niemanden anzuekeln. Mir selbst war Ekel fremd; ich störte mich nicht am Geruch, am Geschmack oder Aussehen des Erbrochenen, wußte nur, daß es zu beseitigen war, daß ich mich zu beeilen hatte. Das Ergebnis war zufriedenstellend, wenngleich ich meine Hose schon in sauberen Zuständen erlebt hatte.
Hastig spülte ich meine Hände ab, meinen Mund aus, trank einen Schluck Leitungswasser, rannte hinaus, schloß die Tür ab und überreichte die Schlüssel dem wartenden Busfahrer. Er wirkte nicht mürrisch; ich war früh genug zurückgekehrt. Meine Mitarbeiterin stand außerhalb des Busses, und ich erklärte ihr meine Situation, meinen Unwillen, meine Unfähigkeit, weiterzufahren. Sie verstand nicht, doch gab das nicht zu. Ich redete zu hektisch, wiederholte mich in ruhigerem Ton. Nun schien sie zu begreifen, war ratlos, wußte nicht, was sie allein anfangen sollte.
Besänftigend zückte ich das Telefon, klingelte die Zentrale an. Der Busfahrer wies uns an einzusteigen, glaubte, wir würden nur draußen verweilen, weil im Bus das Telefonieren verboten sei.
"Nur direkt hinterm Fahrersitz.", erklärte er. "Wegen der Elektronik."
Zur Fahrerzelle Abstand nehmend, telefonierte ich, erklärte ich mich, erhielt Verständnis. Ob ich nicht trotzdem weitermachen könne, auf die Eigenschaft als Zähler beschränkt, vorne sitzend, wo es weniger schaukelt. Ich würde es versuchen, meinte ich, den unangenehmen Geruch, der noch immer an meiner Hose [oder in meiner Nase] klebte, ignorierend. Im Augenblick ging es mir gut, doch ich wußte, das würde nicht lange so bleiben.
Von nun an war die Bulgarin die Interviewende, hatte Glück, da der Massenstrom der Zur-Schule-Fahrenden vorbei war. Nur hin und wieder eine Befragung, öfter jedoch eine Ablehnung. Ich zählte, doch mit fortschreitender Fahrt fiel es mir schwerer, mich zu konzentrieren. Irgendwann ertappte ich mich, wieder und wieder auf meinen Block zu schauen, Zahlen zu suchen. Noch dreißig Minuten. Noch 28 Minuten. Noch 25... Ich atmete tief und tiefer.
Viel konnte nicht mehr in meinem Magen sein, wußte ich, doch das Dröhnen in meinem Schädel wurde unerträglich; das Zählen fiel trotz geringer Passagieranzahl immer schwerer.
'Ich kann jederzeit aussteigen.', beruhigte ich mich. Zwar ließe ich dann meine Mitarbeiterin unwissend allein zurück, doch würde sie sich schon zu helfen wissen. Das Ende der dritten einstündigen Fahrt rückte schleichend näher, und ich wußte, daß es meine letzte Fahrt sein würde. Jede einzelne Minute war ein Kampf, den ich irgendwann wieder verlieren würde.
"Es geht nicht mehr.", teilte ich der Bulgarin mit, als niemand außer uns mehr im Bus saß. "Ich muß aufhören."
Sie verstand, was ich sagte, doch nicht, was ich meinte, schien nicht zu begreifen, wie unwohl ich mich fühlte, blickte mich vorwurfsvoll an.
"Ich rufe in der Zentrale an.", teilte ich der Bulgarin mit. "Die werden dir sagen, wie es nun weitergeht."
Aus der Zentrale erhielt ich überraschenderweise Lob für meinen Kampfesgeist, für meinen Einsatz, und Genesungswünsche - kein Wort über mein Versagen, die entstehenden Nachteile. Für meine Mitarbeiterin ward auch schnell eine Lösung gefunden: Sie durfte bleiben, als Zählerin, ab und zu jemanden befragend, sobald sich die Möglichkeit ergab. Sie wurde zur Teamleiterin befördert, bekam die Aufgabe, unsere Zettel im Laufe des Tages in der Zentraler einzureichen.
Ich dagegen packte meine Sachen ein, schloß im Geiste mit der Fahrt ab, bewahrte Ruhe, konzentrierte mich auf die Straße und auf den Augenblick, in dem ich aussteigen, umsteigen würde. Mein Kopf dröhnte, und ich sehnte mich nach Ruhe.
Ein Knall. Der Bus hatte einem abdrängenden PKW ausweichen müssen und im Gebüsch einen großen Stein gestreift. Die Frontschürze war beschädigt, der Blinker funktionsuntüchtig.
Der Busfahrer hielt an, stieg aus, besah sich den Schaden, fuhr zur Endhaltestelle weiter, wo er warten und seine Kollegen informieren konnte. Auf dem Display neben dem Lenkrad stand eine Botschaft: "Bus beschädigt. Weiterfahrt möglich." Ich war beeindruckt.
Der Busfahrer blieb ruhig. Allerdings hatte sein Funkgerät hier keinen Empfang, er wußte nicht weiter, entlieh sich mein Handy, dessen Guthaben längst unter einem Euro angekommen war, und schaffte es, seine Kollegen zu informieren, einen Austausch zu organisieren. Dankbar gab er mir das Mobiltelefon zurück, und ich war froh, daß ich ihm ebenso helfen konnte, wie er mir geholfen hatte,
Wir verständigten die Zentrale über den kleinen Unfall, über die Möglichkeit des Bustausches. Der Mitarbeiter dort war amüsiert. Ich, wissend, endlich heimkehren zu können, auch.
Nach einer mehrminütigen Wartezeit an der Endhaltestelle fuhr der Bus weiter. Die Bulgarin zählte und bemühte sich, sobald die ersten Fahrgäste eingestiegen waren, diese zu interviewen. Sie tat sich schwer dabei, stellte ich fest, und überlegte, ob es an fehlenden Deutschkenntnissen oder allgemeiner Unwissenheit liegen könnte.
Als ich endlich ausstieg, atmete ich auf. Ein paar Meter weiter wurde der Bus getauscht, doch das interessierte mich nicht mehr. Das Dröhnen in meinem Kopf nahm mich noch immer ein, drohte mir, doch ich ignorierte es, freute mich, daß der Boden unter meinen Füßen endlich stillstand.
[Im Hintergrund: Arch Enemy - "Wages Of Sin"]
morast - 4. Nov, 15:54 - Rubrik:
Wortwelten
Obgleich mit "Blitzkrieg", "Sauerkraut", "Autobahn" und "Rucksack" ursprünglich deutsche Wörter in englischsprachigen Gegenden genutzt werden, sollte man nicht auf die Idee kommen, den Satz
"I had been berated."
mit
"Ich wurde beraten."
zu übersetzen...
[Obwohl...]
[Im Hintergrund: Arch Enemy - "Anthems of Rebellion"]
morast - 4. Nov, 14:01 - Rubrik:
Krimskrams
Und wieder ging ich lange vor Anbruch des neuen Tages zu Bett - um den fehlenden Schlaf der vergangenen Nacht einzuholen - und vernachlässigte somit die mitternächtliche Veröffentlichung des
46. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrips, der übrigens eine Art Fortsetzung des gestrigen darstellt und am morgigen Tage selbst eine Fortsetzung erhalten wird.
Übrigens pegelte sich der vorgestrige Besucher-Spitzenwert des
Frederick-Weblogs gestern wieder auf normale Werte ein. Ich bin nicht enttäuscht; keine Sorge.
Und so.
[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]
[Im Hintergrund: Arch Enemy - "Doomsday Machine"]
morast - 4. Nov, 11:08 - Rubrik:
Frederick
Stundenlang nebenbei überlegen, wie denn eigentlich das Mensa-Äquivalent zu Schulzeiten betitelt wurde, irgendwann auf die Lösung kommend und von deren wenig beeindruckender Normalität ["Schulspeisung"] enttäuscht sein.
--
Am schwarzen Stiefel einer nicht minder schwarz Gewandeten ein gelbes, verschmitztes Lindenblatt bewundern, das sich frech und unbeirrbar an den nur Millimeter durchmessenden Absatz geklebt hatte, nicht loszulassen gewillt war und dadurch kontrastiv Fröhlichkeit erwirkte.
--
"Thank you for looking good."
[Im Hintergrund: Cradle Of Filth - "Midian"]
morast - 3. Nov, 18:37 - Rubrik:
Krimskrams
Da ich gestern zeitig zu Bett ging, um heute in aller Frühe aus selbigem kriechen zu können [Die dazugehörige Geschichte wird sicherlich noch nachgereicht.], kann ich den heutigen
"Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicstrip erst jetzt präsentieren.
Es sei erwähnt, daß der
Frederick-Weblog am getsrigen Tage erstmal mehr Klicks bekam als
Morast. Das freut mich, wenngleich abzuwarten bleibt, ob das nicht eine einmalige Sache war...
Und so.
[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]
[Im Hintergrund: Otep - "Jihad"]
morast - 3. Nov, 09:45 - Rubrik:
Frederick
Warum müssen Fantasy-Bücher immer ein Teil eines Zyklus', einer Trilogie oder ähnlichem sein, von denen man den ersten Teil in der Bibliothek ausleihen kann, ohne jedoch zu wissen, ob der Rest bereits geschrieben wurde?
Warum stehen es in Buchläden stets nur die üblichen Fantasy-Verdächtigen [Tolkien, Hohlbein, Zimmer Bradley, Pratchett] und deren Nachahmer - oder eben das dritte oder vierte Buch einer von - mir unbekannten - Zeitschriften und Schriftstellern gelobten Reihe, das ich nicht zu kaufen wage, weil ich befürchten muß, die übrigen Werke niemals zu Gesicht zu bekommen?
Warum verfügen dann aber Wühlkisten wiederum über andere Teile anderer Reihen, solche, die ich noch nie zu Gesicht bekam, solche, die mich mit Niedrigpreisen locken, obgleich auch hier zu befürchten ist, daß es bei diesem Exemplar bleiben wird?
Es gibt gute Fantasy-Reihen; das gebe ich gerne zu [ohne auch nur an "Herr der Ringe" zu denken]. Doch das kann doch nicht der Grund dafür sein, warum jedes in diesem Genre geschriebene Werk nur der winzige Teil eines großen Ganzen sein darf.
Enttäuscht lege ich das Buch beiseite und freue mich auf John Irvings "Gottes Werk und Teufels Beitrag", das mich sanft in den Schlaf geleiten möge...
morast - 2. Nov, 20:57 - Rubrik:
Wortwelten
Als ich gestern die Bibliothek betrat und wie gewohnt zur Fantasy-Abteilung schlenderte, fiel mir auf, daß mein Interesse für derartige Literatur in den letzten Monaten stark nachgelassen hatte.
Früher durchforstete ich Woche für Woche die Bücherreihen nach fantastischen Werken, die mich ansprachen, mich begeistern konnten. Heute wage ich kaum einen Blick in die Richtung, gehe schnell weiter zu "höherwertigerer" Literatur.
Bin ich zu alt geworden für diese Art der Schreibe?, frage ich mich verwundert und stelle erleichtert fest, daß dem nicht so sein kann, las ich doch unlängst den aktuellen Harry Potter, ein neues Werk von Wolfgang Hohlbein und Walter Moers "Die Stadt der Träumenden Bücher".
Und doch weiß ich, daß die fantastischen Welten, die zwischen den Seiten aufgebaut werden, nicht länger das sind, was mich verlockt. Fast, als würde ich einen ehemals nahestehenden, doch längst entfremdeten Freund begrüßen, streife ich am Regal entlang, sehe mich schon auf dem Weg zu weltliterarischen Meisterwerken.
Aber dann erblicke ich ein Buch, das meine Aufmerksamkeit erregt, für einen Moment nur, doch lang genug, um meine Hände ausstrecken und zugreifen zu lassen. Ich überfliege den Klappentext und weiß schon jetzt, daß ich zwischen den Buichdeckeln nichts Neues finden werde; die alten Fantasy-Geschichten mit anderen Worten erzählt.
Unbeteiligt blättere ich im Buch herum, Papier raschelt, und meine Augen greifen hier und da einen Wortfetzen heraus. Ich rieche die Blätter, ihren typischen Duft, fühle mich erinnert an zahlreiche Geschichten, die noch immer in meinem Gedächtnis lauern, die mich bewegten, beeindruckten, aus der Wirklichkeit in eine angenehme, mitreißende Welt entführten, die fremd und bekannt zugleich war, die so oft ein sehnsüchtige Lächeln auf meine Lippen wandern ließ.
Ich spüre die Vergangenheit, die Verheißung, die von diesen bedruckten Seiten ausgeht, die Erinnerung daran, wie es war, mich von der fantsatischen Literatur einnehmen, verzehren zu lassen, und bin versucht, es erneut zu wagen, gewillt, dieses Buch nicht länger hier stehen zu lassen, meinen Unmut, mein Desinteresse zu überwinden und zwischen dem Papier eine Welt zu finden, die mich mit alter Begeisterung empfängt.
Ohne weiteres Zögern nehme ich das Buch an mich, leihe es aus und verlasse die Bibliothek.
morast - 2. Nov, 15:24 - Rubrik:
Wortwelten
Und dann war da noch der Tag, an dem ich im Zuge einer WG-internen Reinigungsaktion beim Badputzen kurzerhand alle leeren Duschbad- und Shampoo-Verpackungen entsorgte und erst Stunden später bemerkte, daß auch mein preisintensives After-Shave dabei gewesen sein mußte, so daß ich mich genötigt sah, eine Weile in den unappetitlichen Tiefen des Mülleimers herumzuwühlen, um letztendlich erfolgreich das Gesuchte hervorzuzaubern, gründlich abzuwaschen und vorfreudig die nächste Rasur abzuwarten.
[Im Hintergrund: Ensiferum - "Ensiferum"]
morast - 2. Nov, 09:33 - Rubrik:
Wortwelten
G meint, 4 sei die Zahl des Teufels. Davon ist im heutigen Comic allerdings nicht viel zu spüren, obgleich es sich um den
44. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comicsstrip handelt, der - wie immer - aus vier Einzelbildern besteht.
Nun ja...
[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]
morast - 2. Nov, 00:06 - Rubrik:
Frederick
Als ich mich in deinem Lächeln
hoffnungsvoll verhedderte
die Wundgedanken fremder Zeit
durch Seelensonnen schredderte
Als ich fernen Sinnens mir
dein Angesicht ernahte
den Sturm aus deinem Augenblick
mit Silbenweiß bejahte
Als ich unterm Fragenmeer
versteckt die Antwort wagte
aus meinem Mund in stillstem Glanz
dein Name rankend ragte
Als die Blüte mich bestäubend
schlingend zart verzehrte
dich ersuchend der Moment
unvergänglich währte
Als ich in dir innehaltend
mir entkam und dir geschah
als ich - längst des Seins erblindet
zwischen Träumen dich ersah
aus dem Schweigen aller Uhren
dich gebar, zur Zeit erkor
ward mein Mittelpunkt gefunden
den ich liebte - und verlor.
morast - 1. Nov, 21:37 - Rubrik:
Seelensplitter
Als ich heute in der Straßenbahn saß und den Kopfhörerklängen eines mir Unbekannten lauschen mußte, stellte ich mir zwei Fragen:
1. Wie kann ich herausfinden, ob ich meine Sitznachbarn auch derart belästige, wenn ich derjenige mit den Kopfhörern im Ohr bin?
2. Wieviele Lieder von Linkin Park gibt es eigentlich?
Ersteres zu beantworten erschien mir vorerst überflüssig, war doch die zweite Frage die interessantere. Die Diskographie dieser Band behauptet nämlich, es gäbe fünf Alben. 'Das kann nicht sein.', denke ich und lausche der Kopfhörermusik des Unbekannten, jedes einzelne Lied erkennend.
Ich gebe zu, daß auch ich mich im Jahre 2001 von der allgemeinen Linkin-Park-Euphoriewelle tragen ließ und gewisse Begeisterung für diese Band und deren Album "Hybrid Theory" aufbrachte. Als mein Bruder jedoch erwähnte, er habe das Werk gekauft, schüttelte ich ungläubig mit dem Kopf, denn als kaufenswert hatte ich es bei weitem nicht erachtet.
Zwölf Lieder befanden sich auf "Hybrid Theorie" und klangen allesamt ähnlich. 'Nun gut.', dachte ich damals, 'Eine Band sollte einen eigenen Stil haben.' und akzeptierte die Monotonie - schließlich war es eine gute. Eine Ausnahme bildete Titel 10 oder 11, der nur aus Scratchereien bestand, daher anders klang und zum steten Skip-Tasten-Kandidat wurde.
Im Jahr darauf, mein Interesse hatte sich bereits gelegt, brachten Linkin Park ein neues Album heraus. "Neu" war allerdings maßlos übertrieben, begnügten die Musiker sich doch mit albernen und für mich absolut überflüssigen Remixen ihrer bisherigen Stücke.
2003 dann freuten sich alle Musiksender und leierten die aktuelle Single des neuen Linkin-Park-Werks rauf und runter. "Meteora" hieß das gute Stück und kam zu spät, um mich aus meinem Desinteresse zu lösen. 'Die klingen ja immer noch so.', stellte ich unbeteiligt fest.
Das nächste Werk, das noch im selben Jahr folgte, war ein Live-Album. 'Bitte was!?', wunderte ich mich. 'Nach zwei Alben eine Live-CD herauszubringen, ist doch absolut lächerlich!'. Daß auf dem Live-Album nichts Neues auffindbar war, bedarf wohl keiner Erwähnung.
Doch Linkin Park überboten sich selbst in ihrer Lächerlichkeit, holten sich 2004 den Reimesprecher Jay-Z herbei und brachte die alten Lieder noch einmal heraus, geringfügig mit überflüssigem Rap-Gebrabbel modifiziert.
Mittlerweile mag ich Linkin Park nur noch aus einem Grund: Sie lieferten mit ihren beiden, auf fünf Werke gestreckten, abwechslungslos konstant klingenden Alben das Ultimativbeispiel profitabler Eigenwerkaufbereitung, der Optimalvermarktung wiederholten Monotonie-Recyclings.
Mich würde es übrigens nicht überraschen, wenn es sich beim nächsten Album um ein Best-Of handeln würde...
Dann säße ich vergnügt in der Straßenbahn, lauschte den längst bekannten Kopfhörklängen anderer, kramte mein eigenes Musikabspielgerät heraus und schaltete es an, uninteressiert an der Frage, ob ich irgendwen mit meinem Lärm belästigen könnte...
[Im Hintergrund: Deftones - "White Pony"]
morast - 1. Nov, 15:12 - Rubrik:
Bahnbegegnungen
Halloween ist vorbei. Es wird Zeit, sich anderen Dingen zu widmen. Heute beispielsweise den kleinen Alltäglichkeiten des Lebens...
Fiel Froide.
[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]
morast - 1. Nov, 00:31 - Rubrik:
Frederick
Spiegel-Bashing ist einfach und gern praktiziert. Ich wollte mich eigentlich enthalten, doch kann nicht anders, weil ich mich fragen muß, ob niemand außer mir zu merken scheint, daß in einem
Spiegel-Panorama-Artikel [und in deren Quellen] über die Kritik eines Wissenschaflters am Inhalt einer Single der Sängerin
Katie Melua ein kapitaler Fehler aufzufinden ist.
In einer Textzeile in
Nine Million Bicycles" heißt es:
"We are twelve billion light years from the edge,
That's a guess",
und der erwähnte Wissenschaftler kann nicht umhin, als die Zahl und das Wort "schätzen" zu korrigieren, sei doch das Alter des Universums mit 13,7 Milliarden Lichtjahren ziemlich exakt berechenbar...
Moment! "
Lichtjahre"???
"Das Lichtjahr ist eine astronomische Längeneinheit und nicht, wie der Name vermuten lassen könnte, eine Zeiteinheit. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die eine elektromagnetische Welle wie das Licht in einem tropischen Jahr im Vakuum zurücklegt. Das sind etwa 9,5 Billionen (9,5 · 1012) Kilometer."
[Wikipedia]
Das Alter des Universums wird mit 13,77 Milliarden Lichtjahren
angegeben.
Ich interessiere mich nicht für den Rundungsfehler, der 13,77 auf 13,7 Milliarden Jahre reduziert [und möglicherweise einer anderen Quelle entsprang]. Doch was ich mich frage, ist, warum weder Katie Melua noch der schlaue Bestsellerautor Simon Singh noch die Spiegel-Online-Redaktion bemerkten, daß Lichtjahre
keine Zeitangabe sind.
P.S: Während ich obiges verfaßte, korrigierte man den
ursprünglichen Spiegel-Artikel. Fraglich bleibt, ob man Katie Meluas "light years" einfach so als Jahre definieren darf...
P.P.S.: Die Frage, inwieweit es notwendig ist, überhaupt den Inhalt von Popsong auseinanderzunehmen, zu kritisieren und darüber zu berichten, habe ich bewußt außen vor gelassen.
[Im Hintergrund: Noekk - "The Watersprite"]
morast - 31. Okt, 09:57 - Rubrik:
Farbenfroh
Eigentlich sollte der Comic schon um Mitternacht im Netz sein, aber ich verspätete mich, weil der erste Versuch mißlang. Das war das dritte Mal, daß ich einen angefangenen, aber unschön werdenden Comic aufgab. Allerdings rappelte ich mich danach stets wieder auf, begann erneut oder mit anderem.
Daher bin ich also guter Dinge und kann frohen Mutes den
42. "Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter"-Comic präsentieren, der sich mal wieder [und voraussichtlich zum letzte Mal in diesem Jahr] mit der Halloween-Thematik auseinandersetzt.
Und so.
[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]
P.S.: Man beachte den wahrhaft aussagekräftigen Titel...
[Im Hintergrund: NIN - "Something I Can Never Have"]
morast - 31. Okt, 00:30 - Rubrik:
Frederick
Fang mich, Leben, wenn du kannst
Ich entfliehe durch die Zeit
stürme raschelnd durch den Herbst
find ein Stückchen Ewigkeit
laufe lachend von mir fort
laß den Horizont zurück
hüpf dem Heute ins Gesicht
find ein Stückchen Regenglück
nehm Reißaus ins Irgendwo
lausch dem Klang, zu dem sie tanzt
halte einen Augenblick lang still:
Fang mich, Leben, wenn du kannst.
[Im Hintergrund: Pink Floyd - "Wish You Were Here"]
morast - 30. Okt, 15:47 - Rubrik:
Seelensplitter
Heute fand ich heraus, warum zuweilen die schwarze Farbe des dicken Eddings über die Grenzen tritt, die ich vorher zeichnete. Ich dachte, es läge an unzureichender Belüftung, da beim letzten Mal, als das geschah, das Blatt die ganze Nacht auf meinem Scanner verbrachte.
Doch heute fand ich die wahre Ursache heraus: Die Grenzen werden von der Farbe ignoriert, wenn sie nur mit Fineliner gezeichnet wurden, nicht - wie sonst - zusätzlich mit Filzstift. Albern, aber akzeptabel.
Gute Nacht.
[Bild klicken für eine geringfügige Vergrößerung.]
morast - 30. Okt, 01:47 - Rubrik:
Frederick
Exakt 22:10 machte ich mich auf den weiten Weg zu J, das funktionstüchtige und mit Superdynamo ausgestattete Fahrrad meines Mitbewohners nutzend. J wartete schon leicht fröstelnd, hatte ich mich doch für ein paar Minuten früher angekündigt. Wir schwangen uns auf die Räder und düsten langsam los. Langsam, weil Js frisch repariertes Rad unganzer war als gedacht und demnach den Fortbewegungszwecken wenig dienliche Macken aufwies. Trotzdem kamen wir voran, und während ich in der Sparkassenfiliale Geld aus der Wand zauberte, versuchte J sich daran, die lockere Fahrradkette richtig zu positionieren.
Aufgrund der damaschkeplatzigen Pozileifreiheit [Js Licht war wesentlich inexistenter als das meinige] aufatmend erreichten wir das Kino, wo wir die Räder sachgemäß vertäuten und uns an der nächstbesten Schlange hintenanstellten. "Hier geht es am Schnellsten.", wußte ich zu behaupten, doch behielt nicht recht, da die jungen Menschen vor uns Parallelwartereihen bildeten, in die sich immer mehr von ihnen stellten [Der Gesamt-IQ schien trotzdem nicht zunzunehmen.].
Kurzerhand wechselten wir die Schlange, gerade rechtzeitig, um mitzuerleben, daß ein Pärchen seine Unentschlossenheit beseitigt hatte, sich vor uns einreihte und kurz darauf ein weiteres Pärchen begrüßte. Ich grummelte ein wenig, doch J war cleverer und nutzte die Gesprächsbeschäftigkeit der vier zu Vordrängelzwecken aus. Das wurde letztendlich zwar bemerkt, aber nicht geahndet, so daß wir uns in Ruhe überlegen konnten, ob nun "Doom" oder "Der Fischer und seine Frau" der angemessenere Film sei. Ich drückte meine Tendenz zu dem Christian-Ulmen-Film überumständlich aus, doch wir verstanden uns und kauften entsprechende Karten. Leider war Js Stempel-Bonus-Super-Checker-Karte schon abgelaufen, so daß sie eine neue bekam. Eigentlich zwei, meine nahm sie auch. Und die Kinokarten. Und zwei Superdupergutscheine für Tortilla Chips.
Nun jedoch war sie verwirrt. Ich zunächst auch, stand doch am Eingang niemand, um die Karten zu zerreißen. Dann aber doch, und ich quitterte die Entwertung mit einem freudigen Lächeln. J verschwand, tauchte wieder auf, besorgte Tortilla Chips mit leckerem Käsesaucendip und stellte betrübt fest, daß der eben erworbene Superdupergutschein nur für große Portionen galt, also im Augenblick nichts nützte. Mist.
Kino 2 wartete auf uns. Es war nahezu leer. Nur acht weitere Personen wollten "Der Fischer und seine Frau" sehen. Wir plazierten uns trotzdem in die Parkett-Reihe, um einerseits unserer Ehrlichkeit Ausdruck zu verleihen und andererseits Js Vorliebe für vordere Sitzplätze zu befriedigen.
Die Verbraucherinformationen begannen und waren unglaublich schlecht. Nicht minder schlecht waren die Film-Ankündigungen für die Zukunft. "Typischer Frauenfilm.", wußte J fachgerecht zu attributieren.
Dann ging es los. Der Käsedip war alle, die Chips aber noch nicht. Dafür war der Film schön, barg eine Menge Schmunzler und nicht weniger nachdenkenswerte Momente, erfreute mit angenehmer Leichtigkeit, die sich wohltuend mit berührender Ernsthaftigkeit mischte. [Ich breche die alberne Filmkritik an dieser Stelle ab, bevor ich mich in noch albernere Ausdrucksweisen verliere...]. Kurz: Der Film war schön.
Wir gingen raus zu den Rädern in die Kälte auf den mit klassischer Musik bestreuten Bahnhofsvorplatz und fuhren auf der falschen Straßenseite, partiell ohne Licht, heim, verabschiedeten uns vor meiner Haustür und waren kurz nach Eins in jeweils heimatlichen Gefilden angelangt.
morast - 30. Okt, 01:40 - Rubrik:
Wortwelten