Gefunden bei blogistin. Wunderschön...
Sie: „‚Für immer’ ist keine Zeitangabe, kein Haltbarkeitsdatum.“
Er: „Sondern?“
Sie: „Ein Glaubensbekenntnis an die Liebe.“
morast - 9. Jun, 14:46 - Rubrik:
Farbenfroh
"Kommst du heute abend vorbei?"
"Was ist denn heute abend?"
"Heute abend ist der Abend von heute."
"Heute abend ist morgen abend von gestern."
morast - 9. Jun, 13:59 - Rubrik:
Fetzen
Eine äußerst alberne
Idee, die ich bei
stackenblochen entdeckte und natürlich sofort aufgreifen mußte, war folgende:
1. Schnapp Dir das nächst greifbare Buch.
2. Blättere zu Seite 23.
3. Finde den 5. Satz.
4. Poste den 5. Satz und setze diese Anleitung davor.
Man beachte die Zahlen
23 und
5, die mich vollends von dieser Kasperei überzeugt hätten - wäre ich nicht schon längst begeistert auf der Suche nach ebenjenem Satz gewesen:
"Aber natürlich, so setzte Owen Meany mir auseinander, war ich erst elf, als sie starb, und meine Mutter erst dreißig; wahrscheinlich hatte sie gedacht, sie hätte noch eien Menge Zeit, um mir diese Geschichte zu erzählen."
[aus:
John Irving - "Owen Meany"]
morast - 8. Jun, 21:52 - Rubrik:
Farbenfroh
Ich kenne sie nicht. Ihr Name ist ein nie vernommener Klang in meinem Ohr, ein Stück Leere, wo Silben hätten die Stille befüllen sollen.
Ich kenne sie nicht, doch weiß genug, um mich fernzuhalten, um ihre Unerreichbarkeit zu respektieren, um keine Worte, nur Gedanken, zu verlieren.
Ich kenne sie nicht. Einst waren wir Teil desselben Dialoges, ein jeder als erwähnenswertes Anhängsel der eigenen Begleitung. Irgendwann in der Vergangenheit, als wir auf einer Wiese den ersten Strahlen eines fernen Frühlings frönten.
Ich kenne sie nicht, doch begegne ihr häufig, versuche ihre Blicke zu fangen, grüße sie mit einem Lächeln, mit einem leichten Nicken des Kopfes , mit zwei gehauchten Silben.
Und jedesmal grüßt sie zurück. Brennt ihr Lächeln in meinen Geist, bezeugt ihre unschätzbare Schönheit.
Vielleicht verliebte ich mich - einst, damals, als ich längst liebte. Vielleicht ist es nur ihr Antlitz, das mich verzauberte, immer neu verzaubert, ihr Lächeln, das mich reizt, mich träumen, versonnen gleichfalls lächeln läßt.
Vielleicht.
Ich kenne sie nicht. Doch dessen bedarf es nicht, um ihre Schönheit zu verehren, jeden ihrer Schritte erfürchtig betrachten zu wollen, um in leisen Augenblicken heimlich von ihr zu träumen...
morast - 8. Jun, 21:42 - Rubrik:
Geistgedanken
... bei einer thematisch anders orientierten Suche festzustellen, daß mein einstiger Praktikums-Betreuer Rodriguez einen außergewöhnlichen Vornamen besitzt:
Stalingrado.
morast - 8. Jun, 21:21 - Rubrik:
Krimskrams
Eine US-Studie will herausgefunden haben, daß
jeder dritte Forscher mogelt.
Die Erklärung dafür ziehe ich ohne Zögern aus meinem inexistenten Hut. Menschen, insbesondere Forscher, neigen dazu, gegebene Umstände prinzipiell irgendwelchen Gesetzmäßigkeiten unterordnen zu wollen. Zuweilen sorgt äußerer Druck dafür, manchmal wird aus eigenem Entschluß agiert.
Typisch jedoch ist, daß trotz ausführlicher Fehlerauswertungen nicht alle Ergebnisse in das nachzuweisende Gesetz hineinpassen. Dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Schuld bei dem "Ausreißer" zu suchen, ihn zu ignorieren bzw mit fadenscheinigen Ausreden für nichtig zu erklären. Oder ihn zu akzeptieren und der Gesetzmäßigkeit diverse, besondere Bedingungen beizuordnen, die letztendlich darauf hinauslaufen, daß ein korrektes Ergebnis unter realexistierenden Bedingungen nicht erreichbar ist [Man betrachte nur die Physik, wo die Existenz diverser Gesetzmäßigkeiten die Vernachlässigung möglichst vieler nichtidealer Begleitumstände voraussetzt.].
Forschungen können nur betrieben werden, wenn auf ein Ziel hingearbeitet wird. Einfach in den leeren Raum hineinzuforschen, kann sich niemand leisten. Doch das ergebnisorientierte Denken zieht mit sich, daß ein unerwartetes Ergebnis nicht als zulässig erachtet werden kann - und demensprechend behandelt werden muß.
Fraglich jedoch bleibt eines: Wieso soll man einem Forschungsergebnis Glauben schenken, das beweist, daß man Forschungsergebnissen keinen Glauben schenken sollte?
morast - 8. Jun, 19:39 - Rubrik:
Farbenfroh
Hunde mögen keine Einräder.
morast - 8. Jun, 19:18 - Rubrik:
Weise Worte
Nachdem ich in der Drogerie der älteren, stark geschminkten Dame mit ihrer hochtoupierten Weißhaarfrisur freundlicherweise an der Kassenschlange vorgelassen hatte, ohne daß diese die Tat mittels eines freundlichen Wortes, eines winzigen Lächelns oder auch nur eines einzigen Blickes in meine Richtung gwürdigt hätte, konnte ich nicht umhin, als das Innere ihres Einkaufswagens zu begutachten: Eine Flasche Wein, eine Kerze, eine Karte.
"In tiefster Trauer und Anteilnahme.", war auf der Karte zu lesen.
Moment! "Trauer und Anteilnahme"?
Ich blickte zu der Dame, deren helle Kleidung keinen Aufschluß über mögliche Trauer gab, deren Miene Desinteresse und Unmut über den auszuführenden Einkauf zeigte. Ich blickte in ihren Einkaufswagen und begriff: Eine schlichte Karte und eine Flasche Merlot für die Kondolenz und eine moderne, aber neutrale, in Grüntönen gehaltene Kerze für das Grab - ein optimales und vor allen Dingen preisgünstiges Rossmann-Universal-Trauerpaket.
Ich gebe zu, Verbitterung beschlich mich bei diesem Gedanken. Aber weder Wein noch Trauerkarten sollten nebenbei in einer Drogerie erstanden werden, bekommt doch dadurch der Anlaß, der Tod eines bekannten Menschen, einen Anstrich von Gewöhnlichkeit, von Alltäglichkeit verpaßt, als wäre - bloß weil immer wieder Menschen sterben - der Tod eines einzelnen nichts besonderes mehr und könne mit dem Rossmann-Universal-Trauerpaket einfach beiseite gewischt werden.
morast - 8. Jun, 17:15 - Rubrik:
Menschen
"Die Aufgabe
Schreibt uns eine Science-Fiction-Kurzgeschichte, die im Jahr 2015 angesiedelt ist - in 200 Wörtern! Egal, ob Romanze, Thriller, Reisebericht oder Uni-Anekdote - in der Zukunft ist alles möglich!"
So lautet ein Wettbewerbsaufruf [Und ein Aufruf ist es tatsächlich: Man beachte die Interpunktion.] der Zeitschrift
UNICUM.
Allein der zitierte Textausschnitt beinhaltet 30 Wörter und verdeutlicht eines: Es ist nahezu unmöglich, die Handlung eines sich in der Zukunft abspielenden Thrillers/Reiseberichts/... zu entwickeln, wenn man sich auf lächerliche 200 Wörter zu beschränken hat - insbesondere wenn man [wie ich] dazu neigt, Details zu erwähnen, synonymartige Aufzählungen benutzen und zuweilen Satzfragmente [unnötig] zu verschnörkeln.
Tatsächlich begann ich bereits, mir Gedanken und Notizen zu einem möglichen Handlungsverlauf zu machen, als ich mich der Wortbeschränkung besann. Ich muß zugeben, schon meine Stichpunkte umfaßten laut Winword-interner Zählung 112 Worte.
Wäre ich so frei, die Stichpunkte zu Sätzen zu wandeln, überträfe ich die vorgegebene 200 mit Leichtigkeit.
Eine zusätzliche Schwierigkeit bildet die Forderung, die Handlung im Jahr 2105 abspielen lassen zu wollen. Allein die Einführung einer - in der Gegenwart unbekannten - Technik würde einen bedeutsamen Teil des Gesamtwortvorrats rauben.
Doch verzichtet man auf derartiges, endet man in unverständlichem Gefasel - oder in einer Geschichte, die ebenso heute oder gestern hätte spielen können.
Ich bestreite nicht, daß es vorbildhaft-gute Kurzgeschichten geben mag, die nur 200 Wörter umfassen, doch bilden diese die erwähnenswerte Ausnahme - und sind mit Wortbeschränkungszwängen sicherlich nicht einfach zu überbieten.
Was mir also verbleibt, ist, entweder mich und mein Schreiben zu verstümmeln, fragend bei den Urhebern nachzuhaken oder meinen Teilnahmewunsch auf Null zu reduzieren.
Vielleicht renne ich aber auch laut fluchend durch den WG-Korridor und zähle die Schimpfworte, die meinem Mund entweichen. Mehr als 200 sollten es allerdings wirklich nicht sein...
P.S.: Dieser Text umfaßt - inklusive der Überschrift und des Postskriptums - 303 Wörter.
morast - 7. Jun, 00:21 - Rubrik:
Farbenfroh
Vom 08. bis 22. Juni finden die 10. Magdeburger Studententage statt, die mittels unzähliger Flyer und Plakate auf sich aufmerksam zu machen evrsuchen.
Doch irgendwie assoziiere ich jedesmal wieder "Studententage" mit "Chaostage"...
morast - 6. Jun, 23:49 - Rubrik:
Krimskrams
Wer etwas oder jemanden als "hip" bezeichnet, ist es selbst garantiert nicht.
morast - 6. Jun, 20:28 - Rubrik:
Weise Worte
Das erste Wort des heutigen Tages sei
drall,
weil es auf angenehme und lautmalerisch schöne Weise zu umschreiben vermag, ohne zu verhöhnen, ohne zu erniedrigen.
Danke dafür an meine Mitbewohnerin A, die "drall" aus gleich mehrmals meinem Kopf hervorkramte.
Das zweite Tageswort sei
verflixt.
Ich entdeckte es inmitten von Salman Rushdies Werk "Mitternachtskinder", ebenfalls mehrmals.
Vermutlich ist es einzig und allein dem Übersetzer geschuldet, daß das Wort überhaut verwendet und nicht einer Alternative wie "verdammt" oder "verflucht" der Vorzug gewährt wurde.
Doch das macht nichts, stellte ich doch fest, "verflixt" zu mögen, weil es trotz der darin eingschlossenen Verwirrung, trotz seiner eindeutig negativen Tendenz liebenswert und verharmlosend klingt.
morast - 6. Jun, 20:26 - Rubrik:
Tageswort
"Ich kann mich unsichtbar machen."
"Echt?"
"Ja, aber nur, wenn keiner zuschaut."
[Im Hintergrund: "H-Blockx - "Little Girl"]
morast - 6. Jun, 00:19 - Rubrik:
Fetzen
Das Erstaunliche an der Leere ist, daß sie sich nicht auf mein Dasein beschränkt und dieses zu einer schlichten Existenz reduziert, daß sie sich nicht damit begnügt, meine Schritte erlahmen, meine Wege verblassen zu lassen, jeden Willen zu rauben und jeden Wunsch zu löschen, sondern auf mein gesamtes Ich, das mehr zu sein glaubt als das bloße Existieren, überspringt, daß sie in mein Denken kriecht und alles löscht, was träumt, mit Gleichgültigkeit füllt, was sich freuen, was trauern könnte, mit einem endlosen Grau jeden Gedanken beschmiert.
Ich treibe voran, zurück, auf der Stelle, und die Leere hält mich in ihrem Bann, löscht die Worte in meinem Schädel, in meinen Fingern, tilgt das Lächeln aus, kratzt das Funkeln aus den Augen, saugt an meinem Antlitz, an gläserner Starre, als könnte es noch den letzten Atemzug aus meinen Mundwinkeln rauben. Tränen versiegen in trockenen Höhlen, als wären sie zusammen mit den Farben dem endlosen Grau gewichen.
Meine Schreie sind matt und kraftlos, vermögen kaum, meine Lippen, mein Herz hinter sich zu lassen, dümpeln schleiertrüb durch das Dunkel und finden kein Gehör. Mein Lachen ist taub und tonlos, schallt hohl von steinernen Wänden wieder. Die Leere besetzt jeden Teil meines Leibes, meines Lebens, als gehörte ich ihr, als hätte es nie eine Wahl gegeben.
Wenn ich flüstere, vermag ich kaum, meine eigenen Worte zu verstehen, höre mich selbst altbekannte Lieder abspulen, eigene Klänge wiederholen, als wäre ich nicht zu Neuem imstande, als wäre das Gewesene das einzige, nur das Vergangene verbleibend.
Ich vermisse das Kitzeln in meinen Zehen, zu weiteren Schritten drängend, das Unbekannte suchend.
Ich vermisse das Sehnen, das mehr erträumt als Nähe, das mehr vermißt als nur irgendwen.
Ich vermisse das Lächeln auf meinen Lippen, das jeden Tag mit meinem Donneratem, meiner Lebenslust füllen, das jedes Himmelgrau zur Nichtigkeit, jeden Augenblick zum schönsten erklären könnte.
Ich vermisse das Zittern in meinen Fingern, wenn ich in Gedanken deinen Namen male.
Ich vermisse die Schreie in meinem Kopf, die Tränen auf meinen Wangen, die Abgründe meiner Seele, die mich spüren lassen, daß ich bin.
Ich vermisse das Leuchten im Herzen, das Wissen, daß alles gut werden wird.
Ich vermisse die Stürme in meinem Schädel, die mich geleiten, begeliten, fordern, die mich nicht ruhen, kaum atmen lassen.
Ich vermisse das Leben als Traum, als schlafwandlerisches Voranschreiten durch die Unwirklichkeit der Gegenwart, verbinden mit der Leichtigkeit des Unmöglichen.
Ich vermisse den Verlust der Lähmung, das Ende der Starre, vermisse den Inhalt meiner Leere.
Ich vermisse mich selbst, fühle mich verloren auf aschegrauen, leeren Wegen und vermag nicht länger, mich zu finden, mich zu suchen...
morast - 5. Jun, 23:42 - Rubrik:
Geistgedanken
Nachdem ich einen Teil des Nachmittages damit füllte, mir zusammen mit meiner Mitbewohnerin die Jugendmusikveranstaltung "The Dome" anzuschauen und nicht umhin zu können, als mich über die Schlechtigkeit der musikalisch untermalten Hampeldarbietungen auszulassen, über die Primitivität des Gezeigten und die offensichtliche Kopfleere nicht nur des begeistert jubelnden Publikums, sondern auch der sich selbst als überwichtig erachtenden Moderierenden aufzuregen und derlei unschöne Umstände mit allerhand unnetten, aber amüsanten Kommentaren zu bestücken, bleibt mir resümierend nur, das heutige Wort des Tages zu erwähnen, bei dem es sich ausnahmsweise um eine ganze Wortgruppe handelt, die mich schpon immer störte, mich aber insbesondere im Zusammenhang mit erwähnter Musiksendung negativ berührte:
"... [Hier beliebigen Namen eines pseudoberühmten Deutschlandsternchens einsetzen.] ist die deutsche Antwort auf ... [Hier beliebigen Namen einer international anerkannten bekannten Berühmtheit einsetzen.]"
morast - 5. Jun, 23:13 - Rubrik:
Tageswort
"Los, zeigt uns mal was Gutes bei 'The Dome' !"
morast - 5. Jun, 22:40 - Rubrik:
Fetzen
als kostbarkeit dem sinnesgeist
im süßmoment - wie licht - entschlüpft:
ein wandelstern aus innerleuchten
gedenkend jedem augenblick
gefallen sommerregenwarm
aus träumen, die nach innen führten
geboren zitterfunkenhell
im kuß der fernsten wirklichkeit
den nächsten schritt auf wolkend tragend
und weisend jenen wunderweg
durch jenes wirre zauberwerk
das man hier 'leben' nennt.
www.bluthand.de
[Im Hintergrund:
Ashes You Leave - "White Chains"]
morast - 4. Jun, 17:36 - Rubrik:
Seelensplitter
Es geschah am gestrigen Tage, daß ich nichtsahnend durch das Institut für Psychologie irrte, versuchend einen Raum bzw dessen Nutzerin ausfindig zu machen, sämtliche Hinweisschilder und -schildchen mit neugierigem Interesse musternd.
Ich bin mir nicht darüber im Klaren, ob die Kapazitäten des Insituts voll ausgeschöpft werden, ob es sich über Studentenmangel beklagt und jeden neuen Psychologiestudenten mit herzlichem Lächeln und unzähligen Dankesworten Willkommen heißt, doch muß ich gestehen, daß ich schon ein wenig verwirrt war, als ich an mehreren Stellen auf das durch Folie geschützte, wegweisende A4-Blatt mit der auffälligen Beschriftung
"Studentenkopierer"
stieß...
morast - 3. Jun, 14:30 - Rubrik:
Tageswort
Ich erwache. Der Wecker spielt seine nervtötende Melodie, doch liegt weit genug weg, um nicht erreicht, nicht zur Stille gezwungen werden zu können. Seufzend drehe ich mich auf den Rücken und starre an die Decke.
An die Decke zu starren könnte eine durchaus interessante Beschäftigung sein, wenn man bedenkt, daß die Rauhfasertapete ein steter Quell abwechselnder Muster darstellt. Jedoch ohne Brille sehe ich dort nur Weiß, verschwommenes Weiß.
Ich wollte mich schon zu wundern beginnen, daß irgend etwas in meinem Umfeld nicht stimmte, daß irgend etwas fehlte, als die Baurabeiter zu bohren begannen. 'Ach ja...', stellte ich glücklos fest, während sich die stählerne Maschine lärmintensiv in das Gemäuer fraß. Wieder, wieder und wieder.
Ich weigere mich, mich vorzustellen, wieviele Löcher das Mauerwerk bereits zieren, destabilisieren, wieviel noch vorgesehen sind, weigere mich, mich erneut darüber aufzuregen, daß eine Handvoll zusätzlicher Bauarbeiter den gesamten Bauprozeß beschleunigen und vielleicht sogar irgendwann abschließen würden.
Die Bohrer verstummen. Ich atme auf. Doch auf dem Hof unterhalten sich zwei Frauen, von denen sich keine um das schreiende Kind zu kümmern scheint, das mit immer lauterem Geplärre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken versucht. Meine Aufmerksamkeit hat es - wenn auch unfreiwillig.
Und während ich mich nun doch aus dem Bett erhebe, den Tag anzugehen versuche, bemerke ich zwischen dem von außen hereindringenden Lärm ein Stück guter Musik, einen morgendlichen Ohrwurm in meinm Kopf, der mich zu erfreuen vermag:
System Of A Down mit "Violent Pornography".
[Im Hintergrund: System Of A Down - "Mezmerize"]
morast - 2. Jun, 09:44 - Rubrik:
Morgenwurm
Heißkalte Winde peitschen durch einst prachtvolle Gemäuer, wirbeln den Staub des Gewesenen, des unvergänglich Bebenden, des unbeständig Bestehenden, auf und blasen ihn mir ins Leben, ins Herz, ins Gesicht, bis alle Tausend Augen tränen...
morast - 1. Jun, 22:06 - Rubrik:
Geistgedanken
fang mich
flüstere ich der sonne ins gesicht
und fliehe
als der tag anbricht
vergesse ich meinen namen
und lächle dir entgegen.
www.bluthand.de
morast - 1. Jun, 21:58 - Rubrik:
Seelensplitter
blinden blickes brennt ein wille
am ende meiner selbst in fetzen
kein weg und doch ein denken
als wäre ich - noch immer -
am leben.
wenn ich deiner in stille entsinne
im atemzug mein herz verlier
wenn ich vernehme, was flüstert
erlausche, was glimmt
wenn ich entdecke, was wispert
erfinde, was ist.
als wäre der moment
ewig
für mich
geteilt in das los des letzten lächelns
geteilt in die unwegsamkeit meiner fucht
geteilt in das jetzt
das längst verging.
blinden blickes
tief geboren
'halt mich fest' - mein schrei:
dem schweigen längst entwachsen.
www.bluthand.de
morast - 1. Jun, 21:58 - Rubrik:
Seelensplitter
tränenaugen glimmern schüchtern
bittersehnsucht flackert still
als mein blick den deinen findet
und verstummt zu falschem ich
wortgebilde warten flüsternd
zeilen winden sich im mund
zunge wispert tausend träume
doch verstummt zu leerem klang
zitterfinger schweben träge
zeichnen leben auf die haut
zauberformeln sanfter sinne
doch verstummen starr zu stein
lächeln perlt duch seelenschleier
quetscht sich tapfer in den sturm
führt mein herz zu fernem leuchten
doch verstummt zu falschem bild
als die wirklichkeit dich findet
als dein leib vor mir entsteht
als dein blick den meinen suchend
falschgebilde nur entdeckt.
www.bluthand.de
morast - 1. Jun, 21:57 - Rubrik:
Seelensplitter
And I dance through this pain
My body in a starless night
To wash away the poison from my soul
Turn it to gold
[aus: Edguy - "Wash Away The Poison"]
morast - 1. Jun, 16:17 - Rubrik:
Farbenfroh
Was sagt man, wenn die Schönheit jeden Atem raubt, Momente der Zeit entreißt, Augenblicke nur dir, nur deinem Anmut gelten läßt?
Warum sollte ich nicht verstummen im Angesicht deiner Schönheit? Wie sollte ich nicht das Schweigen suchen, um deine erhabene Stille nicht zu verletzen? Wie sollte ich nicht mich lächelnd laben an dem, was mein Auge, was deine Gestalt mir schenkt?
Vielleicht bist du alles, mein Leben, mein Dasein, meine Zukunft, mein Weg. Vielleicht bist du meine Zärtlichkeit, Quell meiner Liebe, Ziel meiner Küsse. Vielleicht bist du alles.
Mein Schweigen erglimmt zum Lächeln. Kein Wort könnte dich halten. Ich wage es nicht, berühre nicht die gläserne Zerbrechlichkeit deiner zarten Schönheit mit meinen rauhen Stimme, beschmutze nicht deinen Zauber mit meiner Wörter Klang. verletze nicht deine Nähe durch die meine, verletze dich nicht, verletze mich nicht...
... bis du fortgehst und ich dich nicht zu halten vermag ...
morast - 31. Mai, 14:44 - Rubrik:
Geistgedanken
Ich erkannte ihn schon von weitem. Er stand an der selben Ecke wie
damals, schaute mich mit dem selben flehentlichen Blick an.
Sein Mund formte Worte. Er war unrasiert; sein Haar trotz Pomade würst. In der Hand hielt er einen Zettel, ein karierter Fetzen, auf dem in großer Handschrift Zahlen geschrieben standen. 'Zwei Telefonnummern.', vermutete ich.
Ich hörte ihn nicht, als er mich ansprach. Die Musik aus meinen Kopfhörern übertönte seine Worte. Ich hielt inne, und er wartete stumm, bis ich die Kopfhörer aus den Ohren gezogen hatte.
Dann fragte er nochmal:
"Do you speak English?"
Ich seufzte innerlich, verdrehte insgeheim die Augen. Er erkannte mich nicht.
"Yes.", antwortete ich kurz und knapp und wußte, was kommen würde.
"You have a telephone?"
"No. Sorry.", log ich.
Ich fragte mich, wie oft der Mann an dieser Straßenecke stand und Menschen um die Möglichkeit zu telefonieren anbettelte. Ich fragte mich, ob das seine Masche war, um an Geld zu kommen, ob er absichtlich falsche Nummern wählte, um dann etwas Telefonierkleingeld zu erbetteln. Ich fragte mich, ob der Zettel in seiner Hand nicht nur Alibi war, nur ein Teil seiner Lüge.
Ich hatte nicht damit gerechnet, daß er nicht aufgeben würde.
"You have ... ?"
Ihm fehlten die Worte, doch seine Geste war eindeutig. Er wünschte Kleingeld. Für das nächste Münztelefon oder so. Ich seufzte ein zweites Mal innerlich.
Natürlich hatte ich Kleingeld. Zu einer weiteren Lüge war ich nicht imstande.
Es war heiß. Mein Rucksack war schwer, und ich hatte den gesamten Weg vom Bahnhof laufen müssen. Der Henkel des Beutels in meiner rechten Hand war unter seiner Last gerissen, das Tragen eine Qual. Auch das Einrad in meiner linken Hand wurde allmählich schwer; und ich sehnte mich einzig und allein danach, nach Hause zu kommen, alle Lasten abzuwerfen und etwas Kühles zu trinken.
Trotzdem gab ich nach, legte meine Sachen auf die Straße, kramte in meinem Rucksack nach dem Portemonaie.
"How much do you want?", fragte ich, "50 Cent?"
"One.", war die Antwort. Ein Euro.
Ein mögliches "Nein." war längts in der Hitze der Nachmittagssonne geschmolzen. Matt überreichte ich ihm den Euro.
'Ein Telefonat wäre billiger gewesen.', dachte ich, doch glaubte mir nicht. Er hätte sowieso wieder niemanden erreicht, mich danach um Kleingeld gebeten.
Der Mann bedankte sich, freundlich, lächelnd, und ging, winkte, als er noch einmal zurücksah. Vielleicht suchte er nun tatsächlich ein Münztelefon, wählte die Numemrn auf seinem Zettel. Ich beschloß, das zu glauben, beschloß zu glauben, daß er die Wahrheit gesagt hatte, setzte meinen Rucksack wieder auf, ergriff den kaputten Beutel, das Einrad und schleppte mich mühsam nach Hause.
'Warum nur', fragte ich mich, 'bin ich immer wieder das Ziel Freundlichkeit und Kleingeld erflehender Menschen? Wirke ich wohlhabend? Oder gar vertrauenswürdig?"
Innerlich lächelnd schüttelte ich mit dem Kopf.
'Nein. Bestimmt nicht.'
morast - 31. Mai, 11:48 - Rubrik:
Menschen
Wäre eine Regierung, eine staatliche Oberheit, perfekt, makellos, bräuchte man keine Regierenden.
Der Gedanke, der hinter diesem Satz steckt, ist folgender: Politiker haben es sich vorwiegend zur Aufgabe gemacht, das Leben der Bürger zu verbessern, dabei aber auch die Belange des Staates zu vertreten. Dazu werden täglich Vorschläge erbracht, Ideen durchdacht, Entscheidungen gefällt.
Doch sind die Regierenden letztendlich nicht diejenigen, die die gefällte Entscheidung in die Tat umsetzen. Dafür sorgen Verwaltungsapparate. Was macht also die Obrigkeit? Entscheiden. Gegenwarts- und Zukunftssituationen durchdenken und versuchen, mit Regeln und Beschlüssen in die richtige Richtung zu lenken.
Dagegen ist nichts auszusetzen.
Aber es werden ständig neue Regeln aufgestellt, alte Gesetze abgeändert, verbessert, Ideen verworfen oder optimiert usw. Die Regeln, nach denen zu leben, zu handeln, ist, stellen nur eine Art schwammige Masse dar, deren Formen sich stetig ändern.
Im allgemeinen ist Veränderung gut. In diesem Fall jedoch nur bedingt. Denn Veränderung, der stete Drang, die stete Notwendigkeit zu verändern bedeutet hier vor allem eins: Die Gesetzgebung, die Regeln, die unser Dasein bestimmen, sind äußerst unzureichend. Sie sind bei weitem nicht perfekt, bei weitem nicht optimal, vielleicht noch nicht einmal gut.
Ständig muß korrigiert, Altes ausgemerzt, Neues beachtet werden. Ständig zeigt die Entwicklung des Staates, daß Gedanken in der Vergangenheit falsch waren oder in falsche Richtungen führten. Dieser Umstand bewirkt Diskussionen, Streit, zwischen Betroffenen und Verantwortlichen, zwischen Beharrern und Verbesserern.
Wäre das System perfekt, bedürfte es keiner Veränderung. Ein festes Regelwerk, das unabänderlich über der Bevölkerung schwebte und jede Eventualität berücksichtigte.
Wäre das System perfekt, bedürfte es nur einer einzigen Variablen, einer einzigen veränderlichen Größe: die menschliche Entwicklung.
Mit der Entwicklung des Menschen verändern sich dessen Denken, dessen Handlungsweise, dessen Bedürfnisse. Dieser Umstand muß natürlich berücksichtigt werden, muß Einfluß auf die Gesetze und Regeln haben.
Doch ansonsten wäre für die Regierenden nichts zu tun, nichts. Das Regelwerk in seiner Perfektion bräuchte keine steten Diskussionen und Verbesserungen, keine Korrekturen und Ausmerzungen. Nur dem Fortschritt müßte es angepaßt werden, nur der menschlichen Entwicklung.
Das zeigt also deutlich, wie weit das derzeitige System von der Perfektion entfernt ist, wie sehr es nötig ist, Fehler zu beseitigen und zu korrigieren, Löcher zu stopfen, die ihrerseits Löcher schaffen, die gestopft werden müssen.
Eine Regierung wäre im Perfekten System wohl nahezu überflüssig. Doch dieses ist selbstverständlich unerreichbar. Aber allein der Gedanke an ein solches zeigt, wie unvollkommen unsere Staatsform, unsere Gesetzgebung, unsere Regierung in Wirklichkeit ist, die wir zuweilen für vollkommen zu halten wünschen. Es zeigt auf, daß wir tagtäglich in einem System leben, daß aus einem Stückwerk von Fehlern besteht, die fortwährend korrigiert werden müssen.
Der wohl deutlichste Gegensatz zu diesem unförmigen Flickenteppich ist die Bibel - ein Buch, das über Jahrtausende Bestand hatte, das ab einem bestimmten Punkt nicht mehr verändert, verbessert wurde, ein Buch, das angeblich die Regeln des Lebens enthält, das nicht dem Fortschritt angepaßt wird, nicht mit der menschlichen Entwicklung Schritt zu halten versucht, nicht fortwährend in sich selbst Fehler aufdeckt, die korrigiert werden müssen.
Die Bibel könnte ein Beispiel für das Perfekte System sein - wäre sie perfekt. Doch das ist sie nicht, allein schon, weil sie von Menschen geschrieben wurden, denen man die Perfektion ohnehin absprechen kann. Die Bibel enthält mehr Fragen als Antworten.
Und doch wird sie von der christlichen Kirche als unfehlbares Werk Gottes, als Richtungsweiser, als Ratgeber benutzt, empfohlen. Alle Antworten seien darin verborgen.
Und so finden sich Theologen und Bibelforscher, die Fragen auf den Grund zu gehen versuchen, die Antworten "zwsichen den Zeilen" suchen, als gäbe es sie, als könnte das Jahrtausende alte Werk auch über alle Fragen der Moderne Auskunft geben.
Das kann es nicht.
Und doch steht dieses feste, starre Regelwerk im Gegensatz zu jeder Regierungsform, die sich immer neuen Formen fügt.
Beide sind unzureichend, ohne Perfektion. Wir leben irgendwo dazwischen und versuchen, mit dem klarzukommen, was gerade ist, suchen Halt an Werten und Glauben, an der vermeintlichen Sicherheit in der Starre, in der Formlosigkeit, vergessen, daß nicht jede Antwort bereits gegeben ist, daß nicht jede Antwort vom "System" erfolgen kann...
morast - 31. Mai, 10:59 - Rubrik:
Wortwelten