Noch eine Frage, die mich beschäftigt - eigentlich schon seit einer geraumen Weile:
Wieviele Quadratmeter Getreide sind notwendig, um ein Brot herzustellen?
Mit dieser Frage belästigte ich schon unzählige Menschen, doch erhielt nie eine Antwort, die anders klang als das übliche "Kommt drauf an..."
Mir ist klar, daß es abhängig ist, welche Getreidesorte man verwendet. Mir ist klar, daß es vom Boden abhängt, vom Wetter, wie gut die Ernte ausfiel und so weiter.
Mir ist klar, daß es davon abhängt, wie groß das Brot ist und was der Bäcker für eine Laune hatte.
Doch wünsche ich keine konkrete Antwort, keine, die vierhudnert Nachkommastellen beinhaltet, sondern nur eine ungefähre:
Braucht man für ein Brot einen, zwei, zehn oder gar Hundert Quadratmeter Weizen/Roggen/wasweißich?
morast - 27. Jun, 16:19 - Rubrik:
Krimskrams
Wie heißt eigentlich das evangelische Gegenstück zu einem Katholik?
Wie heißt ein einzelner Anhänger des evangelischen Glaubens?
Evangelist?
Evangele?
Tatsächlich befragte ich mittlerweile mehrere Freunde und Bekannte, darunter auch diverse evangelistisch Angehauchte, ohne eine zufriedenstellende Antwort zu erhalten, eine Antwort, die keinerlei Unsicherheit in sich barg, keinerlei Wunsch, lieber noch einmal irgendwo nachzusehen.
Ich befürchte ja, daß "Evangele" richtig ist, obgleich ich der Ansicht bin, daß dieses Wort furchtbar klingt.
Doch glaube ich nicht, der erste zu sein, den diese Frage beschäftigt.
Irgendwo muß es eine Antwort geben...
morast - 27. Jun, 16:13 - Rubrik:
Krimskrams
Vielleicht wäre es das Einfachste, man ließe nur noch die Besitzer einigermaßen einflußreicher Medienunternehmen als Wähler zu. Dann sparte die Regierung eine Menge Aufwand mit Wahlbüros und Wahlzetteln, und die entprechenden Unternehmen könnten darauf verzichten, das Volk mit manipulativen Beiträgen in eine bestimmte Gesinnungsrichtung zu drängen.
morast - 27. Jun, 09:39 - Rubrik:
Wortwelten
grau grau und grau. ein grauer brei. tage, stunden, wochen. grau. zuweilen ein blitz. erhellend. erhellt mein leben. zerreißend. zerreißt das grau. zerreißt mich.
morast - 26. Jun, 23:39 - Rubrik:
Wortwelten
Die Kinderlieder "Mein Hut, der hat drei Ecken"
Mein Hut, der hat drei Ecken,
drei Ecken hat mein Hut.
Und hätt' er nicht drei Ecken,
so wär' er nicht mein Hut!
und "Ein Mops kam in die Küche"
Ein Mops kam in die Küche
und stahl dem Koch ein Ei,
da nahm der Koch den Löffel
und schlug den Mops entzwei.
Da kamen viele Möpse
und gruben ihm ein Grab.
Und setzten ihm ein`Grabstein,
worauf geschrieben stand:
Ein Mops kam in die Küche...
haben dieselbe Melodie.
morast - 25. Jun, 15:19 - Rubrik:
Farbenfroh
Erstaunlich, daß das Wort glauben sowohl Unsicherheit als auch Sicherheit zugleich auszudrücken vermag.
Denn benutzt man glauben mit Dativ, teilt man also mit, wem man glaubt, strahlt man Sicherheit und Zuversicht aus. Jegliche Ungewißheit weicht.
Ähnlich verhält es sich, wenn man an jemanden glaubt, an Gott, beispielsweise. Die Zweifel werden reduziert, minimiert.
Beginnt man aber einen Satz mit diesem Verb und einem darauf folgenden Nebensatz ["Ich glaube, daß ..."], vermag man unkompliziert seine Unsicherheiten zusammenzufassen und auf ein Wort zu reduzieren - egal, woher die Unsicherheiten rühren.
Substantiviert man also das Verb "glauben" zu "der Glaube", so erscheint mir keineswegs gegeben, daß der Glaube eine Sicherheit ausdrückt, die unzerstörbar ist.
Den Glauben zu vernichten, soll angeblich schwierig sein.
Das bezweifle ich, steckt doch in diesem winzigen Wort nicht nur Sicherheit, nicht nur Zuversicht, sondern auch Unsicherheit, Zweifel.
Es ist, als hätte man versucht, aus Morast und Stein ein festes Haus zu bauen...
morast - 25. Jun, 11:01 - Rubrik:
Krimskrams
Das heutige Wort des Tages erfand ich schon vor einer kleinen Weile. Doch als ich vorhin darauf stieß, war ich von meiner Erfindung so begeistert, daß ich es gleich in diese Rubrik aufnehmen mußte.
Es gab also einen Tag, an dem ich meine Existenz nicht sondelrich gutheißen konnte, sie beschimpfte als "Drecks-Existenz". Noch bevor ich das Wort ausgesprochen oder niedergschrieben hatte, verknüpfte ich es zu einem Neologismus.
Das Wort des heutigen Tages lautet also
Drecksistenz.
morast - 23. Jun, 21:18 - Rubrik:
Tageswort
morast - 22. Jun, 22:27 - Rubrik:
Farbenfroh
Es gewittert.
Ich weiß nicht, ob es gestattet ist, dieses Verb in Benutzung zu ziehen, doch weiß, daß es mir gefällt - sowohl das Verb als auch dessen Inhalt. Ich liebe es, wenn der grummelnde Donner durch die Wolken rollt, grelle Blitze vor sich her treibt, wenn der Himmel zerreißt, für Sekundenbruchteile von weißen Fäden beleuchtet wird, wenn Menschen die Straßen verlassen, fliehend Schutz suchen, als gälte es, unbezwingbaren Urgewalten zu entkommen. Ich liebe es, allein auf dem Asphalt zu stehen, auf vereinsamten Plätzen darauf zu warten, daß der Regen fällt, daß die schweren Wolken sich entladen, sich befreien.
Menschenmünder, die eben noch über die schwüle Hitze schimpften, die angewidert ihre eigenen Schweißgerinnsel abwischten, verstummen für einen Augenblick, zucken zusammen, als unmittelbar auf den Blitz ein überwältigendes Donnern folgt. Regen klatscht machtvoll an die geschlossenen Fenster, und die Münder öffnen sich wieder: "Scheiß Regen! Ich hasse Gewitter!"
Ich gehe raus. Der Altkleidersack wartet seit mehreren Tagen darauf, heruntergebracht zu werden. Nun ist der richtige Zeitpunkt gekommen: Es gewittert.
Mich stört es nicht, naß zu werden. Ich freue mich darüber, freue mich, mit durchweichten Klamotten im Regen zu stehen und nicht nässer werden zu können. Über mir grummelt es noch immer.
"Auf dem Weg zum Müllcontainer vom Blitz getroffen!"
Die Schlagzeile des morgigen Tages. Zack! Ein Blitz erwischte mich direkt vor dem Altkleidercontainer. 50 Meter Fußweg - und auf ihnen lauerte der Tod.
Der Gedanke amüsiert mich.
"Er wollte nur seine alten Klamotten entsorgen und das Gewitter erleben.", würde es heißen, "Er liebte Gewitter, hatte seinen Mitbewohnern begeistert davon vorgeschwärmt. Gerade wollte er den Müllsack in den Container werfen, als der tödliche Blitz auf ihn herabzuckte. Er hatte keine Chance. Sein Herz setzte innerhalb von Sekundenbruchteilen aus. Als der Rettungswagen eintraf, schwelte der Altkleidersack in seiner Hand noch immer vor sich hin ..."
morast - 21. Jun, 22:49 - Rubrik:
Wortwelten
Vielleicht ist diese Beziehung eine befremdliche, eine unmögliche. Vielleicht sind aber Beziehungen stets das Gegenteil von einfach, stets verworren, für Außenstehende nicht nachvollziehbar. Vielleicht.
Ich versuche mir darüber klar zu werden, wer ich bin, was ich will, was ich empfinde, ja auch, was sie empfindet. Die Antwort auf die letzte Frage ist vielleicht die schwerste. Vielleicht auch die einfachste, bedenkt man, daß ich nach mehr als zwei Jahren noch immer nicht imstande zu sein scheine, Antworten zu finden, mir Antworten zu geben, mir selbst zuzugeben, was ist.
Dabei kann es nicht allzu schwierig sein, das Gegenwärtige auszudrücken. Ich liebe sie. Sie liebt mich nicht. Vermutlich. Ich weiß es nicht, will es mir nicht eingestehen.
Und damit beginnt die Misere. 'Vielleicht...' denke ich, immer wieder, und hoffe.
"Die Hoffnung ist mein Untergang.", schrieb ich einst und glaube es noch immer. Hoffnung birgt Trost, doch auch Unmengen von Schmerz.
Ich versuche, mich zu verstehen, zu erfassen, was ich fühle.
Manchmal zweifle ich an mir, an meiner Liebe zu ihr. Dann wieder scheint alles klar, einfach, gesichert: Ich liebe sie, tiefer und inniger denn je. Zuweilen bedarf es nur eines Blickes, eines Wortes, und ich weiß, was ich empfinde, fange mich selbst mit meiner Liebe, sperre mich in einen Käfig aus Unerreichbarkeit.
Unerreichbarkeit? Ja, Unerreichbarkeit. Denn ich kann sie nicht erreichen. Sie weiß, weiß um meine Gefühle, um meine Liebe, kann sie nicht ignorieren - und schafft es doch. Ich weiß nicht, ob es ihr schmerzt. Wenn ja, tut es mir leid, ist es doch nicht mein Wunsch, ihr Schmerz zuzufügen. Wort für Wort, Blick für Blick, reihe ich aneinander, doch erreiche sie nicht.
'Vielleicht ja doch.', denke ich und hoffe schon wieder.
Unerreichbarkeit gilt aber auch in umgekehrtem Sinne. Ich will nicht erreicht werden, unsichtbar sein, nur für sie existieren. Sicherlich, das ist dumm und weltfremd. Zuweilen unterbreche ich mich, um zu leben. Doch immer wieder flüchte ich aus dem Dasein und suhle mich in meiner Liebe, die Schmerz und Trost heißt, die Sehnsucht und Verzweiflung birgt.
Ja, ich liebe sie. Es ist einfach, das zu denken, zu schreiben. Doch ich kann es ihr nicht sagen. Ich will nicht ihre Tränen sehen, nicht ihre Verzweiflung. Und erst recht will ich nichts von der Unmöglichkeit hören, will ich nicht meine Hoffnungen begraben wissen.
Denn ich weiß, daß da etwas ist. Vielleicht ist es keine Liebe, doch ist es mehr als nur schlichte Freundschaft, mehr als nur ein Einanderkennen und -mögen. Und ich kralle mich an den Gedanken, daß dieses "mehr" vielleicht wachsen wird, vielleicht zurückkehren kann zu der Liebe, die es einst hätte sein sollen.
Die Beziehung hat vor mehr als zwei Jahren ihr Ende gefunden. Ist beendet worden. Von ihr. Nach nur drei Monaten.
Vielleicht, wahrscheinlich, hatten wir einander nur zu einem falschen Zeitpunkt gefunden. Vielleicht, wahrscheinlich, waren äußere Faktoren nicht unschuldig an der Trennung. Vielleicht lebten wir auch ein Mißverständnis. Vielleicht.
Ich glaube, daß es vorbei ist, was immer es genau war, was immer uns damals auseinanderzerrte [Denn mit Sicherheit gab es keinen präzise zu beziffernden, einzelnen Punkt, der alle Schuld auf sich laden konnte.]. Ich glaube, daß es jetzt funktionieren würde. Mit uns. Noch einmal. Doch dieses Mal "mehr". "Richtig". Länger.
Und an diesem Glauben, an dieser Hoffnung halte ich fest. Vielleicht warte ich tatsächlich auf sie. Vielleicht.
Warum auch nicht? Sie ist es wert. Dessen bin, war ich mir stets sicher.
Doch ich erreiche sie nicht. Sie sieht mit nicht, will mich nicht sehen, stöbert durch die Welt und findet. Vielleicht nicht das, was sie sucht, doch Trost, Halt, Wärme, Nähe, das Gefühl, zuweilen geliebt zu werden, ausreichenden Ersatz für mich. Ich weiß noch nicht einmal, ob sie jemals mit den Gedanken spielte zurückzukehren, weiß nicht, was sie wirklich für mich empfindet, weiß nicht, ob sie jenes "mehr" auch verspürt oder einfach nur Freundin zu sein glaubt, einfach nur jemand, der mich kennt, schätzt und versteht.
Sie versteht mich. Vielleicht ist es das. Nur drei Monate waren ausreichend, um mich geborgen, verstanden zu fühlen wie noch nie, um zu wissen, daß sie vielleicht die Ewigkeit für mich bedeuten konnte, daß sie mich vielleicht mehr begriff, als ich es je könnte.
Die Frage, die bleibt, ist die, was sie empfindet, was sie von mir hält. Es ist immer das gleiche Spiel: Was denkt sie? Was geht in ihrem kopf, ihrem Herzen vor? Was bedeute ich ihr? Was sieht sie in mir?
Und diese Fragen sind wichtig, bergen sie doch die Antwort auf alles weitere. Wenn ich ihr nichts geben könnte, wenn ich sie nur ausnutzte, aussaugte, ihr kein Leuchten, keinen Gewinn brächte, würde sie mich wohl meiden, würde sie sich niemals derart in meine Nähe begeben, wie sie es noch immer tut.
Ich bedeute ihr etwas. Doch was? Warum betrübt es sie, wenn ich sie "vergessen", vernachlässigt zu haben scheine? Warum betrübt es sie, als wäre meine Liebe die Basis unserer Beziehung, unserer "Freundschaft"? Geht sie davon aus, daß meine Liebe ewig verweilen wird, auf sie wartet, sonnt sie sich im Glanz meiner Gefühle? Genießt sie vielleicht mein Sehnen und denkt hin und wieder daran zurückzukehren, Träume zu erfüllen, die unerfüllbar zu sein scheinen?
Doch warum kommt sie dann nicht zurück? Warum weilt sie dann in der Ferne, in fremden Armen, die ihr - trotz allem - nicht ausreichen, nicht all das geben können, was sie ersehnt?
Kann ich es? Vielleicht. Ich weiß es nicht. Wie könnte ich?
Doch tatsächlich bin ich mir ziemlich sicher. Ich weiß, was ich anders, besser, machen würde, könnte, daß Eigenschaften in mir wohnen, die sie ersehnt. Ich weiß, daß ich sie liebe, daß ich es ihr mit jedem Lidschlag, mit jedem Atemzug, zeigen würde.
Zwei Jahre sind eine lange Zeit. Sie hätte längst zurückkommen können, sollen. Warum tat sie es nicht? Warum? Sinkt nicht mit jedem vergehenden Tag die Wahrscheinlichkeit, daß sie zurückkehrt? Ich weiß es nicht. Ich weiß es mal wieder nicht.
Warum sollte sie nicht - ebenso wie ich zu Kurzschlußhandlungen neigend - eines Tages spontan feststellen, daß ab nun ich, nur ich, der Richtige, der Einzige, ihre wahre Liebe, sei? Warum nicht? Die Welt ist wirr und albern.
Vielleicht sollte ich mich "bessern". Bodenständiger werden. Nur abhängig von mir selber, mich stärken, Willen und Körper. Voranschreiten, eigene Wege schaffen. Vielleicht sollte ich in meinem Leben weitergehen, aufsteigen und der Welt zeigen, daß ich es schaffe, daß ich es kann, daß ich bin, was ich bin, daß ich mag, wie ich bin, meinen Unsicherheiten begegnend, mich meinen Ängsten stellend. Vielleicht.
Vielleicht wäre ich dann attraktiver, anziehender, nicht mehr der kleine Junge, dessen einziger Sinn im Leben die Liebe zu sein scheint. Vielleicht wäre ich dann weniger anhänglich, weniger sehnend. Vielleicht.
Vielleicht wäre ich mir dann aber fremd, ein anderer, vielleicht auch ihr fremd, noch ferner. Wer weiß.
Vielleicht sollte ich mich lösen. Vielleicht hätte ich mich längst lösen sollen. Ich versuchte es. Durchaus. Damals war es zu früh. Heute wäre ich dazu bereit. Glaube ich.
Kann man zwei Menschen lieben? Ja, durchaus. Ich bin mir sicher.
Die Situation ist also nicht ausweglos. Nur unendlich verworren.
Ich wüßte nicht, was ich ohne sie täte. Allein der Gedanke, sie irgendwann nicht mehr sehen, nicht mehr mit ihr reden zu können, schmerzt. Ich verdränge ihn, vergesse ihn. Warum soll ich mir Schmerz aufbürden, der nicht zu vergehen vermag?
Ist meine Liebe zu ihr vergänglich? Ich weiß es nicht. Vielleicht. Bisher verging sie nicht. Ich will es nicht wissen. Erst recht vermag ich nicht zu vergleichen. Liebe ich sie mehr/weniger als "damals"? Ich weiß es nicht.
Kann man, kann ich, zwei Menschen lieben? Könnte ich einem Wesen in meinem Herz so viel Platz schaffen, daß ich nicht ständig sehnsüchtig ihr hinterhersehne, die mich längst verließ? Vielleicht. Wahrscheinlich. Ja.
Und was wäre dann mit ihr? Wie empfände sie? Freute sie sich? Weil ich endlich aufhörte, sie mit meiner Liebe zu belasten? Freute sie sich für mich, weil ich es endlich "geschafft" zu haben scheine? Letzteres ist wahrscheinlich.
Wäre sie betrübt, weil ich nun für sie verloren wäre, weil nun nicht länger all meine Liebe ihr gelten würde? Vielleicht.
Die Schwierigkeit meiner Situation liegt nicht in ihrer Unklärbarkeit, sondern in ihrere Stagnation. In freien Augenblicken denke ich nach, sinniere, stürze mich in Hoffnung, in Licht und Leid. Ich vermag keine Antworten zu finden. Vermutlich wüßte auch sie keine.
Und so verbleibt mir nichts weiter, als Schritt für Schritt der Zukunft entgegenzuschlendern, als hielte sie Gutes bereit, als klärte sich mein Fühlen, meine Liebe, in künftigen Tagen, als wäre die Liebe in mir nicht vergebens.
morast - 16. Jun, 20:00 - Rubrik:
Geistgedanken
Ich finde, Feuerwerk wird total überschätzt. Sicherlich gab es Zeiten, in denen auch ich staunend in den Himmel starrte und jede Rakete bewunderte. Doch jetzt kann mich Silvesterfeuerwerk kaum noch entzücken, muß schon besonders toll oder besonders schlicht sein, um mir ein begeistertes Lächeln zu entlocken.
Unangenehm empfinde ich allerdings, daß in den letzten Jahren das Feuerwerk zu einem Ramschartikel zu verkommen zu sein scheint, weil jede größere Veranstaltung, die etwas auf sich hält, mit einem solchen beginnt oder endet [oder beides]. Und mit zunehmender Häufigkeit der pfeifenden und knallenden Nachthimmelerheller sinkt auch mein Interesse für sie, meine Euphorie für die Lichterfunken über mir.
'Jaja, ein Feuerwerk.', denke ich mir und sehe demonstrativ weg, nach unten.
Vor einer Weile verließ ich eine sogeannte Beachparty an der Elbe, fuhr nach Hause. Kaum hatte ich mich - von Musik und Menschen wenig erfreut - vom Gelände entfernt, begann ein kleines, aber zehnminütiges Feuerwerk. Tatsächlich muß ich gestehen, daß es einige schöne Elemente enthielt. Doch das Feuerwerk in seiner Gesamtheit störte mich eher, als daß es mich erfreute.
Warum? Ich weiß auch nicht. Mich störte, daß der DJ im Anschluß zu gegenseitigen Umarmungen aufforderte, als sei das Feuerwerk etwas Harmonisches, Verbindendes. Das war es nicht; schließlich war es laut und grell. Mich störte, daß die Partybevölkerung ausgelassen applaudierte, als hätten sich die Veranstalter etwas Besonderes ausgedacht. Das hatten sie nicht, sah ich doch in den letzten Monaten mehr als drei Feuerwerke ähnlicher oder besserer Art.
Und noch ein Gedanke störte mich: Wir als Eintrittskartenkaufende hatten dieses wenig spektakuläre und in meinen Augen überflüssige [Denn wozu braucht eine Open-Air-Tanzveranstaltung ein Feuerwerk?] Feuerwerk mitbezahlt.
"Nein, das waren die Sponsoren.", ertönt eine kritische Stimme aus dem Publikum. Ich gebe ihr recht. Doch hätten die Sponsorengelder nicht anders eingesetzt werden können? Beispielsweise, um Eintritts- oder Getränkepreise zu verringern? Die kritische Stimme schweigt.
Es ist ähnlich der supertollen Gewinnspiele, die überall angepriesen werden.
'O toll!', soll man denken, 'Bei dieser genialen Firma kann ich fantastische Preise gewinnen. Die sind so gut zu mir.'
Doch das sind sie nicht. Eine Firma arbeitet natürlich, um Gewinn zu machen. Dementsprechend müssen auch die Ausgaben für die fantastischen Preise irgendwie gedeckt werden. Wer bezahlt also die fantastischen Hauptgewinne? Der Kunde, der die Produkte der Firma kauft, natürlich. Also der potentielle Gewinnspielteilnehmer. Also derjenige, der sich über die Möglichkeit, fantastische Preise zu gewinnen freut. Bescheuertes System. Doch es funktioniert.
Aber ich schweife ab. Ich glaube, der Reiz des Feuerwerks würde zumindest ansatzweise zurückkehren, würde ich nicht ständig damit "erfreut" werden, würde also das Feuerwerk die Aura des "Besonderen" bewahren können. Menschen schätzen erstaunlicherweise Dinge, die selten sind, mehr als überall Anzutreffendes. Vielleicht klappt das ja auch hier.
Wenn nicht, ist mir vielleicht der handelsübliche Sinn für Romantik abhanden gekommen, ohne daß ich es bemerkte...
morast - 16. Jun, 01:00 - Rubrik:
Wortwelten
Ich denke nach. Oft und gerne. Es fällt mir leicht nachzudenken, Gedanken hinterherzusinnen, die wie von selbst in meinem Kopf erscheinen, sich ausbreiten, dünne Netze weben, deren Fäden ich folge. Manchmal verliere ich mich, verliere den Faden, rutsche ab, treibe in andere Gefilde. Manchmal bleibe ich aber, finde den Weg zur Mitte, zu einem Ergebnis, zu einer vermeintlichen Lösung, einer möglichen Erkenntnis.
Wenn ich nachdenke, dann meistens über mich. Selbst wenn ich nicht über mich nachdenke, bin es doch ich, ist es doch meine Welt, die mich zum Denken anregt. Alles gehört dazu, jede Kleinigkeit, jedes Detail. Alles ist irgendwie ich, Teil von mir. Ich betrachte mich, wie ich in der Gegenwart umherirre, betrachte meine Vergangenenheit, erinnere mich und folge den Erinnerungen in ihre, in meine, Zukunft. Ich schlußfolgere, sehe mich wie von einem entfernten Standpunkt aus, wundere mich über meine Taten, meine Gedanken, über die Welt, die mich umgibt und analysiere. Wo begann es? Wo führt es hin?
Ich sehe mich vor Problemen stehen und erkenne Ursachen, sehe die Wurzeln meiner Ängste, glaube mich zuweilen zu verstehen, glaube zu wissen, was ist, wie ich agieren werde, wie ich handeln sollte, um nicht alten Fehlern zu begegnen, um nicht endlos in der Starre zu verharren.
Ich fülle Seiten mit Worten, die Sinn ergeben, mit Schlußfolgerungen, die logisch erscheinen, mit Fragen, die ich zu beantworten vermag. Doch ich glaube mir nicht.
Immer beschleicht mich das Gefühl, ich würde mich selbst belügen, ich würde nur winzige Teile der Wahrheit erkennen, winzige Teile von mir begreifen. Ich sehe meine Antworten und weiß, daß das nicht alles ist, daß mehr dahinter steckt, sich vor mir verbirgt, unentdeckbar zu sein scheint. Ich sehe meine Antworten udn weiß, daß es längst nicht alle waren, daß immer wieder neue Fragen auftauchen, deren Antworten mir verborgen bleiben oder wiederum neue Fragen keimen lassen.
Ich denke darüber nach, was ich bin, wer ich bin, was ich will, wohin meine Wege führen könnten, wer welche Rolle in meinem Dasein spielt. Ich denke darüber nach, was sein könnte, was gewesen sein könnte, ob andere Vergangenheiten eine bessere Zukunft gebären würden, ob andere Schritte "richtiger" gewesen wären. Ich denke darüber nach, was ich fühle, warum ich es fühle, ob es sinnvoll ist zu fühlen, was es nützt, ich zu sein.
Und ich denke darüber nach, daß keine Antwort ausreichend wahr ist, daß ich mit jedem Wort, mit jedem Gedanken nur einen Teil zu erfassen glaube. Es ist, als beleuchtete ein Licht nur kleinste Ausschnitte eines riesigen Ganzen, und ich versuchte, mir aus den Teilen des Mosaiks ein Bild zu formen, ein Bild, das Sinn ergibt, ein Bild, das - womöglich - mich selbst zeigt. Es bedarf nur einer anderen Stimmung, nur einer anderen Denkrichtung, nur einer anderen Eingebung, um mich eine andere Wahrheit entdecken zu lassen, um mir ein neues Teil des überdimensionalen Mosaikbildes aufzuzeigen, dessen Gesamtheit womöglich die Antwort auf all meine Fragen beinhalten könnte.
Doch ich sehe es nicht, finde das Bild nicht, kann es niemals vollständig erfassen, aufnehmen, begreifen. Nur Funken, Splitter, verbleiben in meinem Geist und formen Gedanken, die richtig klingen, doch zu wenig sind.
Vielleicht ist es tatsächlich eine Art Suche nach Selbsterkenntnis, die mich unbewußt erfüllt; vielleicht will ich tatsächlich finden, wissen, erkennen. Vielleicht jedoch will ich gar nicht, vielleicht gibt es kein bewußtes Wollen, nur den Strudel der Gedanken in meinem Kopf, der mich zwingt, immer wieder in alle Richtungen zu sehen, zu denken, und Lichtblicke zu erfahren, die sich mir als "wahr", als "richtig", offenbaren - doch sich im nächsten Augenblick als unzureichend herausstellen.
Ich weiß nicht, wer ich bin, weiß nicht, warum ich so oder so agiere, reagiere, kann keine Antwort finden auf die Frage nach meinen Gründen, nach meinen Trieben, nach meinen Antrieben, glaube längst nicht, mich entdeckt zu haben.
Ich sehe Ängste, die mich lähmen, doch kann ihnen nicht begegnen, obwohl ich mir ihrer Lächerlichkeit bewußt bin. Ich sehe meine Liebe, die mich bewegt, mich lachen und weinen läßt, doch vermag ich nicht, sie zu kontrollieren, in andere Richtungen zu lenken, sie zu durchschauen. Ich sehe mich, wie ich versuche, mich selbst zu begreifen und weiß, daß ich schon zuvor Tausende Male bei dem gleichen Versuch versagte - ohne daß mir das Versagen oder das Wissen darüber Nutzen geschenkt, einen Weg aufgezeigt hatte, dessen ich habhaft werden konnte.
Ich sehe mich fliehen, wieder und wieder, in andere Welten, weil die Wirklichkeit mir nicht wirklich genug ist, weil sie vollgestopft ist mit meinen eigenen Gedanken, meinen Ansichten, meinen Hintergründen, mit meinen Anschauungen, mit meinem Wissen, mit meinen Worten. Überall begegne ich mir, höre meine Stimme denkend das Begreifen ersuchen. Ich versuche zu verstehen und danach zu handeln - doch verstehe ich zu wenig.
Und dann wünsche ich mir, ich würde verstummen, jemand drehte den Klang meiner Gedanken ab, ließ ihn lautlos verschallen, als gäbe es ihn nicht. Ich wünschte, fremde Stimmen würden meinen Schädel befüllen und mir aufzeigen, daß ich mich irrte, daß alles anderes, vielleicht leichter, wäre, daß es nicht meiner unzähligen Gedanken bedürfe, daß man nur die Augen zu verschließen bräuchte, um des Gesamtbildes habhaft zu werden.
Oder ich wünschte mir, ich könnte mich fortstehlen, würde von einem Wirbelsturm hinfortgetragen werden, ließe mich selbst zurück. Ich weiß nicht, was ich wäre ohne all diese Gedanken, ohne diese Gefühle, ohne das Sehnen nach mehr, ohne das Begreifen der eigenen Unkenntnis, ohne mich. Ich weiß nicht, was ich wäre, ohne meine Liebe, ohne meine Ängste, ohne meine Hoffnungen, ohne die zahlreichen Versuche, alles zu durchschauen, alles in mir aufnehmen zu können. Ich weiß es nicht.
Und dann begreife ich, daß es gut ist, was, wer, ich bin, daß ich mich eigentlich dabei wohl fühle, meine Existenz leben zu können, daß ich mich wohl bei einer Auswahlmöglichkeit wieder für mich, für mein Dasein, für mein Denken, entscheiden würde, daß ich mich mag, wie ich bin.
Und dann begreife ich, daß ich selbiges schon längst begriffen hatte und trotzdem immer wieder versuchte, tiefer zu gehen, mehr zu verstehen, an mir verzweifelte, an der Unlösbarkeit der eigenen Wege, der eigenen Gedanken, daß ich trotzdem, trotz des Wunsches nach meinem eigenen Leben, so wie es ist, trotz der befremdlichen Akzeptanz meiner selbst, trotz der erstaunlicherweise existierenden Liebe zu mir selbst, von mir zu fliehen versuchte, mich zuweilen ausschalten, vernichten wollte, als berge diese Tat die einzige Lösung aller Fragen.
Und nun?, frage ich mich dann - und mache weiter wie bisher, Schritt für Schritt in die Ungewißheit des Kommenden, stagnierend, voller Fragen, voller Antworten, die allesamt unzureichend erscheinen. Ich atme, lebe, als wäre es das Normalste der Welt, und bleibe ich, wasimmer ich tue.
Und nun?, frage ich mich dann - und finde wieder keine Antwort.
morast - 15. Jun, 17:12 - Rubrik:
Geistgedanken
Aufgewacht. Das erste Gefühl ist ein schlechtes. Oh nein, nicht noch ein Tag.
Dann das Lied in meinem Kopf: Madrugada mit "Ramona". Ich lächle. Vielleicht gibt es noch Lichtblicke. Der Wecker klingelt ein zweites Mal. 'Jaja.', murmle ich und schalte ihn ab, starre mit offenen Augen an die Decke. Ein Sonnenstrahl versucht, sich durch den Vorhang zu kämpfen, findet mich.
Seufzend stehe ich auf. Ein neuer Tag beginnt. Doch ich will ihn nicht.
morast - 15. Jun, 09:51 - Rubrik:
Morgenwurm
der wangen unsichtbarer flaum
die zarte linie deines kinns
der lippen rauchumwölktes rot -
doch stets liebkost von falschem mund.
auf deiner haut die namen malen
auf stillem weiß, das lockend lacht
in mundeswinkeln lächeln finden
hauch aus meinem herz in deins
in stürmen deine hand zu halten
als wäre zwei noch immer eins
gedanken ohne worte teilen
und dich berühren
küssen gar.
als deine hand die fremde findet
als deine augen blickverschnürt
als unsichtbar mein sein verschwindet
dein lächeln mich im licht vergißt
schließ ich zu tränen alle augen
verkriech die sinne tief im traum
und flüstre einsam deine worte
als weiltest du noch immer hier.
www.bluthand.de
morast - 14. Jun, 12:28 - Rubrik:
Seelensplitter
in der blüte deiner stunden
duftgelockt zu dir verführt
traumverklebt in dir erwacht
lächelndes gemüt gefunden
deine sinne zwischen meinen
fingertanz verknotet uns
suchtgewebte flüsternetze
größtes werden keimt im kleinen
'fang mich auf!' - in beider munde
wortgebilde schauert süß
wärmt mit nähe zitterhaut:
samt in blütenzarter stunde.
www.bluthand.de
morast - 14. Jun, 12:00 - Rubrik:
Seelensplitter
"Hastndudnda?", also "Hast'n Duden da?"
ist ungleich
"Hastndudnda?", also "[Was] hast'n du denn da?".
morast - 13. Jun, 19:08 - Rubrik:
Krimskrams