Der heutige Tag brachte es mit sich, daß ich nicht feststellte, sondern mich erinnerte, daß das Zusammenleben mit einer Frau kompliziert sein kann. Ich weiß, das ist keine weltbewegende Erkenntnis, doch erstaunt mich gerade der Umstand, daß ich diese Kleinigkeit vergessen, vielleicht verdrängt hatte.
Ich hatte vergessen, daß es manchmal nur eines einzigen falsch gewählten Wortes bedarf, um in einer Beziehung Dinge zu bewirken, die von keiner Seite beabsichtigt waren, die Folgen haben, die niemand wünscht.
Ich hatte vergessen, daß zwei Menschen, egal wie nah sie sich sind, immer noch unterschiedlich denken, fühlen, agieren, reagieren, daß sie aufeinanderstoßen können, schlichtweg weil sie nicht identisch sind.
Ich hatte vergessen, daß zu einer Beziehung auch die Angst um selbige gehört, eine Unsicherheit, die zuweilen hervortritt, durch unsinnigste Winzigkeiten ausgelöst, doch nur mit Mühe, nur mit Liebe, zurückgedrängt werden kann.
Ich hatte vergessen, daß Taten und Worte zuweilen fehl am Platze wirken können, ohne daß man sich dessen bewußt ist, daß ein Gespräch von den Beteiligten stets anders interpretiert werden wird, daß es niemals möglich sein wird, in den Kopf des anderen zu blicken.
Ich hatte vergessen, daß die Schönheit der Liebe zuweilen erst hervortritt, wenn sie zu weichen droht.
Mich betrüben diese Dinge nicht, mich betrübt nicht, daß eine Beziehung kein traumgesüßtes Wunderland darstellt, kein Zuckerwatteparadies mit Glitzerfunkelsternen und Regenbogenmelodien.
Mich betrübt einzig und allein der Umstand, daß ich für einen Moment vergessen hatte, wie es ist, mit einer Frau zusammen zu sein, mit ihr zu leben, sie als Teil des eigenen Daseins zu begreifen.
Mich betrübt, daß ich mich in Träume verlor und die Wirklichkeit zu vernachlässigen schien, oblgeich ich genau diese wünschte, ersehnte.
Mich betrübt, daß die Gedanken nur Gedanken sind, Vorstellung, wie es sein müßte, sein sollte, sein würde, fixe Ideen, gepaart mit Erinnerungen, die zu unwirklichen Traumbildern zu schmelzen scheinen...
morast - 17. Mai, 23:36 - Rubrik:
Wortwelten
Ich bin ein Stadtkind. Aufgewachsen inmitten von Neubauten beschränkten sich meine Naturerfahrungen auf den nahegelegenen Park [in dem immerhin hin und wieder Wildkaninchen zu sichten waren] und auf ein von Wanderpfaden durchzogenes Wäldchen, in dem ich zwar nie ein größeres Tier erblickte, aber hin und wieder einen Specht auf Holz klopfen hörte und ein paar Wildschweinspuren fand [Vermutlich hatte man eigens dafür ein paar Förstersgehilfen bezahlt, die dafür sorgen sollten, daß man sich in dem Wäldchen fühlen sollte wie in ursprünglich belassener, aber gefahrloser Natur.]. Ich war schon eine Weile aus meiner heimatliche Stadt weg- und in eine unwesentlich kleinere Stadt umgezogen, um mich dort meinem Studium zu widmen, als ich zum ersten Mal in meinem leben einen Igel sah.
Es war Nacht. Ich kam gerade von einer diskoähnlichen Veranstaltung, die zwar angenehm gewesen war, aber mich nicht sonderlich bewegt hatte und war drauf und dran heimzufahren. Zwanzig Minuten Radweg durch die Dunkelheit lagen vor mir - in steter Furcht vor der Polizei, die meine fehlende Beleuchtung sicherlich nicht gutheißen würde.
Ich schwang mich also aufs Rad und trat in die Pedalen. Ich hatte noch keine dreihundert Meter zurückgelegt, als ich eine Bordsteinkante übersah. Meine inexistente Vorderlampe hatte nicht ausgereicht, um mich vorzuwarnen, weswegen mein Vorderrad mit hoher Geschwindigkeit gegen die Kante fuhr, plötzlich in der Luft stand und dafür sorgte, daß ich aus dem Sattel auf die Betonplatten geschleudert wurde, die meinen Sturz nur unwesentlich abzudämpfen vermochten. Mein Rad torkelte noch ein paar Meter weiter und stürzte dann auch hernieder, wobei die ohnehin unnütze Vorderlampe endgütig zerbrach. Auch ich kam nicht ohne Schaden davon, hatte ein paar Kratzer am Ellenbogen und ein aufgeschürftes und schmerzendes Knie davongetragen.
Ich stand auf und entschloß mich, die nächsten paar Meter zu laufen, nicht zu fahren, solange, bis der Schmerz etwas nachgelassen hatte. So hatte ich das Fahrrad humpelnd gerade ein paar Meter neben mir hergeschoben, als mich eine durchaus gutaussehende, sympathisch wirkende, junge Dame ansprach:
"Tschuldigung. Weißt du, wo der nächste Zigarettenautomat ist?"
Sie deutete auf den sich hinter ihr befindlichen Automat.
"Der hier ist nämlich kaputt."
In meinem Kopf spulte sich schon ein Gedanke ab, der mich zu erfreuen wußte: Ich würde ihr eine gehaltvolle Antwort geben, auf einen Automat in der Nähe verweisend. Sie würde, mit der Gegend nicht sonderlich gut vertraut, mit verlegenem Lächeln eine detaillierte Beschreibung wünschen.
"Warte, ich zeig's dir.", würde ich sagen und freundlich lächeln. Und die wenigen - denn allzu weit sollte der Automat wirklich nicht sein, sonst verginge die Lust, den weiten Weg dorthin auf sich zu nehmen - Meter bis zum Zielort würden mir Gelegenheit geben, sie ansatzweise kennenzulernen und womöglich die Basis für ein weiteres Treffen schaffen.
Ich grübelte, überlegte, strengte meine grauen Zellen an. Doch als lebenslanger Nichtraucher war mein Wissen über die Standorte von Zigarettenautomaten äußerst begrenzt. Mir fiel nichts ein. Kein einziger Automat. Mist.
Ich schüttelte verneinend mit dem Kopf, murmelte ein paar bedauernde Worte und sah ihr nach, wie sie schulterzuckend aus meinem Blickfeld verschwand.
Und während ich weiter meines Weges humpelte, fragte ich mich, ob Gott oder das Schicksal oder jedwede andere höhere Macht mich in diesen Augenblicken dafür strafen wollte, Nichraucher zu sein. Ich empfand es als ungerecht, daß mir, bloß weil ich als Rauchabstinenzler über die Zigarettenautomatenstandorte Magdeburgs nur unzureichend informiert war, die Gelegenheit genommen worden war, ein möglicherweise äußerst angenehmes Zwiegespräch mit einer nicht minder angnehmen Frau zu führen.
Sauer, vom Abend und von meinem gesamten Dasein enttäuscht, stieg ich - ungeachtet meiner noch immer existenten Schmerzen und der noch immer inexistenten Beleuchtung - auf mein Fahrrad und fuhr los, heimwärts.
Auf den Straßen war nichts los; keine Polizei, keine Menschen weit und breit [Damit will ich nicht behaupten, Polizisten wären keine Menschen.]. Es war angenehm zu fahren. Die kühle Nachtluft wehte durch meine Haare, von irgendwo erklang gedämpfte Musik. Ich radelte an der Elbe entlang. Die Stadtlichter funkelten verschwommen auf dem Wasser, versuchten vergeblich, so etwas wie Romantik in meine schlechte Laune einfließen zu lassen.
Plötzlich bremste ich scharf. Direkt vor meinen Reifen befand sich ein Igel. Ich hätte ihn nicht überfahren, doch wäre beinahe unbemerkt an ihm vorbeigerauscht, ohne ihn von seinem zweifelsohne gefährlichen Vorhaben abzuhalten. Schließlich war er gerade dabei, den Bordstein hinab auf die Straße zu klettern, die zwar im Augenblick frei zu sein schien, aber jeden Moment von jugendlichen Nachtrasern befüllt sein konnte.
"Was willst du dort, auf der anderen Seite?", fragte ich ihn.
Tatsächlich warteten dort nur steinerne Bauten, nur staubiger Asphalt und hohe Bordsteinkanten auf ihn. Ich hockte mich hin. Ich hatte noch nie einen echten Igel gesehen. In Zoologischen Gärten ist es nicht üblich, solche wenig exotischen Säuger auszustellen, und meine bisherigen Naturerfahrungen hatten eine solche Begegnung noch nicht mit sich gebracht.
Der Igel war erstaunlich klein. Ich hatte mir diese Tiere etwas größer vorgestellt. Dafür jedoch wirkte er ziemlich niedlich. Wie mochten sich wohl seine Stacheln anfühlen?, fragte ich mich.
Noch immer zögerte er, wollte sich auf die Straße wagen und einem immensen Risiko aussetzen. Ein Auto brauste vorbei. Der Igel zuckte nicht zurück, war fest entschlossen.
"Nein.", flüsterte ich und streckte die Hände aus, wollte den kleinen Igel in ihnen bergen und ins naheliegende Gebüsch setzen, war bereit, seine möglicherweise unangenehm spitzen Stacheln zu ertragen, um ihm das Leben zu retten.
Doch er ließ sich nicht retten. Kaum sah er meine Hände kommen, drehte er sich um und flitzte blitzschnell in das Gebüsch, zu dem ich ihn sowieso hatte befördern wollen. Weg war er.
Ich war beeindruckt von der immensen Geschwindigkeit des kleinen Tieres, erfreut von seiner Niedlichkeit und von dem Wissen, ihn trotz eines mißglückten Rettungsversuchs davor bewahrt zu haben, die gefährliche Straße zu überqueren.
Ich lächelte, als ich wieder auf meine Rad stieg, noch einen Blick auf das Gebüsch warf und dann weiterradelte.
Aller Schmerz in Knie und Seele war vergessen, und in der Elbe spiegelten sich matt die Lichter der Stadt.
morast - 17. Mai, 22:40 - Rubrik:
Wortwelten
Neulich sah ich es
wieder. Ein junger Mann, der mir am Mensatisch gegenübersaß, zeigte auf seinem T-Shirt die Aufschrift "5UCK MY D1CK", die immer wieder meine Blicke auf sich zu ziehen vermochte. Glaubte er wirklich, dieses Shirt sei innovativ und trendy, glaubte er wirklich, daß sein Eigenstatus damit aufgewertet werden könnte? Vielleicht wollte er nur witzig sein und vergaß dabei den nicht unbedeutenden Umstand, daß Witze im allgemeinen nur bei der ersten Begegnung wirklich witzig sind, daß also der Bekanntheitsgrad der Aufschrift dessen Witzwert eindeutig minimierte, anstatt ihn - wie möglicherweise erhofft - anzuheben.
War der junge Mann vielleicht bisexuell? Dann wäre erklärbar, daß er jedem Gegenüber, egal ob männlich oder weiblich, egal ob jung oder alt, die Aufschrift und damit die Aufforderung entgegenstreckte, sich doch an seinem Genital zu bedienen.
In meinem Kopf tauchte die wiederholt gedachte Feststellung auf, daß mir persönlich es mißfallen würde, mit Kleidungsstücken herumzulaufen, mit deren Aufdruck ich mich nicht zu identifizieren vermag.
Wenn ich mich einmal dazu bewege, Kleidung zu erwerben, die von sogenannten Markenfirmen hergestellt wurde, achte ich darauf, daß ich nicht zu einer wandelnden Litfaßsäule mutiere, daß also mein Shirt [oder wasauchimmer] nicht beginnt, für sich selbst und seinen Erzeuger Werbung zu machen, andere inspiriert, die ihrerseits derartige Werbeprodukte kaufen, zu laufenden Reklametafeln werden und eine Kette in Bewegungs setzen, die nur durch konkurrierende Werbung anderer Firmen aufgehalten werden kann.
Im allgemeinen bin ich der Ansicht, daß man darauf achten sollte, was der Kleidungshersteller auf das zu erwerbende Stück Stoff druckte oder nähte, ergeben doch derlei Aufschriften in den wenigsten Fällen wirklich Sinn. Da werden Universitäten erfunden und Sportvereine erdacht, nur um ein intelligentes oder sportliches Image zu darzustellen.
Nicht minder gefährlich sind alberne Sprüche und lustige Bilder, die ihre Witzigkeit meist schon vor dem ersten Betrachten verloren haben und auf keinen Fall vom Humor des Besitzers zu berichten imstande sind.
Zuweilen sind Aufschriften auch unfreiwillig komisch. Ein Klassenkamerad besaß einmal eine Art Winterjacke, die den Schriftzug "Get Into Sportsfun" trug. Komm in den Sportspaß. O ja.
Derlei Beispiele gibt es viele.
Dabei habe ich überhaupt nichts gegen bedruckte Kleidungsstücke. Mein Bruder beispielsweise fertigte sich ein paar T-Shirts an, die bestimmte, auf ihn passende Cartoons von Joscha Sauer [
www.nichtlustig.de] zeigen. Ich selbst besitze zwei oder drei Shirts, die mittels ihres Aufdrucks für von mir favorisierte Musikgruppen werben.
Solange das Ersichtliche Bezug zur eigenen Person hat, ist eine Aufschrift oder ähnliches sicherlich nichts Schlimmes.
Als wirklich schlimm erachte ich es allerdings, wenn junge Damen sich mit Shirts schmücken, bei denen quer über den Busen "Sexy" oder gar "Sexy Babe" lesbar ist. Ich halte mich durchaus für fähig, selber zu erkennen, ob ich einen Menschen für sexy erachte oder nicht.
Diese Aufschrift jedoch bewirkt bei mir den Gedankengang, ob sich die Besitzerin ihres eigenen Sex-Appeals immer wieder versichern muß oder es gar nötig hat, andere mit einem Zaunpfahl winkend darauf hinzuweisen. Schlimm nur, wenn sich diese Aufschrift als unzutreffende Behauptung und somit als unfreiwilliger Witz entpuppt.
Im übrigen überlege ich mir, ob ich mir, um dem allgemeinen "5UCK MY D1CK"-Trend
entgegenzuwirken nachzuhängen, ein T-Shirt drucken lassen, dessen Rückseite folgende Aufschrift zu beinhalten hat:
"
Aufgrund dessen, daß mein T-Shirt einen derart amüsanten Schriftzug zu Schau stellt, liegt der Schritt nahe zu vermuten, daß ich ein äußerst lustiges Kerlchen bin, das nicht nur krampfhaft versucht, mit äußerst albernen Methoden Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, sondern auch noch angesprochen und mit Lob für seinen Einfallsreichtum und seinen einnehmenden Humor überschüttet werden möchte."
Die Vorderseite des Shirts dagegen wird recht schlicht gestaltet sein:
"
GR4B MY T1T5
E4T MY PU55Y".
morast - 17. Mai, 12:44 - Rubrik:
Wortwelten
Im Rahmen des vermutlich frühlingsbedingt aufkeimenden Wunsches nach der Aufnahme gesünderer Lebensmittel beschloß ich unlängst, meine Neigung zu häufigem Verzehr von Chili con Carne einer kleinen Änderung zu unterziehen, indem ich nicht wie eh und je einfach irgendein Maggi/Knorr-Chili-con-Carne-Pulver inklusive der üblichen Konservierungs- und Gutschmeckmittelchen benutzte und mich anleitungsgemäß verhielt, sondern ein längst verstaubte Kochbuch vom Küchenschrank fischte, herausfand, welche Zutaten als sinnvoll zu erachten wären und diese dann käuflich erwarb, darauf achtend, daß ich mich einerseits nicht allzu pingelig an die gedruckten Vorgaben hielt und daß jene Zutaten zumindest ansatzweise das Prädikat "ökologisch sinnvoll" oder gar "gesund" verliehen bekommen könnten.
Den ersten Versuch startete ich vor schätzungsweise zwei Wochen, unterstützt von meiner Mitbewohnerin, die eigentlich nur helfen, nicht aber mitspeisen wollte. Das Ergebnis war erwartbar zufriedenstellend, nein: äußerst lecker, auf keinen Fall vergleichbar mit dem Maggi/Knoor-Gepamps und zementierte den Beschluß des Verzichts auf die Fertigpulvertüten erwähnter Firmen.
Nachdem ich am gestrigen Mittag aufgestanden war, stellte ich einen Hunger fest, der mit Chili bekämpft werden wollte. Ich machte mich sogleich ans Werk, was leider bedeutete, zunächst das unsaubere Geschirr in der Küche einem gründlichen Reinigungsprouzeß zu unterziehen. In einer 5er-Wg fällt allerdings eine Menge Unsauberes an, weswegen ich eine graume Weile beschäftigt war, ehe ich mich der Zubereitung meiner Mahlzeit widmen konnte.
Doch dann ging es los, und wieder kam ich nicht umhin festzustellen, daß Kochen unglaubliche Freude zu bereiten vermag, daß allein schon die vorbereitenden Maßnahmen Potential haben, mich wohlfühlen zu lassen. Ich liebe es zu bemerken, welche im Kochbuch genannten Zutaten mir fehlen und Ersatz dafür zu finden beziehungsweise Eigenergänzungen vorzunehmen, das Abgedruckte nur als unbedeutenden Leitfaden zu erachten und meiner Laune freien Lauf zu gewähren. Ich liebe es, nach Gefühl Mengen abzuschätzen und hinzuzugeben, mich auch auf das richtige Gefühl zu verlassen, wenn es darum geht, wie lange dies oder das noch zu garen, zu braten oder zu kochen hat. Ich liebe es, so etwas wie Kreativität während der schlichten Zubereitung einer Mahlzeit walten zu lassen.
Das Chili war äußerst lecker, hätte zwar vielleicht noch ein wenig mehr Schärfe vertragen, aber gefiel mir auch so, bin ich doch für gewöhnlich nicht der Vertilger übermäßig geschärfter Lebensmittel. Ich setzte mich an den Tisch und schaufelte das Essen in mich hinein, das Gefühl des guten Geschmacks und des Wissens genießend, mehr oder minder auf mich allein gestellt gekocht zu haben.
Jedoch war es zu viel. Schnell war festzustellen, daß die Mahlzeit für drei Personen ausreichend sein würde, daß also eine einzige damit völlig überfordert sein würde. Natürlich hatte das zur Folge, daß meine abendliche Mahlzeit aus ebenjenem Chili bestand, wobei ich diesmal der Einfachheit halber den Reis gleich mit unterrührte, was zwar der Ansehnlichkeit des Essens, nicht aber dessen Geschmack schadete.
Nach dem Abendbrot war noch immer ein nicht geringer Rest in der Pfanne ersichtlich. 'Na. dann weiß ich ja, was es morgen zum Frühstück für mich geben wird.', dachte ich.
Sicherlich mag es wenig deliziös klingen, den Tag mit derart herzhafter Mahlzeit zu beginnen, doch sei erwähnt, daß mir gar nichts anderes übrig blieb, waren doch meine restlichen Nahrungsmittelvorräte, insbesondere Brotartiges, auf ein Minimum geschrumpft, so daß ich - wenn ich auf ein Frühstück nicht verzichten wollte - tatsächlich mit Chili vorliebnehmen mußte.
Soeben erwachte ich, nachdem ich mir selbst ein geruhsames Ausschlafen gegönnt und jegliche Wecker bewußt ignoriert hatte.
'Frühstück wäre nicht schlecht.', dachte ich und erinnerte mich des Chilis.
Dann warf ich einen Blick auf die Uhr. Es war bereit Mittagszeit.
'Schön.', freute ich mich, 'Da fällt das Frühstück eben aus. Aber ich weiß schon, was es zum Mittag geben wird.'
morast - 17. Mai, 11:48 - Rubrik:
Wortwelten
Und dann gibt es noch die Momente, in denen ich begreife, nicht ins Leere zu schreiben, in denen ich spüre, daß das, was ich formuliere, was ich dachte und in Sätze presse, zu Wortgebilden knete, Bedeutung zu haben scheint, akzeptiert, ja vielleicht sogar gemocht wird, in denen ich begreife, daß nicht ich allein es bin, der dem Geschriebenen Freude zu entnehmen vermag, der liest und mit dem Gelesenen Bilder im eigenen Kopf erweckt, die erstaunen, beühren, bewegen. Ein falsches Wort in der Akustik der Wirklichkeit, ein falsches Wort, das ein richtiges war, das mich verstehen, mich sehen, erkennen läßt, daß ein Schweigen nicht immer eine Leere darstellt, daß Stille mit unausgesprochenen Gedanken, mit ungesagtem Lächeln gefüllt sein kann. Und obgleich sich neue Fragen in meinem Kopf zu Wolken türmen, erfreue ich mich der Wortlosigkeit, stelle mir vor, Tausend stumme Zungen flüsterten mir ihre Nähe ins Ohr.
morast - 16. Mai, 20:48 - Rubrik:
Wortwelten
Bleibt man lange genug wach, bedarf es zum Lesen vor dem Einschlafen keiner Lampe mehr.
[Im Hintergrund: ASP - "Hast Du Mich Vermißt?"]
morast - 16. Mai, 13:09 - Rubrik:
Weise Worte
An einer Straßenecke steht ein Mann, beleibt, die ergrauenden Haare mit Pomade nach hinten gekämmt. Ich halte Abstand, den Kontakt meidend. Er ist keine Gefahr, begreife ich, doch will auch selbst keine darstellen.
Der Mann ruft mich: "Hey!"
Seine Stimme ist kraftlos, nicht fordernd, eher bittend. Ich wende mich ihm zu.
"Do you speak English?", fragt er mich.
"Yes I do." Mittlerweile bin ich bei ihm angelangt.
Er wünscht zu telefonieren, besitzt aber kein Telefon. Ich betrachte ihn, bin bereit, Vertrauen zu schenken, krame nach meinem Handy, entsperre die Tasten, reiche es ihm. Das Handy ist alt und wertlos. Das Guthaben nahezu aufgebraucht. Ich habe keine Angst vor einem Verlust. Keine Angst vor ihm.
Der Mann lächelt nicht, wirkt ratlos. Seine braune Haut wirkt im Dunkel der Nacht noch finsterer. 'Vielleicht ist er Inder.', mutmaße ich.
Mühevoll tippt er die gewünschte Nummer ein, jede einzelne Ziffer in dialektgefärbtem Englisch aufsagend. Als er fertiggetippt hat, zeigt er mir die Telefonnummer, bevor er anruft. Ich winke ab.
Er erreicht niemanden, nur eine Mailbox.
"Wrong Number?", frage ich.
Er schüttelt mit dem Kopf, probiert es nochmal. Diesmal ist die Nummer länger. Doch wieder erfolglos. Er gibt mir das Handy zurück, wirkt noch trauriger als zuvor, fragt mich nach Kleingeld, damit er es zu späterem Zeitpunkt nochmal probieren kann.
Ich habe kein Portemonaie dabei, versuche, dmich zu erklären, doch weiß nicht, wie ich "Portemonaie" übersetzen soll. Ich krame wieder in den Taschen meines Rucksacks, finde ein paar Fünf-Cent-Stücke, zeige sie ihm, bedaure, nicht mehr dabei zu haben.
Er zählt, nimmt das Geld.
"It's enough.", meint er und bedankt sich mehrere Male.
Ich verstaue mein Handy wieder im Rucksack und gehe weiter, in eine andere Richtung als er, drehe mich noch einmal um, sehe ihm hinterher.
Fremd in Deutschland. Allein. Ohne Geld und Telefon. Auf die Großherzigkeit anderer angewiesen. Ich wünschte, ich hätte ihm wirklich helfen können...
morast - 16. Mai, 04:49 - Rubrik:
Menschen
Nachts um vier sind die Straßen leer. Grau und blind betrachten mich gardinenverhangene Fensterscheiben, schlummern in fremden Welten. Irgendwo sehe ich Licht. Als ich mich nähere, erlischt es. 'Gute Nacht.', wünsche ich.
In einem Computerspielecenter töten vier nächtliche Kämpfer mit schweren Waffen finsteres Feindesgut, wirken erstaunlich aufgeweckt. Hinter Jalousinen flimmert blaues Licht, doch ich zweifle, ob das Fernsehprogramm um diese Uhrzeit sehenswert ist.
Taxis eilen vorbei, fremden Zielen entgegen. In der Ferne röhrt eine aufgemotzte Prollkarre, trägt matte Partygänger heim. Die parkenden Autos bilden blecherne Schlangen am Straßenrand, tote Maschinen, auf ihre Reanimation wartend. Zwischen ihnen schleicht eine Katze ihres Weges, der nächtlichen Ironie ergeben - mit grauem Fell. Weiße Blumen liegen auf einem Beifahrersitz, atmen durch einen schmalen Fensterschlitz. Etwas Kleines huscht über den Asphalt, verkriecht sich unter einem Fahrzeug, von meinen schweren Schritten vertrieben. 'Ein Marder?', frage ich mich, gehe auf die Knie, um unter das Auto zu blicken, doch sehe nichts, stehe auf, laufe weiter.
Es ist eine Nichtzeit zwischen den Feiertagen. Ruhende Menschen träumen sich Kommendem entgegen. Zu spät für ausgelassene Nachtschwärmer. Zu früh für Arbeitende und andere Aufsteher. Die Straßen und Gehwege sind leer.
Nur vereinzelt sehe ich andere Gestalten. Sie suchen die Distanz, den Blick starr und müde auf den Boden gerichtet. Der Himmel lichtet sich allmählich. Es wird Zeit heimzukehren.
morast - 16. Mai, 04:46 - Rubrik:
Wortwelten
"Ja, ich steh auf den Surfer."
"Ich find, er ist n Arsch."
"Nein. Nein, Mann. Er ist n Held. Er ist n Held.
Er rettet die Welt vor Galaktus.
Was dagegen?"
"Er ist verrückt.
Er könnte doch jederzeit abhauen. Er hat die komische Kraft."
"Weißt du, wieso er's nicht tut? Weil es ihm auf der Erde gefällt!
Er will den Leuten eben helfen."
"Ja, aber die wollen keine Hilfe. Die sind städnig hinter ihm her. Die Bullen, die Marines, ...
Er ist n Arschloch!"
"Hey, warum legst du dich nicht auf die Straße und pennst?"
[aus: Die Schöders - "Silver Surfer"]
morast - 15. Mai, 18:14 - Rubrik:
Farbenfroh
"Du bist irgendwie total redundant."
morast - 15. Mai, 13:22 - Rubrik:
Krimskrams
"Das ginge sicherlich noch optimaler..."
morast - 14. Mai, 13:52 - Rubrik:
Wortwelten
Die Zeilen verschwimmen vor den perlenbesetzten Augen, besetzen meinen Geist. Matt lege ich das Buch beiseite, versuche mich zu finden - irgendwo im Kosmos der Gegenwart. Es mißlingt. Die Leere erstickt mich. Die Stille erdrückt mich. Ich gebe ihr einen Namen: Einsamkeit. Flucht in den Lärm. Schweigen im Kopf. Taubheit der Seele. Meine Blicke blättern sich durch bunte Bilder, finden mich: lächelnd. Ungläubig betrachte ich mein leuchtendes Antlitz.
'Vielleicht sollte ich die Welt einlassen.', denke ich und öffne das Fenster.
[Im Hintergrund: Zadera - "Something Red"]
morast - 14. Mai, 12:23 - Rubrik:
Wortwelten
'Ich bin ein Träumer.', stellte ich fest - und erwachte.
morast - 14. Mai, 12:13 - Rubrik:
Geistgedanken
Auf einer der üblichen Bierzeltholzbänke sitzend, meine Begleiterin mit dem augenscheinlichen Genuß eines schokoladenüberzogenenen Weintraubenspießes quälend wunderte ich mich doch nicht wenig, als drei junge Menschen an uns herantraten. Sie waren allesamt ziemlich businessmäßig gekleidet und hätten seriös gewirkt - wäre da nicht dieses verdächtige Rosa gewesen.
Meine Begleiterin war gerade intensiv in das Verfassen einer Kurznachricht versunken, als eine der drei Personen, genauer: die einzige Frau, das Wort an uns richtete:
"Seid ihr bei D1?"
"T-D1, meinen Sie?"
"Ja, sicher."
Sie schaute mich entgeistert an, als gäbe es noch ein anderes
D1.
Ihre beiden männlichen Begleiter grinsten, scheinen eher Bewacher als Vertreter zu sein. Vielleicht noch nicht einmal Bewacher im Sinne von "Beschützern", sondern im Sinne von "Überwachern" von der Telekom abkommandiert, um der jungen Dame zuzuschauen, wie sie versuchte, wildfremden Menschen Mobilfunkverträge aufzuhalsen.
Sie erledigte ihre Arbeit nicht unbedingt gut. Schließlich war sie sichtlich nervös und stotterte. Auch mußte sie sich zu uns herunterbeugen, damit wir sie in dem Akustikrummel um uns herum überhaupt verstehen konnten, wodurch der Wind ihre Locken ins Gesicht wehte.
"Nein, wir sind nicht bei T-Mobile.", sagte ich. "Allerdings auch nicht interessiert."
Ich wendete mich ab. Meine Begleiterin war noch immer mit ihrer Kurznachricht zugange.
Doch die junge Dame gab nicht auf. Vielleicht wollte sie aufgeben, wurde aber von versteckten Waffen unter den Jackets der beiden hinter ihr Stehenden genötigt, ihr albernes Gespräch weiterzuführen.
"Aber ihr bekommt von mir eine Karte. Kostenlos."
Ich ignorierte sie. Meine Begleiterin setzte schon wieder zu einer iher
albernen Ausreden an. Doch die Telekom-Tante unterbrach sie.
"10 Euro. Ich schenke euch eine Karte mit 10 Euro Guthaben drauf."
"Nein, danke.", antwortete ich, ignorierte sie nun vollends.
Die beiden Bewacher wendeten sich ab. Das schien das Zeichen zu sein, daß sie genug gelitten hatte, denn jetzt wagte es auch die junge Frau, von uns abzulassen und den beiden zu folgen, die vermtulich schon das nächste Opfer aufgegabelt hatten.
Während die akustische Welt um uns herum in miesen Dancefloorohrwürmern, bassverdreckten Schlagerhits und lächerlichen Schlumpf-Coversongs versank, lauschte ich meinen Gedanken und versuchte eine Antwort auf die Fragen zu finden, wie armselig T-Mobile dran sein mußte, wenn sie junge Frauen dazu nötigte, auf Stadtfesten Mobilfunkverträge zu verticken, ob ich die Vertreterin von den vermutlich massiv bewaffneten Schlägern hinter ihr hätte befreien, erlösen sollen und ob meine Judokenntnisse aus der ersten und zweiten Klasse dazu ausgereicht hätten...
morast - 13. Mai, 18:53 - Rubrik:
Wortwelten
Das Wort des heutigen Tages sei Computersimulation.
Auf dem Magdeburger Stadtfest tummeln sich allerlei Stände und Gestalten. Dort findet man Riesenräder und Bierzelte, Süßkramläden und indianische Schmuckverkäufer, Hüpfburgen und Stadtbildverbesserer.
Stadtbildverbesserer?
Ja, tatsächlich. Auf dem Domplatz soll ein im Krieg zerstörtes Tor wieder aufgebaut werden, das Sterntor. Dazu bedarf es natürlich entsprechender Gelder. Mit ein paar wenigen Euro in Spendenform kann man sich glücklich schätzen, nicht nur etwas für die Stadt, sondern auch etwas für eigene Gewissen getan zu haben.
Meine Begleiterin, selber relativ spendenunwillig und haarsträubende Ausreden erfindend, interssierte sich dafür, fragte nach. Auf einer Karte wurde gezeigt, wo sich das Tor befunden hatte. Auch betrachteten wir mehrere qualitativ hochwertige Photographien des Tores aus jenen schönen Tagen, da das Tor noch stand und ein junger, dynamischer Schnauzbartträger das Sagen hatte...
[Ich schweife ab.]
Nachdem die Spendenaufruferin in meiner Begleiterin eine Zuhörerin gefunden hatte, begann sie zu berichten. In ihrem Monolog erwähnte sie mindestens drei Varianten, sich mit finanziellen Mitteln am Wiederaufbau des Sterntores zu beteiligen.
Die Ausreden meiner Begleiterin wurden immer fadenscheiniger - aber auch amüsanter. Underdessen war sie zu einem Aufsteller geführt worden, das den Domplatz zeigte.
Interessiert hörte ich der Spendensucherin zu:
"Und hier sehen Sie den Domplatz. Mittels einer Computersimulation [... applausheischende Pause ...] haben wir einmal nachgestellt, wie das Ganze aussehen wird..."
Moment mal! Computersimulation? Was wurde denn da "simuliert"?
Natürlich nichts!
Irgendjemand hatte eine der alten Photographien des Sterntores eingescant, in Photoshop oder Photopaint ausgeschnitten und auf eine neuere Photographie des Domplatzes geklatscht.
Und das noch nicht mal gut. Eigentlich sogar ziemlich schlecht.
Meine Begleiterin ließ sich einen Flyer geben, lehnte noch einmal das Spendengesuch ab und verabschiedete sich.
Ich schüttelte mit dem Kopf, als ich mir das Wort noch einmal auf der Zunge zergehen ließ. Computersimulation.
morast - 13. Mai, 18:20 - Rubrik:
Tageswort
Fang mich, solange ich noch falle.
morast - 13. Mai, 09:52 - Rubrik:
Geistgedanken
Aufzuwachen bedeutet für mich eigentlich nichts Gutes. Ein neuer Tag beginnt, angefüllt mit Pflichten und dem Wissen, daß ich diesen Pflichten nur unzureichend nachzukommen imstande sein werde. Sich aus dem Bett zu begeben, bedeutet, einem Trott zu folgen, der schon die Tage zuvor ungenießbar machte.
Und doch erwachte ich in den Morgenstunden der letzten Tage in erstaunlich guter Stimmung. Nachdem ich den nervigen Wecker mit gebührender Ignoranz vedrängt und es mir noch ein paar Minuten unter den kuschligen Decken bequem gemacht hatte, stahl sich stets ein Lächeln auf meine Lippen, das jeglichen Verdruß wegschwemmte, mich dazu bewegte aufzstehen und mein Möglichstes zu geben, diesen Tag mit Angenehmem zu befüllen.
Von mir selbst erstaunt fand ich mich dann stets unter der Dusche wieder, das Lied in meinem Kopf, den morgendlichen Ohrwurm trällernd.
There is no you, there is only me
There is no fucking you, there is only me
Nine Inch Nails mit "Only".
'Kein schlechtes Werk.', stellte ich heute fest, als ich mir mein Frühstück zubereitete.
Essen wirkt bei mir, solange es schmackhaft ist, prinzipiell positiv. Selbst wenn ich mich dagegen wehre, krampfhaft meine schlechte Laune zu verteidigen wünsche, kann ich nicht verhindern, daß eine deliziöse Mahlzeit imstande ist, meine Laune zu heben. [Zuweilen ertappe ich mich sogar dabei, wie ich mich selbst veralbere, indem ich mir nur deswegen etwas Leckeres zubereite, damit ich meinem Verdruß entfliehe.]
Meine Mitbewohnerin war schon wach, frühstückte ebenfalls. Kräuterbutter tropfte von der getoasteten Brotscheibe auf ihr Oberteil. Sie fluchte, schimpfte, verzog sich in ihr Zimemr, um die Kleidung zu wechseln, gesellte zusätzlichen Unmut zu ihrer ohnehin vorhandenen Morgenmuffelei.
Ich ließ mich nicht stören. Zwei Brötchen und ein halber Liter kakaopulverüberflutete Milch warteten auf mich.
'Manchmal wäre es das Beste, man könnte seinen Finger ausstrecken, den anderen berühren und die eigene gute Laune übertragen.', dachte ich, als meine Mitbewohnerin zurückkehrte, mißmutige Miene zeigend.
Ich lächelte ihr zu und spürte, daß es auch ohne Berührung gelang, daß mit jedem Wort, das ich von mir gab, ihr Unmut zu verblassen und meine wohlige Stimmung sich auf sie zu übertragen schien.
'Ein schöner Tag.', freute ich mich.
morast - 13. Mai, 09:28 - Rubrik:
Morgenwurm
Die Schaufensterscheibe spiegelte mein Äußeres wider. Ich lächelte mir zu.
'Wenigstens einer, der lächelt.', freute ich mich und dachte an die grimmigen Gesichter auf den Straßen. Runzelfalten und herabhängende Mundwinkel, wohin das Auge blickte.
Sicherlich, dem Himmel fehlte die Sonne. Doch auch dem Herzen?
Ich riskierte einen zweiten Blick. Das Schaufensterscheibengesicht lächelte noch immer. Die dazu gehörige Gestalt stiefelte mit federnden Schritten durch die Welt, zielgerichtet, doch gemächlich.
'Heute gefalle ich mir.', stellte ich fest.
An der Ampel blieb ich stehen, gesellte mich unter die wartenden Menschenmassen, warf einen Blick zurück auf das lächelnde Wesen im Schaufenster.
'Schlaksig.', kam es mir in den Sinn.
Das Wort gefiel mir, fühlte sich gut an, schien zu passen.
Die Ampel schaltete auf Grün, und eine schlaksige Gestalt schlenderte lächelnd über die Straße.
-
Das Wort des heutigen Tages sei also schlaksig.
Offensichtlich besitze ich eine Vorliebe für Wörter, bei denen sich Klang und Bedeutung perfekt zusammenfügen...
morast - 12. Mai, 14:51 - Rubrik:
Tageswort
Rumpelnd fuhr die Straßenbahn an mir vorbei, ratterte träge in ihren Gleisen, kam mit quietschenden Bremsen zu Stehen. Eine lärmende Kinderhorde wartete darauf, einsteigen zu können. Ich verstand keine Wort, nur kreischende Laute und das unaufhörliche Schimpfen einer Erzieherin. Ein Fahrradfahrer kämpfte sich durch die Meute, immer wieder penetrant klingelnd. Auf der anderen Straßenseite mühten sich vier Musikanten ab, dezibelintensive Klänge aus ihren glänzenden Blechblasinstrumenten zu pressen, den ratternden Preßlufthammer und die schallenden Rufe der Bauarbeiter zu übertönen.
'Was für ein Krach!', dachte ich angewidert und erhöhte die Lautstärke der Musik in meinem Ohr.
morast - 12. Mai, 14:38 - Rubrik:
Wortwelten
Auf der Erde leben rund sechs Milliarden [6.000.000.000] Menschen. Davon sind schätzungsweise die Hälfte [3.000.000.000] weiblich. Wenn man zugrundelegt, daß mein Interesse sich auf feminine Wesen der Altersstufe 20-30 Jahre beschränkt und behauptet, die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen betrüge weltweit 60 Jahre, dann kommt man zu dem Schluß, daß nur ein Sechstel aller Frauen für mich von Interesse sind, also 500.000.000.
Fünfhundert Millionen! Diese Zahl zu begreifen, bin ich nicht imstande.
Wievielen Menschen begegnet man während seines Lebens, wieviele sieht man? 100.000? Eine Million? Ich weiß es nicht. Doch fünfhundert Millionen sind unglaublich viele!
Erstaunlich, daß ich Single bin.
morast - 12. Mai, 14:30 - Rubrik:
Wortwelten
Amüsant.
Mir geht, obgleich ich weder das Lied noch den Interpreten sonderlich toll finde oder gar in letzter Zeit vernommen habe, den ganzen Morgen schon Clueso mit "Wart mal" durch den Kopf.
Wart mal!
Du kommst sowieso schon zu spät
Lass lieber chill'n
Wart mal
Du bist sowieso schon zu spät
Wozu noch gehn
All die Hektik, all der Stress
wär's da nicht besser wenn man's lässt...
Allerdings ist das Fazit des Songs, daß man "es" doch nicht sein lassen sollte, egal, ob zu spät oder nicht. Aber es ruhig angehen zu lassen, ist vielleicht gar keine so schlechte Idee...
Erstaunlicherweise finde ich immer wieder Teile der verlorengeglaubten Motivation in mir. Bin gespannt, wie lange das noch anhält und mich dazu bewegt, ein wenig fleißig zu sein.
Meine Mitbewohnerin erzählte mir eben, daß sie gestern statt geplanter sieben Stunden "nur" fünf Stunden in der Bibliothek verweilte, um zu lernen. Nun ja, davon bin ich weit entfernt [obgleich ich sicherlich insgesamt über den Tag verteilt durchaus auf eine ganz angenehme Stundenanzahl komme]; doch dafür fehlt ihr die Fähigkeit, einfach mal abschalten zu können. Wenn sie keine [sinnvolle!] Beschäftigung hat, fühlt sie sich nicht wohl. Und ich habe den Verdacht, daß sie das, womit ich vorwiegend meine Zeit verbringe, nicht als "sinnvoll" erachtet...
Im Gegensatz dazu schaffe ich es, auch in Momenten größter Anspannung eine Art innerer Ruhe zu finden. Die Welt ist nicht so wichtig, wie sie immer tut.
Laß lieber chill'n...
morast - 12. Mai, 09:09 - Rubrik:
Morgenwurm
Toll, wenn man bei Google morast eingibt, wird meine Seite als erstes angezeigt.
Auch ansonsten sind die Referrer steter Grund zur Belustigung.
Das bedeutsamste Wort ist wohl begleitservice, dicht gefolgt von morast und rattig.
Auch frage ich mich, wer nach folgenden Wörtern sucht:
ampelmenschen
klingelverlängerung
knutschfotos
glitzerbuchstaben
halsarmee
fickschlampe
scheißleute
Ansonsten erwähnenswert sind diverse Kombinationen, die durchaus zum Nachdenken anregen und zu der Gewißheit verleiten, daß Sex und Gewalt wahrlich anziehend wirken, egal, ob man wirklich darüber schrieb oder nicht.
ältere frau in strapsen
regenrinne automat
gelbe zettel am bildschirm
menschen im morast
schlüsselbund für ältere
telekom findet defekt bei telefonanschluss nicht
morast fans
sex in morast
handschellen aus handtasche
sie hockt über ihm und pinkelt
ich wünschte, ich könnte....
billiger sex
bilder gelangweilter schulkinder
nackte männer
waffenladen in venedig
Abschließend noch ein paar poetische Suchwortkombinationen, die mich doch ein wenig traurig stimmen...
wie ein schlüpfrig süßer wind
ich wünschte ich könnte
und
warum liebst du mich?
morast - 11. Mai, 20:18 - Rubrik:
Krimskrams
Bei Nadine in Berlin fand ich diesen Text und fühlte mich verpflichtet, meinen Senf dazuzugeben...
Bei uns in der Mensa werden gefüllte Pfandflaschen und gefüllte Nicht-Pfandflaschen verkauft. Die geleerten Nicht-Pfandflaschen stellt man in eine rote Kiste, von wo aus sie dann - hoffentlich - fachgerecht entsorgt werden. Jedoch gibt es immer wieder Mensa-Nutzer, die nicht wissen, daß die von ihnen erworbene Flasche nicht zu den Nicht-Pfandflaschen zählt, sondern eben zu den Pfandflaschen, die man in einen entsprechenden Automaten am Mensa-Ausgang stopfen kann, um dadurch den Pfand von 15 Cent zurückzugewinnen.
Bei jedem Mensabesuch schaue ich also in die rote Kiste, ob nicht jemand versehentlich eine Pfandflasche unter die Nicht-Pfandflaschen gemischt hat - und werde meistens fündig. Mein Rekord liegt bei vier [plus meiner eigenen] - an dem Tag war es von Vorteil, einen Mantel angezogen zu haben. Normalerweise jedoch erhalte ich jedesmal eine Flasche. Das sind immerhin 15 Cent.
Erstaunlicherweise jedoch wird dieses Verhalten, das Herausfischen der Pfandflaschen, von anderen Mensanutzern mit verächtlichen Blicken bedacht, als wäre ich ein sozial Deklassierter, der "es nötig zu haben scheint", als wären ihnen jene lächerlichen 15 Cent vollkommen egal und vor allem nicht wert, leere, aber ungereinigte Glasflaschen vor den Augen der übrigen, mißtrauisch Glotzenden von der roten Kiste zum Automaten zu transportieren.
Nicht selten werde ich mich spöttischen Worten bedacht oder mitleidig belächelt, als wäre ich ein deutliches Beispiel für die Erbärmlichkeit des heutigen Studentenlebens und gleichzeitig ein Zeichen dafür, wie gut es jenen geht, die keinerlei Mühe für die wenigen, überflüssigen Cents aufzuwenden müssen.
Doch wenn ich am Automaten stehe, meine gesammelten Flaschen hineinstelle und den Pfand in Fünf-Cent-Stücken im Münzauswurf fröhlich klimpern höre, als hätte ich soeben den Millionen-Jackpot gewonnen, fühle ich, daß ich recht habe, und das Lächeln eines Gewinners stiehlt sich auf meine Lippen.
morast - 11. Mai, 19:53 - Rubrik:
Wortwelten
Eben rief meine Oma an, erkundigte sich danach, wie es mir ginge. Ich war verwundert, klang doch ehrliche Besorgnis aus ihrer Stimme.
"Mir geht es gut.", sagte ich und meinte es ernst.
Und dann erinnerte ich mich.
-
Am Sonntag Nachmittag zelebrierten wir in kleinem Kreise ihren 75. Geburtstag. Es gab Schwarzwälder Kirschtorte und Rhabarber-[Dieses Wort muß ich immer wieder nachsehen...]Kuchen. Äußerst lecker. Dazu kredenzte meine Oma auf jeden persönlich abgestimmte Getränke. Während meine Großeltern "normalen" Kaffee trinken wollten, bevorzugte meine Mutter starken. Mein Bruder erhielt Milch, ich dagegen Tee.
Eine meiner favorisierten Teesorten ist Pfefferminz. Dessen war sich meine Oma bewußt und hatte einen entsprechenden Teebeutel ausgewählt. Allerdings mußte ich beim ersten Probieren des Tees feststellen, daß nicht nur dessen Farbe ungewöhnlich un-grün, sondern auch dessen Geschmack wenig pfefferminzig war. Ich glaubte, eine Spur von Kümmel schmecken zu können - durchaus nicht normal für Pfefferminztee - und fragte nach.
Sie spurtete in die Küche und kam mit der Pfefferminzteepackung zurück. In ihr befanden sich Teebeutel verschiedener Sorten - nur keine Pfefferminze.
"Brennesseltee.", las meine Oma, zog einen entsprechenden Beutel hervor und glaubte, die Lösung für den fremdartigen Geschmack meines Tees gefunden zu haben.
Ich blickte zweifelnd. Das war auch kein Brennesseltee.
Sie fischte einen weiteren Beutel aus der Packung. Dieser war extra verpackt, in eine Plastikhülle eingeschweißt.
"So einen hatte ich.", versicherte sie mir, "Ich mußte die Tüte extra aufschneiden, um an den Beutel zu kommen."
Ich nahm den Beutel in die Hand. Auf ihm waren allerlei blühende Kräuter abgedruckt.
"Abführtee" war darüber zu lesen.
Na toll.
Amüsiert probierte meinen Tee nochmal. Er schmeckte eigentlich ganz gut, vernachlässigte man das leichte Kümmelaroma. Meine Oma war schon aufgesprungen, mir neuen Tee zu kochen - Pfefferminz diesmal.
"Nicht nötig.", sagte ich und trank noch einen Schluck. Er schmeckte wirklich ganz passabel.
Noch immer zweifelnd setzte sich meine Oma wieder. Wir verspeisten große Teile des Kuchens, und ich trank gemütlich zwei oder drei Tassen Abführtee.
-
"Und?", fragte meine Oma nun am Telefon, "Mußtest du im Zug dauernd auf Toilette? Du bist ja derartiges nicht gewöhnt."
"Nee, nee.", lachte ich, gerührt von ihrer Sorge um mich.
morast - 11. Mai, 19:29 - Rubrik:
Wortwelten
Wenn ich ein Ziel habe, ein bedeutsames, beobachte ich jene, die in die gleiche Richtung eilen, frage mich, wohin sie gehen, stelle Vermutungen an, wie wahrscheinlich es ist, daß auch sie zu meinem Ziel wollen, zu der gleichen Feier, zu dem gleichen Konzert. Es spielt keine Rolle, wie weit das Ziel noch entfernt ist, wieviele Kilometer mich, uns, noch von ihm trennen, wieviele Abzweigungen noch dazwischen lauern, die anderen zu verschlingen und in andere Richtungen zu locken. Jeder ist verdächtig, wird gemustert, mit Fragen behaftet. Könnte es sein, daß...?
Ich sortiere aus, im Geiste, beobachte diejenigen, die übrig bleiben, schaue ihnen hinterher, wenn sie von meinem Weg abweichen, stelle fest, mich wieder geirrt zu haben - und freue mich darüber, letztendlich doch der einzige zu sein, der meinen Weg mit mir teilt.
Wenn ich Musik höre, wenn Kopfhörer mich von den Geräuschen der Außenwelt abschneiden, dann löse ich mich auf, versinke in den Klängen in meinem Ohr, gehe mit ihnen mit, kann mich nur mühevoll zurüclhalten, nicht mitzusingen, mich nicht zu bewegen, zu grinsen ob der guten Klänge.
Und ich gelange zu der Ansicht, daß nicht nur meine Außenwelt, nein, daß die gesamte existierende Welt verstummte, daß keinerlei Geräusche mehr vernehmbar sind, daß gesprochene Laute, Motorenlärm und Panflötengedudel nicht länger die Luft befüllen, sondern einzig und allein jene stumme Leere, die ich selbst noch von der Außenwelt vernehmen kann.
Und ich denke, daß alle anderen, alle Menschen um mich herum, die Musik in meinem Kopf hören, hören müssen, daß sie meine Stimmung, mein Hochgefühl, meine Trauer vernehmen, daß sie sich ebenso wie ich zurückhalten müssen, um nicht zu tanzen, zu springen, im treibenden Takt mit dem Kopf zu nicken. Und ich denke, daß alle anderen spüren, was ich spüre, daß wir eins sind inmitten der Geräusche in meinem Ohr, daß ich begriffen werde, während ich mich den Klängen hingebe.
Wenn ich die Augen öffne, die Sinne, erkenne ich die vorüberziehenden Menschen, die taub sind, nicht hören, nicht zu spüren scheinen, was ich empfinde, die woanders verweilen, andere Lieder hören, andere Töne, fern von mir, in ihrer Eigenwelt versunken.
'Jeder ist das Zentrum seiner Welt.', denke ich.
morast - 11. Mai, 13:49 - Rubrik:
Wortwelten
In den Ohren röhrt Musik. Lauthals kreischen die Gitarren, eine Finsterstimme singt wirre Worte in meinen Kopf. Die Welt verstummt hinter den Klängen. Ein Stummfilm, den ich nicht sehe.
Denn meine Blicke hängen an Buchstaben, an Worten, sind gefangen in den Zeilen eines Buches. Das Außen stirbt, verliert an Bedeutung. Menschen eilen vorbei, werfen Laute in die Luft - ich bemerke nichts, bin versunken in mir, in meiner Eigenwelt, abgekapselt, abgeschottet entflohen. Nichts dringt hinein, nichts will hinaus. Unfindbar verkrieche ich mich in Tönen und Worten.
Zuweilen hebe ich den Blick, lasse ihn schweifen über sonnenbeflutetes Umland, über bunte Schemengestalten, über fernstes Anderswo, finde nichts, suche nichts, kehre zurück zu mir.
[Im Hintergrund: Madrugada - "The Deep End"]
Den von meiner Mitbewohnerin
entliehenen Fernseher hatte ich längst zurückgegeben, als ich heute Morgen meinen - normalerweise als CD-Abspielgerät genutzten und deswegen an Verstärker und Boxen angeschlossenen - DVD-Player anschaltete, erwartend, von irgendeiner Audio-CD mit angenehmen Klängen versorgt zu werden.
Doch noch immer weilte die montägliche DVD in dem Player und gab nun die zum Film gehörenden Töne von sich. Zuerst wollte ich das Datenmedium wechseln, dann entsann ich mich eines Besseren - und hörte zu.
Und tatsächlich [wenn man sich der wenig komplexen Handlung des Filmes entsann und die Bilder vor dem geistigen Auge abzurufen vermochte oder eigene Bilder erschuf], war es eine Freude, dieses Hörspiel nebenbei laufen zu lassen.
[Sicherlich lenkte es ab, doch nicht genug, um mich von meiner - erstaunlicherweise motviationsbefüllten - Arbeit abzuhalten.]
Ich bin entzückt und nehme mir vor, in Zukunft öfter mal DVDs
anhören zu wollen...
morast - 11. Mai, 10:31 - Rubrik:
Wortwelten
Das Bedeutsame auf den nächsten Tag verschiebend legte ich als abendlichen Höhepunkt die Mahlzeit fest: Rührei mit perfektem Toast.
Und tatsächlich, es gelang. Die Rühreier schmiegten sich wohlig an die Pfannenoberfläche, bildeten eine Masse von angenehmer Konsistenz, die zu salzen ich allerdings vergaß. In stiller Vorfreude warf ich die beiden Scheiben Samy Super Sandwich in den Toaster und erwartete gespannt das Ergebnis, während die Eier allmählich ihrer Vollendung entgegenbrutzelten.
Mit flinken Handgriffen fischte ich die appetitlich brauen Toastscheiben aus dem Röstgerät, legte sie auf den Teller und gesellte die Rühreimasse hinzu. Schnell noch ein paar einigermaßen frische Petersilienkrümel hinzu - und das Abendbrot konnte beginnen.
Und wirklich, es mundete. Den Salzstreuer ausgiebig benutzend veschaffte ich dem Essen noch den letzten Schliff, genoß dessen vollendeten Geschmack.
Im Nu hatte ich das Ei verzehrt. Nur ein kläglicher Rest zierte noch meinen Teller. Auch von den Toastscheiben war nur noch ein Stückchen übrig, als mir ein unangenehmer Geschmack auffiel. Irgendwie abgestanden, muffig - schimmlig.
'O nein!', dachte ich entsetzt, betrachtete die unscheinbaren Reste, meiner Mahlzeit, die darauf hindeuteten, wieviel davon schon in meinem Leib verschwunden war, wieviel Schimmel ich womöglich schon verspeist hatte.
Panisch unterzog ich das übriggebliebene Toastbrot einer genaueren Untersuchung, doch fand nichts. Auch das Ei schien unversehrt von Schimmel. Hatte ich mich getäuscht?
Ich aß weiter, verdrängte den Ekelgeschmack, biß noch einmal in die Toasbrotscheibe.
Da war es wieder!
Angewidert spie ich den Brotklumpen aus, spülte den muffigen Geschmack mit Wasser aus meiner Mundhöhle.
'Ekelhaft!'
morast - 10. Mai, 22:49 - Rubrik:
Wortwelten
Nichts geschah. Nichts, was einer Erwähnung würdig ist.
Na gut, John Irving zählt nicht zu den Autoren, deren Lektüre wertlos ist, seine Romane nicht unbedingt zu den Dingen im Leben, die man als unbedeutend bezeichnet. Doch ich verbrachte den Tag mit nichts anderem, wenn man unzureichende Nahrungsaufnahme und allzu häufige Mailpostfachabfragen vernachlässigt. Stetiger Begleiter waren die beiden unerledigten Hauptsorgen, die nicht verschwinden würden, nur wachsen, sich potenzieren, je länger ich sie verdrängte. Doch Verdrängen ist meine Spezialgebiet. Gute Musik bietet eine willkommene Geräuschkulisse, übertönt die drängenden Stimmen im Kopf. Nur noch soundsoviele Minuten, soundsoviele Seiten, nur noch diese kleine Ablenktätigkeit.
Seit heute morgen lese ich. Der Roman ist noch lang; ich könnte mindestens noch den morgigen Tag damit befüllen, mich in ihn zu verlieren. Doch dann, anschließend, bräuchte ich einen neuen Halt, eine neue rosafarbene Brille, die mich die Welt vergessen läßt.
Oder den Mut, endlich zu beginnen, was längst fertig sein sollte.
morast - 10. Mai, 21:28 - Rubrik:
Wortwelten
reglos
rastlos
halt den stillstand
fang mich kriechend
wenn du kannst
denk mein denken
sei mein leben
geh voran
so du vermagst
wag die schritte
spreng das wollen
stürz hinauf
verblende mich
find das fliegen
meine welten
sei mein führer
leben
ich.
www.bluthand.de
[Im Hintergrund:
Dornenreich - "Bitter ist's dem Tod zu dienen"]
morast - 10. Mai, 15:08 - Rubrik:
Seelensplitter
Hin- und hergerissen zwischen den Optionen, ins Kino zu gehen oder eine DVD zu entleihen, versuchten G und ich, etwas Zeit in den ansässigen Musik- und Filmwarenläden zu vertreiben, hatten wir uns doch schon fast dazu durchgerungen, gegen 20 Uhr "The Ring 2" betrachten zu wollen. Eine schwere Entscheidung in Anbetracht der Alternativen "Königreich der Himmel" und "Die Dolmetscherin", da uns keiner der drei Filme - und diese repräsentierten die auswählbaren Gutfindmöglichkeiten unter dem ganzen wenig überzeugendem Filmangebot des Lichtspieltheaters - wirklich anzusprechen vermochte. Mittels eines raffiniert ausgeklügelten Punktesystems kürten wir "
The Ring 2" [bzw. "o2", wie ich ihn nannte] zum Sieger, verloren allerdings die prinzipielle Entleihbarkeit von DVDs nicht aus den Augen. Allerdings sei erwähnt, daß die letzten Videotheksbesuche stets in einer "Vom-Schlechten-Das-Beste-Nehmen-Müssen"-Auswahl geendet hatten, weswegen wir diesbezüglich Vorsicht walten ließen.
Kurz und gut. Sowieso inmitten der Innenstadt verweilend, neigten wie dazu, dem erwählten Kinofilm den Vorzug zu geben. Es war halb acht, und mit einiger Überzeugung wußten wir zu behaupten, daß Kinofilme stets gegen 20 Uhr begonnen wurden, was uns die Möglichkeit gab, noch ein wenig schlendernd durch die erwähnten Läden zu streifen.
"Sag mir, daß ich nichts kaufen will, wenn ich etwas kaufen will.", forderte ich G auf, überfällige Sparmaßnahmen einleitend.
Im "Müller" druchstöberten wir Metal-CDs, einigten uns auf die Negativität der Monotonie der musikalischen Ergüsse von Dark Throne, amüsierten uns über ein Ozzy-Album, das diesen als düsteren Prinzen betitelte, lauschten einem schrecklich unguten HIM-Liveauftritt und verliefen uns dann in die DVD-Abteilung. [Amüsant: "From Hell" für 6,66 Euro.]
Plötzlich: Eine Entdeckung. "
The Powerpuff Girls Movie" für nur 4,95 Euro! Das konnte doch nicht wahr sein! Sowohl G als auch ich waren schon längst bekennende Anhänger der süßen kleinen Zeichentrickfigürchen, hatten unabhängig voneinander zu dieser Serie gefunden und waren voller Faszination an ihr hängengeblieben. Besonders
Bubbles, das niedlichste der drei Powerpuff Girls, hatte es uns angetan.
Erst vor kurzem hatten wir erfahren, daß es einst einen Kinofilm gegeben haben mußte, wollten aber amazon.de für derartige Albernheiten kein Geld in den Rachen werfen. Doch nun begegneten wir dem Film, begegneten wir einer DVD der entzückenden Powerpuff Girls, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, den Tag noch vor dem Schlafengehen zu retten.
Der Preis 4,95 Euro überzeugte uns, und wir nahmen die DVD mit. Zwei finster gewandete Mitzwanziger mit einem knuffigen Zeichentrickfilm in der Hand - Grund genug für eine verhüllende Plastiktüte.
Nun aber konnte "o2" beginnen. Wir stiefelten zum Kino, in die Eingangshalle, betrachtetenden die Vorstellungsausweisenden Monitore. "The Ring 2 - 22.45 Uhr". Mist.
Es war zehn vor Acht. Ein Zeitplan mußte her:
Kurzer Abstecher zu real. Spätestens 20 Uhr raus. Straßenbahn erwischen. Heimfahrt. 20.30 Uhr. Fernseher organisieren. Powerpuff-DVD schauen. 22 Uhr. Zum Kino fahren. 22.30 Uhr. Perfekt.
Nur widerwillig rückte meine Mitbewohnerin ihren Fernseher raus, wollte sich an der Filmbetrachtung beteiligen, zog sich dann aber zurück, als sie von den "Powerpuff Girls" hörte. Sie kannte die Serie nicht, kannte nicht ihren Reiz, doch fehlte ihr die Neigung zu Zeichentrickfilmen im allgemeinen.
Der Film war klasse. Bubbles wundersüß. Sicherlich beinhaltete der Film nicht viel mehr als eine Serienepisode in Spielfilmlänge, doch war er maßgeblich wichtig für alle Freunde der Powerpuff Girls, wurden doch die Anfänge erläutert, die Zusammenhänge zwischen Mojo Jojo, der früher nur Jojo war, und dem Professor, die Ursache der Entstehung der Sternwarte auf dem Vulkan, die Mojo Jojo als Domizil dient, ja sogar die Einrichtung des Notfalltelefons [mit großen Kulleraugen und einer rot blinkenden Nase].
Ja, es war ein Film für Kinder [FSK ab 6], wenngleich einige Szenen doch erstaunlich brutal waren [für Kinder, meine ich]. Ja, es gab keine tiefsinnig-philosophische Handlung. Ja, es war "nur" ein zeichentrickfilm.
Aber er war toll, niedlich, überzeugend.
Und als hätte das nicht gereicht, gab es auch noch wenige, aber exquisite DVD-Extras zu bewundern. Insbesondere die Interviews mit den "Darstellern" waren äußerst amsüsant...
Doch ich schweife ab.
Ich brachte den Fernseher zurück, so daß meine Mitbewohnerin sich noch in den Schlaf flimmern lassen konnte, und wir begaben uns zum Kino.
Bepackt mit Tortilla-Chips betraten wir Saal 2. Er war leer - und sollte auch während des gesamten Films nur von uns beiden besetzt sein. Unheimlich.
Die unangenehmen Produktinformationen überbrückten wir, in dem wir versuchten, möglichst schnell zu erraten, welche Ware beworben wurde. Aus diesem Spiel ging allerdings kein eindeutiger Sieger hervor. Es folgten die üblichen Filmtrailer und dann - endlich - der Film.
"The Ring 2" war langweilig, öde, voraussehbar. Nicht spektakulär, für einen Horrorfilm mit erstaunlich wenig Schreckmomenten bestückt. Das Mädchen aus dem Bbrunnen hatte seinen Grusel verloren. Nur der komische kleine Junge, der eigentlich auf der guten Seite stand, war mir unsympathisch.
Insoweit es sinnvoll ist, über Horrorfilmhandlungen zu meckern, will ich das hiermit praktizieren. Schließlich war zwar die Heldin des Filmes so schlau gewesen, nach tiefergehenden [in Teil 1 nicht erfaßten] Ursachen des Horrors zu forschen, gab sich aber schnell mit halben Ergebnissen zufireden, die einen dritten Teil ahnen ließen. Auch agierte sie absolut widersprüchlich ["Ich rette das Mädchen aus dem Brunnen, indem ich sie freilasse, dann sehe ich, was ich angerichtet habe, opfere meinen Sohn, der dann aber doch weiterlebt. Ich muß festsellen, daß das Mädchen aus dem Brunnen - Samara [Der Name erinnerte mich übrigens die ganze Zeit an einen alten
Lada.] - auch noch weiterspukt, so daß ich als Heldin und Mami gezwungen bin, mich selber zu opfern, im Brunnen lande, mich zur Verfügung stelle, es mir dann aber doch anders überlege, abhaue und Samara genauso einsperre, wie es ihre Adoptivmutter einst tat - und damit zur Fluchkreation beitrug."] und albern.
Einzig der Samara-Brunnenwand-Kletterstil war erwähnenswert positiv.
Wir verließen das Kino mit entsprechender Enttäuschung, stellten fest, daß um diese Uhrzeit auch keinerlei öffentlicher Personennahverkehr als wegverkürzendes Transportmittel zur Verfügung stand, und liefen nach Hause, innerlich besänftigt durch das Wissen, zwar mit "o2" einen miesen, ab mit "The Powerpuff Girls Movie" einen wirklich guten Film gesehen zu haben.
Und wieder haben die
Powerpuff Girls den Tag gerettet...
morast - 10. Mai, 13:13 - Rubrik:
G
Auf dem Hallenser Bahnhof hatte der Frühling Einzug gehalten. Überall grünte es: Polizisten hatten sich demonstrativ an strategisch bedeutsamen Positionen hingestellt und beobachteten gelangweilt ihre Umgebung. Hin und wieder gesellte sich etwas Blau hinzu: Der Bahnhofssicherheitsdienst oder ein paar redefreudige Schaffnerinnen.
Ich hatte meinen Zug verpaßt. Um zwei Minuten. Bis zum nächsten war noch Zeit. Gelassen orderte ich beim Fahrkartenautomat ein Ticket, beobachtete nebenbei die Polizisten. Diese schauten nur, bewegten sich kaum, wirkten präsent aber nicht bedrohlich.
'Was wollen die hier?', fragte ich mich. 'Findet heute irgendein bedeutsames Fußballspiel statt?'
Ich wußte es nicht, wagte auch nicht, einen der Grünuniformierten mit einer entsprechenden Frage zu belästigen. Schließlich bin ich kein Sensationstourist.
Der Buchladen hielt wenig Interessantes bereit. Ich verließ ihn schnell wieder, mich daran hindernd, Geld auszugeben, das ich nicht hatte. Die Polizisten standen noch immer an gleicher Stelle. Wie festgewachsen. Bewegten sich träge im Wind der Vorbeieilenden.
Ich suchte nach einer freien Bank, auf der ich mich plazieren und in mein Buch vertiefen könnte, fand keine. Überall saß schon jemand.
'Na gut.', dachte ich, 'Dann begebe ich eben schon auf den Bahnsteig, setze mich dort irgendwohin.'
Kaum hatte ich mich in Richtung des Bahnsteigs gewandt, sah ich in einem Café einen älteren Mann stehen. Keine wirklich gepflegte Erscheinung. Auf dem kleinen Tisch vor ihm dampfte ein Kaffebecher. Eine Schachtel Zigaretten und ein billiges Einwegfeuerzeug leisteten stumm Gesellschaft.
Ich wollte mich schon abwenden, als mein Blick auf den Barhocker fiel, neben dem der Mann Stellung bezogen hatte. Auf diesem, allerdings nicht auf der Sitz, sondern auf der Fußabstellfläche, lag eine Kamera, eine uralte Leica mit einem monströsen Objektiv. Dieses war allerdings mit zahllosen Aufklebern verunziert, was einerseits auf dessen Alter, andererseits auf die Geschmacklosigkeit des Besitzers hindeutete.
'Ein Fotograf?', dachte ich und sprach ihn an.
"Hallo. Ist hier denn irgendwas los?"
"Nee, nee, nur das Übliche."
Und dann begann sein Monolog. Er berichtete von Bahnhofssicherheitsvorkehrungen [zu denen regulär allerdings meiner Meinung nach kein derart immenses Polizeiaufkommen gehört], von Gepäckdiebstählen, von einer Methode, sich gegen Gepäckdiebstahl zu sichern, indem man einen alten Fahrradschlauch aufschlitzte, einen Draht darin einspannte und das Ganze zu einer Art Schlaufe formte. Er erzählte mir, wann und wo besonders viel geklaut wurde, wo die Leute am wenigsten aufpaßten, daß schon ganze Küchen und Wohnzimmer [Ich brauchte eine Weile, um zu begreifen, daß damit keine komplett eingerichteten Zimmer, sondern die in Pakete verpackten Möbelstücke gemeint waren.] abhanden gekommen seien. Und dann schweifte er ab, erzählte davon, daß man in solchen Fällen einen Fotografen brauchte, daß man sich an die Presse wenden möge, verwechselte Bahnhof mit Flughafen, erzählte, daß er sei 1977 "dabei" sei, ebenso wie seine Vorfahren, daß die Studenten ja heutzutage alle kein Geld hätten, weil sie 500 Euro bezahlen müßten. Er gab mir Tips, wie man zu Geld käme, redete von lukrativen Einkunftsmöglichkeiten mittels eines Quads oder gar im Polizeiorchester. 'Bei der Polizei und bei Militär. Da ist das Geld zu holen.', meinte er.
Aus seinem nikotingelben Bart quollen unzählige Worte hervor, trieben von einer Thematik zur nächsten, so daß ich Mühe hatte zu folgen. Ich nickte immer nur wieder, stimmte zu, ergänzte seine Standardfloskeln mit weiteren.
"Das ist halt so.", "Da kann man nichts machen.", "Naja...", "Tatsächlich...?"
Ich kam mir wie ein Lügner vor, begriff längst nicht mehr, was der alte Mann denn nun erzählte, wußte aber, daß ich keine Antwort auf meine Frage nach der enormen Polizistenanzahl auf dem Bahnhof erhalten würde.
Von einem Bahnsteig strömten Menschenmassen. Auffallend viele Gestalten, die ich politisch rechten Bereichen zuordnete, verweilten unter ihnen, begleitet von grüngewandeten Polizisten in bulligen Schutzwesten und Helmen.
'Tag der Beftreiung.', ging es mir durch den Kopf, 'NPD-Demo.'
Der alte Mann holte gerade Luft.
Ich warf einen Blick auf meine inexistente Uhr.
"Ich muß los.", log ich, "Mein Zug..."
Er nickte mir zu, verabschiedete mich mit einer kumpelhaften Geste und verschwand bald hinter dem Getümmel der Kahlköpfigen und Behelmten.
morast - 9. Mai, 15:17 - Rubrik:
Bahnbegegnungen
Auf dem Mensatisch entdecke ich einen Flyer.
Am Dienstag, 10. Mai sei der "Bundesweite Tag der Aktienkultur", entnehme ich ihm.
"Bundesweiter Tag der Aktienkultur?", frage ich empört in die Runde, "Bitte, was ist denn das für ein alberner Schwachsinn?"
"Wieso?"
"Da kann man ja gleich den Bundesweiten Tag der Trapezförmigen Elefantenspringbrunnen initiieren!"
"Der ist doch am 06. Juni."
"Ach so."
morast - 9. Mai, 14:27 - Rubrik:
Krimskrams
morast - 8. Mai, 23:36 - Rubrik:
Farbenfroh
Fischers Fritz frißt frische Fische.
morast - 8. Mai, 23:17 - Rubrik:
Wortwelten
Heute war ich am Grab.
Wenn es um designtechnische Ansprüche geht, habe ich immer zu meckern. Nun ja, nicht zu meckern. Aber mir fällt immer etwas auf oder ein, das verbessert oder zumindest kritisiert werden könnte. Immer. An mir. An meinen Werken. Und natürlich an denen anderer.
Meine Mutter, mein Bruder und ich hatten den Grabstein zusammen ausgesucht. Sie hatte konkrete Vorstellungen, wir beiden nicht. Und doch waren wir schnell einig geworden, gaben meiner Mutter recht, widerprachen ihr, fanden bald eine Steinsorte, eine Steinform, die uns alle befriedigte [insoweit Grabstein Befriedigung verschaffen können].
Die Inschrift sollte kurz gehalten werden. Vorname, Nachname, Geburtsjahr, Bindestrich, Sterbejahr. Meine Mutter wünschte es so. Ich sinnierte darüber, sinnierte über die Angabe des genauen Datums, über die Angabe der zusätzlichen [nie genutzten] Vornamen. Und entschied mich dagegen. Gab meinem Bruder, gab meiner Mutter recht.
Sie wollte Platz lassen. Für sich.
Auf dem Grabstein ihres Mannes sollte Platz gelassen werden für ihren eigenen Tod, den ich mir in weiter Zukunft vorstellte, ja eigentlich nicht vorzustellen vermochte. 50 ist kein Alter.
Na gut, 47 auch nicht.
Ich war dagegen, protestierte, fand es lächerlich und unästhetisch zugleich. Eine leere Hälfte, die auf den Tod meiner Mutter wartete. Das ängstigte mich.
Sie ließ sich überzeugen. Nicht von mir. Aber von den Steinmetzen. Immerhin.
Nur die Schriftart mußte noch ausgewählt werden. Zu diesem Zeitpunkt war ich fern. 100 Kilometer weit weg.
Ich hatte meine Vortsellungen geäußert. Kein sinnloses Geschnörkel, nichts Altmodisches. Meine Mutter gab mir recht. Mein Bruder sowieso.
Heute war ich am Grab.
Die Schriftart sah anders aus als in meinem Kopf. Doch nach zwei, drei Blicken stellte ich fest, daß sie gut aussah, paßte. Zum Stein. Zu meinem Vater.
Vielleicht hätte man Kapitälchen nehmen sollen, dachte ich. Und verwarf den Gedanken. So wie es war, war es gut.
Ich hatte nichts zu meckern. Schwieg. Weinte.
Auf dem Grab standen drei Schalen. In ihnen welkten Blumen vor sich hin. Ein trauriger Anblick. Gehendes Leben über gegangenem.
Ich hatte keine Blume mitgebracht. Wollte keine Vergänglichkeit auf dem Grab niederlegen. Höhnisch wäre ich mir vorgekommen. Falsch. Ich überlegte, ob mein Vater Blumen gewünscht hätte, wußte es nicht.
Alles ist vergänglich, wurde mir bewußt. Warum also keine Blume? Das nächste Mal, versprach ich mir. Tut mir leid, entschuldigte ich mich.
Ich hockte vor dem Stein. Der Weg war zu schmal. Mein Rücken streifte den Grabstein hinter mir. Weitere Tränen warteten in meinen Augenwinkeln.
Ich redete. Redete unsinniges Zeug. Redete mit einem Stein. Weinte.
Bei der Beerdigung hatte ich festgetsellt, daß ich niemals akzeptieren können würde, daß er, sein Leib, in Pulverform ein Metallgefäß füllen würde, irgendwo unter mehreren Lagen Erde. Nicht er, nur irgendetwas, das an ihn erinnern sollte, vielleicht. Nicht er.
Und nun redete ich mit einem Stein. Spürte, wie sehr er mir fehlte. Fand keine Worte. Redete trotzdem. Weinte wieder.
In vielen Momenten ist er mir nah, begegnet er mir. Bilder aus der Vergangeneheit. Ich erfreue mich daran. An jedem einzelnen. An jeder Erinnerung.
Doch hier ist Erinnerung Schmerz, Leere, Ewigkeit. Das Bewußtsein über die fehlenden Schritte zurück. Das Wissen von einer unvollständigen Zukunft.
Liebe, die brennt und kein Echo mehr findet.
Als ich gehe, perlen noch immer Tränen über meine Wangen.
morast - 8. Mai, 23:16 - Rubrik:
Wortwelten