Montag, 19. September 2005

Ihr hundsgemeinen Belästiger!

Ja, natürlich, tut mir leid, ich erwähnte es bereits, doch eigentlich kann und will ich nicht davon ablassen, mich zu wiederholen. Nicht weil ich - wie andernorts heute schon einmal erwähnt - ein großer Lieberhaber von Redundanz bin oder es gar mag, mich unsäglich über nichtige Kleinigkeiten aufzuregen, sondern eher weil es mir wieder und wieder auffällt und die - nicht unerlaubte, aber bisher unbeantwortete - Frage in den Kopf hämmert, ob irgendwer außer mir sich dadurch auch nur ansatzweise gestört fühlt.

Worüber ich schier endlos schwafle?
Na, über die Bibliothek, ist doch klar. Über die Universitätsbibliothek, um genau zu sein, genau jene Bibliothek, in der ich derzeit sitze und - wenn ich mich nicht mal wieder anderweitig ablenke oder mit unsinnigen Nichtigkeiten beschäftige [Das koinsidiert zumeist.] - zu lernen versuche, oder zumindest versuche, mir einzureden, daß es besser wäre, hier, jetzt und auf der Stelle zu lernen.

Ich sitze hier und könnte stundenlang nichts anderes machen, als die nervigen Geräusche aufzählen, die mich umgeben, zuweilen amüsieren, zuweilen ignoriert werden können, zumeist aber meine Geduld und Konzentrationsfähigkeit [Beide sind aufrund eines mir nicht unbedingt zusagenden Lern-Themengebiets nur geringfügig ausgeprägt.] grenzwertig belasten.

Leider hat der Konstrukteur dieser, eigentlich durchaus anmutigen Bibliothek vergessen, daß schlauere Menschen als er in der Vergangenheit einen Grund gehabt haben könnten, Lesesäle zu installieren, die getrennt vom Bibliotheks-Buchausleihbereich ihr geräuschreduziertes Dasein fristen.
Und so kam es, daß nach Bibliotheksbau und -öffnung alle wundersam vom architektonischen Design beeindruckten Bibliotheksnutzer den allgegenwärtigen und leider kaum vermeidbaren Lärmpegel zu beanstanden wußten - doch leider letztendlich nichts geschah, um geräuschreduzierende Maßnahmen in die Wege zu leiten.

Wie auch, sind doch alle vier Etagen der Bibliothek auf kurios-attraktive Weise ineinander übergehend, so daß das laute Klotürklappen im Kellergeschoß noch unter dem Dach vernehmbar wäre, wären die Klotüren klappbar konstruiert worden.
Doch wo sich der Schall ungehindert ausbreiten kann, reibt er sich beide inexistenten Händchen und breitet sich fröhlich aus.

Wenn ich also einen Platz gefunden habe, an dem ich mich niederzulassen und meine Bücher und Hefter über- und nebeneinanderzustapeln gedenke, darf ich mich einer Geräuschkulisse erfreuen, die in ihrer Vielfalt vielleicht beeindruckend, in ihrer Wirkung allerdings wenig angenehm ist. Schließlich werde ich abgelenkt, abgelenkt vom Lernen, abgelenkt vom Lesen - und das, obwohl ich selbst schon für genügend Ablenkmöglichkeiten sorge.

Doch wenn die Laptoptastatur am Tisch hinter mir lustig vor sich hin klappert und das transportable Rechengerät mit lustigen ICQ-Geräuschen zu beeindrucken weiß, wenn das eingängliche Metalldrehkreuz jeden Besucher mit einem typischen, überall vernembaren Rattern begrüßt, wenn die Bücherrücksortierwägelchen der Bibliotheksmitarbeiterinnen gequälte Quietschgeräusche von sich geben und die Zeitungsleser sich nebenan orgiastisch durch die raschelnden Seiten wühlen, wenn Handyklingeltöne und im typischen Schreiflüsterton abgehaltene Gespräche die akustischen Sphären verunreinigen, dann erlaube ich mir, leise zu seufzen und mir das Konzentrationsmaximum abzufordern.

Und tatsächlich, es scheint zu funktionieren: Ich lerne, ich lese, ich widme mich meinem Studium ungeachtet der bedrohlichen Geräusche um mich herum, ungeachtet der Bauarbeiter direkt neben der Bibliothek, deren Kreissägengekreisch das "Komma rüber"-Gebrüll zuweilen zu übertönen vermag, ungeachtet der ständig zu verrückenden Stühle auf allen Etagen, die schleifend den Untergrund malträtieren.
Ich lerne - und freue mich darüber.

Zumindest, bis die erste Frau an mir vorbeiläuft, oder besser: den Gang benutzt, der sich direkt über meinem, in ein Buch vertieftes Haupt befindet. Frauen neigen schließlich zuweilen dazu, Schuhe mit höheren Absätzen zu tragen, deren Geräuschproduktion immens und kaum vermeidbar ist. Ich, dessen Springerstiefel ein typisches, leises Schnallenklimpern von sich geben, fordere keineswegs ein Bibliotheks-Barfußgebot oder die Herausgabe von Geräuschmampfpantoffeln. Ich fodere auch nicht, Frauen aus den Bibliotheken fernzuhalten, um die schuhgeräuschinitiierte Lärmbelästigung zu reduzieren. Das wäre dreist, diskriminierend und lächerlich.

Ich wünsche mir allerdings, und das von ganzem Herzen und schon seit einer graumen Weile, daß der Gang über meinem Haupt endlich und endgültig mit dicker, fetter Auslegware bestückt wird, so daß die albernen Klackgeräusche in weichem Filz-oder-was-auch-immer versinken und sich dort und nicht in meinen neugierig gespitzten Ohren austoben mögen.
Das Problem an klackernden Frauenschuhen besteht schließlich auch darin, daß ich als männliches Wesen immer wieder geneigt bin, diesen Klang mit einer vorbeilaufenden, anmutigen Dame zu assoziieren, die zu betrachten sich lohnen und mich vom Lernen abhalten würde.

Das Problem ist auch, daß nicht nur die BWL-Tussis, die standardmäßig mit hohem Schuhwerk versehen sind und ohne selbiges wohl existenzunfähig wären [Tatsächlich las ich neulich in einem Zitat von Mariah Carey, daß ihre Füße flache Schuhe nicht annehmen würden.], sondern vorwiegend und vor allem die sich stets im Gebäude befindlichen Bibliotheksmitarbeiterinnen ihre Füße mit dem lautesten, für meine Ohren unerträglichsten Material zu bedecken, um stolz und holprig durch die Gegend zu staken und zusammen mit ihren gleichfalls lautstark klackenden Kolleginnen die Etagen zu wechseln und sich - mal wieder - einen Kaffee oder eine Zigarette zu genehmigen und dann lachend, schwatzend und mit den Füßen lärmend an ihre Plätze zurückzukehren und mich zu stören, ja eigentlich sogar zu nerven.

Sicherlich, es wäre ein leichtes, meine Ohren zu verhüllen, mir Musik in die Gehörgänge zu stopfen und alle Außengeräusche in die totale Ignoranz zu verbannen. Doch zum einen könnte ich mich dann nicht mehr echauffieren und kilometerlange Texte verfassen und zum anderen kann ich mich schwer auf hochfrequenztechnische Aspekte des Lebens konzentrieren, wenn die besten Songs aller Zeiten durch meinen Kopf und somit auch durch meine Gedanken rinnen und alle paar Sekunden von ablenkenden Assoziationen begleitet werden.

Tatsächlich verweile ich in der Bibliothek, um zu lernen, um nicht Musik zu hören, um nicht am Rechner zu verweilen, um nicht in bellestristischen oder comichaften Genialitäten zu schmökern, um mich nicht wie zu Hause zu fühlen, um mich nicht abzulenken, nicht ablenken zu lassen. Doch leider sorgt der Biblitoheksklangteppich für ausreichend Ablenkung, sodaß ich alle zwei Minuten damit beginnen könnte, mir Gedanken über die diversen Geräusche und ihre Ursachen, über ihre Vermeidbarkeit und Sinnlosigkeit und über die mit ihnen verbundenen Bilder und Erinnerungen zu machen.

Und auch der Bibliothekseingangswächter, der mit streng musterndem Blick und penetranten Kontrollgängen für Recht und Ordnung sorgt und verhindert, daß auch nur ein einziger Bibliotheksbenutzer irgendwelche Speisen oder Getränke zu sich nimmt, vermag mich nicht zu trösten, sondern stachelt nur meinen Unmut an, weiß er doch nichts zur Verbesserung der bibliotheksunwürdigen Geräuschsituation beizuträgen, sondern nur spitzelnd durch die Gänge zu schleichen, als wären wir allesamt Verbrecher, Monster oder Schlimmeres.

"Warum hat die Bibliothek Geld für einen solchen Kontrolleur, aber nicht für ausreichend Teppichboden? Und warum kontrolliert der neugierige, sicherlich gewissenhafte, aber höchst unsympathische Kerl nicht mal die Bibliotheksmitarbeiterinnen, mißt nach, ob deren Absätze auch den Normbedingungen für Beschäftigtenschuhwerk Deutscher Universtätsitätsbibliotheken [NBfBSDUB] genügt oder diese an Länge und Geräuschinitiiation bei weitem überschreitet?", frage ich mich, ein Stück verbotener, zartschmelzender Schokolade auf meiner Zungenspitze ersehnend - und lerne weiter, krampfhaft bemüht, mich auf nichts anderes als meine Studien zu konzentrieren und jedes störende Geräusch mit hartnäckiger Ignoranz zu bekleben.

Doch ich horche auf, unterbreche mich. Über mir stolziert schon wieder ein Paar Steptanz-Hackenschuhe den ungedämpften Gang entlang. Empört sehe ich nach oben, will die gemeine Übeltäterin samt ihrer störenden Schuhe mit einem vernichtenden, hundsgemeinen Blick strafen - und wundere mich.
Denn die bösartige Gangläuferin, die gemeine Lärmbelästigerin, ist ein Mann, ein maskuliner Störenfried, ausgestattet mit modischem, schwarzglänzendem Schuhwerk.

Unfähig zu entscheiden, ob ich lachen oder verbissen vor mich hin grummeln sollte, stehe ich auf, gehe mit leise klimpernden Schnallenschuhen nach unten und entlocke dem Cafeteria-Automaten eine Tafel köstlicher, zartschmelzender, besänftigender Schokolade.

[Im Kopf: Depeche Mode - "Enjoy The Silence"]

Zu Besuch

Noch vor wenigen Monaten betrachtete ich dieses winziges Stückchen Erde, diesen grauen, kalten Stein, als etwas Fremdes, als einen unbedeutenden Ort, ohne wirklichen Bezug zu mir - oder zu meinem Vater. Bei der Beerdigung lachte ich traurig in mich hinein: 'Was soll ich hier? Das ist nicht mein Vati.'
Wie sollte ich, wie sollte irgendwer, begreifen, daß derjenige, den ich liebte, der mich zeugte, zu staubiger Asche verbrannt, in einem Metallgefäß verwahrt in dunkler Erde verschachert wurde? Wie sollte ich begreifen, daß fortan unter dem gravierten Mamorstein eine Flut aus Vergangenheiten, Erinnerungen, Gedanken und Bildern begraben liegt? Ich konnte es nicht, kann es noch immer nicht.

Bin ich nur Begeleiter, nur Fahrer, der meine Großmutter, meine Mutter, zum Friedhof bringt, mit ihr zusammen das Grab von Stöckchen und verwehten Blättern bereinigt, mit klarem, kalten Wasser begießt und den sorglos rankenden Blütenschmuck sorgsam pflegt, dann wünsche ich mir, alleine zu sein, wünsche ich mir, in Stille gekehrt verweilen zu können, um am Grab zu stehen, zu denken, zu reden. Ich wünsche mir, für einen Moment innezuhalten, mich zu erinnern, Tränen auf meiner Wange zu spüren.
Wir jedoch eilen weiter, erledigen, was als notwendig erwachtet wird, kehren zum Auto, nach Hause, zurück.
'Ich vermisse dich.', denke ich dann lautlos in Richtung des Grabes.

Heute bin ich allein. Umrankt von Sonnenschein und herbstlich von den Bäumen blätterndem Laub wirkt der Friedhof angenehm, fast schön. Einen Augenblick lang spiele ich mit dem Wunsch nach einer abgelegenen Bank, auf der ich sitzen und im Augenblick verharren könnte, in mich gekehrt, in Gedanken bei meinem Vater verweilend.

Noch vor wenigen Monaten hätte ich mich gewundert ob dieses Wunsches, hätte mir zu verstehen gegeben, daß mein Vater nicht dort ruht, nicht unter den lächerlichen 80x80 Zentimetern Erde, sondern allein in meinem Herzen, in meinem Geist, weilt.

Ich stimme mir zu. Meinen Vater an seinem Grabe zu suchen, ist falsch, unsinnig.
Und doch ist der Friedhof der Platz, an dem ich die Ruhe, die Besinnung finde, um mich ihm in meinem Herzen, in meinem Geiste, zu nähern. Als ich zum Grabplatz laufe, ertappe ich mich dabei, wie ich bereits Worte suche, die ich an meinen Vater wenden möchte. Ich lächle und spüre zugleich die Tränen in den Augen.

Der Anblick des Grabsteins betrübt mich. Liebevoll entferne ich jedes herabgewehte Blatt, gieße die gedeihenden Pflanzen, hinterlasse ein sauberes, gepflegtes Grab.

Doch das ist es nicht, weswegen ich hierherkam. Nicht ausschließlich.

Mir fällt schwer, den Mund zu öffnen, die vorbereiten Worte in die warme Herbstluft gleiten zu lassen. Die Wege sind zu eng, die Nähe zu anderen, frmeden Gräbern zu groß. Irgendwo schmimpft eine alte Frau mit ihrem Mann, entfacht eine kleine Diskussion, lenkt mich ab von mir, von meinen Gedanken.

Ich rede trotzdem, leise nur, als könnte ich für verrückt gehalten werden, erzähle von meiner Mutti, erzähle von mir, verspreche durchzuhalten, nicht aufzugeben, verspreche es mir selbst.

Die Tränen sind nah, doch fließen nicht. Ich bin nicht bei mir. Zuviel Äußeres, zuviel Fremdes, Anderes.
Für einen Moment wünschte ich mir, an einen Himmel glaube zu können, um meine Worte, meine Gedanken, dorthin zu richten. Doch ich kann nicht, stehe auf, verabschiede mich leise und gehe.

'Noch immer fehlt mir die Beziehung zu diesem Ort.', stelle ich fest - und weiß nicht, ob ich darüber glücklich oder traurig sein soll.

Alpha & Omega

Ich bin beeindruckt, fand ich doch soeben Anfang und Ende des Internets.

Das Rüsseltier mit dem "G"

Daß "Elefant" und "elegant" nur wenige Tastaturmillimeter voneinander entfernt sind und somit tippfehlerbedingte Verwechslungen provozieren, ist bestimmt ein Zufall...

[Im Hintergrund: Nine Inch Nails - "Something I Can Never Have"]

Sonntag, 18. September 2005

Haupthaar statt Sorgen

Auf www.blogigo.de/chero las ich gerade, während ich noch immer eifrigst alle Möglichkeiten austestete, um mich von Notwendigem abzuhalten, folgendes Satzimitat:

"Gemeinsam gelacht, geweint, gebangt und gehofft."

Beim ersten Lesen freute ich mich, beim zweiten wunderte ich mich, beim dritten grinste ich.

Woher soll ich auch wissen, daß die beiden Akteure des Textes gemeinsam bangten, sich also sorgten, und nicht gemeinsam bangten, also miteinander wild und taktorientiert das lange, zottelige Haupthaar schüttelten...

[Im Hintergrund: Draconian - "Death Come Near Me"]

Worte im Kopf

die Welt umarmend
dich zu fangen

[Im Hintergrund: The Dresden Dolls - "Truce" --- mal wieder...]

Vergeßlich

Und plötzlich fiel es mir ein:
"Na eben, heute ist ja Wahl."

Kulleraugen

Daß ich mich derzeit eigentlich eifrig prüfungsvorbereitenden Maßnahmen widmen sollte, merkt man allzu deutlich daran, daß ich nahezu jede dargebotene Gelegenheit zur Ablenkung wahrnehme.

Gestern rief meine Mami an, die zusammen mit dem Mieterrat ihres Wohnhauses eine Art Kinderfest organisieren wollte und dafür noch ein paar knuffige Ausmalbildchen benötigte. Und wer käme für solche Dinge wohl anderes in Frage als der leibliche, einigermaßen zeichentalentierte Sohn?

Und so setzte ich mich hin, alle Bücher und Hefter beiseite schiebend, und zeichnete ein paar niedliche Kulleraugenwesen. Nebenbei gab mein mittlerweile sechsjähriger Scanner seinen Dienst auf, was ich sehr bedaure.

Nichtsdestotrotz freue ich mich über die entstandenen Bildchen. Ich konnte gerade noch so darauf verzichten, jedem Werk eine lustige Überschrift à la "Der Hase sitzt im Grase" zu verpassen...






P.S: Die Katze fetzt.

[Im Hintergrund: Noekk - "The Water Sprite"]

Geräusche im Morast

Ja, ich habe es getan.

Ab sofort gibt es "GrünTon", den Morast-Audio-Weblog.

Dieser befindet sich allerdings noch in der Testphase, bin ich mir zum einen unschlüssig darüber, was genau in Podcast-Form gebracht werden soll, und bezweilfe doch zum anderen, ob ich mich in Zukunft wirklich mit zusätzlichen Aufwänden auseinandersetzen will.

Doch das ist unbedeutend, gibt es immerhin schon den ersten GrünTon-Eintrag, der zwar gering an Länge ist, aber dafür groß an Bedeutung - zumindest für mich.

Ich empfehle daher, GrünTon einen kleinen, aber freundlichen Besuch abzustatten und sich dort den ersten Morastschen Podcast-Versuch anzuhören.

Klassik gegen Punks

Der Magdeburger Bahnhofsvorplatz, vor gar nicht allzu langer Zeit in "Willi-Brandt-Platz" umgetauft, wird nicht nur von einer City-Carre-Einkaufspassage, von McDonalds, PizzaHut, Cinemaxx und - natürlich - vom Bahnhofsgebäude umrandet, sondern auch gern von weniger beliebten Teilen der Bevölkerung besucht, welche die vorhandenen Sitzmöglichkeiten und besetzbaren Stufen zu ständigen und stundenlangen Aufenthaltsorten deklarieren.

So trifft man auf dem Bahnhofsvorplatz neben den üblichen Trinkern, die zuweilen schon des Morgens, mit notwendigem Utensiliar ausgestattet, ihre Plätze beziehen auch immer wieder Punks und deren Freunde an, die ihren älteren Vorbildern nachzueifern scheinen, indem auch sie sich mit alkoholhaltigen Getränken den Tag versüßen, zusätzlich aber von vorbeieilende Passanten eine Kleingeld- oder Tabakspende zu erwirken versuchen.

Das City-Carre reagierte längst, ließ eine Tafel anbringen, auf der verkündet wird, daß es nicht gestattet sei, sich in einem der Eingangsbereiche des Einkaufscenters bettelnd oder pöbelnd aufzuhalten. Für Ordnung sorgt auch ein Sicherheitsmann, der die potentiellen Verdächtigen nicht aus den Augen läßt.

Daß der Bahnhofsvorplatz mit Kameras überwacht wird, bedarf wohl keiner Erwähnung.

Was G und mir in der letzten Zeit insbesondere in den Abendstunden aber immer wieder auffiel, war eine Besonderheit des Bahnhofsvorplatzes, die uns staunen machte, ja andächtig lauschen ließ.

Denn aus, an der Außenseite des City-Carre-Gebäudes angebrachten Lautsprecherboxen ertönte jedesmal, wenn wir abends dort vorbeiliefen, laute, klassische Musik.
Wir kannten die Stücke stets, und obgleich wir nicht imstande waren, einen Komponisten zuzuordnen, blieben wir stehen, um uns der Musik zu erfreuen, die uns imposant und ergreifend entgegentönte.

Tatsächlich wäre es wohl keineswegs die schlechteste Vergnügung, sich auf einer der Bänke niederzulassen und den Klängen zu lauschen, die den Bahnhofsvorplatz in eine gediegenere Atmosphäre versetzten.

"Was soll das? Wem nützt das?", fragten wir uns jedoch und fanden alsbald eine Lösungsmöglichkeit:

Die fortwährende Beschallung mit klassischer Musik dient einzig und allein dazu, alkoholisiertes, sich unsittlich benehmendes Gesindel vom Bahnhofsvorplatz fernzuhalten.
Mit Schönem soll das Unschöne vergrault werden.

Leicht ist es, sich vorzustellen, wie Punks und Trinker auf die klassischen Klänge reagieren, unwillig, nach ein paar Minuten vielleicht genervt, eventuell versuchend, mit eigenen Klängen zu kontern.
Doch irgendwann würde sie vielleicht aufgeben, nachgeben, sich verziehen, andere Orte aufsuchen, die weniger vornehm beschallt werden und - möglicherweise - weniger zentral liegen.

"Clever.", loben wir diese wahrlich humane, ordnungsschaffende Maßnahme, betrachten die unbesetzten Bänke und Treppenstufen und halten inne, um noch ein paar Minuten lang den musikalischen Freuden zu frönen.

[Im Hintergrund: The Dresden Dolls - "A Is For Accident [live]"]

Samstag, 17. September 2005

So etwas wie ein Konzert-Reise-Bericht

Die Benzinpreise mit Bastianscher Ignoranz betrachtend tankte ich noch schnell, bevor ich mich zu G begab, um ihn aus heimatlichen Gefilden abzuholen und dann mit ihm gemeinsam die Reise Richtung Hauptstadt anzugehen.
Es war 18 Uhr, als ich bei G eintraf, und tatsächlich war er abreisefertig und konzertgerecht bekleidet. Ich war erfreut und hatte daher auch gegen einen kleinen Geldhol-Umweg nichts auszusetzen.

Die Strecke Magdeburg-Berlin ist eigentlich gut zu finden und - natürlich - bestens ausgeschildert. Allerdings erachte ich es nicht unbedingt als einfach [zumindest für mich Berlin-Unkundigen], die Innenstadt zu befahren und zu einem gewünschten Ziel zu finden. Glücklicherweise gibt es, selbst wenn das Fahrzeug über fehlende Autoatlanten verfügt Online-Reiserouten-Bestimmer, mit deren Hilfe ich nicht nur für Kartenmaterial, sondern auch für wortreiche Wegbeschreibungen besorgt hatte.

Eigentlich war uns auch alles klar, hatten wir uns doch bereits einst auf dem Weg zum Cradle-Of-Filth-Konzert verfahren und wußten nun, wo wir nicht falsch abbiegen durften, wenn wir vermeiden wollten, uns wieder in ausweglosen Stadtautobahnen ohne Rückkehrmöglichkeit zu verheddern.

A2, A115, A100. Eigentlich kein Problem. Doch schon mehrere Kilometer vor der Stelle, die uns das letzte Mal zum Verhängnis geworden war und mitten durch die Berliner Innenstadt geführt hatte, ordnete ich mich - äußerste Vorsichtmaßnahmen ausübend - präventiv links ein, um auf keinen Fall, unter keinen Umständen falsch zu fahren.

Wir atmeten auf, als wir die tückische Passage gemeistert hatten und uns anderen Sorgen widmen konnten, beispielsweise der Feststellung, daß unsere Wegbeschreibung eindeutig uneindeutig geschrieben war, so daß wir - obwohl wir die richtige Route keinen Millimeter verlassen hatten - uns sorgten, möglicherweise einer anderen Falle aufgesetzt zu sein. Doch eine richtige Abfahrt und wenige Augenblicke später fühlten wir uns am Columbiadamm schon fast heimisch.

Leider hatten die vielen Besucher des Zweitkonzertes, nämlich DMX, die eigentlich ausreichenden Parkmöglichkeiten stark eingeschränkt, weswegen wir erst zwei Straßen weiter fündig wurden. Doch das störte uns nicht, waren wir doch glücklich, am Ziel angekommen zu sein.

Es war erst 19.40 Uhr, zwanzig Minuten vor Einlaß, so daß wir beschlossen, unseren Mägen etwas Gutes zu gönnen und den gleichen Italiener aufsuchten, der auch einst, beim Samsas-Traum-Konzertbesuch ["Nachband" war leider L' Âme Immortelle] vor zwei Jahren [Damals hier der ColumbiaClub noch ColumbiaFritz.], A und mich zu sättigen wußte.
Wir aßen leckere Omelettes, tranken Becks und Cola [getrennt voneinander, natürlich], machten Smalltalk mit dem Italiener, schenkten einem Nachrichtensender-Schröder-Aufritt kaum Beachtung und freuten uns wie wuslige Knuselwupps auf das alsbald stattfindende Konzert.

Der Columbiaclub war erstaunlich voll. Samsas Traum hatten damals bei weitem nicht so viele Besucher angelockt. "Ausverkauft" zeigte ein Schild an der Abendkasse - doch das kümmerte uns nicht.

Die Vorband legte alsbald los und war - wir waren beide beeindruckt - erstaunlich gut. Extol - ein Name, den man sich vielleicht merken sollte. Exakt drei Minuten vor neun beendeten sie ihren Auftritt, wurden mit großem Applaus verabschiedet und räumten die Bühne für Opeth.

Der Bühnenumbau zog sich ein wenig hin. Um uns herum wurde es immer voller. Wir standen ziemlich weit vorne, aber eher rechtsseitig. Eine Positionsverbesserung schien aber nicht erreichbar. Wir gaben uns zufrieden.

Der Applaus, als Opeth die Bühne betrat, war enorm. Die Halle war zum Bersten gefüllt, und es gelang uns sogar, zwischen den zu hoch gewachsenen Menschen ausreichend Sicht nach vorne zu erlangen.
Opeth legte los mit einem Stück vom kürzlich erschienenen Album. Der Sound war gut, bestens gar, die Masse - inklusive uns zwei Begeisterten - war alsbald am Mitfiebern und Haareschütteln.

G stellte nach dem Konzert erfreut fest, wie leicht es dem Sänger/Gitarristen/Frontmann gelungen war, ständig zwischen reinem Gesang und tiefem Grunzen zu wechseln - "und das ohne Qualitätsverlust".

G hatte recht. Was der Sänger dort leistete, war enorm. Hinzu kam, daß er großes Unterhaltungspotential hatte. Die Band kam ohne jegliche Spezialeffekte [wie wir sie zuletzt bei Cradle Of Filth in größeren Mengen bewundern durften] aus, sondern füllte die Pausen zwischen den Liedern mit amüsanten Ansagen, mit kleinen Geschichtchen, mit der wiederholten Feststellung, daß er krank und alt sei, und mit fleißigem Ins-Handtuch-Ausschnauben [Er war wohl tatsächlich ein wenig erkältet - und drohte damit, das Handtuch nach dem Konzert in die Massen zu werfen.]. Er animierte zum Headbangen, zum Mitsingen, bedankte sich aufrichtig, fluchte darüber, daß es zu ihrer derzeitigen "Single" wohl erstmal ein Video gäbe, welches allerdings um mehrere Minuten beschnitten wurde.
Und wer Opeth kennt, weiß, was das bedeutet, ist es doch nicht selten, daß Songs dieser Band die Zehn-Minuten-Marke überschreiten.

Natürlich ließ es Opeth sich nicht nehmen, sowohl das erwähnte Lied "The Grand Conjuration", als auch alle andern in voller Länge zu spielen, selbst wenn das hieß, daß das Publikum eben 13 Minuten lang mit dem Kopf herumzuzappeln hatte.
Wir waren begeistert.

Zwei Sachen waren leider weniger schön. Zum einen wurde leider Gs Lieblings-Opeth-Song nicht gespielt, zum anderen stellte ich mal wieder fest, daß es mir mißfällt, wenn Konzertbesucher während des Konzertes [telefonieren oder] immer wieder durch die Gegend wandern müssen. Ich glaube nämlich, daß die Leute, die nebeneinanderstehen, sich auf einander einstellen, einander etwas Platz geben, sich Platz nehmen, wo es geht. Kommt aber noch jemand dazwischen, wir diese Ordnung gestört, und es braucht wieder eine Weile, bis sich auch dieser Zustand [möglicherweise] wieder eingepegelt hat. In der Übergangszeit jedoch wird man enorm von der spielenden Band abgelenkt, was mich durchaus verärgert.

Es gab eine einzige Zugabe. Opeth ließen es sich nicht nehmen, lange zu warten, bevor sich wieder die Bühne betraten, würden dafür auch kräftig gefeiert. Zurecht. Denn was die Band lieferte, war einfach nur genial [weil Opeth nunmal genial ist], und es war berauschend, im Strudel der Musik abzutauchen, zu versinken, einfach mitzugehen.

Opeth spielten nur zwei Songs vom aktuellen Album, was eigentlich beeindruckend ist, dient doch eine Tour nicht zuletzt dem Album-Marketing. Der Sänger bedankte sich unzählige Male aufrichtig für unseren immensen Applaus und bedankte sich auch bei allen, die das neue Album gekauft [und er betonte das Wort mit einem Grinsen im Gesicht] hatten.

Nach zweieinhalb Stunden war es vorbei. Noch immer gefesselt von der Musik und unendlich beglückt verließen wir allmählich das Gebäude und liefen zum Auto.
Dort hörten wir uns erst einmal Gs Lieblingsstück "The Leper Affinity" an, bevor wir Pläne für den weiteren Abend schmiedeten.

G hatte im Columbiaclub einen Typen ausgefragt, was es denn für Metal-Freunde und Liebhaber gothischer Klänge an Lokationen in Berlin gäbe. Ich selbst hatte zu Hause schon das K17 ermittelt. Allerdings reizen mich Ankündigungen wie "Electronic Massacre" nicht sonderlich, insbesondere, wenn ich gerade von einem Progressive/Death-Metal-Konzert komme.
G stimmte mir zu, und wir überlegte, wie wir am besten ins Matrix [Warschauer Straße] oder in den Duncker [Dunckerstraße] kommen könnte.

'Ohne Karte wohl gar nicht.', meinte G und schlug vor, die nächstbeste Tankstelle nach Kartenmaterial zu durchstöbern. Gesagt, getan. Nur wenige Hundert Meter weiter wurden wir fündig, erstanden einen City-Plan von Berlin und beschauten die Lage.

Bis zum Duncker war es noch enorm weit. Das Matrix lag näher, was uns beschließen ließ, es dort zunächst zu versuchen. Vier Floors sollte es dort geben, unter anderem einer mit Gothic/Metal. Nun ja.
G wurde zum Kartenleser und Wegweiser und erledigte seine Arbeit gut, denn ohne Probleme gelangten wir in die Warschauer Straße. 'Die ist lang.', stellte G fest, und als wir, ohne das Matrix zu entdecken einmal die gesamte Strecke auf und ab gefahren waren, fragten wir ein maskulin wirkendes Mädchen nach dem Weg.

Sie half weiter, wenn auch nicht viel. Erneut befuhren wir die Warschauer Straße, stellten aber nun fest, hier auf keinen Fall richtig sein zu können und eine kleine Nebenstraße mit dem selben Namen befahren zu müssen. Ein rasches Wendemanöver folgte, und wir bogen alsbald in die scheinbar richtige Straße ein. Nach umständlichen und letztendlich erfolgreichen Bemühungen, dort irgendwo einen Parkplatz zu ergattern [Meine Einparkkünste lassen eindeutig zu wünschen übrig.], stiegen wir aus und wandten uns in die vermutete Richtung. G befragte ein paar Rumstehende, die uns die unsere Laufrichtung bestätigten, uns aber wenig Mut machten, im Matrix auch etwas für uns Geeignetes anzutreffen.

Egal. Wir liefen weiter, kamen alsbald - endlich - zum Matrix. "Ist nicht zu verfehlen.", hatte das androgyne Wesen gesagt, doch wir Autofahrenden waren bereits zweifach vorbei gefahren, ohne die Lokation bemerkt zu haben.

Ich fragte ein auf jemanden wartendes Mädel [Bislang hatten wir noch keine Schwarzträger, Metaller oder ähnliches entdecken können.], was denn im Matrix musikalisch zu entdecken wäre.
"R'n'B und House.", antwortete sie.
"Aber uns wurde gesagt, es gäbe vier Floors. Was läuft denn auf den anderen?"
Das wußte sie nicht, besuchte sie doch nur diese beiden. Eventuell, unter Umständen könne es möglicherweise sein, daß auf den beiden etwas für uns dabei wäre. Sie konnte es nicht sagen, und ich fragte die nächsten, eine Gruppe Anstehender.
Diese waren sehr hilfsbereit, und schließlich hatten wir auch alle vier Ebenen zusammen:
RnB, HipHop, House und Oldies.
Nun ja.

Wir sollten uns ein "NullDreiNull" besorgen, den lokalen Szeneführer, der uns auf unserer Suche weiterhelfen könne, meinten sie, als sie bemerkten, daß sie nicht wußten, wo in Berlin schwarze Gestalten abzuhängen pflegen. Wir dankten für die Hilfsbereitschaft. Ich belästigte einen unfreundlichen Türsteher mit der Frage nach der Zeitschrift, was er ungeduldig verneinte.

Wir begaben uns zurück zum Auto, kamen an der Gruppe vorbei, die wir zuerst gefragt hatten.
"Nichts für euch oder wurdet ihr rausgeschmissen?", fragte der eine von ihnen.
"Nichts für uns."
Als dann ein anderer anfing, von Hühnerblut und germanischen Runen zu faseln, beeilten wir uns, ins Auto zu steigen und fortzufahren.

Der Duncker war von hier aus näher, also visierten wir diesen an. tatsächlich mußten wir feststellen, ihn ziemlich leicht erreichen zu können.
"So ein Stadtplan fetzt.", meinte G, der Kartenleser.

Ich konnte mich noch an das Dunckergebäude und seine Lage erinnern [Einst, als ich zusammen mit A nach einem Letzte-Instanz-Konzert mitten im Winter durch Berlin irrte, um eine geeignete Lokation zu finden...], so daß wir diesmal keine Probleme hatten, es zu identifizieren. Nur die Parkplatzsuche gestaltete sich noch schwieriger als zuvor.
Letztendlich wurden wir fündig, und ich bewies mal wieder mein fehlendes Einparktalent.

"Was läuft denn hier?", wollte ich von den Leuten wissen, die vor dem Duncker herumstanden. "Ach, nur noch DJs und so."
"Und was für Musik?", hakte ich nach.
"Äh, keine Ahnung. Schaut doch einfach mal rein. Ist kostenlos."
"Ist überhaupt nicht kostenlos.", mischte sich ein anderer ein.
"Wir schauen einfach mal rein.", beendete ich das Gespräch lächelnd, klingelte und wurde reingelassen.

"Was läuft denn hier?", fragte ich den langhaarigen Türsteher.
"Ach, alles mögliche. So Independent Rock/Pop, würde ich sagen."
Ich schaute G an.
"Na los, gehen wir rein.", meinte er, denn die durch die Tür dringende, gedämpfte Musik klang annehmbar.
Ich drehte mich um, die Kasse suchend.
"Zu mir.", winkte die Kassiererin und verlangte 3,50 Euro pro Person.

Wir traten ein. Der Raum war klein, nein: winzig, und übervoll. Es gab noch nicht einmal mehr Stehplätze. Wir schauten uns an, ein wenig erschrocken.
Nach ein paar Augenblicken fanden wir den Nebenraum, mit "Bar" ausgezeichnet. Auf einem RFT-Fernseher [Er sah jedenfalls so aus.] lief "Natural Born Killers.", was G erfreute. Nach wenigen Augenblicken wurden sogar Sitzplätze frei, was mich freute, mochte ich doch nicht, im Weg oder mitten im Raum herumzustehen.
G genehmigte sich einen White Russian, war begeistert.

Die Musik aus dem Nebenzimmer war nicht schlecht. Nicht umwerfend, aber eben auch nicht schlecht. Alternative Rockmusik, würde ich sagen. Es lohnte sich durchaus, hier zu bleiben. Die Alternative wäre gewesen, nach Magdeburg zurückzufahren, denn nach einer weiteren Suchaktion stand uns nicht der Sinn.

Wir saßen herum, lauschten den Klängen von nebenan, quatschten, analysierten das Konzert. Ab und zu sprang ich auf, um mich zur Tanzfläche zu begeben, doch diese war maßlos überfüllt. Und ich benötige Platz bei meiner persönlichen, musikalischen Entfaltung.
G trank noch einen weiteren White Russian.

Bei einem Lied von Muse sprang er auf, trank sein Glas aus, gab es - zusammen mit der Pfandmarke - ab und eilte zur Tanzfläche, wo er sich einen Platz freikämpfte und den Takten frönte. Ich schaute zu und lächelte, begab mich alsbald auf die Toilette, die allerdings keines Besuchs würdig war.

Später meinte ich: "Wenn das nächste Lied scheiße ist, gehen wir."
G zuckte mir den Schultern. Die beiden Weißen Russen begannen, Wirkung zu zeigen.

Das nächste Lied kannte ich. System Of A Down. "Forest". Ich stürmte die erstaunlich menschenfreie Tanzfläche, schüttelte mein Haar. Endlich.

Das Lied endete, und weiter vertraute Takte tönten aus den Boxen: Tool mit "Sober". Klasse. Auch G bewegte sich. Und ich erinnerte mich des Umstands, daß uns im ColumbiaClub mehr als drei Personen mit einem Tool-T-Shirt aufgefallen waren. Das Lied paßte also perfekt.

Den darauffolgenden Song kannte ich nicht.
"Wenn das nächste Lied scheiße ist, gehen wir.", wiederholte ich mich. G stimmte zu.

Das nächste Lied war scheiße, und wir gingen. Es begann zu nieseln. Vor dem Duncker stand umgebauter Trabant 600, den G beschaute.
"Komm jetzt. Es regnet.", rief ich und ging in Richtung des Autos. G folgte. ich beschloß, meine Einweg-Kontaktlinsen jetzt rauszunehmen. Nach dem zweiten Versuch hatte ich sei aus den Augen entfernt und entsorgt. Nun war ich blind. Ich grinste in mich hinein.
"Wenn mich die Welt ankotzt und ich sie nicht mehr sehen will, nehme ich die Brille ab und laufe durch die Straßen.", erklärte ich. "Das Gute daran ist, daß niemand außer mir weiß, daß ich nichts sehe."

Am Auto angekommen, kramte ich die Brille aber doch hervor. Schließlich hatte ich gute Laune und mußte fahren.
Ein Schluck aus der Cola-Flasche. G verweigerte die Kartenlesedienste. "Ich kann nichts mehr erkennen.", meinte er. "Die zwei White Russian hatten es in sich."
Ich zuckte mit den Schultern und fuhr los. Dann mußte es eben so gehen.

Es ging nur schlecht. Ich hatte mir die Richtung auf der Karte angesehen, doch irgendwann kamen wir an eine Baustelle, die uns woandershin führte, als wir wollten. Ich hielt an, sah mich um, verglich unsere Position mit der Karte, fuhr weiter.
Ein Schild leitete uns in Richtung Autobahn. Treuherzig bog ich von der eigentlich geplanten Route ab. "Ist das nicht die falsche Richtung?", fragte ich aber nach ein paar Metern und wollte erneut anhalten. G schnappte sich die Karte, schaltete die Autoinnenbeleuchtung an und meinte: "Links ab."
"Abbiegen oder wenden?"
"Beides. Ich bin gespannt, was du machst."
Ich wendete, fuhr auf unsere alte Route wieder auf.
"Die Straße mündet irgendwann auf die A100.", teilte mir G mit.
"Echt?", freute ich mich.

Und tatsächlich erreichten wir als bald A100.
"Magdeburg.", jubelte G, als er die Beschilderung entdeckte. Nun konnte nichts mehr schiefgehen.

Zehn vor vier. Die Straßen waren leer.
"Bis um fünf wird das nichts.", meinte ich und hoffte das Gegenteil.
Ich fuhr schnell, ohne Komplikationen, wollte nur noch in mein Bett.
"Hier rechts abbiegen.", teilte mir G zwei Mal mit, döste zwischendurch, doch war rechtzeitig wach, um unsere Einfahrt in Madgeburg mitzuerleben.

Ich lächelte, schaute stolz auf die Uhr.
Zwei Minuten vor Fünf hielt ich bei G. Wir verabschiedeten uns. Zufrieden. Geschafft.
"Kommt gut nach Hause." sagte G.
Der Weg zu mir nahm weniger Zeit in Anspruch als mein bemühen, einen Parkplatz zu finden. Aber das kannte ich ja bereits. Ebenso wie meine fehlendes Einparktalent.

"Egal.", dachte ich vergnügt, stieg aus und ging nach Hause.

[Im Hintergrund: Tool - "Aenima"]

Freitag, 16. September 2005

Ein guter Ton

Mich mit dem Gedanken einer Namensgebung für einen potentiellen Morast-Podcast [Keine Ahnung, ob dieser jemals existieren wird. Aber Gedankenspiele jedweder Art fetzen.] befassend amüsierte ich mich vorhin über die Vielfalt der Bedeutungen des eigentlich schlichten Wortes "Ton":

Zum einen gibt es natürlich den Ton als etwas Erdiges, Verformbares, Töpfern als Basismaterial dienend [Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Ton und Lehm?], zum anderen den Ton in der Akustik.
Allerdings existiert auch noch der Ton, der einer Nuance gleichzusetzen ist, einer Abstufung, was sich an Wörtern wie "Umgangston", "Betonung" oder auch - natürlich -"Farbton" [Hier bekommt der Ton sogar etwas zusätzlich Eigenes.] bemerken läßt.

Beglückt über diese Vielfalt denke ich eine Weile nach, streich "Grünton" als potentiellen Podcast-Titel aus meinem Kopf und grinse in mich hinein.

[Manchmal ist es wirklich leicht, mich glücklich zu machen.}

[Im Hintergrund: Samsas Traum - "A.uge um A.uge [live]" --- Da ich nachher auf dem Weg nach Berlin und später während des Konzertes noch genug Opeth auf die Ohren bekommen werde, habe ich beschlossen, mich vorerst anderen Klängen zu widmen - aber mich immerhin auf Live-Atmosphäre einzustimmen.]

Donnerstag, 15. September 2005

Blog-Remix und so

Obgleich ich längst dem Alter entwuchs, der einen zwingt, an jedem neuen Trend unbedingt teilhaftig sein zu wollen, kann ich mich eines gewissen Reizes nicht erwehren, der vom in der Blogosphäre [Habe ich je erwähnt, daß mir dieses Wort mißfällt?] derzeit aktuellen Blog-Remix ausgeht.

Dieser wurde von Herrn Bandini in die Welt gesetzt, bei dem auch alle notwendigen Informationen [nämlich diese und jene] auffindbar sind.

Ich selbst entschloß mich dazu, Rebellas Text "wasch.mittel.zart.bitter." zu erwählen und zu remixen.

Gleichzeitig [obgleich das Anmeldedatum schon ein wenig überschritten ist] biete ich zwei meiner kurzgeschichtlichen Werke dar, auf daß irgendjemand sie mit einem Remix versehen möge:

- "Make-Up" und
- "Motten"

[Die Anmeldung erfolgt über Herrn Bandini, was mich jedoch als Kontaktperson für Fragen und Sorgen nicht ausschließt.]

Und so.

Mittwoch, 14. September 2005

"Um festliche Garderobe wird gebeten!"

Hatte ich es schon erwähnt? Für mich gibt es einen Doppelgrund zur Freude, der ungefähr so aussieht:



Erwähnt sei, daß das Opeth-Konzert schon übermorgen statfinden wird und ich dementsprechend vorfreudig grinsend meine Eintrittskarte betrachte...

... und daß die Janus-"Winterreise" ein Ereignis ist, an dem beizuwohnen ich schon bei dessen Erstaufführung gewünscht hatte.
"Um festliche Garderobe wird gebeten!"

[Im Hintergrund: Opeth - "Ghost Reveries"]

Göttliches Äußeres

"Bist du schön?"

Möglicherweise sollte ich es als gut erachten, daß niemand - wenn man mal von meiner Wenigkeit absieht - auf den Gedanken kommt, andere mit dieser durchaus wenig oberflächlichen Frage zu konfrontieren. Doch käme jemand auf diesen Gedanken, wüßte ich bereits, was ich antworten würde- habe ich mir doch diese fragenden Worte bereits mehrere Male unter die Nase ins Ohr gesetzt.

Mein Antwortspektrum wäre allerdings diffus, reichte von "Heute schon." über "Eigentlich nicht." bis hin zu "Kommt drauf an."
Denn das tut es.

Es gibt Tage, an denen ich mich gut fühle, wohl in meiner Haut, in denen ich weiß, daß ich gerne ich bin. Dann fühle ich mich auch schön.
Doch ebenso kommen Zeiten, in denen ich mit jegliche [nach außen hin sichtbare - über keine andere rede ich] Schönheit absprechen und mich am liebsten unter Kapuzen und Bettdecken verkriechen würde.

Aber ich weiß, daß ich schön bin - für die richtigen Augen, für jene Augen, die mich schön finden.

Ich weiß. Der Satz beißt sich selbst in den inexistenten Schwanz. Allerdings bestätigt er auch binsensweisheitliche Sprichwörter über die im Auge des Betrachters liegende Schönheit.
Sollten also die betrachtenden Augen meine eigenen sein, so bedarf es nur eines persönlichen Wohlfühlempfindens, um mich in meinen Gedanken als "schön" bezeichnen zu können.

Allerdings ist selbiges Wohlfühlempfinden nicht zwingend notwendig, um andere als schön zu empfinden [Hier beobachte ich einen eher gegenteiligen Effekt: Die Nähe einer schönen Frau wirt zuweilen durchaus aufbauend und wandelt dadurch Miesepetrigkeit und Tristesse eventuell sogar in erwähntes Wohlbefinden.].

Nachdem ich unlängst einen Mann als attraktiv empfand, scheue ich mich an dieser Stelle noch nicht einmal zuzugeben, daß Schönheit auch maskuline Wesen betreffen kann [obgleich Frauen unabstreitbar - Gibt es dieses Wort überhaupt? - das schönere Geschlecht darstellen].

Es wundert sicherlich niemanden, wenn ich der Welt verkünde, daß ich es mag Schönheit mit meinen Blicken zu berühren, zu streifen, zu erahnen [Wobei erwähnt sei, daß ich auch hier dem femininen Geschlecht den Vorzug gebe.].

Jedoch fiel und fällt es auf, daß ich, der es mag, Menschen jedweder Art zu betrachten, ihre Geschichte zu erraten, der Menschen gerne offen und neugierig in die Augen blickt, um zu erfahren, was hinter der Hülle des Äußeren zu finden ist, Schwierigkeiten damit habe, schönen Frauen in die Augen schauen, sie länger als einen Moment lang fixieren zu können. Ich scheue mich, die Schönheit mit meinen aufdringlichen Blicken zu belästigen.

'Woran liegt das?', frage ich mich und suche die Antwort überall, vor allem in dem Standard-Übeltäter Nummer 1: die Medien.
Schönheit wird seit jeher als unantastbar, überirdisch, anbetungswürdig, ja fast göttlich, dargestellt. Millionen von Gedichten und Liedern berichten über schöne Menschen, die durch ihr Äußeres zu bezaubern vermocht hatten.

Ist also in mir der Respekt vor schönen Menschen derart gewaltig, daß ich lieber beschämt-schüchtern zu Boden blicke, als sie einer genaueren Betrachtung zu unterziehen? Glaube ich - und jeder andere, der ähnlich agiert - wirklich, daß Schönheit etwas Göttliches in sich trägt, vor dessen Antlitz jeder Unwürdige sein Haupt zu senken hat?

Ich bin mir nicht sicher, weiß ich doch zum einen, daß es mir leicht fällt, eine schöne Frau zu betrachten, solange ihre Blicke mich nicht streifen, solange sie mich nicht bemerkt, nicht wahrnimmt, und zum anderen, daß viele Menschen sich keineswegs mit dem erwähnten Respekt belasten. Aber vielleicht fehlt ihnen auch allgemein der Respekt vor irgendetwas und das Feingespür, Schönheit zu erkennen, wenn sie sich nicht auf die Dimensionen sekundärer Geschlechtsmerkmale beschränkt.

Ich weiß es nicht, doch beschloß ich unlängst, nicht länger niederzublicken, sondern der Schönheit in die Augen zu sehen, nicht respektlos, sondern voll von ehrlicher Offenheit, voll von Neugierde, voll von Interesse an ihr und ihrem Sein.

Äußerliche Schönheit ist nur eine Maskerade.
Zuweilen bedarf es nur eines einzigen Wortes, um unschöne Risse in der vermeintlichen Schönheit erkennen zu lassen.
Zuweilen bedarf es nur eines Lächelns, um das vermeintlich Normale mit unendlicher Schönheit zu segnen.

'Vielleicht auch das meine.', denke ich - und lächle.

[Im Hintergrund: Mortal Love - "All The Beauty"]

Kontoauszugsdruckerquälerei

In Anbetracht dessen, daß ich es schon seit Jahren vorziehe, meine Bankgeschäfte online zu vollziehen, erscheint mir die Erfindung der Kontoauszugsdrucker nur insoweit sinnvoll, als daß die an diesen Maschinen abrufbaren Kontodaten online nur über einen begrenzten Zeitraum verfügbar sind.

Um also auch in Zukunft einen Blick in meine finanzielle Vergangenheit werfen zu können, bedarf es bedruckten Papiers und somit eines gelegentlichen Gangs zu einer nahegelegenen Bankfiliale, in der ich den Kontoauszugsdrucker hämisch grinsend mit meiner Bankkarte füttere.

Schließlich weiß ich schon jetzt, was passieren wird:
Der Drucker wird arbeiten und arbeiten, laute mechanische Geräusche von sich geben, seine intensive Tätigkeit bezeugend, wird kaum bemerkbar hin- und herruckeln und ein Blatt nach dem anderen ausspucken, solange, bis der Kontoauszugsauswurfschlitz überfüllt ist und ich zur Entnahme der bisherigen Ausrucke aufgefordert werde.
"Es folgen weitere.", verkündet mir die Anzeige und ich grinse weiter in mich hinein.

Allmählich wird mir langweilig. Ich wandere in der Bankfiliale umher, betrachte den aushängenden Plakate, sehe immer wieder zum Drucker, der emsig vor sich hinrattert, entdecke, daß dieser auch mit Braille-Schrift versehen ist und versuche vergeblich, mit geschlossenen Augen die einzelnen Buchstaben zu ertasten.
Ich weiß, wie sich ein "O" aussieht, doch erkennne es nicht unter meinen Fingern.

Die Bankkarte springt aus dem Schlitz, die letzte Seite wird gedruckt und - bereichert um einen dicken Papierstapel aus Kontoauszügen -begebe ich mich auf den Heimweg.

[Im Hintergrund: VAST - "What Else Do I Need"]

Menschen 19: Ei, ei, ei, was seh ich da...

In der Nähe des straßenbahnverkehrstechnisch überfluteten Alten Markts entdecke ich ein älteres Paar. "Älter" ist maßlos untertrieben, haben doch die beiden die amtliche Grenze zum Rentnerdasein längst überschritten.
'Zwei alte Leute. Wahrscheinlich verheiratet.', denke ich, "Nichts Außergewöhnliches."

Doch dann schaue ich zwischen sie, schaue auf seine rechte und ihre linke Hand - und lächle. Das Rentnerpaar hält Händchen, als wären sie frisch verliebt, als wären sie Jugendliche, die aller Welt ihre Liebe, ihre Zusammengehörigkeit demonstrieren wollen.

Ich lächle, als ich bemerke, wie sie in alle Richtungen schauen, sich fragend, welche Straßenbahn die richtige sei, sich in ihrer Verwirrung noch fester aneinander klammernd, Schutz suchend in der Nähe des anderen.

Zu gern hätte ich sie über die Geschichte ihrer Liebe befragt. Doch ich traute mich nicht, wagte nicht, dieses Beisammensein mit meiner Anwesenheit zu stören, ging weiter, noch immer lächelnd.

[Im Hintergrund: Vanitas - "Das Leben ein Traum"]

proud

Ich las vorhin den Satz:
"Ich bin stolz, ein Produkt meiner Eltern zu sein."
Dachte darüber nach.
Stimmte zu.

[Im Hintergrund: Vanitas - "Das Leben ein Traum"]

Die heilige Hexe

Nett, daß man das Wort "Sandwich" auch falsch aussprechen kann:
"Saint Witch".
Ein schnuckliges Oxymoron.

[P.S.: Ja, so etwas finde ich amüsant.]

[Im Hintergrund: Memoria - "Children Of The Doom"]

Licht gegen Dunkel - Buch gegen Film: "Wächter der Nacht"

Als ich unlängst im Kino die Vorschau für den ersten Teil des dreiteiligen, in Rußland überraschend erfolgreichen Films "Wächter der Nacht - Nochnoi Dozor" sah, vermochte ich mich nicht zu entscheiden, ob ich den Versuch, eine fantastische Horrorgeschichte auf Leinwand zu bannen, verurteilen oder über die Unbeholfenheit lachen sollte.

Schließlich entdeckte ich innerhalb der wenigen Sekunden, die der Trailer andauerte, so viele Ideen und Gedanken, die im Bereich fantastischer Literatur und Film bereits Hunderte, vielleicht Tausende Male erwähnt und aufgegriffen worden waren, daß dieses russische Werk wie ein schlecht zusammengekittete Fetzensammlung ausgeleierter Klischees wirkte.
Eine Möchtegerndunkelheit wurde proklamiert, die vielleicht für sechzehnjährige Pimkiegruftis mit Lacrimosa-Faible und HIM-Aufnähern attraktiv wirken mochte, doch mich in seiner Lächerlichkeit eher abstieß und den groß angekündigten Dreiteiler als dem Schwarztrend folgende Albernheit bewerten und mit künftiger Ignoranz betrachten ließ.

Aber etwas in mir schien Feuer gefangen zu haben, geschieht es doch nicht alle Tage, daß ein russischer Film auch bei uns Erfolge zu verbuchen versucht. Und so war es nicht verwunderlich, daß ich, in einer Buchhandlung stöbernd, stehenblieb, als ich eines Werkes gewahr wurde, das unauffällig auf einem Regalboden des Fantasybereichs lag:
Sergej Lukianenko - "Wächter der Nacht"

'Das kann doch kein Zufall sein.', dachte ich und entdeckte auch gleich einen kleinen Aufkleber auf dem Buchumschlag, der auf den am 29. September in deutschen Kinos anlaufenden Film verwies. Dennoch war ich neugierig, fühlte mich vielleicht aufgrund achtjährigen Russischunterrichts und der langjährigen Rußland-Erfahrungen meiner Eltern [Immerhin hatten sie sich in diesem Land kennengelernt.] mit dem Herkunftsland des 500-Seiten-Werkes verbunden, stellte fest, daß der Film, besser: die Filme, nach der Vorlage dieses Buches geschaffen worden waren [Ich verachte Bücher-Zum-Film, also die Bücher, die erst aus dem Drehbuch heraus entstehen.] - und beschloß spontan, das Buch zu kaufen.

Das war vor zwei Tagen.
Soeben beendete ich die Lektüre der letzten Seite, legte das Werk beiseite und versuche, im Geiste, den angekündigten Film mit dem Buch zu vergleichen.
Es gelingt mir nur schwer, muß ich doch zugeben, bekannte Ideen auch auf den einzelnen Seiten wiederzufinden.

Anstelle himmlischer und höllischer Heerscharen, die einander kriegerisch gegenüberstehen und nur auf den richtigen Augenblick warten, um sich in die Letzte Schlacht zu stürzen - und dabei vielleicht sogar die Erde als Schlachtfeld wählen - gibt es andere Protagonisten, Dunkel und Licht, die einen Vertrag miteinander schlossen, um miteinander auskommen zu können und nicht - wie in Vergangenheit wohl nahezu vollständig geschehen - einander auszulöschen.

Soweit nicht viel Neues. Was neu ist, ist die Art und Weise, wie die beiden Parteien miteinander umgehen, welche regeln sie zu beachten haben, ja sogar, wie die Frage gestellt wird, was das Dunkel, was das Licht eigentlich ist.

Jede gute Tat, die das Gleichgewicht verletzen könnte, darf mit einer bösen ausgeglichen werden. Für die Einhaltung der Regeln, des Vertrages, sorgen Tag- und Nachtwache, Dunkle und Lichte.

Auch das wirkt nicht neu - und ist es doch. Denn mittendrin steht Anton, ein Lichte niederer Stufe, der nahezu mit jeder Zeile die regeln zu verstehen versucht, Fragen stellt, die den Leser klar werden lassen, daß die Abtrennung zwischen Dunkelheit und Licht keine gerade Linie ist, sondern ein schwammiger, verwischter Bereich, der je mehr Fragen aufwirft, je mehr Antworten gefunden werden.

Lichte agieren mittels der Lüge, Dunkle mit der Wahrheit, versuchen beide, die Menschen in die - für sie - "richtige" Richtung zu weisen und stoßen immer wieder an Grenzen, auf Fäden des Schicksals, auf Intrigen, auf Versehungen.

Anton wird davon nicht verschont, versucht zu verstehen, doch fehlt ihm zumeist der Durchblick, läßt auch den Leser im Unklaren.
Während er den von seinen Vorgesetzten und Gegnern gesponnenen Fäden zu entkommen versucht, verirrt er sich tiefer in ihren Netzen, agiert dadurch, daß er eigenständig denkt und handelt, zuweilen als Puppe, als Schachfigur in einem unverständlichen Spiel Schwarz gegen Weiß, Weiß gegen Schwarz.

Jedes mühevoll erwirkte Licht kann Dunkel mit sich ziehen, jedes Dunkel Licht. Es ist, als gäbe es keinen Weg als den des ewigen Stillstands beider Seiten.
Und doch ist es nur ein Belauern, ein Warten, ein Abwägen der eigenen Möglichkeiten, ein Kalter Krieg, der um die nichtsahnenden Menschen herum, im Zwielicht, tobt.

Aber auch die Menschen ahnen, fühlen Stiche in der Seele, fühlen Glück - je nachdem, welche Seite gerade obsiegt.
Menschen sind leicht zu beeinflussen. Das Dunkel ist dabei stets attraktiver als das Licht - und läßt einen Endsieg der Dunklen in fernern Zukunft erwarten.
Doch egal, in welche Richtung Menschen bewegt werden, sie fühlen sich am wohlsten, dürfen sie sich für beide Seiten entscheiden, sowohl Dunkel als auch Licht wählen, sie selbst sein.

Es gibt in diesem Buch nicht das überall proklamierte "Absolut Böse". Dunkelheit kann aus winzigsten Unstimmigkeiten, aus Unzufriedenheiten, resultieren - und nur die Anderen, die Lichten und Dunklen, jene, welche im Zwielicht wandeln können, spüren ihre Manifestation.

Die große Schlacht, das Armageddon bleibt aus, begegnet man doch all dem aus der Sicht Antons, der mit den ewigen Fragen aus dem Blickwinkel eines Zweiflers, eines Halbwissenden konfrontiert wird. Er sucht sich selbst, seine Rolle als Lichter und versucht, sie zu verstehen - was schwer genug fällt in Anbetracht der unlösbaren Verstrickung beider Seiten.

Das Buch stellt keine gewöhnliche Fantasygeschichte mit guten und bösen Menschen dar, sondern den Weg eines Menschen, der zum Anderen ward, der hinterfragt, was er ist, was er will, wofür er zu kämpfen hat, eines Suchenden, der finden will, doch von höheren Mächten benutzt wird, in Fallen tappt, sie durchschaut, um weiteren Irrwegen zu folgen, und letztendlich doch wieder einen Pfad in die für ihn richtige Richtung zu entdecken.

Die Stimmung des Romans ist düster, es fehlt das übliche Heldengeschwafel, die überzeugte Sicherheit der guten, hellen Seite, mit der das Böse bekämpft werden soll.
Ich war beeindruckt.

Der bald anlaufende Film "Wächter der Nacht - Nochnoi Dozor" ist als Dreiteiler geplant, was mich vermuten läßt, daß jeder einzelne Teil eine der drei Geschichten des Buches zum Inhalt haben wird.
Doch auch eine Fortsetzung des Buches wird es geben - "Wächter des Tages".

Bis jetzt bin ich mir im Unklaren darüber, ob der Film mittels der erwähnten, wahrlich schlechten Trailers nur minderwertig angekündigt wurde oder ob die Verfilmung des Buches, das mich angenehm überraschte, vollkommen mißlang, ob zu viel Wert darauf gelegt wurde, die Nebensächlichkeiten, die Hintergründe, zu dokumentieren als die tatsächliche Geschichte des Anton Gorodezki, ob ich mir diesen Film mit seinen drei Teilen ansehen, antun, mich zu den mit Nickelpentagrammen bestückten Pseudogruftis gesellen sollte, oder es bei dem Buch belassen, das bei Weitem gut genug war, um es bedenkenlos weiterempfehlen zu können.

Abwarten.

Hoffnung, wo ich keine suchte

Es ist, als erwache ich aus einem Traum, einem trüben, schmerzlich-süßen Traum, einem, der mich in eine angenehme Leichtigkeit hüllte und diese bis jetzt, bis hinein in das langsame, zögerliche Erwachen, das unsichere Blinzeln in das grelle Licht des Tages, andauern, ja wachsen läßt. Ich fühle mich frei, sicherlich nur für Momente, doch frei genug, um zu lächeln, mich zu erheben, fast zu schweben, als wäre ich nicht länger gefangen, gefesselt an das Jetzt, an das welkende Gestern, an das drohende Morgen.

Ich sehe auf, lege das Buch beiseite, das bis eben noch meine Gedanken, meine Blicke absorbierte, betrachte mich wie einen Fremden, einen liebgewonnenen Fremden, dem zu vertrauen ich endlich bereit bin.

Ich betrachte die Zeiger der monoton tickenden Küchenuhr, begreife, daß ihre Reise zu weit fortgeschritten ist, um ihnen noch hinterhereilen, sie einholen zu wollen, doch störe mich nicht daran, kümmere scheinbar verlorene Vergangenheiten, atme tief und ruhig, als müßte ich jedes Gramm Luft einzeln sondieren, in meinen Lungen spüren.

'Es ist, als fände ich Hoffnung, wo ich keine suchte.', stelle ich fest und lasse mich treiben, in mir, in meinen Gedanken, in der von ergreifender Musik festlich bemalten Stille um mich herum.

Und während ich aus dem schmutzversehrten Fenster blicke, den mit Wolkenschatten beklebten Himmel betrachte, vergeblich um die Stimme eines geliebten Menschen an meinem lauschenden Ohr bitte, begreife ich, daß ich nicht darauf verzichten möchte, in diesem Augenblick zu leben, ich zu sein, meine Gedanken zu denken, ja auch meine Ängste zu spüren.

Das Lächeln lauert in meinen Mundwinkeln und scheint jede Tat für möglich, jede Sorge für lösbar zu halten.
Kann ich ihm glauben?

'Ich will.', denke ich, mich eines alten Liedes erinnernd, greife mein Jacket, gehe hinaus und schlendere leichtfüßig durch die Straßen, als könnte mir die Welt heute nichts anhaben.

[Im Hintergrund: Stillste Stund - "Biestblut"]

Brotgedanken

Warum scheint es in Deutschland nicht [mehr] möglich zu sein, Brötchen und Weißbrot so herzustellen zu backen, daß ihre Konsistenz als "normal" bezeichnet werden kann und nicht in irgendwelche albernen Extreme ausartet?

An dem superwatteweichfluffigen Inneren und dem kackigleckerkrossen Äußeren des gerstern erworbenen Weißbrots haben sich bereits sowohl elektrische Brotschneidemaschine als auch Brotmesser vergeblich versucht, so daß mir nun nichts weiter verbleibt, als mir das Brot in zerrupften Stückchen einzuverleiben...

[Im Hintergrund: Samsas Traum - "A.ura und das Schnecken.Haus"]

Morgendlicher Ohrwurm 33: Der Spiegel sieht mich nicht

Als ich erwachte, vermißte ich den üblichen Lärm. Es ist albern, dergleichen zu vermissen, wenn der eigene Wecker sich alle Mühe gibt, möglichst viel Krach zu verbreiten, um sein Opfer aus den weichen, mit schier magischer Anziehungskraft bestückten Kissen zu vertreiben. Und doch vermißte ich das Hämmern und Bohren, das Sägen und Schreien. Es war zu ruhig.

Ich erinnerte mich Traumes, der noch immer wie ein Schleier vor meinen Blicken schwebte. Sehnsucht vermischte verschiedene Gestalten meiner Vergangenheit, meiner Gegenwart, formte ein süßes Bild, das mich gefangenzunehmen versuchte, mich festhielt und den Abschied aus der Traumwelt zu einem bitteren Schmerz wandelte, zu einem Stein inmitten federleichter Gedanken, der die unangenehme Erkenntnis in sich barg, daß der Traum eben nur ein solcher gewesen war.

Seufzend erhob ich mich, ignorierte den Wecker, der sich noch immer bemühte, unerträglichen Lärm von sich zu geben, und lauschte den Klängen in meinem Kopf, dem heutigen Ohrwurm:

"Das da ist ein Mann,
Sieh' ihn Dir noch einmal an,
Der mit langen oder kurzen Messern
Brot in Scheiben schneiden kann.

Doch wer nicht einmal das schafft,
Hat erst recht nicht die Kraft
Dazu, fünf Kinder zu ernähr'n
Und eine Frau so zu begehr'n
Wie sie es mag, Tag für Tag."


[Aus: Samsas Traum - "Der Spiegel sieht mich nicht"]

Dienstag, 13. September 2005

"Red Eye" - Eine kurze Filmkritik

Wes Craven konnte mich einst mit "Scream" nicht überzeugen und vermag es noch immer nicht. Und das, obwohl ich nicht abgeneigt bin, "Red Eye" als gut zu bezeichnen.

Gut. Aber mehr nicht. Der Film ist gut, die Handlung ist gut, die Schauspieler sind gut. Aber nichts ist überwältigend, beeindruckend, fesselnd, ja spannend.

Rachel McAdams sieht neben Cillian Murphy fast schon unattraktiv aus, und wäre ich schwul, würde ich wohl für ihn schwärmen. Doch leider gibt er keinen überzeugenden Killer, fehlt ihm doch von vorneherein die Kontrolle über die Situation.

Rachel McAdams alias Lisa wirkt dagegen von Anfang an wie eine engagierte Frau, die sich so leicht nichts sagen läßt - und behält die Rolle im gesamten Film bei.

Ein Killer, der von vorneherein seine Unfähigkeit durchblicken läßt, ein Opfer, das sich stetig dagegen wehrt, eines zu sein - ein gewöhnlich langer Film, der keine überraschenden Wendungen bietet, ja fast vorhersehbar ist.

Nur eine Szene war spannend. In derselben versteckte sich auch der einzige Moment, in dem ich mich überraschen ließ. Und das wars.

Der Film endete, und ich verließ das Kino mit der Gewißheit, keinen schlechten, aber auch keinen sonderlich guten, eben einen ganz normalen Film gesehen zu haben.
Ich war zufrieden und wenig beeindruckt von meiner Gleichgültigkeit.

P.S.: Beeindruckender war, daß auf dem Heimweg mein Fahrrad eine Pedale verlor und daß das Licht im heimischen Treppenhaus natürlich genau dann ausgehen muß, wenn ich auf dem vorletzten Treppenabsatz angekommen bin.

Montag, 12. September 2005

Wahlkampfslogansuperlativ

Nachdem mir der CDU-Wahlkampfslogan "Besser für die Menschen" schön öfter ein Dorn im Auge gewesen war, bemerkte ich heute einen ähnlichen: "Besser für unser Land." und muß das - auch wenn das Thema Politik/Wahlkampf/sinnlosePlakate sicherlich alle Lesenden [und vermutlich auch mich selbst] allmählich zu nerven beginnt - noch einmal kurz ausbreiten:

"Besser für die Menschen." hört sich schrecklich an, fast so, als wären andere gemeint, nicht wir, nicht die in diesem Land Lebenden, sondern jene dort, dort drüben, jene, die sich - vermutlich im Gegensatz zu uns [zu mir] - "Menschen" nennen dürfen.
Kurz: Ich fühle mich nicht angesprochen, lese ich diese Worte.

Diesen Umstand hat man mit "Besser für unser Land." zu korrigieren versucht, doch eignet sich der Spruch in Kombination mit der riesigen Deutschlandflagge im Plakathintergrund durchaus auch als Slogan für politisch rechtslastig orientierte Parteien.
Die CDU wird somit ersetzbar, insbesondere weil mit "Besser für.." keinerlei Botschaft vermittelt wird.
Denn die Frage, die sich mir immer wieder stellt, lautet: Besser? Besser als wer? Als die SPD? Als menschenfressende Mars-Ungeheuer mit messerscharfen Dornenklauen und tödlichem Giftgeifer? Das mag durchaus sein...

Überhaupt mißfällt mir der Komparativ: 'Wir sind nicht nur gut; wir sind besser.
Sicherlich werden dadurch alle übertrumpft, die von sich behaupten, "gut", "richtig gut" oder gar "unglaublich gut" zu sein, ist doch die Steigerungsform dazu geeignet, sich selbst vom gesamten gewöhnlich-guten Rest abzuheben und zu verlautbaren, daß man selbst, die eigene Partei - im Vergleich mit nicht erwähnten anderen - etwas Besonderes darstellen will.

Doch man vernachlässigte beim Plakatentwurf einen wichtigen Fakt: Es gibt noch eine zusätzliche Steigerungsform, den Superlativ [mit betontem E].
Wenn also die CDU "besser" ist, wer ist dann "am besten"? Hat sich die CDU nicht getraut zu behaupten, sie seien die Besten? Waren sie tatsächlich bei der Fomulierung des Wahlkampfslogans der schüchternen Ansicht, daß es welche gibt, die besser sind als sie, die besser als "besser" sind?
Will die CDU uns gar damit sagen, daß eine andere Partei, vielleicht gar die SPD, sie mit Leichtigkeit überflügeln könnte?

Und mir fällt noch ein weiterer Trumpf ein:
Latinisiert man "am besten", so erhält man "optimal". Das hört sich noch beeindruckender an als "am besten", so daß also, sollte die SPD irgendwann entscheiden, den CDU-Slogan "Besser für ..." mit "Am besten für..." zu kontern, irgendwer die Frechheit besitzen könnte, zu behaupten, er oder seine Partei sei "Optimal für..."
Das haut rein und läßt selbst das "am besten" lächerlich aussehen. Und der "Besser für"-Slogan der CDU wirkt dagegen wie Kinderkacke.

Doch das ist noch längst nicht alles, was geht. Denn schlechtes Deutsch gelangt allmählich in alle sprachlichen Bereich und sollte keineswegs vor Wahlplakataufschriften haltmachen.
Wenn mich also eine beliebige Partei XYZ anspräche, ich möge doch - selbstverständlich gegen entsprechend umfangreiche Bezahlung - mir einen genialen, ja ultimativen, Slogan ausdenken, mit dem man deutlich, ja überdeutlich, signalisisieren könnte, daß alle anderen Parteien null und nichtig, wertlos und abgedroschen, unnütz und albern seien, dann zückte ich kurz meinen Stift und krakelte siegesgewiß grinsend auf ein beliebiges Stückchen Papier folgende Worte:

"XYZ - Am optimalsten."

[Im Kopf: Agathodaimon - "Chapter III"]

Ein herzlicher Gruß

Dem entweichenden Sommer sende ich ein sachtes Lächeln hinterher, grüße ihn, den Verblassenden, sanft ein letztes Mal - wie einen liebgewonnenen Freund, von dem man weiß, daß er eines Tages wiederkehren und einen warmen Hauch der Freude mit sich bringen wird. Aus den Augenwinkeln beobachte ich verstohlen, wie dem Sommer eine silberne Träne die Wange hinunterrinnt, sich zu einem letzten Regenschauer formt, als wolle er den Herbst begrüßen, der verstohlen, fast heimlich, doch mit forschen Schritten, ohne Zögern, näherrückt, mit seinen warmen Farben die Welt zu verzaubern. Mein Lächeln gilt auch ihm, heißt ihn willkommen in seinem Reich, mischt sich mit den kühleren Winden, die aufziehen und mein Antlitz umranken, die in meinen wehenden Haaren ergebene Spielgefährten finden.

Blicke ich zurück, so vermisse ich den Sommer, vermisse mich in diesem Sommer, sehe mich nur wenige Male die erquickende Feuchtigkeit von Tümpeln und Seen genießen, sehe mich nicht in die Fremde, die Ferne ziehen, dorthin, wohin es alle verschlug, die für einen Augenblick dem Hier und jetzt entkommen wollten. Ich sehe mich die Zeit vertrödeln, als wüchse sie direkt neben meinem Fenster, sehe mich lächelnden Herzens Träumen hinterherschweben, die sanft, doch unaufhaltsam, meinen Blicken entgleiten.

Doch der Herbst bringt Neues, Unbekanntes, das auf mich wartet, ja lauert, wie ein altes, träges Tier, dessen scharfe Klauen und Zähne bedrohlich wirken sollen, doch - längst abgewetzt - keine Gefahr mehr darstellen. Das alte Tier lädt ein zum Tanz, will Spielgefährte sein, mir Wege zeigen, die ich noch nicht kenne. "Hab keine Angst.", flüstert es in meine Sinne, obgleich es weiß, daß ich meine Angst ein Eigenleben führt, mir nicht gehorchen will.

Ich sehe welke Blätter von den Bäumen gleiten, laufe durch den zarten Regen, der erst langsam erwachen, wachsen, muß, dem es noch an Kälte, Stärke, Düsternis fehlt, um den kalten Bruder Winter einleiten zu können. Ich begrüße den Nebel, der sich wattig über Wege legt, als spielte er Verstecken mit meinen Gedanken, als müßte ich erraten, was sich unsichtbar in seinem Inneren verbirgt. Ich weiß es nicht und renne lachend durch die Schwaden, entdecke stachelgrüne Kastanien zu meinen Füßen und befreie die wohlig braune Frucht, lasse sie durch meine Finger gleiten, so glatt und rein, fast vollkommen.

Von einer schmalen Brücke lasse ich sie fallen, lausche dem verschluckenden Plumps der träge dahingleitenden Fluten, sehe sie in des Flüsses dunklem Grün verschwinden. Am Geländer hängen Tropfen wie Perlen, aufgereiht, nebeneinander glitzernd, lockend. Mit ausgestrecktem Finger pflücke ich sie, einzeln, spüre die feuchten Kostbarkeiten meine Hand hinabrinnen, zerreibe das Naß zwischen den Fingern.

Und als ich heimzukehren gedenke, senkt sich Dunkelheit über die Stadt, rasch und unbemerkt, läßt Laternen aufleuchten und vereinzelte Schritte in Hauseingängen verschwinden. Ich schlendere den Pfad entlang, rieche den feuchten Atem des Herbstes und heiße ihn willkommen wie einen lang vermißten Freund.

[Im Kopf: Opeth - "Ghost Reveries"]

Ein Tag voller Augenblicke

Obgleich das V. Internationale Kunstfestival mich nicht wirklich zu überzeugen vermochte und mal wieder mit der Feststellung zurückließ, mich nicht fähig zu fühlen, eine klare Trennung zwischen Kunst und Nicht-Kunst vornehmen zu können, glaubte ich doch nicht, die drei Euro vergebens ausgegeben zu haben. Schuld trug nicht nur die Begegnung mit Freunden meiner Begleiterin, sondern insbesondere ein Film über die vielfältigen Möglichkeiten urbaner Kunst, der zeigte, mich welch simplen oder weniger simplen Mitteln es gelingt, eine Stadt zu beleben, Kultur zu schaffen, wo vorher Ödland und Leerstand vorherrschten.

Im Gepäck das wohlige Gefühl, den Tag mit erstaunlichem Vorankommen meiner Lernbemühungen zusätzlich befüllt zu haben, in den Fingern das Kribbeln erwartunsgfreudiger Kreativität verspürend, bedurfte es nur noch eines Gesprächs mit einem guten Freund, um mein Lächeln zu perfektionieren.

Durch das Halbdunkel der Nacht raste ich, den lauen Wind auf meinem Leib genießend, traf schon zehn Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt dort ein, wo zu treffen wir uns gedacht hatten, plazierte mich auf den Stufen einer Bankfiliale und beobachtete diejenigen, die in stiller Sucht nach Vergnügen und Begleitung schhwatzend und lachend durch die abendlich geleerten Gassen Magdeburgs zogen.

G traf ein, und im "Kuca", im Kulturcafé, fanden wir nicht nur einen mir bisher unbekannten, aber sehr angenehmen, gemütlichen Ort zum Verweilen, Trinken und - das war mir am heutigen Abend besonders wichtig - Speisen, sondern auch eine Lokation, die mit kulturellen Annehmlichkeiten in nicht allzu ferner Zukunft zu locken wußte.

Wir speisten gut und reichlich und wußten einander mit Gedanken und Geschichten zu unterhalten. Die Rechnung begleichend stellte ich fest, noch nicht willens zu sein, die Heimfahrt anzutreten und beschloß, die unlängst wieder errichtete Sternbrücke eines gemeinsamen Ausflugs zu würdigen.

Nur wenige Minuten später, nach einer kurzen Fahrt durch das feucht-diesige Dunkel, erreichten wir die Brücke und die Gewißheit, daß sich Fotos, nicht zuetzt aufgrund des diffusen, von zahllosen Nieselregentröpfchen gebrochenen Lichts, an dieser Stelle lohnen würden. G quittierte diese Feststellung mit einem Lächeln und seinem nahezu fabrikneuen Mobilfunkgerät, dessen Ablichtfunktion tatsächlich höherwertig zu sein schien, obgleich meine eigene Kamera dadurch keineswegs ersetzbar wird.

Die Heimreise, die wir nun, da der Nieselregen nicht innezuhalten gedachte und ein zunehmendes Frösteln unsere Leiber überzog, auf klammen Sätteln antraten, barg die Trennung und die Sicherheit des baldigen Wiedersehens in sich und mündete in eine Halbextase, als ich mit von auf meinen Brillenträgern niedergesetzten Regenschleiern halbblind durch den düsteren Park raste, hoffend, trotzdem jeglichen Hindernissen aus dem Wege fahren zu können.

Ich genoß den Geruch des aufkommenden Herbstes, die kühle Feuchtigkeit der Luft, die sich um mein Antlitz legte, genoß es, die fortschleichende Wärme, das Weichen des Sommers zu betrauern. In Gedanken stahl ich mich zu meiner Mitbewohnerin, die sich in wenigen Stunden auf die Reise in die Sonne begeben und mit geschlossenen Augen wohlige Wärme auf bräunender Haut verspüren würde.

Und zugleich lachte ich innerlich, als ich durch die kühlen Nieselnebelschwaden zischte, den Geruch der Bäume, des Regens inhalierte und wohligen Bewußtseins war, mich ausgeglichen, mich wohl zu fühlen, jetzt, hier, in diesem kostbaren Augenblick.

Sonntag, 11. September 2005

Kein Pfad

Die alten Wege kreuzen sich
die Mitte findet Pfeiler
ein Schild, verwittert, moosbegrünt
begrüßt mich Wanderer.

"Ich eile fort." spricht trockner Mund
zum Holz, das still verweilt
die Lippen beben, wortgeweckt
doch schweigen suchtverschmiert.

"Ich eile fort.", erklär ich mich
gehetzt rotiert mein Auge.
"Sie folgen mir.", erkenne ich
die Beine suchen meine Flucht.

Der Pfeiler schweigt mit welkem Schild
und Schriften nennen Namen.
"Ich kenne sie. Doch will sie nicht.
Und keinen ihrer Wege.
"

Der Kreuzpfad unter meinem Fuß
schenkt kalte Stille mir
"Ich kenne dich. Doch will dich nicht."
Die Stimme gilt dem Weg.

Und jede Richtung weist mir Mensch
bekannte Freuden warten
Der Pfeiler nennt die Namen mir
das Schild gibt Hoffnung kund.

Ich weiche stumm zurück, zu mir
der Boden glüht im Staube
längst begangen jeder Weg
betreten jede Richtung.

"Ich eile fort.", erkläre ich
seh Westen, Süden, Norden
der Osten grinst mit Kälte mir
und Angst ruft meine Nähe.

"Ich eile fort.", erkenne ich
bleib stehen, will doch fliehen
und stürze mich in blindem Drang
dem tiefsten Wald entgegen.

Kein Pfad umschmeichelt meinen Fuß
nur struppig Waldgeflecht
und Dornenranken zeichnen mich
in Rot brennt meine Sucht.

Im Nacken hör ich Stimmen fern
sie suchen mich und greifen
Mein Schritt erwächst zu neuem Maß
Ich eile fort, entweiche.

"Zerrt nicht zurück
was sich entwöhnt
senkt nieder winkend Hände
umarmt nicht länger, was entschlüpft
und haltet nimmer fest.

Ich eile fort.
", ruf ich zurück
"Entfliehe ewig Gleichem
dem Ritual des Mittigsein
geborgen unter Fremden

Gemeinsam in das Immerdar
die alten Wege laufend
die alte Richtung
gestrig-schön -
Nicht länger will ich bleiben.

Ich lausche altbekanntem Wort
doch will ich nicht vernehmen
Die Fremde lockt mit Weltgesang
Kein Pfad führt mich zum Ziel.
"

Und als mein letztes Wort verstummt
vernehm ich bittres Wimmern
ich bleibe stehn, erbarme mich
gefrier im Tränenlied.

"'Was soll ich tun?", durchfährt es mich
das Zögern kostet Kräfte
Im Nacken ruft das Gestern warm
im Auge glänzt die Ferne.

"Das Gestern kenne ich bereits!"
schallt es aus meinem Munde
und forschen Schrittes dring ich tief
ins Unbekannt hinein.

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Samstag, 10. September 2005

rotation

nachts rotiere ich in träumen
kreise wege um dein haupt
verirre drehend mich und finde
den pfad zurück
zu dir.

die kreise werden kleiner
die wege werden kürzer
die blicke suchen mitten
erfinden
finden dich.

und schließ ich jedes auge
fließt jeder traum in bahnen
ein orbit der gedanken
um deine stirn
gelegt.

ein blinder kinderkreisel
die wege werden schneller
das zentrum meiner pfade
erträumt
erwartet mich.

der kreis gerinnt zum punkt
zum schrei
zum nichts, das mich empfing
ein leerer lufthauch
grüßt mich kalt
mit vakuum und kuß.

www.bluthand.de

[Im Hintergrund: The Dresden Dolls - "A Is For Accident [live]"]

Wider die Anhänglichkeit

Was ich befürchte und heute einen Moment lang als vermutlich wahr erachtete, ist, daß ich, sollte ich mich irgendwann [wieder] in eine Beziehung begeben, nicht minder anhänglich und nervig sein, nicht minder selbstbezweifelnd und sie-suchend, als ich es früher, einst, war. Ich befürchte, daß ich noch immer in stillen Momenten falsche Fragen in meine Sinne flüstere und mir noch falschere Antworten erdenke, befürchte anhänglich zu sein, fast so, als benötigte ich eine absolute, hundertprozentige Sicherheit [die es niemals geben kann], um mich zu beruhigen, ihr, die ich liebe, nicht zweifelnd hinterhersinnen zu müssen.

Ich befürchte, daß meine Anhänglichkeit, ja meine Angst, sie zu verlieren, mein Wunsch, ihr stetig und immer nahe zu sein, Dimensionen annehmen wird, die ich nicht wünsche, die sie vertreiben, sie abschrecken werden, befürchte, zu furchtsam zu sein, um auf lange Zeit attraktiv zu wirken, befürchte, durch die vermeintliche Intensität meiner Liebe gezwungen zu sein, die ihre immer wieder in Frage zu stellen.

Nicht weniger fürchte ich mich vor dem Erwachen, vor der Erkenntnis und vor der darauf folgenden Entschuldigung, vor den Beteuerungen, vor dem Wunsch nach Verzeihung, vor den daraus resultierenden zusätzlichen Aufmerksamkeiten und Liebenswürdigkeiten, die mich nicht nur ihrer Liebe versichern, sondern sie von der meinen überzeugen sollen, die - falls die vergangenen Aufdringlichkeiten nicht intensiv genug gewesen waren - das Gesuch nach Nähe wiederholen, steigern, vielleicht ins Unermeßliche, Unerträgliche. Ich befürchte gar, mich, sollte sich zeigen, daß meine Sorge vergebens, meine Sucht nach Nähe für sie erträglich gewesen war, in Entschuldigungen immenser Anzahl zu verlieren - und dadurch letztendlich doch einen Grund zu schaffen, der ein Verzeihen notwendig macht.

Derlei Gedanken besänftigte ich mit einem einzigen, bedeutsamen Satz, der vielleicht endlose Weisheit enthält, vielleicht jedoch unbedeutend wird - angesichts der unzähligen Möglichkeiten drohenden Verlusts:
"Sobald ich weiß, fühle, daß sie mich liebt, sobald ich spüre, ihr bedenkenlos vertrauen zu können, wird sich jede Aufdringlichkeit, jede Furcht verflüchtigen, als wäre derlei nur ein wehender Schatten, ein lächerlicher Traum, gewesen."

Und vielleicht habe ich recht damit, mich mit diesen Worten zu trösten, bedarf es doch nur weniger versichernder Zeichen, um mich in vollkommenem Vertrauen aufzulösen. Doch was, wenn ich nicht recht behalte? Was, wenn sie nicht die Zeichen sendet, die ich erwarte, sondern andere, für die ich zu blind, zu verbohrt in mein eigenes, albernes Denken bin?
Was, wenn ich sie verliere, bloß weil ich befürchte, sie zu verlieren?

In diesen Augenblicken komme ich zu Besinnung und lächle gnädig über meine obigen Worte.
'Es wird sich ergeben.', denke ich zuversichtlich, voller Vertrauen in die Zukunft, voller Vertrauen in sie, die irgendwann in mein innerstes Leben treten wird.

[Im Hintergrund: The Dresden Dolls - "The Dresden Dolls"]

innehalten

durch die sinne rauscht der wind
mir entgegen
zieht vobei
hält mich fest
momente nur
und läßt mich weitereilen.

der bewegung folge ich
im sprint dem jetzt entfliehend
die welt verschmiert
in meinem blick
bleibt hinter mir zurück.

im flug gefangen stürze ich
der drang nach vorn gefriert
und klebrig harrt der augenblick
raubt unter mir den grund.

grau und grauen werfen sich
in stummer wucht in mein gesicht
durchfahrend sinn und sinne
mit graugestein und sein.

durch den schädel rauscht der wind
singt längst verlorne lieder
die rote blüte auf beton
verblüht, verwelkt, verrinnt.

www.bluthand.de

[Im Hintergrund: The Dresden Dolls - "The Dresden Dolls"]

Beobachtungen

In Stadtfeld, einem politisch eher links orientierten Stadtteil Magdeburgs, versammelten sich unzählige Polizisten. Überall standen sie, musterten mich, musterten jeden, als wären alle verdächtig.
Hin und wieder begegneten mir Punks, teilweise mit den fast traditionellen Bierflaschen bestückt. Ihre Zahl unterschritt die der Polizisten bei weitem...

In der Nähe des Alten Markts hatte die MLPD ihren Stand aufgebaut. Ich sah nicht viel, außer ein paar Tischen und einigen Plakaten. Was jedoch aus den Boxen kam, vernahm ich deutlich: Deutscher Hiphop von Sido und Konsorten.
Ich wunderte mich, hätte ich diese Musik doch eher in eine rechts orientierte Ecke gesteckt.

Vor dem Landestheater standen unzählige Männer und Frauen in Anzügen und Kleidern. Es war kurz vor elf am Samstag Morgen, und nachdem ich mich darüber gewundert hatte, daß die Innenstadt um diese Uhrzeit überhaupt schon so belebt war, verwirrte mich die vor dem Theater wartende, herumstehende, gut gekleidete Menschenmasse erst recht.
Während ich vorbeifuhr, glaubte ich das Wappen eines Sportvereins zu entdecken. Der SCM vielleicht? Doch was wollte der im Theater?
[Meine Recherchen ergaben, daß dort heute die Festveranstaltung "50 Jahre SCM" stattfindet. Ich freue mich allerdings, das SCM-Wappen im Vorbeifahren erkannt zu haben, ohne mich jemals für diesen Bundesligahandballverein interessiert zu haben.]

Die Bibliothekseingangswächter, die mich in letzter Zeit nicht nur von der bibliotheksinternen Flüssigkeitsaufnahme abhielten, sondern auch immer mal wieder um die Tische herumschlichen, ob nicht ein böser, böser Student heimlich irgendetwas Unerlaubtes eingeschleust hat, scheinen Samstags nicht zu arbeiten. Theoretisch könnte ich mich also mit Bierkasten und Chipstüten bestücken und dann anfangen zu lernen - insofern es mir gelänge, die Nahrungsmittelvorräte vor den restlichen Bibliotheksmitarbeitern zu verbergen und meine Abneigung gegen Chips und vor allem Bier zu überwinden...

Fundstück

Als ich die Bibliothek betrat, fand ich auf einem Tisch einen Schmierzettel, auf dem neben kryptischen allerlei Bemerkungen der Ausschnitt eines Gedichtes meine Blicke auf sich zog. Neuigierig las ich, und war angetan, suchte im Internet und fand hier das Folgende.
[Sobald sich Gelegenheit ergibt, werde ich mich eingehender mit dem Autoren und seinem Werk befassen.]


Johannes Bobrowski
"Die Daubas"

[1954]

Droben schwang der Wind.
Wir lebten am Fluss in den Hütten.
Dunkelnd die Ufer hinauf,
tönte das Schilf.

Wir waren Kinder mit unsern
Herzen. Die sangen uns jahrhin.
Anders nicht als die Erde
kamen Fröste und Regen,
Blitz und Gewölk, wie die Zeit -

wie die Zeit,
die wir nahmen
und gaben sie aus den Händen,
rot von Früchten. Die Winter
flossen ins Licht.

Das ist vergangen.
Wir ließen die Dörfer dem Sande.
Kaum wie ein Flößerruf
zogen wir fort.

Folgend der Bitternis, legen
wir Holz zu den Feuern der Fremde,
wissen ein Lied noch: einst
blühte der Apfelbaum.

Wo denn
wollen wir bleiben?
Immer ist es die Erde,
der Grund, da wir liegen werden.
Die Kinder
finden das Dorf nicht.

Aber die Gärten, der Schilfstrich
am Strom - jenes Uferland Daubas -
gilbende Scheunen -
und das Gespann, das vom Wald kam -
der Habicht im leeren Blau -

noch verfärbts uns die Blicke.
So treten wir unter den Bogen
dieser Jahre. Und zählen
unsre Freuden der Erde zu. -

Fühlend das Blut in den Schläfen,
das Haar zu streichen den Töchtern,
abends sprichst du: Komm,
Liebste, du bleibst noch - so
sehn ich mich nicht.

Kein Wortspiel - Zum Glück

Glücklicherweise fiel mir soeben kein schlechtes [oder gutes] Wortspiel zu der Frage "Weißt du, wieviele Liter Wasser man an einem heißen Tag ausschwitzt?" und dem historisch bedeutenden Ortsnamen "Auschwitz" ein...

War ja klar

Es nützt nichts, die knapp 2,7 Kilometer durch die Innenstadt in nur etwa sieben Minuten zurückzulegen - mit dem Fahrrad, versteht sich -, vier Minuten vor Ladenschluß der Postbeamtin atemlos und stolz entgegenzublicken, mit feuchtwarmen Schweißbächen auf der Haut den Brief abzugeben, mit Höchstgeschwindigkeit zu naheliegenden Karstadt zu eilen, in die Technikabteilung zu Reklamationszwecken zu weilen - und dann das zurückzugebende technische Gerät vergessen zu haben.

[Genausowenig nützt es, tagelang sowohl in Magdeburg als auch in Halle nach hochzeitsgeeigneten Klamotten zu suchen, in einem alternativen Lädchen endlich fündig zu werden und freudig nicht allzu viel Geld auszugeben, sich stolz mit neuem Gewand vor Mutter und Mitbewohnern zu zeigen, die Kleidungsstücke mit Sorgfalt zu bügeln und mit größerer Sorgfalt aufzuhängen - um dann auf dem Weg zu der in der Slowakei stattfindenden Hochzeit, kurz vor Bratislava, zu bemerken, die wundervollen Kleidungsstücke zu Hause auf dem Bügel vergessen zu haben.

[Derartiges wird von meinem lieben Freund G übrigens als "einen Bastian machen" bezeichnet.]

P.S.: "Einen Bastian machen" ist unter meinen Mitbewohnern allerdings die Bezeichnung dafür, etwas Sinnbefreites, Pseudokomisches oder ein schlechtes Wortspiel von sich zu geben. ]

Herbst: Lenkte Einsam Meinen Schritt...

Das Gold des Herbstes nahm die Welt
doch es war stumpf und grau verhangen
Braun durchzog Verfall die Weiten
Trug zu Grabe, was vergangen

Wind schwoll an in kalten Chören
Nebel hob sich von den Flüssen
Rief das Moor bis an die Ufer
Unter kalten Regengüssen

Das Land wand sich in Hagelstürmen
Herbstlaub, Schlamm und Nebelfelder
Es ertrank in meinen Sorgen
Wolken, Wind und leere Wälder

Denn ich spürte fernes Unheil
Fühlte Jammer, Leid und Weh
Weiter zog ich, fort und fort
Vom Hagel in den ersten Schnee

Wie des Landes Leichentuch
Eisig flieht die weiße Pracht
Lautlos, kalt und unerbittlich
Tag um Tag und Nacht um Nacht

Und ich zog in großer Eile
Lenkte einsam meinen Schritt
Um noch Hoffnung in mir zu retten
Die da schwand mit jedem Tritt


[Nocte Obducta]

[Im Hintergrund: Nocte Obducta - "Nektar I: Zwölf Monde, eine Hand voll Träume"]

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